Kindesmissbrauch in Institutionen und Familien wirksam begegnen
Bei den zahlreichen Fällen von sexuellem Missbrauch in Institutionen, die in jüngster Zeit aufgedeckt werden, darf nicht übersehen werden, dass die schwerwiegendsten Entwicklungstraumatisierungen beim Missbrauch durch Vertrauenspersonen innerhalb der Familie geschehen. Darauf weist die Deutsche Gesellschaft für Systemische Therapie und Familientherapie (DGSF) in ihrer Stellungnahme „Kindesmissbrauch wirksam begegnen“ hin.

„Jeder Schlag ins Gesicht oder auf den Po und jeder sexuelle Übergriff hat seine seelischen Folgen“, schreibt der Verband der Familientherapeuten und Berater. Missbrauchsopfer würden aber keineswegs zwangsläufig eines Tages selber zu Tätern. Allerdings müssten Missbrauch und körperliche Gewalt möglichst frühzeitig gestoppt werden, damit Kinder und Jugendliche in ihrer psychischen, geistigen und körperlichen Entwicklung nicht erheblich geschädigt werden. An die Stelle der seelisch traumatisierenden Erlebnisse sollten „heilende Erfahrungen mit anderen Menschen“ treten. Systemische Interventionsansätze hätten sich dabei in unterschiedlichen Arbeitsfeldern bewährt. Sozialpädagogische Familienhilfe oder Aufsuchende Familientherapie könnten außerdem helfen, innerfamiliärer Gewalt und innerfamiliären Übergriffen vorzubeugen.

Auch in Organisationen könnten Erfahrungen aus Systemischer Therapie und Beratung hilfreich sein, um Missbrauch zu verhindern. So sei bei nach außen abgeschotteten Organisationen bekannt, dass sie für heimliche oder verheimlichte Übergriffe anfällig seien. Hier sei der Kontakt zu externen Beratern hilfreich. Professionelle Beratung und Begleitung von Mitarbeiterteams in Schulen, Heimen oder anderen Organisationen könne dazu beitragen, dass sich „geschlossene Systeme“ zu „offenen Systemen“ entwickeln. In Schulen sollte beispielsweise regelmäßige Supervision oder Coaching für Lehrer eingerichtet werden. Es komme darauf an, Dialog und Konfliktfähigkeit zu stärken und das Bewusstsein wach zu halten, dass Übergriffe überall passieren könnten. „Immenser menschlicher Schaden wird abgewendet, wenn von Übergriffen Betroffene nicht mehr Jahre und Jahrzehnte mit ihrem Trauma alleine bleiben, sondern zeitnah Gehör und professionelle Unterstützung finden“, so die DGSF in ihrer Stellungnahme.

Quelle: prekär-info

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1 Kommentar on „Liebe (in den) Familien“

  1. Diotima sagt:

    Aber wie macht man geschlossene Systeme transparent? Durch Videoüberwachung oder Verchipung oder sonstige BIG BROTHER Methoden? Oder indem man mit Vorsorgegesetzen Eltern von rechts wegen dazu zwingt, ihre Kinder zu den kinderärztlichen Untersuchungen zu bringen und das dergestalt, dass jedem Impfverweigerer per se asoziale Tendenzen unterstellt werden?
    So sieht doch der derzeitige Lösungsansatz aus.
    Das Problem hierbei ist, dass ein engmaschiges Überwachungsnetz selber ein in sich geschlossenes System bildet, das für die Überwachten eben gerade nicht transparent ist. Wer überwacht die Überwacher und beugt so weiterem Missbrauch vor?
    Ich bin dafür, das Problem des Missbrauches an der Wurzel zu bekämpfen. Dazu sollte man sich fragen, woher pädophiler Missbrauch kommt, welche Tradition er in Europa hat…Die unrühmliche Rolle der Kirche ist dabei nicht länger übersehbar, doch auch sie fußt nur auf einer älteren Tradition auf…Der Pädophilie von Pädagogen, egal ob in Lehr-oder Erziehungsfunktion. Woher kommt sie? Das ist doch die Frage.
    Wie ist es möglich eine liebevolle Beziehung zu Kindern herzustellen, die nicht auf Schlägen oder Missbrauch basiert?
    Eine Erziehung, die nicht zum Ziel hat, das Kind körperlich und seelisch zu brechen, um es geistig besser programieren zu können…
    Dazu müsste man den Kindern von Geburt an erst einmal Menschenrechte zugestehen. Viel zu viele Entscheidungen werden doch über den Kopf der Kinder hinweggetroffen. Und dazu sollte man ihnen frühzeitig beibringen wie man sich wehrt: auf jeder Ebene. Statt dessen bringt man ihnen durch sinnlosen Turnunterricht die Vorbereitung auf den Kriegsdienst bei. Dabei geht es um die Verteidigung des Staatskörpers. Der Staat wird als Identifikationsfigur dargestellt. Dabei müsste man den Kindern möglichst frühzeitig beibringen, den eigenen Körper zu schützen…und zu begreifen, dass wir alle auf der Ebene der Körpersprache eins sind und das interkulturell und international… Auch ist es unmöglich, dass man Jugendlichen kein eigenständiges Sexualleben zugesteht…, indem man begreift, dass Sexualität auch nur eine Spielart von Körpersprache ist, die intime Inhalte zwischen Liebespartnern vermittelt, die aber möglichst auf Augenhöhe sein sollten… Da sind Lehrer überraschend verklemmt. Eine Freundin von mir, die beim Gesundheitsamt arbeitet, hatte mal einer katholischen Schule einen Kurs angeboten, in dem Kondome bemalt werden sollten, zum Zwecke der Aufklärung. Die Schule lehnte dankend ab. Ich war selber Schülerin dieser Schule an der man die Erklärung des Umgangs mit Kondomen zum Zwecke des Jugendschutzes ablehnte. Dennoch brachte man uns alle Indikationen des Abtreibungsparagraphen en detail bei und zwang uns im zarten Alter von 15 zum Zwecke der Aufklärung einen Film über eine Abtreibung auf. Ich hielt mir damals die Augen zu. Die anderen sahen die blutigen Details… Muss so jugendgemäße Aufklärung aussehen? Geht das nicht irgendwie humaner und weniger abschreckend??? Ist der menschliche Körper nicht auch etwas Schönes und hat Erotik denn immer nur etwas mit Fortpflanzung zu tun? Wird man immer noch seitens moderner Pädagogen nicht müde vor den Folgen von Onanie zu warnen? Die Funktion der Klitoris könnte da auch etwas näher erläutert werden, viele Frauen würden von dieser Art der Aufklärung erheblich profitieren. Und warum zum Beispiel erklärt man Jugendlichen nicht wie eine Geburt funktioniert und wie man positiv damit umgeht, wenn man reif genug dafür ist? Was nützt es schon, sämtliche Abtreibungsmethoden zu kennen, wenn man nicht einmal weiß wie eine ganz normale Geburt vonstatten geht?
    Der distanzierte Umgang von Männern mit Kindern oder Grenzüberschreitungen werden auch nicht dadurch besser, dass man Männer vom Geburtsgeschehen dauerhaft fernhält und nur zum Töten erzieht…Es kann doch nicht sein, dass jeder Mann, der sich nicht mit Händen und Füßen wehrt, mit 19 Jahren weiß, wie er einen anderen umbringt, aber nicht wie er einem Menschen, den er noch dazu selber gezeugt hat, ins Leben verhilft…
    Ist es wirklich sinnvoller den Abknallprozess zu erklären als den Abnabelungsprozess? Das eine ist anscheinend normale Sozialisierung, das andere gilt als obszön. Da stimmt etwas nicht in unserem kulturellen Wertekanon. Ich finde, man sollte Männern gerade die Achtung vor dem Leben beibringen, indem man ihnen vermittelt, welche Arbeit es ist und welch ein intensiver Prozess für Frauen es zu reproduzieren. Dies würde die Distanz zwischen den Geschlechtern abbauen und zu mehr Mitgefühl und Solidariät führen, anstatt neue Soldaten auszuspucken…Doch gerade das ist ja der negative Wertekanon der Kirche: das Sex etwas Schmutziges Niedriges sei und von Gott wegführt. Wenn aber Gott die Liebe ist und alles aus Liebe entsteht, dann sollte man die ars amatoria des Ovid oder die Kunst des Liebens von Fromm zur Pflichtlektüre an Schulen machen. Denn Jugendliche in einem gewissen Alter sind wie trockene Schwämme, die dieses Wissen begierig aufnehmen, wenn man es ihnen auf eine Weise präsentiert, die nicht abstoßend oder peinlich ist, sondern psychologisch und literarisch ästhetisch… Doch dazu muss man selber eine gesunde Einstellung zur eigenen Körperlichkeit haben und da liegt wohl der Hund begraben. Die schwarze Erziehung steckt uns noch in den Knochen, leider…
    Die Erziehung hin zum Kadavergehorsam,

    Oder man könnte Jugendliche und auch Kinder darüber aufklären, was sie tun müssen wenn ihnen ein böser Onkel Bonbons anbietet-NEIN sagen…Aber dazu müsste es in unserer Kultur die auf dem JA Sagen beruht einen neuen Impuls hin zu der Erziehung geben auch mal NEIN zu sagen, wenn man etwas nicht möchte…Da aber unsere Kultur auf Vergewaltigung des freien Willens auffußt, ist es logisch, dass sie fortwährend auch die physische Vergewaltigung gebiert… Dabei handelt es sich bei pädophiler Vergewaltigung um die Spitze eines Eisberges, der auf einen unterseeischen Abgrund hindeutet… Mut zum NEIN Sagen, Mut zur Befehlsverweigerung, zur Selbstverteidigung, dies braucht einen neuen Erziehungsstil…Und das hat nichts mit antiautoritärer Erziehung zu tun, sondern damit den Kindern ein Gefühl dafür zu vermitteln, wann und wem sie vertrauen können und wann es Zeit ist, sich zu wehren und um Hilfe zu bitten.
    Dies erreicht man meiner Meinung nach nur, indem man eine neue Art der Erziehung entwickelt, die die von Natur aus angeborenen Instinkte der Kinder fördert und sie in ihrer ohnehin vorhandenen emotionalen Intelligenz bestärkt. Zur Zeit aber haben wir ein Erziehungsmodell, das völlig körperlos und verkopft ist und die Menschen zu ferngesteuerten dogmatisierten Robotern sozialisiert…Immer wird nur mit dem iQ gearbeitet, doch es fehlt der eQ…Das ist sehr einseitig und traurig, denn dadurch kommt es irgendwann dazu, dass das verdrängte Animalische in anderer Form hochkommt, in Form von Gewalt und Missbrauch. Nur Menschen, die nicht selbstbewusst sind, lassen sich missbrauchen und zwar auf jeder Ebene…Es genügt also nicht, antiautoritäre Erziehungsmodelle zu propagieren, es ist notwendig, die Autonomie des Kindes frühzeitig zu fördern, indem man sein Selbstwertgefühl stärkt- durch echte Alternativen zum früheren schwarzen Erziehungsstil…Doch wo sind sie und wer findet sie und wer lebt sie? Wer will denn schon freie Menschen???