Nachdem DER TROTTELBOT vor einiger Zeit schon einmal über das bundesdeutsche Problem der wertkonservativen und an für sich wertlosen Burschenschaften berichtet hat, geht der Schlagabtausch in Frankfurt/Main unvermindert weiter. Interessant dabei ist, das die darmstädter Burschenschaften bei dem kleinen Wortwechsel im Kommentarbereich deses Blogs einige wichtige Details verschwiegen haben. Anscheinend war dem hier für die Burschenschaften sprechenden Herrn einige Details selbst nicht bekannt. Anders kann ich mir die Unterlassung nicht erklären. Obwohl, ich könnte es mir auch anders erklären. Warum sonst sind die Burschenschaftshäuser vor meinem Besuch umdekoriert worden?

Die Auseinandersetzungen zwischen dem Asta und dem Präsidenten der Frankfurter Goethe-Universität um Schaukästen für Burschenschaften auf dem Campus geht in die nächste Runde. Der Streit schwelt, seit die Uni-Leitung die Infokästen der „Vereinigung Akademikerverbände Frankfurt“ überlassen hat. Der Asta fordert, dass Burschenschaften keine Fläche zur Selbstdarstellung eingeräumt wird und verweist auf die TU Darmstadt, die drei Schautafeln entfernen ließ.

Wenn man bedenkt, wie eloquent und konsequent die darmstädter Universitätspräsidentin das Problem mit den Burschenschaften gelöst hat, kann man ihr nur gratulieren. Warum sich Frankfurt/Main bei diesem Thema so schwer tut, hat mehrere Gründe. Einer davon ist, das es kaum einen Alumni dort gibt, der nicht irgendwie mit einer Burschenschaft involviert war. (Selbst wenn es nur die harmloseren Streiche waren.)

Jedenfalls würde es der Frankfurter Universität gut tun, wenn sie mit dem Herumgeeiere aufhören würde und ein eindeutiges Verbot von Burschenschaften, ob schlagend oder nicht, ausspräche. Nur so kann noch das Schlimmste verhindert werden.

Warum die Burschenschaften ein Problem damit haben, nicht neue Mitglieder unter der Studentenschaft anwerben zu dürfen, liegt wohl auch auf der Hand. Es geht hier nicht nur um spätere, vielleicht nützliche, Kontakte, sondern vielmehr darum, braunes Gedankengut weit gestreut, an staatlicher Aufsicht vorbei wieder gesellschaftsfähig zu machen. Anhand der FDP kann man ja sehen, wohin dies führt!

Aber Scherz beiseite. Burschenschaften sind abzulehnen. Die angebliche Elite in diesem Land bildete sich viel zu oft schon ein, das sie wirklich den Schlüssel zur Weisheit in ihren Fingern hielte. Oftmals stellte es sich dann als einen Haufen Scheiße heraus, der da strikt bewacht wurde. Welchen Regeln folgen Burschenschaften?

Schaut man sich einmal an, welchen Schaden Burschenschaften allein in den USA anrichten, versteht man schon eher, warum solche saufenden und sich prügelnden Gemeinschaften abzulehnen sind. Nicht nur, das sie sich für die eindeutig besseren Menschen halten, sie gehen auch generell davon aus, das sie in der Hierarchie der Gesellschaft an höherer Stelle angesiedelt sind. Unter anderem auch deshalb, weil eben lebenslange Mitgliedschaften in Burschenschaften vorliegen.

Generell hätte ich nichts gegen Burschenschaften einzuwenden, wenn man den Eintrittsschwur dahingehend abändern würde, das es keine Verpflichtung auf Lebenszeit bedeutet, sondern das man jederzeit wieder aussteigen kann. Selbst wenn es die Germania oder eine sonstige Burschenschaft ist, die ihre Existenz auf ein Datum vor dem dritten Reich rückdatiert hat. Wäre eine Burschenschaft kein lebenslanger Bund, bestünde sogar die Möglichkeit, wieder für Soziales einstehen zu können, ohne sich generell dem Generalverdacht unterwerfen zu müssen, grundsätzlich nur braune Propaganda verbreiten zu wollen.

Ich bin also kein absoluter Feind der Burschenschaften. Nur an ihrem Aufbau – der stellenweise sehr diktatorisch ist – und an ihrer Denkweise. Beispielsweise würde ich Demokratiekurse für Burschenschaftsmitglieder an Universitäten zur Pflicht machen. Eben 20 weiter Semester politische Bildung, damit sicher gestellt ist, das sie nicht beim Horst Wessel-Lied reflexartig den rechten Arm zum Gruß erheben.

Wenn also die Burschenschaften sich dazu bereit erklären, sich zu reformieren, sich zu demokratisieren, muß man sie nicht schon wieder verbieten, wie es schon einmal der Fall war. Obwohl ein Verbot auch etwas Gutes hätte, da man jegliches familiäres Eigentum dann pfänden könnte, um jeglichen Mißbrauch wider des Grundgesetzes zu verhindern. Und ein armer Burschenschafter kann in dieser Gesellschaft eindeutig keinen Schaden anrichten.

Quelle: hier & hier

Update 29.05.2010

Leider bestätigt die SZ mit dem heutigen Artikel, daß alle Aussagen dieses Blogs Burschenschaften betreffend, vollkommen korrekt sind. Das davon auch die Burschenschaften betroffen sind, die Herr Tramitz hier in seinen Kommentaren erwähnte, und über deren braune Untriebe die Redaktion schon seit längerem Bescheid wußte, dürfte nun allgemein bekannt sein. Eine Entschuldigung Herrn Tramitz wird von der Redaktion angenommen werden, sollte sie noch kommen. Jedenfalls bedeutet dies, daß dieses Thema für das Blog noch nicht vorbei ist.

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