Mir gefallen immer wieder die Ausreden der Milchindustrie, warum ausgerechnet ihre Erzeugnisse in den vergangenen Monaten zusehends teurer und teurer und teurer wurden. Die deutsche Milchindustrie setzt sich nicht nur aus den Milchbauern zusammen, sondern mit den milchverarbeitenden Industrien. Zumeist kleinere Betriebe, die durch das Wirtschaftswunder zu phänomenalen Global Playern aufgestiegen sind.

Um nur einige Beispiele zu nennen:

  • Weihenstephan
  • Müller Milch
  • Ehrmann
  • Südmilch

Bis auf den Sojabauern Müller Milch arbeiten die anderen mit noch human verträglichen Mitteln. Was da so viel heißt, das die Milchkühe im Weidenbetrieb stehen und nicht ständig in der Abzapfanlage anzutreffen sind. Nun ist es aber auch so, das nicht alle diese Betriebe ihre Milch selbst produzieren, sondern sie bei umliegenden Bauern günstig einkaufen.

Südmilch beispielsweise arbeitet mit mehreren Genossenschaften zusammen, die sich wiederum zum Teil aus einigen hundert Bauernhöfen rekrutieren. Nun haben diese Genossenschaften und Kooperativen jedoch ein einziges, winziges Problem. Die Mitgliedsbeiträge der Bauern in diese errechnet sich aus dem mittleren Verkaufspreis für ihr Produkt. Die Genossenschaften (zumindest habe ich es mir so erklären lassen) erhalten von jedem verkauften Liter Milch gerade einmal 2 Cent für ihre Umlagen und die Bereitstellung größerer Kühlanlagen, die dann natürlich von allen Bauern der Kooperative gemeinschaftlich genutzt werden können. Manche Genossenschaften gehen mittlerweile sogar so weit, in dem sie als Zentralhändler für die Bauern fungieren und so der gesamte wirtschaftsmathematische Teil über ihre Schreibtische läuft und der Bauer quasi immer am Ende des Monats von der Genossenschaft seinen Anteil am Milchverkauf erhält.

Und nun wird es kompliziert. Obwohl die Kooperativen nur maximal 2 Cent je Liter Milch, die sie verkaufen, für die eigenen Unterhaltskosten abziehen, bleibt bei den Bauern effektiv zu wenig Geld hängen. Und dies nun ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, als der Chinese entdeckt, das er Milch zwar trinken, aber nicht verdauen kann – und sie ihm dennoch schmeckt.

Also entschloß sich die Milchindustrie da ein wenig vorzusorgen und erhöhte zum einen die Mengen, die sie aufkauft, zum anderen wurde der Milcheinkaufspreis um volle 15 Cent je Liter erhöht. Diese Erhöhung, die zwischenzeitlich vorgenommen wurde, blieb bei den Bauern jedoch kaum hängen. Bei Großbauernhöfen mit mehr 200 Milchrindern schon, jedoch nicht bei den kleinen Gehöften, die mit maximal 60 Rindern arbeiten.

Der deutsche Milchbauer ist nun bereit, obwohl er schon einen sehr guten Preis für seine Milch erhält, zu diesem Preis dennoch nicht die Milch abzugeben. Klar ist den meisten Milchbauern auch, das hier wieder die Milchindustrie den Großteil des zu erwartenden Gewinns einstreicht.

Um es einfach zu sagen: Die Bauern führen diesen Milchstreik nur deshalb durch, weil sie sich betrogen fühlen. Von der Industrie, nicht von ihren allwissenden Kooperativen und Genossenschaften. Also fordern sie eine faire Bezahlung für ihre Milch ein. Dies ist auch ihr gutes Recht. Nur sehe ich an dieser Stelle als Verbraucher nicht ein, für den nachwachsenden Rohstoff Milch den gleichen Preis zu bezahlen wie für den nicht nachwachsenden Rohstoff Benzin, den mein Fahrzeug dringend braucht.

Hat denn dieses Land die vielen Milchkampagnen vergessen, in denen es hieß, das die Milch es mache? Oder das Milch besonders gut für Kleinkinder ist? Wie soll sich eine Familie aus dem neuen Prekariat noch einen Liter Milch leisten können, wenn die Milchpreise abermals erhöht werden? Diese Fragen (und die dafür notwendigen Antworten) werden von den Milchbauern ignoriert. Hier tritt mal wieder ein neoliberaler Egoismus zutage, der wirklich traurig machend ist. Bisher konnten die Milchbauern von ihren Einnahmen durch den Milchverkauf sehr gut leben – und nun auf einmal soll dieser Preis nicht mehr genug sein? An dieser Stelle ist jetzt die Politik gefragt. Vornehmlich das Bunesministerium für Landwirtschaft und das Bundesministerium für Verbaucherschutz. Hier muß das deutsche Volk von der Abzocke der Landwirte beschützt werden.

Aber da es sich hier nur um Milch – und nicht um Erdöl dreht – dürfte es den in Frage kommenden Ministern so ziemlich egal sein, welcher Preis am Schluß (am dicken Ende) beim Verbraucher landet. Meines Erachtens ist der Milchpreis, der im Moment von der Milchindustrie gezahlt wird, sowieso zu hoch. In der EU klagten viele Länder früher über gewaltige Milchseen. Warum wird es dann nicht endlich Zeit, das die deutsche Milchindustrie nicht endlich entsprechend handelt und die Milch kostengünstiger in den Nachbarländern einkauft, solange die deutschen Bauern weiterhin darauf bestehen, Rekordpreise für ihre Milch verlangen zu dürfen! Da Milch nur selten an der Rohstoffbörse gehandelt wird, ist natürlich auch klar, warum der Preis so niedrig liegt. Würde er dort öfters gehandelt, könnte es sogar sein, das der Milchpreis auf europäischer Ebene noch niedriger liegt als er es jetzt schon angeblich tut.

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