An dieser Stelle, von einer guten Freundin des Blogs zusammengetragen – und mit ihrem Copyright versehen – eine kleine Argumentation gegen einen Joachim Gauck als Bundespräsidenten. Ich empfehle jedem, diese Argumentation gut durchzulesen und zu reflektieren. Zuviel hängt davon ab, ob wir demnächst einen bekennenden Faschisten als Staatsrepräsentant haben oder nicht.

Gegenargument 1: Schwarzbuch des Kommunismus = Totalitarismustheorie

Gauck ist nicht nur überzeugter Anti-Kommunist – damit könnte man ja zur Not noch leben.
Gauck ist Mitherausgeber einer deutschen Neuauflage des „Schwarzbuch des Kommunismus“.

Funktion: Verharmlosung des Nationalsozialismus, Infragestellen der Einzigartigkeit des Holocaust

Die Hauptaussagen lauten:
Der Kommunismus kann als räumlich und zeitlich einheitlich begriffen werden, eine Differenzierung ist nicht notwendig: ‘Stalinismus und Kommunismus, das ist dasselbe’
• Die Idee einer sozialistischen Revolution ist von Anfang an verbrecherisch, weil sie die bürgerliche Klasse für historisch überholt erachtet und so deren Liquidierung als Klasse gerechtfertigt wird
• Die Totalitarismus-Theorie ist der Analyse-Rahmen; es gibt einen ‘Klassentotalitarismus und einen ‘Rassentotalitarismus’, die zu ‘Klassengenozid’ und ‘Rassengenozid’ führen
• Der Rassengenozid der Nazis ist also kein singuläres Verbrechen; im Gegenteil ließen sich die Nazis bei den ‘Techniken der Massengewaltausübung von den Kommunisten …inspirieren’
• Dagegen sind die Opfer des Kommunismus schlimmer dran als die des Faschismus: ‘Im Unterschied zur jüdischen Tragödie – die internationale jüdische Gemeinde hält die Erinnerung an den Völkermord wach – war es den Opfern des Kommunismus und ihren Angehörigen lange verwehrt, das Gedächtnis des tragischen Geschehens in der Öffentlichkeit zu pflegen, da jegliche Erinnerung oder Rehabilitationsforderung verboten war.’
• Daran schuld sind zwei Gruppen: ‘Israel benutzt gewisse Dinge, um international Politik zu treiben’. Und: die Linke, die immer noch nicht mit der Idee der Revolution abgeschlossen hat, statt Trauerarbeit zu leisten und die Verbrechen des Kommunismus endlich mal wahrzunehmen. 70 Jahre Stalinismus-Kritik der Linken von Trotzki über Korsch, Lukacs, Marcuse bis Mandel und wie sie alle heißen haben ihren Weg in die maoistische Gummizelle offensichtlich nicht gefunden

Die Juden sind schuld. “Die internationale jüdische Gemeinde hält die Erinnerung an den Völkermord wach” – während die Erinnerung an die Opfer des Kommunismus den Überlebenden und ihren Angehörigen “lange verwehrt” gewesen sei. Haben die Juden auch dabei die Hand im Spiel gehabt? Wie auch immer, es zählt das Ergebnis: “Nach 1945 erschien der Genozid an den Juden als das Paradigma moderner Barbarei, und zwar so sehr, daß er allen Raum für die Wahrnehmung von Massenterror im zwanzigsten Jahrhundert beanspruchte.” Der zweite Teil des Satzes ist nachweislich falsch; die mehr als deutlichen Anspielungen auf den “jüdischen Einfluß in der Welt” zeigen, daß Courtois das antisemitische Ressentiment zu nutzen weiß.

Auch Gauck zieht in seiner Biografie Vergleiche zwischen NS und DDR-Diktatur:
„Als Herrenmenschen hatten viele Stasi-Offiziere [...] gelernt ihre Ellenbogen einzusetzen.“ „Es hat wohl noch keine Gesellschaft [...] gegeben, die den Verrat als Teil der selbstverständlichen Loyalität gegenüber dem Staat akzeptiert hätte. [...] Selbst in der NS-Zeit ist die geheime Zusammenarbeit mit der Gestapo nicht als selbstverständlich betrachtet worden.“ Der Protest der Studenten für Heinrich Fink erinnerte Gauck „an die Haltung der westdeutschen Gesellschaft in den fünfziger Jahren, als Konrad Adenauer [...] aus den NS-Verstrickungen seines engen Beraters Hans Globke keine Konsequenzen ziehen wollte“.

In seiner Biografie lässt Gauck das Thema „Schwarzbuch“ übrigens einfach aus.

Quellen:
(S. Courtois, N. Werth, J. L. Panne, A. Paczkowski, K. Bartosek, J. L. Margolin, J. Gauck, E. Neubert: Das Schwarzbuch des Kommunismus – Unterdrückung, Verbrechen und Terror. Piper Verlag, München 2004, ISBN 3-492-04053-5.)

http://www.zeit.de/1998/2/titel.txt.19980604.xml?page=1

http://www.spsh.de/texte/endlagerung.html#5

http://www.akweb.de/ak_s/ak419/13.htm

http://www.christoph-fleischmann.de/pages/de/archiv_zum_lesen/rezensionen/813.htm

Gegenargument 2: Kumpanei mit Protagonisten der “Neuen Rechten” = Extremismustheorie

Den „Extremismusforscher“ Eckard Jesse und Joachim Gauck verbindet scheinbar viel:

Gauck taucht auf der ReferentInnenliste des neurechten Veldensteiner Kreises auf und Gauck hielt 2000 an der TU Chemnitz einen Beitrag in einer Vorlesungsreihe am Lehrstuhl von Jesse.

Die Extremismustheorie geht davon aus, dass es eine demokratische Mitte gibt, die durch extreme Ränder bedroht ist. Dabei setzt Jesse Links und Rechts gleich und kritisiert auch, dass der »Linksextremismus« in Deutschland viel weniger wahrgenommen wird als der »Rechtsextremismus«. Doch nicht nur der »Linksextremismus« ist Jesse ein Dorn im Auge. 1990 veröffentlichte er gemeinsam mit Rainer Zitelmann den Sammelband »Schatten der Vergangenheit – Impulse zur Historisierung des Nationalsozialismus«. Jesse forderte darin das Ende der »selbstquälerischen Form der Vergangenheitsbewältigung «. Dass sich die Deutschen endlich vom Joch des Nationalsozialismus befreien und einen Schlussstrich in Sachen Geschichte ziehen solle wird als Ziel angesehen. Gleichzeitig verfolgte Jesse das Ziel, den Deutschen eine ganz besondere Angst nehmen: »Die Angst, man könne als Antisemit abgestempelt werden, erscheint geradezu
übermächtig«, schrieb er in »Schatten der Vergangenheit« und beklagte eine »vielfach privilegierte jüdische Position in der Bundesrepublik«. Auch anderswo: Wer »auf den starken jüdischen Einfluss in den USA verweist«, sei »noch längst kein Sympathisant des Antisemitismus«. Oder andersherum: Antisemiten sind die eigentlichen Freunde der Juden, denn, so der Extremismusforscher: »Jüdische Organisationen brauchen
Antisemitismus in einer gewissen Größenordnung, um für ihre Anliegen Gehör zu finden …« Damit bediente Jesse gängige antisemitische Klischees, wie z.B. den großen Einfluss der Juden in der Weltpolitik.

»Als linksextremistisch gilt vielfach nur noch eine gewalttätige Variante, als rechtsextremistisch hingegen bereits jede Form der ›neuen Rechten‹. Wer im Neuen Deutschland einen Artikel schreibt, kommt ›ungeschoren‹ davon; wer der Jungen Freiheit ein Interview gibt, provoziert eine Kampagne.« Mit anderen Worten: Anstatt sich gegen Nazis und ihr ideologisches und organisatorisches Umfeld zu engagieren, solle man sich in Deutschland wieder stärker gegen Links wenden.

Mehr Infos zu Jesse: http://ki23.blogsport.de/2007/10/19/der-totale-experte-professor-eckhard-jesse/

„Der “Veldensteiner Kreis zur Geschichte von Extremismus und Demokratie” ist eine seit 1990 zweimal jährlich zusammentretende Diskussionsrunde von Zeithistorikern, Politik- und Sozialwissenschaftlern, die sich der Erforschung von Extremismus und Demokratie in Geschichte und Gegenwart widmen. Themenschwerpunkte bilden die NS-Diktatur, das SED-Regime und die extremistischen Strömungen des 20. und 21. Jahrhunderts.“
Mitglieder des »Veldensteiner Kreis« sind Nationalrevolutionäre, Geschichtsrevisionisten und andere Stichwortgeber der neuen Rechten. Er wird von Prof. Dr. Eckhard Jesse (TU Chemnitz), Prof. Dr. Uwe Backes (Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung Dresden) und Prof. Dr. Werner Müller (Universität Rostock) organisiert.

Quellen:

http://www.tu-chemnitz.de/phil/politik/pspi/jahrbuch/veldensteiner_kreis.php

http://www.uni-protokolle.de/nachrichten/id/55790/

http://aardl.blogsport.de/2008/05/09/131/

http://www.tu-chemnitz.de/phil/politik/pspi/jahrbuch/veldensteiner_kreis.php

Gegenargument 3: Mitgliedschaft Deutsche Nationalstiftung = Nationalismus, Neoliberalismus und Marktradikalismus

Den Namen der Stiftung wählten die Stifter mit Bedacht. Im Gründungsaufruf der Stiftung heißt es dazu:

“Die Idee der deutschen Nation und die Bestimmung unserer nationalen Identität in einem geeinten Europa dürfen wir weder extremen politischen Kräften noch den Gegnern der europäischen Integration überlassen. Der Versuch auf den Begriff von Nation und nationaler Identität zu verzichten, müsste abermals die Gefahr einer Deutschen Sonderrolle auslösen. Keine andere Nation Europas würde eine ähnliche Rolle für sich akzeptieren”.

Die Stiftung verfolgt mit ihrer Arbeit einen dreifachen Zweck:
• Die Stiftung will das Zusammenwachsen Deutschlands fördern.
• Sie will die nationale Identität der Deutschen bewusst machen und die Idee der deutschen Nation als Teil eines vereinten Europas stärken.
• Sie befasst sich mit aktuellen Grundsatzfragen

Die Stiftung will die moralische, rechtliche, wirtschaftliche und soziale Einheit, die kulturelle Einheit insgesamt und die Identität der Deutschen bewusst machen und unterstützen

Die Stiftung hat unter anderem 10 Thesen veröffentlicht, wie unser Land umgebaut werden soll. Eine Auswahl (auf den Punkt gebracht):
• Umbau der Sozialversicherungen
• Längeres Anhalten der Realeinkommen
• Deregulierung, Privatisierung allen Ortes
• Export, Export, Export fördern
• Förderung des Wettbewerbs und Privatisierung der Universitäten
• Mehr Eigenverantwortung der Bürgerinnen und Bürger
• Sozialabbau vorantreiben
• Soziale Marktwirtschaft schrittweise in eine freie Marktwirtschaft umwandeln

Quellen:

http://www.nationalstiftung.de/stiftung.php?PHPSESSID=60cb4481b59ab8d96293306373277941

http://www.fixmbr.de/ich-lass-mich-nicht-vergauckeln/

http://www.nationalstiftung.de/pdf/Thesen.pdf

Gegenargument 4: Mitgliedschaft „Atlantik-Brücke“ = Männerbündelei und Lobbyismus

Die Atlantik-Brücke ist laut Satzung ein Verein zur Förderung der Freundschaft und des Verständnisses für Deutschland in anderen Staaten, insbesondere in Kanada und den Vereinigten Staaten von Amerika sowie den europäischen Staaten, und des Verständnisses für die vorgenannten Staaten in Deutschland. Der Verein will diese Ziele informatorisch-publizistisch erreichen und arbeitet mit ähnlich orientierten Personen und Institutionen zusammen. Der Zweck des Vereins ist außerdem Kontaktpflege zu führenden Persönlichkeiten der USA. Arend Oetker beschrieb diese Lobbytätigkeit im Jahr 2002 folgendermaßen: „Die USA wird von 200 Familien regiert und zu denen wollen wir gute Kontakte haben.“ Die FAZ: „Die Atlantik-Brücke e. V. ist einer der in Deutschland seltenen Versuche, von privater Seite in den politischen Raum hineinzuwirken, sympathiebildend, kontaktvermittelnd, katalysatorisch.“ Walther Leisler Kiep: die Atlantik-Brücke solle den „Freunden Amerikas in Deutschland eine Stimme geben.“

Die Sponsoren der Atlantik-Brücke e. V. kamen und kommen vornehmlich aus dem Finanz- und Kreditwesen, der Stahlindustrie, der Rüstungsindustrie, sowie der Automobilindustrie.

Vorstand
Stand: Juli 2009
• Vorsitzender: Friedrich Merz (Rechtsanwalt, CDU)
• Geschäftsführende Stellvertretende Vorsitzende: Beate Lindemann (u. a. Beauftragte des German Marshall Fund of the United States in Europa, Kiep-Stiftung)
• Schatzmeister: Dieter Pfundt, Gesellschafter der Privatbank Sal. Oppenheim
• Eckhard Cordes
• Kai Diekmann (Chefredakteur und Herausgeber der Bild-Zeitung)
• Hubertus Erlen (ehem. Vorstandsvorsitzender der Schering AG)
• Jürgen Fitschen (Mitglied des Group Executive Committees der Deutsche Bank AG)
• Michael Frenzel (Vorstandsvorsitzender der Preussag AG bzw. TUI AG)
• Katrin Göring-Eckardt (MdB, Grüne)
• Jürgen Großmann (Gesellschafter der Georgsmarienhütte GmbH und Vorstandsvorsitzender der RWE )
• Michael Hüther, Direktor und Mitglied des Präsidiums des Instituts der deutschen Wirtschaft
• Eckart von Klaeden (MdB, CDU-Bundesvorstand)
• Christian Lange (MdB, SPD)
• Florian Langenscheidt (Langenscheidt Verlag, Brockhaus)
• Siegfried Luther (Bertelsmann)
• Klaus-Peter Müller (Vorstandssprecher der Commerzbank AG und Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken)
• Hubertus Schmoldt (Vorsitzender der IG Bergbau, Chemie, Energie)
• Guido Westerwelle, Bundesminister des Auswärtigen (FDP)
• Martin Winterkorn (Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG)
• Ehrenvorsitzender: Walther Leisler Kiep (CDU)
Die Beteiligten der „CDU-Spendenaffäre“ waren Mitglieder der Atlantik-Brücke.

Weiterlesen:http://www.miprox.de/Wirtschaft_allgemein/Herren_der_Aufsichtsraete/Atlantik_Bruecke_Text.html

Quellen:

http://de.wikipedia.org/wiki/Atlantik-Brücke

Gegenargument 5: Ehrung der NS-Täter

Im April 1945 wurden in der Nähe von Gardelegen (Sachsen-Anhalt) von den NSDAP-Aktivisten Walter Biermann und Arno Brake gemeinsam mit weiteren Tätern über 1000 KZ-Häftlinge ermordet. Sie stammten aus den KZs Hannover -Stöcken und Mittelbau Dora.

Nach dem Einmarsch der US-Truppen floh der Haupttäter, NSDAP-Kreisleiter Gerhard Thiele, in die Bundesrepublik, wo er unter falschem Namen lebte. Erst nach seinem Tod gelang es einem Kriminalbeamten, Thieles Identität aufzudecken.

Walter Biermann und Arno Brake wurden im sächsischen Torgau zum Tode verurteilt, das Urteil wurde vollstreckt und sie sind anonym beerdigt worden.

Sie gehören zu jenen “Opfern”, die Joachim Gauck im Jahre 2004 in einer Gedenkveranstaltung würdigte. Nachdem Anfang der neunziger Jahre in Torgau eine Gedenkstätte für die Opfer der Nazi-Militärjustiz geschaffen wurde, entstand eine Gedenkstätte auch für die nach 1945 eingesessenen Nazis, von denen eine Reihe wegen ihrer Verbrechen zum Tode verurteilt worden war. Das folgte der Logik des außerhalb Sachsens allgemein abgelehnten sächsischen Gedenkstättengesetzes und der Faschismus und Kommunismus gleichmachenden “Totalitarismustheorie”. Er wurde eine Ausstellung für die Täter geschaffen, während die Ausstellung über die Opfer eingeschränkt wurde.

Der Vorsitzende der Bundesvereinigung Opfer der NS-Militärjustiz, Ludwig Baumann, schrieb aus diesem Anlass an Joachim Gauck, den vorgesehenen Redner für die Eröffnung. “Diese Ausstellung ist für unsere Opfer eine Beleidigung,

Gauck ließ es sich jedoch nicht nehmen, dabei mitzuwirken, aus der Gedenkstätte für die Opfer der Wehrmachtsjustiz in Torgau eine Gedenkstätte auch für die NS-Täter zu machen. Er ehrte also damit auch Täter, die an Massenverbrechen kurz vor Kriegsende beteiligt waren, an sog. Kriegsendphasenmorden. An Untaten, die dem Massaker der Gestapo kurz vor Kriegsende in der Dortmunder Bittermark und im Rombergpark vergleichbar waren, so die Kritik der VVN/BdA Nordrhein-Westfalen.

Quelle:

http://www.freitag.de/community/blogs/magda/joachim-gaucks-totalitaere-aufklaerung

Gegenargument 6: Gauck im O-Ton

„Herr Gauck. Würden Sie noch einmal in eine leitende Funktion gehen? Es gibt so viel zu tun!“
Antwort: „Also ich bin jetzt 70 und das wäre ein Armutszeugnis für jede große Institution, wenn Sie die 70-Jährigen reaktivieren müsste“

Hier ansehen und amüsieren:


Die Redaktion des TROTTELBOT dankt Frau Manuela Schon für diese Fleißarbeit und für die Zurverfügungstellung in unserer Veröffentlichung. Eine Wahl von Joachim Gauck muß unter allen Umständen verhindert werden. Deshalb an dieser Stelle einen besonderen Dank an Frau Schon für diese Arbeit.

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14 Responses to “Argumente gegen den Super-Gau(ck)”

  1. LaGioconda sagt:

    Da kann man nur sagen: Möge Rot-Grün dieser Kandidat um die Ohren fliegen!

  2. Diotima sagt:

    Gegenargument 5 überzeugt mich am meisten und das Gegenargument 6 spricht ja nun für sich selbst.
    Verwunderlich finde ich lediglich Gegenargument 4:”Männerbündelei und Lobbyismus”… Sehr merkwürdig auch, dass der Schatzmeister der Atlantikbrücke Dieter Pfundt, ein Gesellschafter der ehemaligen Privatbank Salomon Oppenheim sein soll…Denn diese Bank wurde doch nach der Karstadt Misere und der Arcandor Insolvenz am 28.10.2009 von der deutschen Bank geschluckt…Dass spricht doch eher für Hrn. Gauck. Schließlich hat die Bank Oppenheimer mit einigen Kriegsanleihen den ersten Weltkrieg finanziert und während des Naziregimes bestand diese Bank ebenfalls fort, indem sie einem befreundeten Robert Pferdemenges die Geschäfte überließ.Friedrick Carl von Oppenheim wurde ein Jahr vor Kriegsende von den Nazis verhaftet und später wurde er dann als “Gerechter unter den Völkern” geehrt, da er als einflussreicher Bankier sehr viele jüdische Mitbürger gerettet habe. Er machte sich auch stark für die Einigung Europas und sein zeitweiliger Stellvertreter Pferdemenges wurde 1961 zum Alterspräsident des Bundestages erklärt…

  3. Margareth sagt:

    Auch ich bedanke mich für diese Hintergrundinformationen.

    Roberto De Lapuenta hat mit seiner wundervollen Macht der Sprache einen treffenden Kommentar geschrieben, der diesen Artikel abrundet:

    Ein Gaukler für alle
    http://ad-sinistram.blogspot.c.....-alle.html

  4. Margareth sagt:

    Neuwahl des Bundespräsidenten: Zu den Kandidaten Wulff und Gauck
    Eine Stellungnahme der Linkspartei zu den beiden Kandidaten.
    Quelle: Die Linke [PDF - 20KB]
    http://www.nachdenkseiten.de/u....._wulff.pdf

  5. Peter sagt:

    Ziemlich wahrscheinlich, dass Gauck und seine Nachfolgerin mit Hilfe der Stasi-Akten mehr Existenzen vernichtet haben, als die Stasi selbst. Diese Feststellung rechtfertigt nicht die Stasi, verbietet aber die Wahl Gaucks zum Bundespräsidenten.

  6. Joachim Gauck und die neoliberale Entourage presidentiel

    Luc Jochimsen, die von der LINKEN als Kandidatin zum Bundespräsidentenamt nominiert wurde, hat oft genug bewiesen, das hierzu nötige adäquate historische Verständnis zu besitzen, etwa das Bewusstsein um die Singularität der NS-Verbrechen und der darin wurzelnden besonderen historischen Verantwortung dieses Landes. Sie forderte etwa, den 8. Mai zum gesetzlichen Gedenktag zu machen, um der Befreiung vom Faschismus zu gedenken [ http://tinyurl.com/2vaqvq6 ]. Sie wehrte sich stets gegen eine revisionistische Geschichtsschreibung, wie sie etwa der Bund der Vertriebenen und deren Präsidentin Steinbach betreibt oder wie sie von Joachim Gauck, mit seiner Gleichsetzung von NS-Terror und DDR-Unrecht vorgenommen wird. Wer Sätze, wie etwa “Im Westen währte die braune Diktatur 12 Jahre, im Osten aber kamen noch 44 rote Jahre dazu” absondert, damit NS-Terror mit industrialisierter, massenhafter Menschenvernichtung und DDR-Unrecht auf eine Stufe stellt und unter dem nebulösen Begriff “Diktatur” subsumiert, muss sich dann auch den Vorwurf der Geschichtsklitterei gefallen lassen.

    Es wäre ein fatales Signal, wenn DIE LINKE ihre Stimmen einem Apologeten des Geschichtsrevisionismus und einem Propheten eines sozialkalten Neoliberalismus geben würde, nur um im rot-grünen Lager mitzumischen. In welchem Ausmaß eine andere Regierung, etwa aus Rot-Rot-Grün, inzwischen nur mehr eine Mär in akademischen Diskussionen ist, zeigt das LINKEN-Bashing im Wahlkampf in NRW genauso wie die miesen Tricks bei den „Sondierungsgesprächen“ (vgl. Rüdiger Sagel: Der Mauerbau von Düsseldorf [ http://tinyurl.com/2u954jj ]). Wie wenig Einfluss diese Protagonisten, z.B. Sven Giegold bei den GRÜNEN, in ihren Parteien letztlich haben, zeigen die taktischen Manöver von SPD und GRÜNEN in den letzten Monaten hinlänglich.

    Die Personalie Joachim Gauck ist neben dem kindischen Rumzicken Trittins und dem blutarmen Protest Steinmeiers bei der Ankündigung des Sparpakets durch die Bundesregierung der beste Beweis dafür, dass die HartzIV-Parteien längst noch nicht mit der miesen Sozialpolitik der früheren rot-grünen Bundesregierung gebrochen haben. Rot-rot-grüne Optionen für eine andere Politik? Nichts liegt ferner als das – vermutlich auch auf Jahre hinaus. Rot-Grün verklärt noch immer die Schröder-Zeit, als ob diese sich nicht vor allem dadurch auszeichnete, dass Deutschland mit einer breit angelegten Propaganda-Offensive (Auschwitz-Vergleich und sog. “Hufeisen-Plan”) im Kosovo-Krieg sich säbelrasselnd auf der Weltbühne zurückgemeldet hat. Rot-Grün spielt ganz offenkundig auf Zeit und vor allem auf kollektive Amnesie.

    DIE LINKE ist gut beraten, vom rot-grünen Lager Abstand zu halten, sie könnte sonst mit der miesen Politik von Rot-Grün irgendwie doch noch in Verbindung gebracht werden und sollte vorerst (und bis auf Weiteres) einen klaren Gegenkurs zu den Parteien des Neoliberalismus von SPD bis CSU und deren Personal fahren.

    Und deshalb finde ich es auch nur schlüssig, dass Gregor Gysi (im “Focus” http://tinyurl.com/329pwbz ) und Oskar Lafontaine (im “Spiegel Online” http://tinyurl.com/24279gs ) nach der Nominierung von Luc Jochimsen klar zum Ausdruck gebracht haben, dass Joachim Gauck auch im dritten Wahlgang für DIE LINKE nicht wählbar ist. DIE LINKE ist sicher nicht deshalb gewählt worden, um eine neoliberale Entourage presidentiel im Schloss Bellevue abzunicken, sondern eher, um dort Feuer zu machen. Im übertragenden Sinne – selbstredend.

  7. [...] Argumente, die gegen Gauck als BuPrä sprechen, finden sich bei trottelbot. [...]

  8. Herr Q. sagt:

    Was machen “Katrin Göring-Eckardt (MdB, Grüne)”, Marion Gräfin Dönhoff (Mitgründerin), u.a. in diesem atlantischen Männerbündel?

    Gaucks Aussage zur Dauer der Diktaturen muss nicht relativierend sein.
    Die 12 Jahre Diktatur der Nazis sind für den Westen vergleichsweise wenig, denn der Osten hat noch zusätzliche 44 Jahre sozialistische Diktatur ertragen. Insgesamt sind das 56 Jahre Faschismus (Regierungsform welche das freie Denken unterdrückt, [ja es gibt weitere Definitionen, welche nicht zu ignorieren sind]). Das umfasst zwei Generationen. Dieser Zeitraum hinterlässt viel intensivere Furchen in der Psyche der Bevölkerung, als “nur” ein Jahrzehnt (da sind absichtlich Anführungsstriche: das stellt eine zeitliche, keine inhaltliche Relativierung dar).

  9. [...] jetzt keine Ohnmacht, sondern es wird wie schon im Feudalismus, eine Autoritätshörigkeit erzeugt. Hier hatte ich diese Anschuldigung wie folgt [...]

  10. Bert Steffens sagt:

    Joachim Gauck?
    Kein Diener zweier Herren im höchsten Amt!

    Von der weit verbreiteten Blindheit um einen Bundespräsidentschaftskandidaten.

    von Bert Steffens
    Freier Philosoph
    Andernach

    Wäre die Begeisterung für einen Bundespräsidentschaftskandidaten genau so groß, wenn dieser kein ordinierter evangelischer Pfarrer, sondern ein dem Koran verpflichteter Imam wäre?

    „Niemand kann zwei Herren dienen“. Wer kennt diesen Satz nicht, sei er nun evangelischer oder katholischer Christ oder auch keines von beidem. Auch losgelöst von dieser bekannten Feststellung aus der Bergpredigt weiß der halbwegs Lebenserfahrene, dass er zwei Interessen, die sich mit wesentlichen Elementen entgegenstehen, nicht gleichzeitig dienen kann. Beispiele dafür gibt es viele. So auch ein Anwalt, der zwei streitende Parteien bei Gericht nicht vertreten kann und darf. Einem Richter sind noch stärkere Fesseln angelegt: Er kann nicht richten und gleichzeitig den Interessen einer der streitigen Parteien dienen oder in irgend einer Weise anhängen – er ist nicht nur allein dem Gesetze unterworfen, sondern auch der Pflicht unbedingter Unparteiigkeit.

    Im Streitfalle oder Entscheidungsfalle unabhängig sein, nicht gleichzeitig urteilen oder entscheiden zu dürfen, wenn ihn die Sache als Schlichter, Anwalt, Gutachter oder Träger eines öffentlichen Amtes in der einen oder anderen Weise selbst betrifft oder betreffen könnte oder schon bereits übernommene Pflichten verletzt.
    Nur bei einem in dieser Weise Unabhängigen kann man sicher sein, dass sein Urteil oder Wollen durch keine entgegenstehenden Pflichten oder Eigeninteressen beeinträchtigt wird – ihm kann jedermann vertrauen.
    Und was hat das alles mit dem von der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Mecklenburgs ordinierten Pfarrer Joachim Gauck und mit dessen Kandidatur zum Amt des Bundespräsidenten zu tun?
    Eigentlich ist der Sachverhalt einfach: Im Widerstreit stehende, unterschiedliche Pflichten, können nicht nur geldwerter Art oder Teil von Machtfragen, sie können auch von religiöser Natur sein, wie beispielsweise ein kirchliches Amt mit einem Dienst- und Treueverhältnis auf Lebenszeit. Das Amt des Pfarrers in der Evangelischen Kirche ist so ein Amt, dass auch dann seine Grundpflichten behält, wenn man keine eigene Pfarrei mehr hat – eben lebenslänglich.

    „Durch die Berufung nach einer Bewährung im dreijährigen Probedienst
    besteht ein kirchliches Dienst- und Treueverhältnis auf Lebenszeit.“

    Dies gesagt das Pfarrergesetz der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) von 1995. Nachzulesen ist dies zum Beispiel bei der ELLM, der Evangelisch-Lutherische Landeskirche Mecklenburg. Dort kann jeder erfahren:

    „Mit der Ordination im evangelischen Sinne werden Auftrag und Recht zur öffentlichen Wortverkündigung und zur Sakramentsverwaltung übertragen.“

    Im Lichte evangelischer Theologie

    „handelt in der Ordination Christus durch die institutionell verfasste Kirche“ (Prof. Dr. Walter Dietz, Uni Mainz).

    Und:

    „Pastoren unterstehen der Lehr- und Dienstaufsicht und sind verpflichtet, sich
    visitieren zu lassen.“

    Weiter heißt es im § 3 Abs. 2 Ordinationsgesetz der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKRh):

    „Bei der Ordination erfolgt die Verpflichtung auf das Zeugnis der Heiligen Schrift, wie es ausgelegt ist…“

    Geht ein Pfarrer in Ruhestand und gibt er seine Ordinationsurkunde nicht zurück, dann verzichtet er auch nicht auf seine Ordinationsrechte: Er kann predigen und die Sakramente verwalten (§ 6 Abs. 1 u. 2 Ordinationsgesetz EKRh).
    Dass der Pfarrer Joachim Gauck seine Ordinationsurkunde zurückgegeben und auf seine Pensionsbezüge aus dem Amt verzichtet und sich so seiner lebenslangen Dienst- und Treuepflicht entledigt hat – davon ist nichts bekannt.

    Die Berufsbezeichnung „Pfarrer“ – damit schmückt sich Joachim Gauck zu Recht. 1967 wurde Gauck von der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Mecklenburg ordiniert, arbeitete als Pfarrer in Lüssow, Kreis Güstrow und ab 1970 in Rostock-Evershagen. Nebenamtlich war er noch Jugendpfarrer in Rostock und leitete die Kirchentagsarbeit in Mecklenburg (Quelle Konrad-Adenauer-Stiftung). Gauck fiel u. a. auf durch regime-kritische Predigten in Rostock und anderswo, genoss aber – wie Teile seiner Familie auch – trotzdem Privilegien, die einem Durchschnittsbürger der DDR völlig versperrt waren.
    Gauck, der mit seiner 1990 von ihm geschiedenen Ehefrau Hansi Gauck vier längst erwachsene Kinder hat, liebt es – diesem Eindruck kann man beim Lesen seines bekannt gewordenen Lebenslaufs nicht entgehen – öffentlich zu wirken, nicht nur als predigender Pfarrer, auch beispielsweise als Abgeordneter der Volkskammer, als Kandidat auf den Posten des Oberbürgermeisters von Rostock, als „Sonderbeauftragter“, später als Bundesbeauftragter für Stasi-Unterlagen, als Vorsitzender des Vereins „Gegen Vergessen – für Deutschland“, als Mitglied der „Atlantik-Brücke e.V.“, als Buchautor, als Talkmaster beim ARD („Gauck trifft…“) u.v.a.m.

    Bei Beendigung seiner Leitung der Stasi-Unterlagenbehörde glaubte er noch, dass er als Mecklenburger seine eigenen Grenzen kenne: Bundespräsident wolle er nicht werden. Hierbei wird er sich wohl an die ihm gesetzten Grenzen aus seinem lebenslangen Pflicht- und Treueverhältnis gegenüber der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Mecklenburg erinnert haben. Und heute?
    Nun – Grenzen, die gibt es für einen evangelischen Pfarrer sehr wohl. In Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts (2 BvR 350/75 vom 21.09.1976) kann man nachlesen, welche Grenzen die Evangelischen Kirche in Deutschland bei der Vermengung von Pfarreramt und einem politischen Amt sieht:

    „Die Kirchenkanzlei der Evangelischen Kirche in Deutschland hat zunächst Entschließungen von Organen der Evangelischen Kirche in Deutschland zur Frage der Mitarbeit der evangelischen Kirchen und ihrer Amtsträger im politischen Raum mitgeteilt, sodann eine theologische Stellungnahme zur Frage der Kompatibilität von geistlichem Amt und politischem Mandat vorgelegt, die mit der Schlußfolgerung endet:

    “Die gleichzeitige Wahrnehmung von geistlichem Amt und politischem Mandat ist aus Gründen des Glaubens und der Lehre abzulehnen, weil dadurch die Normen des geistlichen Amtes (Reinheit der Verkündigung und Dienst an der ganzen Gemeinde) verletzt sowie das Wesen des politischen Dienstes der Kirche verfälscht werden.
    Es werden Grenzen überschritten, die mit der Amtsverpflichtung gesetzt sind. Deshalb muß die Kirche für sich das Recht in Anspruch nehmen, in ihren Ordnungen für das geistliche Amt auf die Beachtung dieser Grenzen zu drängen und Grenzüberschreitungen entgegenzuwirken”.

    Und wie ist das mit der Vermengung einer lebenslangen Dienst- und Treuepflicht als evangelischer Pfarrer einerseits und dem Amt des Bundespräsidenten andererseits?
    Der Artikel 55 Grundgesetz (GG) benennt jene Tätigkeiten, Stellungen und Funktionen, die mit dem Amt eines Bundespräsidenten nicht kompatibel sind. Gewiss: An die Möglichkeit, dass einst ein ordinierter evangelischer Pfarrer das Amt eines Bundespräsidenten anstrebt – daran hatten die Väter und Mütter des Grundgesetzes 1948/49 nicht gedacht. Aber ein Pfarrer, der auf Lebenszeit seinem Amt verpflichtet ist und so seine Ordinationsrechte stets ausüben kann, der dürfte wohl mit dem Amt des Bundespräsidenten unvereinbar sein, mögen auch Advokaten einen anderen Willen des Gesetzgebers aus dem Artikel 55 GG herauslesen wollen, an einem ändert dies alles nichts: Niemand kann zwei Herren dienen.
    Das aber ist nicht alles: Auch der Artikel 137 Abs. 1 Weimarer Reichsverfassung (WRV) i. V. m. Artikel 140 GG stellt fest: „Es besteht keine Staatskirche“ und der Artikel 4 GG sichert „die Freiheit des Glaubens, des Gewissens, die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses“. Anders ausgedrückt: Insbesondere schützt Artikel 4 GG in gleichem Maße die Freiheit derer, die sich zu einer religiösen oder nichtreligiösen Weltsicht bekennen.
    Und genau diese Freiheit aus Artikel 4 GG ist dann gefährdet, wenn der Bundespräsident, der Träger des höchsten Staatsamtes bereits bei Antritt desselben nicht frei, sondern bereits auf Lebenszeit einem religiösen Amt verpflichtet ist.

    So ein kirchliches Amt ist nicht irgend ein Amt, denn: Gemäß Artikel 137 Abs. 3 WRV hat eine „Religionsgesellschaft“ das Recht, ihre Angelegenheiten selbstständig zu ordnen und zu verwalten, wenn auch innerhalb der Schranken der für sie – also nicht für alle – geltenden Gesetze. Sie verleiht ihre Ämter ohne Mitwirkung des Staates oder der bürgerlichen Gemeinde. So kommt es, dass sich in Deutschland „Religionsgesellschaften“ dem Status eines Staates im Staate nähern. Dieser Missstand – er verletzt u. a. Artikel 20 Abs. 2 Satz 1 und Artikel 3 GG – wurde im Zusammenhang mit der kirchlichen Behandlung eigener Fälle sexuellen Missbrauchs schmerzlich offenkundig. Auch in arbeitsrechtlicher Hinsicht wird dieser Missstand deutlich, wenn beispielsweise einer im Dienste der Kirche stehenden Sekretärin ihr Arbeitsplatz gekündigt wird, weil sie gegen „kirchenrechtliche Loyalitätsobliegenheiten“ verstoßen hat. Die Sinnhaftigkeit solcher „Obliegenheiten“ darf ein Arbeitsgericht nicht prüfen.

    Wie bekannt, ist der Letztunterzeichner eines neuen Gesetzes der Bundespräsident. So bestimmt es Artikel 82 Abs. 1 GG. In welchen Konflikt gerät ein Bundespräsident namens Joachim Gauck, wenn Gesetze verabschiedet werden, welche die Interessen nicht religiöser Bürger oder von Bürgern berühren, die einen Glauben anhängen, der nicht zu den christlichen gezählt wird? Was ist, wenn Gesetze verabschiedet werden, die nach Auffassung des Bundespräsidenten nicht den ethischen Vorstellungen der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Mecklenburgs oder einfach nicht den Interessen der Evangelischen Kirche Deutschlands insgesamt entsprechen?
    Joachim Gauck befände sich dann in einem Konflikt, vergleichbar mit einem Bundespräsidenten, der vor seinem Staatsamt bereits als Imam, also als islamischer, dem Koran verpflichteter Prediger tätig gewesen wäre.
    Ein seriöser Ordinierter der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Mecklenburgs wäre als Bundespräsident geradezu zur Parteiigkeit in Sachen Weltanschauung, Religion und Ethik verpflichtet. Eine Kollision u. a. mit den Artikeln 4 und 140 aber auch mit Art. 55 GG (Unvereinbarkeiten) wäre unvermeidbar.
    Wollen die deutschen Bürger solche einen Bundespräsidenten? Wollen die deutschen Bürger einen Mann zum Bundespräsidenten, der auf Grund einer bestehenden, lebenslangen Dienst- und Treuepflicht nicht einmal ein Richteramt antreten könnte?
    Weiter müssen sich die Bürger fragen: Wäre die Begeisterung für einen Bundespräsidentschaftskandidaten genau so groß, wenn dieser kein ordinierter evangelischer Pfarrer, sondern ein dem Koran verpflichteter Imam wäre?

    Um hier kein Missverständnis aufkommen zu lassen: Auch ein Ministerpräsident, also ein – bildhaft gesprochen – „Parteigewächs“, ist ebenso nicht das, was sich ein demokratisch denkender Bürger unter einem unabhängigen Kopf im höchsten Amt vorstellt.
    Es ist an der Zeit, dass wir Bürger uns unseren Bundespräsidenten selbst wählen, damit das höchste Amt im Staate nicht weiter den Ränken der Parteien ausgesetzt bleibt.
    Schade nur, dass Horst Köhler diese auch von ihm selbst propagierte Idee nicht mit Elan weiter verfolgt, sonder lieber einen frühzeitigen Abschied mit anschließendem „Großen Zapfenstreich“ bevorzugt hat.

    Siehe auch: ZEIT Online „…mit sofortiger Wirkung! – Nur ein unabhängiger Kopf ins höchste Amt“

  11. Bert Steffens sagt:

    Verehrte LeserInnen des trottelbot,
    bei “Dierk Schaefers Blog” gibt es eine Kritik von Pfarrer Dierk Schäfer auf meinen Beitrag “Kein Diener zweier Herren im höchsten Amt”.
    Lesen und kritisieren auch Sie meine Erwiderung an Pfarrer Dierk Schäfer.

    Erwiderung auf Pfarrer Dierk Schäfers Kritik zu meinem Beitrag
    „Joachim Gauck? Kein Diener zweier Herren im höchsten Amt!“

    Sehr geehrter Herr Schäfer,

    zunächst danke ich, dass Sie sich auf eine Diskussion zur Sache eingelassen und auch dafür, dass Sie auf meine Bitte hin meinen Text auch in Ihrem Blog zugreifbar gemacht haben. Das alles ist nicht zwingend, denn Herr Ihres Blogs sind Sie. Ich hoffe zudem, dass Sie auch nachfolgenden Text nicht unterdrücken.
    Nun zu meiner Erwiderung auf Ihre Kritik.

    Nein – ich wusste nicht, dass Sie ordinierter evangelischer Pfarrer im Ruhestand sind. Jetzt weiß ich es und das macht eine Antwort auf Ihren engagierten Text um so leichter.
    Wie Sie lesen können, schweige ich nicht. Auch die oft zitierte, herablassende und selbstherrliche Antwort eines sonst außerordentlich befähigten Boëthius („Intellexeram, si tacuisses“) ändert daran nichts, denn die Frage bleibt: Wer hat denn den spätrömischen Politiker Boëtius zum Philosophen ernannt – die Götter Roms etwa? Allzu schnell richten sich solcherlei Sprüche gegen den Absender. Versuchen wir also mit eigenem Verstande und Fakten zu überzeugen.

    Ihre Kritik krankt u. a. an der Tatsache, dass Sie etwas erörtern und verteidigen, was ich selbst nicht bestritten habe. Natürlich kann auch ein evangelischer Pfarrer ein „frei denkender Mensch“ sein. Frei Denken kann selbst der in Fesseln Liegende. Ich sprach von den Schranken, denen sich ein Ordinierter freiwillig unterworfen hat: Den religiösen Pflichten und Gesetzen seiner Kirche in Form eines lebenslangen Dienst- und Treueverhältnisses. Wenn man allerdings davon ausgehen soll, dass der ordinierte evangelische Pfarrer Joachim Gauck – und um den geht es hier – dieses lebenslange Dienst- und Treueverhältnis nicht ernst nimmt – dann allerdings öffneten sich zur Person Gaucks völlig neue Gesichtspunkte.

    Im Hinblick auf den von Ihnen kritisierten Text hilft mir Ihr Augustinus-Zitat („tolle, lege“) aus dem 8. Buch seines dichterischen Werkes „Bekenntnisse“. Diese Aufforderung „Nimm es, lies es, nimm es, lies es!“, die Augustinus aus einem Nachbarhaus („Haus Gottes“?) gehört haben will, fand bereits in der griechischen Literatur Verwendung. Ich richte diese Aufforderung nun auch an Sie, denn:
    Wären Sie meinen Text bis zum Schlusse gefolgt, dann hätten Sie auch erkannt, dass es Gauck, wie Sie schreiben, nicht „disqualifiziert“ Bundespräsident zu werden weil in einer „Dienstbarkeit“ gegenüber (unmissverständlicher wäre „Dienst für“) seinem Gott steht, sondern weil Gauck ein Mensch ist, der von Berufs wegen, also freiwillig, als ein lebenslang Verpflichteter und Unterworfener unter den Gesetzen einer Glaubensgemeinschaft, der Evangelischen Kirche Deutschlands steht. Das hat zur Folge:
    Ein Bürger, der es zu seinem Beruf gemacht hat, Anhänger einer Religion zu sein, kann nicht gleichzeitig im höchsten Staatsamt, dem eines Bundespräsidenten, unparteiisch Dienst tun. Der ordinierte Joachim Gauck setzt sich – wie andere Pfarrer auch – durch seine lebenslange Verpflichtung völlig von den übrigen Anhängern seines Glaubens und den übrigen Bürgern ab, weil diese sich nicht einem Kirchenrecht unterworfen haben.
    Diese Unterwerfung bestätigen Sie ja selbst: Sie verweisen ausdrücklich auf die „Dienstbarkeit eines Pfarrers gegenüber Gott“. Wie also könnte ein ordinierter evangelischer Pfarrer, der zugleich Bundespräsident ist, im Einklang mit seinen kirchlichen und religiösen Pflichten ein neues Gesetz gegenzeichnen, das beispielsweise die Sonderrechte der Kirchen beseitigt oder auch nur beeinträchtigt oder den ethischen Vorstellungen seiner Kirche entgegensteht? Welcher Pflicht soll er dann unterliegen: Der eines Bundespräsidenten gemäß dem Grundgesetz oder der eines Pfarrers gemäß den Kirchengesetzen?
    Ich kann es nur wiederholen: Niemand kann zwei Herren dienen! Niemand kann den Pflichten eines Bundespräsidentenamtes und zugleich einer religiösen Gemeinschaft dienen, der von Berufs wegen einem lebenslangen Dienst- und Treueverhältnis unterworfen ist. Die evangelische Kirche und ihr Kirchenrecht weiß sich allein der biblischen Botschaft verpflichtet (Pfarrer H.-E. Dietrich, Deutsches Pfarrerblatt 6/2006). Erschwerend hinzu kommt noch, dass – auf Grund der sogenannten Kirchenverträge – die Evangelische Kirche Deutschlands und ihre Amtsträger nicht in dem Umfang der „Gleichheit vor dem Gesetz“ gemäß Artikel 3 GG unterworfen sind, wie die Mehrheit der Bürger, die außerhalb des Kirchenrechts stehen. Welch eine Verwirrung! So hält das Bundesverfassungsgericht beispielsweise in seiner Entscheidung vom 09.12.2008 (2 BvR 717/08) fest, dass das kirchliche Selbstbestimmungsrecht Verfassungsgarantie (gemeint ist die Garantie des Grundgesetzes aus Artikel 140 GG i.V.m. Art. 137 Abs. 3 WRV) sei, ohne selbst aus der staatlichen Rechtsordnung ausgeklammert zu sein. Welch ein Widerspruch im Grundgesetz! Die Grundrechteregel „Gleichheit vor dem Gesetz“ bedeutet ausnahmslos für jeden Bürger nicht nur „Anspruch auf“, sondern auch „Pflicht zu“. Die Grundrechte verletzenden Regeln aus Art. 140, resp. der WRV sind unerträglich. Ebenso unerträglich wäre es, wenn ein Bundespräsident nicht nur dem Grundgesetz und den nachgeordneten Gesetzen, sondern zugleich Kirchengesetzen unterworfen wäre und auf diese Weise in die Widersprüche zweier Rechtsordnungen und ethischer Überzeugungen geriete!
    Auf die meine Feststellungen stützenden Artikel des Grundgesetzes habe ich bereits im Einzelnen ausreichend Bezug genommen. Aber ich sage auch, dass der Einsatz des Verstandes, genauer der Erkenntnisfähigkeit, wichtiger ist als die Kenntnis des Grundgesetzes. Auch Ihre Erkenntnisfähigkeit sagt Ihnen, dass im höchsten Staatsamt kein durch lebenslange Verpflichtung Befangener, sprich ein in seinen Entscheidungen nicht völlig freier Bürger tätig sein darf.

    Man kann, wie nachstehend versucht wird, das vorbeschriebene Problem auch unter Beachtung des Bibeltextes betrachten, wenngleich dies rechtlich, das heißt hier aus Sicht des Grundgesetzes, unerheblich ist. Dieser theologische Versuch ist allerdings dann zwecklos, wenn es stimmt, was Pfarrer Roland Reuter („Hilfsstelle für Ev. Pfarrer“, Moers) befürchtet: „Die Kandidaten der Theologie lernen, die Texte [der Bibel] besser zu verstehen, als die Autoren sie selbst verstanden haben. Dieses „Bessere Verständnis“ reicht bis zum Gegenteil des Wortsinns. Die kirchliche Theologie geht unter dem Deckmantel der „Hermeneutik“ den Juristen in der Verdrehung der Sprache voran.“ (ursprünglich in „Mut und Ethik, Aufgaben der Gesellschaft zur Sicherung der Demokratie“, Zürich 1996).
    Sie legen gleich zu Anfang Ihrer Kritik dar, dass ein evangelischer Pfarrer insbesondere Gott und nicht seiner Kirche diene. Es erscheint dann aber wie ein schlechter Witz, dass dieser Dienst an Gott bei Übernahme eines politischen Amtes – wie Sie ausführen – in „den Wartestand“ versetzt werden kann. Zugleich zitieren Sie einen Satz, den Otto Dibelius (1880-1967) gegenüber Hanns Kerrl, dem Reichsminister für kirchliche Angelegenheiten einst geäußert hat: „Ein Christ ist immer im Dienst“. Irrte Dibelius hier oder hatte er nur den „Wartestand“ eines Pfarrers vergessen? Ist ein durch Ordination eingegangenes lebenslanges Dienst- und Treueverhältnis vergleichbar mit einem üblichen Arbeitsvertrag, den man kündigen und dann wieder erneut schließen kann? Ist die Liebe zu seinem Gott, der einen Menschen in Amt eines Pfarrers hält und gebracht hat vorübergehend kündbar? Hat nicht gemäß der Bibel Jesus Christus auf die Frage nach dem höchsten Gebot u. .a. geantwortet: „Darum sollst du den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen und mit ganzer Seele, mit all deinen Kraft.“ (Markus 12, 30)? Hat nicht Martin Luther mehrfach festgestellt, „…dass das kirchliche Amt auf einer Stiftung Christi beruht und nicht aus dem Priestertum aller Getauften ableitbar…“ ist (siehe den 2007 verstorbenen Theologen Heinz Schütte „Wie sah Luther das geistliche Amt in der Kirche?“, Die Tagespost 10/2002)? Hat nicht auch Paulus in seinem zweiten Brief an Gemeindevorsteher Timotheus (2 Ti 1, 6) klar zum Ausdruck gebracht, dass er (Timotheus) als der Amtsträger ein besonderes „Charisma“ (Gnade) habe, das nicht auf den Getauften, vielmehr nur auf ihn übergegangen sei?
    Wenn dies alles für den evangelischen Christen und ordinierten Pfarrer Joachim Gauck nicht mehr gilt, dann soll der Bundespräsidentschaftskandidat Gauck dies öffentlich sagen und erst dann auch so handeln, wenn er seine Glaubwürdigkeit nicht verspielen will.
    Glaubwürdig ist man nicht, weil man Christ oder nicht Christ ist, sondern weil man zu seinen Überzeugungen und Verpflichtungen steht. Erfahren diese einem Wandel, dann sollten jene Mitmenschen, die einem wichtig sind davon Kenntnis erhalten. Im Falle des Bundespräsidentschaftskandidaten Gauck ist dies die Öffentlichkeit.

    Die Erkenntnisfähigkeit ist das wesentliche kennzeichnende Merkmal der Spezies Homo sapiens. So kann jeder Mensch auch erkennen: Er ist im eigenen Interesse zum Dienst in der Menschengemeinschaft aufgerufen, je nach seinem mentalen Vermögen und seinen tatsächlichen Möglichkeiten. Um dies zu erkennen muss man nicht Pfarrer sein oder sich zu einem religiösen Bekenntnis zugehörig fühlen. Diese Pflicht beruht auf dem Erkennen jedes Menschen, dass er selbst der Liebe, Achtung, Fürsorge und des Mitleids seiner Mitmenschen bedarf und er selbst dies alles in dem Maße weitergeben muss, das ihm möglich ist.
    Erwähnt man aber, so wie Sie es als Christ getan haben, einen Dienst an Gott, dann sollte man einen Verbreiter von speziellen Herrenmenschenideen, den evangelischen Pfarrer Otto Dibelius, einst Generalsuperintendent der Kurmark, Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche Deutschlands usw. nicht nennen, weil dieser beispielsweise am 26.07.1933 Wert auf die Feststellung gelegt hatte, dass er bereits als Student „im Kampf gegen Judentum und Sozialdemokratie gestanden habe.“ Kein positives Beispiel ist jener Otto Dibelius, der feststellte, er habe sich “immer als Antisemiten gewusst. Man kann nicht verkennen, dass bei allen zersetzenden Erscheinungen der modernen Zivilisation das Judentum eine führende Rolle spielt.” Auch nicht ein Otto Dibelius, der, um eine Einwanderung von Juden nach Osteuropa zu verhindern, als Lösung der „Judenfrage“ vorschlug: “Die Kinderzahl der jüdischen Familien ist klein. Der Prozess des Aussterbens geht überraschend schnell vor sich.” Auch sollte man – mit Blick auf die von Pfarrer Gauck bekannt gewordenen Haltung zum auch von Deutschland geführten Krieg in Afghanistan – einen Pfarrer Otto Dibelius nicht beispielgebend anführen, der während des Ersten Weltkrieges die deutschen Soldaten als für das „Siegeszeichen Christi“ Kämpfende sah, die einen „heiligen Krieg“ gegen die Feinde Gottes und der Deutschen führten.
    Pfarrer Joachim Gauck, der Bundespräsidentschaftskandidat, sagt solche Sätze nicht. Er begnügt sich – betreffend des mörderischen, grundgesetzwidrigen Kriegseinsatzes in Afghanistan – mit haarsträubenden Sätzen, wie „Ich kann ertragen, dass wir dort sind.“ Sicher – er kann’s ertragen. Sein Leben ist dort nicht gefährdet. Aber – er hält es dennoch „nicht für besonders erwachsen“ die „Solidargemeinschaft der Kämpfenden“ zu verlassen.
    Ich kann nicht beurteilen, ob Ihre Erwähnung des Otto Dibelius mit Wissen um dessen spezielle Herrenmenschenideen oder aus Nichtwissen darum geschah. Für den ersten Fall könnte ich aber formulieren – ihre Erwähnung des Boëtius aufgreifend: Hätten Sie nicht ausgerechnet Dibelius als Beispiel für den Dienst an Gott erwähnt, hätte ich Sie für einen frommen Menschenfreund gehalten. Ich will es aber trotzdem tun.

    Auf einen Punkt gebracht: Nein – wir, die deutschen Bürger, von denen alle Staatsgewalt in unserem Staate ausgeht (Art. 20 Abs. 1 S. 1 GG), wollen weder einen evangelischen, noch ein katholischen Pfarrer oder Bischof, noch einen Imam oder Mullah im höchsten Staatsamt. Die Mitglieder eines solchen Personenkreises sind schon mit ihrem jeweiligen religiösen Amt eine Verpflichtung eingegangen, die dem Amt eines Bundespräsidenten in einem wesentlichen Punkten entgegensteht: Der unparteiischen Sicherung der Grundrechte, insbesondere jener aus Artikel 3, 4 und 5 Grundgesetz, frei von religiösen Überzeugungen.
    Jeder Bundespräsident, gleich welchen Geschlechts, kann eine religiöse oder auch nicht religiöse Weltanschauung sein Eigen nennen. Das garantiert Artikel 4 Grundgesetz. In der Wahrnehmung seines Amtes jedoch, darf er weder die eine oder andere Weltanschauung zum Maßstab oder zum Bestandteil seines Handelns machen, noch den Versuch unternehmen, die Selbstbestimmtheit und Selbstverantwortung der Bürger durch eigene private ethische Überzeugungen zu beieinträchtigen, die nicht Bestandteil des Grundgesetzes sind (siehe auch meine diesbezügliche Korrespondenz mit Horst Köhler in http://www.freidenker.org/cms/dfv/pdf/chronik.pdf).

    Nach all dem Offensichtlichen frage ich Sie: Kann es sein, das ihr kritischer Blick dadurch getrübt ist, weil Sie sich einen Zuwachs an Einfluss und Macht für die evangelische Kirche im Staate erhoffen, wenn nur einmal ein evangelischer Pfarrer das Amt eines Bundespräsidenten innehat? Ich frage Sie auch: Hatten wir nicht schon genug Elend aus der Vermengung von Religion und Politik, bzw. von religiösen und politischen Ämtern? Weiter wiederhole ich die von Ihnen noch nicht beantwortete Frage: Wäre die Begeisterung für einen Bundespräsidentschaftskandidaten genau so groß, wenn dieser kein ordinierter evangelischer Pfarrer, sondern ein dem Koran verpflichteter Imam wäre?

    Sehr geehrter Herr Schäfer – mag Ihnen meine Erwiderung mitunter auch sehr scharf erscheinen, so versichere ich Ihnen doch ausdrücklich, dass ich nicht Sie, sondern nur jene Ihrer Ideen verachte, die auf speziellen Herrenmenschenideen beruhen. Wie auch Otto Dibelius gezeigt hat, sind selbst religiöse Menschen vor speziellen Herrenmenschenideen nicht gefeit. Die Prinzipien von Herrenmenschenideen lauten ganz allgemein:

    Wer seinen Willen mit Gewalt durchsetzen kann, wer also beispielsweise an militärischer oder wirtschaftlicher Macht überlegen ist und zudem den „wahren Glauben“, die „wahre Gesinnung“, die „richtige“ Hautfarbe oder die „überlegene“ Kultur zu besitzen glaubt oder wer einfach nur seine Gier nach Herrschaft und Beherrschung befriedigen will oder auch nur dem „stärkeren“ Geschlecht angehört, der glaubt „von Natur aus“ Herr oder Herrin zu sein, selbst über „seine“ Umwelt.

    Nicht nur ein Christ könnte die Prinzipien der vorgenannten Ideen auch so formulieren:

    Überall dort, wo dem Handeln des Menschen keine Liebe und Achtung gegenüber dem Mitmenschen und seiner Umwelt zu Grunde gelegt ist, werden Herrenmenschenideen sichtbar.

    Mit freundlichem Gruß

    Bert Steffens
    Freier Philosoph
    Andernach

    • Andreas E. sagt:

      Vielen Dank für diesen langen und eindeutigen Kommentar zu der Causa Gauck. Noch ist ja nicht der übernächste Mittwoch, an dem sich entscheiden wird, ob dieses Land wieder zu einer faschistischen Hölle oder weiterhin bei der parteisteuerten Parteiendemokratie bleibt. Zuviel hängt davon ab, ob Gauck scheitert. Wenn er scheitert, ist somit auch die rechtsliberale Bundesregierung gescheitert. Mit einem Herrn Wulff als bundesdeutschen Präsident würde Kanzler Merkel noch weniger froh, als mit einem bekennenden Faschisten á la Gauck!

  12. [...] wird immer noch nach-gewählt oder Wäsche gewaschen und so manche interessante Tatsache  dabei genannt. Das in diesem Zusammenhang verschiedene Modelle für die Zukunft gleich mit verkauft [...]