Das Kreuz hat in Klassenzimmern, Gerichtssälen und anderen öffentlichen Einrichtungen nichts zu suchen, weil es ein christliches Symbol ist und der Staat keine Religion bevorzugt behandeln darf“ (Urteil BVerG)

Manche Dinge ändern sich nie, andere nur schleppend. Dieses wunderschöne Land schloß im Jahre 1938 einen Pakt mit dem Teufel. Naja, eigentlich schlossen da zwei Teufel einen Pakt miteinander. Man nannte das ganze formschön noch Konkordatsvertrag und zumindest eine der beiden Vertragsseiten bekam damit seine Schäfchen ins Trockene. Die andere Seite wurde in einem total narrischen Weltkrieg weitgehends verheizt. Nun ist es jedoch so, daß die römisch-katholische Kirche schon mehrfach bewiesen hat, das Lernfähigkeit auch nicht eben zu ihren Stärken gehört. Eher im Gegenteil. Wahrheiten, die der Kirche nicht gefielen, wurden entweder brutal unterdrückt, oder aber gänzlich aus dem Kanon gestrichen. Dies ging zeitweise sogar so weit, daß man kircheninterne Kritiker auf den Scheiterhaufen warf, weil sich doch tatsächlich erdreisteten, einen andere Meinung als Stuhl Petri zu haben. Eine eigene Meinung kann innerhalb des Klerus durchaus tödlich werden.  [Siehe dazu den Bergunfall eines Pfarrers von St. Pölten.]

Dies wäre mir jedoch keinen Artikel Wert, wenn es nur um solche Kleinigkeiten ginge. Das inner- und außerhalb der Kirche von jener immer noch fleißig gemordet wird, wenn es notwendig ist, ist für den Eingeweihten ein offenes Geheimnis. Meistens entledigt sich die Kirche jedoch eigener Geheimnisträger dadurch, damit nicht noch mehr ans Tageslicht dringt, als so schon passiert. Hin und wieder muß eben gehobelt werden, damit weiterhin das Antlitz des Herrn in voller Güte erstrahlen kann.

Nachdem in diesem schönen Land das Bundesverfassungsgericht im berühmten Kruzifix-Urteil feststellte, daß religiöse Symbole aus Schulen heraus zu bleiben haben, war natürlich nicht nur der Klerus sauer. Sondern auch eine Menge der Salon- und sonstigen Faschisten, weil sie sich in ihrer eigenen Entwicklung eingeschränkt ansahen. Im schönen Bayern fand man dann die Lösung mit einem Schulerlaß, der jeder Schule selbst erlaubte, ob sie ihre Kruzifixe hängen ließ. Gezahlt wurde eine kleine, fünfstellige Prämie an jede Schule, die die Kreuze hängen ließ. [Ist schriftlich verbürgt.] Also blieben in Bayern erst einmal die Kreuze dort, wo sie nicht hingehörten. In diversen Klassenzimmern.

Andere Bundesländer fanden andere Lösungen. Manche berieten sogar mit ihrem Generalvikar und dem entsprechenden Bischof darüber, wie hier verfahren wird. Und dabei trat dann damals eine Denkweise zu Tage, die wirklich denkwürdig ist. Jedoch nicht weiter überraschen sollte!

Das Konkordat war 1956 vom deutschen Bundestag aufgehoben worden. Die entsprechende Antwort aus dem Vatikan war, daß man diese politische Entscheidung wahrgenommen hatte. Die entsprechende päpstliche Ratifizierung der Vertragsrücknahme jedoch steht seitdem aus. Im Klartext heißt dies: Die Kirche erkennt die Aufhebung des Konkordats nicht an. Dazu ist nur der Papst berechtigt. Und unser jetziger, Josef Ratzinger, würde einen Teufel tun, in Zeiten von sinkenden Mitgliedszahlen, die Aufhebung des Konkordats anerkennen.

Kardinal Meisner jedoch prägte dieser Tage einen Spruch, der nicht weiter überraschen sollte, gibt er doch ziemlich deutlich wieder, wie in der Kirche überhaupt gedacht wird – falls gedacht wird: „Staatliche Neutralität ist bei uns kein Laizismus, und Religionsfreiheit bedeutet nicht von oben verordnete Freiheit von Religion und ihren Zeichen“, weist Meisner Özkans Vorstoß zurück, von dem sie sich nach Protesten auch selbst distanziert hat.

Der Klartext ist auch relativ einfach zu verstehen:  Er heißt nämlich: Das Konkordat ist nach wie vor gültig. Deutschland ist keine säkularisierte Nation nach dem Grundgesetz, sondern eine laizistische nach dem Kirchenrecht.  In einem solchen Fall hat das Symbol der römisch-katholischen Kirche dort zu verbleiben, wo immer es befindlich ist. Nur die Kirche selbst darf darüber befinden, wo ihr heiliges Symbol vorhanden und vorzufinden ist. Keine andere Macht im Land hat das Recht, dies in irgendeiner Form und Weise zu beschneiden. [Dies wurde mir ebenfalls von einigen Katholibans bestätigt, daß es genau so von der Kirche gesehen wird.]

Stellt sich also die Frage, worum geht es der Kirche hierbei wirklich? Nur um die Einhaltung des Konkordatsvertrages? Wenn es nur dies ist, würde dies bedeuten, daß die Bundesrepublik demnächst wieder gezwungen wäre, Juden, Andersdenkende, Freigläubige, Sinti und Roma zu vergasen und industriell umzubringen! Dies möchte ich am aller wenigsten hoffen, nur deuten geschichtliche und historisch verbürgte Daten darauf hin, daß Teile des Konkordatsvertrages genau dies aussagten und das deshalb das Dritte Reich erst mit der entsprechenden Massenvernichtung begonnen hat. Zeitlich würde es auch passen und es würde nicht einmal die Grausamkeit und Idiotie dieses Genozides in Frage stellen, sondern eher untermauern. Nur sollte dies wirklich daran liegen, daß die Kleriker nach wie vor von der Gültigkeit eines Konkordats überzeugt sind, verwundert es auch nicht, daß sie schamlos Kinder als sexuelle Spielzeuge mißbrauchen. Immerhin gäbe ihnen die Rechtmäßigkeit eines solchen Vertrages in unserer Demokratie weitgehendste Narrenfreiheit. Und solche ist immer gefährlich, wenn sie von den falschen Mächten ausgeübt wird.

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