Manche Leute sind unverbesserlich. Manche sind sogar richtig lernresistent. Wie ich heute leider beim Lesen der FAZ bemerken durfte. Die Zeitung hat vor 20 Jahren keinen Hehl daraus gemacht, was man mit dem Grünen Joschka (Joseph) Fischer am besten machen sollte, anstatt ihn den hessischen Landtag betreten zu lassen. Auch ließ die Zeitung damals keinen Zweifel daran, wie asoziale die Grünen doch eigentlich sind, wenn sie sich für mehr sozialen Umgang (auch in der Politik) einsetzen.

Ok, die Grünen/B90 sind nicht ganz links. Zumindest sind sie nicht so link wie die FAZ. Und dies ist durchaus wörtlich zu nehmen. Der heutige FAZ-Kommentar entbehrt nicht einer gewissen ironie. Zeigt er doch wieder einmal mehr die rechtsdrehende Faschomentalität gewisser Schreiberlinge, die meinen auch noch Spitzenkräfte ihrer Zunft zu sein. An dieser Stelle muß ich zugeben, das der Kommentar nicht nur sachlich, sondern auch thematisch falsch ist. Die einzige Partei, der man eine Bunkermentalität nachsagen kann, ist die hessische CDU, da diese krampfhaft an Roland Koch festhält, weil es keinen gibt, der bereitwillig seinen Posten machen will. Was natürlich für den uninformierten Zuschauer schwer nachzuvollziehen ist. Niemand tritt bereitwillig in die Fußstapfen eines politischen Lügners.

Um also nicht falsch verstanden zu werden: Ich bin eine linksdrehende Socke. Aber ich halte mich an das, was auf der Homepage der Partei DIE LINKE an die Adresse von Ministerpräsident Koch steht:

sicherlich finden auch einige in der Partei DIE LINKE den Kommunismus gut, die grosse Mehrheit in der Partei DIE LINKE lehnt den Kommunismus jedoch ab ! Wir sind also keine Kommunisten, noch Altkommunisten und werden auch wenn sie, lieber Herr Koch, es immer wieder verleumderisch behaupten, keine werden !!!

Was dies mit den Betonköpfen des rechten Lagers zu tun hat? Eine ganze Menge. Hier unterstellt bei der FAZ der große Kommentator und Kolumnist Stefan Dietrich der SPD eine Bunkermentalität, weil sie, vollkommen zurecht, an der Parteivorsitzenden Andrea Ypsilanti festhalte. Das gleichzeitig die CDU in Hessen krampfhaft jemanden mit Roland Kochs Ausstrahlung und nicht mit dem Gebaren von Herrn Christean Wagner sucht, wird dabei unter den Tisch fallen gelassen. Genauso die andere CDU-Initiative, das der untragbare Koch eindeutig auch innerparteilich weggemobbt werden soll. Nur findet sich wohl keiner, dies dem geschäftsführenden Ministerpräsidenten zu sagen. Nein, man wirft der Mamam Sozialdemokratie in Hessen Kaderdenken und Fraktionszwang vor. Dinge, die längst bei der hessischen CDU zum Grundtenor gehören. „Und willst du nicht mein Freund sein, schlag ich dir den Schädel ein!“ Danach wird in der CDU verfahren, wer aufmuckt, wird mundtot gemacht.

Wahrscheinlich unterstützt die CDU deshalb in den meisten Landkreisen mittlerweile parteilose Bürgermeister, weil diese nicht dem Kaderzwang und der Parteidoktrin unterliegen, nach Möglichkeit nicht für sich selbst zu denken.  Fest steht weiterhin, das der Kommentator sich an dieser Stelle mehr als nur einfach vergallopiert hat.

Die Leidensfähigkeit der hessischen SPD wird nur noch durch ihren Durchhaltewillen übertroffen. Ein einziger Unterbezirk hat es bisher gewagt, den Landesvorstand aufzufordern, personelle Konsequenzen aus dem zweifachen Scheitern einer gewagten Regierungsbildung zu ziehen. Schon die Tatsache, dass ein einstimmiger Gremienbeschluss nicht öffentlich mitgeteilt, sondern nur durch eine Indiskretion bekannt wurde, sagt einiges aus über die Bunkermentalität in dieser Partei.

Der Kommentator will uns schon mit dem ersten Satz eines mitteilen: Die hessische SPD besitzt Null Durchsetzungsvermögen, weil sie es nicht vermag, die gewählte Landesparteivorsitzende einfach zu stürzen. Zumindest nicht so, wie es damals bei Herrn Gökel lief, der ja von Frau Ypsilanti und Herrn Walter gemeinschaftlich abgesetzt wurde, weil er die Landtagswahl 2003 vermasselt hatte. Mit Leidensfähigkeit wird unter anderem noch angedeutet, das Frau Ypsilanti eindeutig schädlich für die rechtsdrehende Politik der Bundes-SPD ist (welches ich wiederum als gut empfinde, wenigstens eine ehrliche Politikerin). Doch der Kommentator legt nach. In dem man sich auf eine Indiskretion (mal wieder Herr Walter, oder?) beruft, die aus den Reihen der SPD kommt (Main-Kinzig, kommt nicht einer der vier Aufrechten aus diesem Wahlkreis?), will der Kommentator beweisen, das die hessische SPD unbedingt Frau Ypsilanti absetzen müsse, wie dieser eine kleine Unterbezirk es einheitlich beschlossen hat (liegt hier dann auch wieder Fraktionszwang vor? Ich will es nicht hoffen, obwohl ich mir nicht vorstellen kann, das wirklich alle Unterbezirksvorstandsmitglieder einstimmig gestimmt haben. Oder liegt hier gar Bestechung vor??) Was so schlimm dran sein soll, das die rot-grüne Regierungsbildung in Hessen schon zweimal an der hessischen SPD gescheitert ist, bevor die CDU eigene Geschütze auffahren mußte, erklärt der Kommentator leider im weiteren Verlauf seines Kommentars nicht.

Und genau an dieser Stelle erkennt man die Bunkermentalität der wirtschaftsgläubigen und -abhängigen vom rechten Lager. Sie fühlen sich gut eingegraben und hoffen allen Ernstes, das sie mit einem abgewählten Ministerpräsident Koch wirklich die kommenden Landtagswahlen gewinnen können. Dies wäre ja noch nicht so traurig. Trauriger ist hierbei der Umstand, das sich die Konservativen eindeutig zu sicher fühlen. Sie sind der Meinung, das sie die Landtagswahl gar nicht mehr verlieren können. Frau Ypsilanti ist zweimal gescheitert. Nun gibt es endlich die Neuwahlen, auf die Jörg-Uwe Hahn (FDP/Hessen) seit den letzten Landtagswahlen hingearbeitet hat.  Die Bunkermentalität ist hier eindeutig. Obwohl abgewählt, verbleibt Koch im Amt. Zwar nur geschäftsführend und wieder seine alten Spielchen spielend, aber eindeutig nicht vom Souveran bestätigt. Die Meinung der hessischen Bürger lief bei der letzten Landtagswahl auf eine linke Regierung unter Duldung der LINKEN heraus. Wer dies nicht erkennen will, sich der Wirklichkeit derart sperrt, lebt eindeutig eine Bunkermentalität, die sogar die Leidensfähigkeit der SPD in Hessen eindeutig in den Schatten stellt. Früher nannte man so etwas unbelehrbar, heute nennt man es Wirtschaftsfaschist!

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