Hessen hat vier Helden. Vier mustergütige Helden. Vier Nationalhelden. Vier demokratische Helden. Was hat der Bund statt dessen? Merkel!

Um diese vier mustergütigen Helden geht es heute. Ein jeder hat eine Vita, die an für sich schon interessant ist. Aber ich möchte an dieser Stelle etwas aufzeigen, welches in diesem Blog hin und wieder zu kurz kommt, politische Fairnis. Interessanterweise wurden alle Artikel über den ehemaligen SPD-Landesparteivize von Jemanden aus einer Führungsetage der FraPort in den letzten Tagen hier gelesen. Nicht der Rechtsabteilung, deren IP ist uns bekannt, sondern aus einem Führungsbüro heraus rief man unseren Blog hier auf. Dies adelt uns, macht aber mir als Autor es hier ein wenig schwer, weiterhin objektiv bei diesem Thema zu bleiben. es tut jedoch nichts weiter zur Sache, da ich die Bestechungsvorwürfe selbst nicht glaube, die aus den SPD-Reihen gegen die vier ‚Aufrechten‘ aufgekommen sind. So blöd ist kein hessischer Politiker, nicht wahr?

Beginnen wir mit den vier einzigen Sozialdemokraten, die wir anscheinend in unserem Land noch vorfinden können. Mir muß nur vorher Jemand drittes erklären, warum eine neoliberale Denkweise sozialdemokratisch ist. Vielleicht habe ich hier ein Wissensdefizit, daß man erfolgreich ausräumen könnte. Aber ich will nicht in Lapuentes Zynismus verfallen, mein eigener reicht mir an dieser Stelle eigentlich sonst aus.

Deshalb sollten wir ganz demokratisch an der einflußlosesten Person der sogenannten ‚Viererbande‘ anfangen. Damit hier keine Irritationen entstehen, die originale Vierbande war im modernen China die Witwe von Mao Tse-Tung, sowie dreier seiner Minister, die mit absoluter Brutalität in den 70’er Jahren des vergangenen Jahrhunderts eine Herrschaftsdoktrin durchsetzen wollten, nachdem die Macht nur von der Spitze ausgehen sollte und nicht vom Volke. Gleichzeitig maßte sich die originale Viererbande an, direkt von den chinesischen Drachengöttern abzustammen. Ganz so weit haben es die vier hessischen Musketiere nicht gebracht. Obwohl man allen vieren eine gewisse Abgehobenheit diagnostizieren muß. Als einflußloseste Person der Fantastischen Vier wird Silke Tesch gesehen.

Die gelernte Erzieherin mit den hochtrabenden politischen Ambitionen hat einige Jahre relativ erfolgreich mit ihrem Ehegatten einen kleinen Handwerksbetrieb geführt. Der Betrieb lief so gut, das sie kurz vor dem eigentlichen Durchstarten ihrer politischen Karriere wohl Konkurs anmelden mußten. Dies ist Schade. Da wir jedoch Hessens Kultzur- und Familienpolitik kennen, brauchen wir uns auch nicht weiter zu wundern, daß Frau Tesch niemals eine Anstellung als Erzieherin im Land bekam. Ihr politischer Untergang, der mit dem Verrat an Ypsilanti begann, wird sie nun auf Hartz IV-Niveau bringen. Ihre Familie ist alles andere als finanziell gut gestellt und entsprechend abgesichert. Es ist traurig, wie leicht Jemand nicht nur seine Träume, sondern auch seinen Verstand den Zielen von dritten opfert. Das ihre Karriere schon am Ende ist, hat sie selbst zu verantworten. Obwohl sie wirklich eine soziale Veranlagung hat, wie man an ihrem Engagement für das DRK in ihrer Heimatgemeinde sehen kann, ist es Schade, das sie sich so ‚gewissenhaft‘ entschieden hat, wie sie es tat. Und sie ist eindeutig nicht die Art Frau, die sich für eine Gefälligkeit bestechen läßt. Bei ihr greifen diese Vorwürfe also schon einmal gar nicht.

Auch der Nächste der sogenannten vier Musketiere ist eine Person, der man kaum politisches Gewicht zugestehen kann. Wahrscheinlich liegt es daran, das Frau Carmen Everts während ihrer Zeit im hessischen Landtag kaum mehr aufgefallen ist.

Dieser Musketier ist Doktorin. Also Jemand, der eine Doktorarbeit zur Habilitations abgeliefert hat, über ein Thema, über das vorher noch nichts geschrieben wurde. Dafür kann man ihr gratulieren. Gebürtige Wilhelmshavenerin, da verwundert es dann, warum sie so tief im Binnenland ihre politische Karriere gestartet und gleich wieder ruiniert hat. Aber der Geburtsort ist hier Nebensache, wichtiger ist das, was sie einmal für ihre SPD gewesen ist. Groß-Gerau ist von jeher ein eher gemäßigter politischer Flecken in diesem schönen Land. Zwar ist der Wahlkreis entsprechend groß, aber große politische Rülpser hat man von dort eher weniger vernommen. So hat Frau Doktorin als wirtschaftspoliitische Referentin durchaus Punkte sammeln können. Sie hat Ahnung von der Sache – und anscheinend kein Gewissensproblem damit, kochsche Politik durch den Ausschuß zu manövrieren mit Zugeständnissen, die allen Absprachen zuwider laufen. Anders kann man sich das Zustandekommen der Flughafenerweiterung mit einem Nachtflugverbot zu einer Beschränkung auf 17 Starts und Landungen in der Nacht (aktuell sind 7 erlaubt) kaum vorstellen. Ob hier direkte Lobbyarbeit von ihrer Seite her im Spiel war, möchte ich ihr nicht unterstellen. Immerhin liegt ihr Wahlkreis direkt in der Anflugszone des Flughafens. Das für dieses Thema von ihrer Seite nicht mehr Widerstand gekommen war, irritiert dann schon. Vor allem wenn man weiß, das sie die betreffende Referendarsleiterin zwischen 2003 und 2008 gewesen ist. Das sie vor ihrer SPD-Karriere, die nun einen bitterbösen Knick aufweisen wird, für NIKE Europa tätig war, verwundert dann schon ein wenig. Das ihre Arbeit über Extremismus in der Politik leider nicht im Internet abzurufen ist (zumindest habe ich sie noch nicht gefunden), rundet das Bild über sie leider negativ ab. Ihr den Gewissenskonflikt abzukaufen, würde bedeuten, der FraPort abzukaufen, das die geplante Startbahn ohne Abholzung des Kelsterbacher Waldes gebaut werden könne. Ihre Glaubwürdigkeit ist zerstört, unwiderbringlich.

Die einzige, der vier Musketiere, die von Anfang an als Abweichlerin da stand, war Frau Dagmar Metzger.  Schwiegertochter (und nicht Tochter, wie ich an anderer Stelle fälschlich schrieb) des ehemaligen darmstädter Oberbürgermeisters, der unter anderem ein Mitbegründer des ‚Seeheimer Kreises‘ gewesen ist. Sie vertritt eins zu eins die politische Denkweise ihres Schwiegervaters. Aber, und dies muß man ihr zugute halten, Niemand ist perfekt.

Auch eine zugewanderte Politikerin. Davon findet man in Hessen sehr viele. So weit ich weiß, hat die hessische SPD nur noch drei Parteimitglieder in Führungspositionen (außer Frau Ypsilanti), die noch hier im Bundesland geboren sind und hier auch entsprechende Politik machen. Der Rest sind zugewanderte politische Emporkömmlinge und Karrieristen. Bei einer solchen Durchsetzung des hessischen Landesverbandes braucht man sich dann über einiges nicht mehr zu wundern.

Wir waren aber bei Dagmar Metzger. Geboren ist die gute im fernen Berlin. Zu einer Zeit, als die deutsche Teilung bereits aktenkundig war und man sich schwer tat, der Verwandtschaft von ‚drüven‘ mal etwas gutes zu tun. Also ein Care-Paket zu schicken oder bei der Flucht aus dem stalinistisch-kommunistischen System zu helfen. Dementsprechend besteht hier eine frühkindliche Prägung, das alles, was sozial ist (und keine Arbeit schafft), schlecht für den Menschen ist. [Mit dieser Denkweise wäre sie bei der eberstädter CDU besser aufgehoben. Dies setzt schon eine gewisse UBootmentalität bei ihr voraus.] Sie ist künstlerisch und ebenso kunstorientiert. Sie sitzt unter anderem im darmstädter Denkmalbeirat, der sich im vergangenen Jahr (auf betreiben eines darmstädter Bürgers, der nicht der SPD oder CDU angehört) zur Aufgabe gemacht hat, die ganzen Stadtbrunnen endlich mal katalogisieren und Stück für Stück renovieren zu lassen. Alles in Allem ist Frau Metzger die einzige der ‚Aufrechten‘ vier, die man wirklich Ernst nehmen kann. Auch wenn man ihr als Negativ ihre frühkindliche Prägung vorhalten muß.

Der letzte der vier ‚wahren‘ Sozialdemokraten ist für mich persönlich auch das schlimmste Ãœbel. Von seinen Machenschaften mit der FraPort wird so einiges herumphantasiert, aber solange ich dafür keine eindeutigen Beweise habe, lasse ich dies außen vor, sondern beurteile nur die Person und ihren Werdegang. Es dreht sich heirbei um Jürgen Walter, ehemaliger Landesparteivizevorsitzender. Das er von diesem Amt zurückgetreten ist, bevor er gefeuert werden konnte, ist das einzige, das moralisch für ihn spricht. Rein persönlich ist er mir vollkommen schnuppe, wie die vielen Arbeitslosen ihm wohl egal sind, nachdem er verhindert hat, das jene im Land wieder eine vernünftige Arbeit bekommen können. Aber alles der Reihe nach.

Jürgen Walter ist fast so alt wie ich. Nur einige Monate jünger – und damit politisch unerfahrener. Er ist im Wahlkreis von Frau Everts geboren und aufgewachsen. An für sich nichts schlimmes, es gibt schlimmere Gaue hier. Er ist der typische Loser, der sich aus den untersten Schichten der Gesellschaft hochgearbeitet hat. Seine Mutter arbeitet bei einem im Land bekannten Autobauer (gibt nur einen hier), sein Vater hat jahrelang seinen Unterhalt und den seiner Familie als simpler Schlosser erwirtschaftet. Jedoch nicht selbstständig, sondern abhängig beschäftigt (so heißt das doch heute, oder?) Der ehemalige Landesparteivizevorsitzende ist also derjenige in seiner Familie, der es am weitesten gebracht hat. Er studierte in frankfurt/Main Jura und besitzt eine kleine (winzige?) Kanzlei in seiner Heimatstadt. Auch nix schlimmes. Das er gleichzeitig auch zum wirtschaftspolitischen Teil der SPD gehört, muß hier nicht sonderlich erwähnt werden. Auch nicht, das Herr Walter der tonangebende Mann im Land des ‚Aufsteiger‘-Flügels der Bundespartei SPD gewesen ist. [Jener ‚Aufsteiger‘-Flügel setzt sich aus den wirtschaftsabhängigen Verlierern der SPD zusammen. Ihm gehören unter anderem der vollständige ‚Seeheimer Kreis‘ an, der immer so unschuldig tut, wenn die ‚Aufsteiger‘ etwas anstellen, sowie der aktuelle Bundesparteichef und der amtierende Kanzlerkandidat der Bundespartei.] Wenn man Walter bei Wahlveranstaltungen erlebt hat, so glänzte er meistens dadurch, daß er wenig Neues brachte. Statt dessen betrieb er eine Politik der Hintertreibung. Seine Wünsche für den Ausbau des frankfurter Flughafens sind allgemein bekannt und decken sich merkwürdigerweise komplett mit denen der FraPort selbst. Zumindest ist ihm die Idee mit dem Flughafenbahnhof auf Transrapidbasis nicht gekommen, dazu hat es einen Herrn Stoiber gebraucht.

Mein Fazit über diese vier ‚aufrechten‘ Sozialdemokraten:

Hessen hätte es bedeutend schlimmer treffen können. Bei der Pressekonferenz des Verrats an der hessischen Parteipolitik gab sich unter anderem Jürgen Walter als der wortkargste der Vier. Alles im Allem war auch das Verhalten von Jürgen Walter jenes, das mich am meisten Betroffen gemacht hat, tat er noch so auf dem Nominierungsparteitag in Pfungstadt im vergangenen Jahr so, als stünde er, sollte er die Nominierung verlieren, dennoch hinter seiner Parteichefin. Das er dies nun nicht getan hat, sondern das genaue Gegenteil, wäre schon mit einem Parteiausschlußverfahren zu bestrafen. Immerhin schadete er dadurch (und seine drei Mittäterinnen ebenfalls) dem Ansehen der Bundespartei entscheidend.

Bei Jürgen Walter kann man zumindest andere Motive als das ‚reine‘ Gewissen vermuten. Das hier eine politische Abrechnung anstand, war klar. Das er jedoch nicht bis zur Ministerpräsidentenwahl gewartet hat, kann man so oder so auslegen. Einerseits war es fair, es Frau Ypsilanti 20 Minuten vor der Pressekonferenz im Hotel telefonisch mitzuteilen, andererseits war dies gleichzeitig auch das Eingestehen eines totalen politischen Versagens. Ein Parteiausschluß würde an der gescheiterten Karriere des Herrn Walter auch nichts mehr ändern. Jedoch ist er der einzige der vier, der wirklich einen sehr guten Draht zu der frankfurter FraPort besitzt. Die ich jedoch als Schmierer hier ausschließen kann. Selbst ein verzögerter Flughafenausbau ist ein Flughafenausbau. Zudem kann man den entstandenen Schaden als Werbungskosten von der Steuer abziehen. Die FraPort hätte also in jedem Fall gewonnen.

Anders der Fall Dagmar Metzger. Von ihr ist bekannt, das sie Vorstandsmitglied der hessischen HEAG ist, die gleichermaßen eine Tochter der RWE POWER AG ist, deren Vorstandsvorsitzender der Ex-Wirtschaftsmister Wolfgang Clement ist, der in der Januarwahl diesen Jahres davon abriet, die SPD überhaupt zu wählen. [Hätten sich mehr Leute daran gehalten, wäre Dagmar Metzger nicht in den Landtag eingezogen, ergo der Verrat von ihrer Seite, der mehr ihrer Überzeugung entspricht, wäre so nicht geschehen.] Andererseits gab es genug, die den Rat beherzigten und gleich DIE LINKE wählten. Vor allem in dem Wahlkreis von Frau Metzger.

Dr. Carmen Everts jedoch hat keinerlei nachweisbare Verbindungen zur Energiewirtschaft, noch zur FraPort. Ihr Mitlaufen basiert auf ungefähr den gleichen Gründen, wie bei Herrn Walter. Es war etwas persönliches. So wie Verrat in den meisten Fällen auf persönliche Animositäten zurückzuführen ist. Bei ihr kann man eine Bestechung ausschließen. Bei Herrn Walter übrigens auch, dem es nur darum ging, Frau Ypsilanti zu diskreditieren und sich selbst wieder ins Gespräch zu bringen.

Frau Silke Tesch hat genau wie Frau Dr. Everts keinerlei nachweisbare Verbindungen. Also kann man die Verschwörungstheorie an dieser Stelle abhaken. Interessant ist jedoch, wer der Held im Hintergrund war, der diese vier Verschwörer aus dem Dunklen heraus führte. Es stellt sich für mich als eindeutiger Beweis dar, daß mit diesem Verrat nur mal wieder eine menschliche Schwäche kaschiert werden sollte. Nämlich verletzter Stolz und Eitelkeit, einer Frau unterlegen zu sein. So weit mir bekannt ist, nahm der von Frau Ypsilanti gestürzte Amtsvorgänger Kontakt mit den 4 ‚Aufrechten‘ auf, und schweißte sie zu einem Arbeitsteam zusammen. Einem Arbeitsteam, das ihm erlauben sollte, wieder an der aktiven Politikbestimmung der Landespartei teilzunehmen. Leider wurde da nichts drauß, da falscher Stolz und Egomanie schon immer, politisch gesehen, schlechte Ratgeber waren. Welcher Hinterwäldler da nun was genau wollte, konnte ich noch nicht ermitteln, aber die Legende, das da Bestechung im Spiel gewesen sein soll, kann so herum nicht nachvollzogen werden. Nicht einmal das kochsche Angebot für zwei der vier Parteischädlinge, das sie im Falle einer Großen Koalition entsprechende Ämter in der Landespolitik erhielten, konnte verifiziert werden. Man muß also davon ausgehen, das es nur eines war: Kalte, persönliche Rache! Und dies gleich bei allen vier!

Nachtrag 12.11.08:

Der geheimnisvolle Schattenmann im Hintergrund der vier ‚Aufrechten‘ und einzig(artigen?) Sozialdemokraten in der deutschen Geschichte scheint Gerhard Bökel gewesen zu sein. Selbst ein in und an der Wahl gescheiterter Landesparteivorsitzender der SPD, der von Frau Ypsilanti im Jahre 2003 nach seinem eklatanten Wahlverlust gestürzt wurde (mit der Hilfe ihres jetzigen Ex-Vizeparteivorsitzenden Jürgen Walter.)

Nachtrag II 12.11.08:

Ich fand eben dies im Blog ‚Mein Parteibuch‚ im Kommentarbereich. Sehr interessant und sehr aufschlußreich. Anscheinend reichen da verschiedene Tentakel weiter, als man auf dem ersten Blick glauben konnte:

Ansonsten ist vielleicht noch interessant, dass sich Silke Tesch am Wochenende vor der Verräter-Pressekonferenz in Edertal-Hemfurth mit dem EON-Chef des örtlichen Wasserkraftwerks in einer Gaststätte traf. Edertal-Hemfurth liegt allerdings nicht in Frau Tesch´s Wahlkreis. Den Rest kann man sich ja denken.

Oder auch nicht ..!

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