Perfect blue

Genre: Anime, Thriller
Darsteller: alle gezeichnet

Regie: Satoshi Kon

Kenner des japanischen Kinos wissen, daß manche Filme eine hintergründige, wahre Geschichte offenbaren, wenn man nur zuläßt, ihren genauen Inhalt zu hinterfragen. Die japanische Manga- und auch Anime-Szene liefert da oft sehr drastische Beispiele. Animes sind in Japan Kunst – und nicht wie in der westlichen Welt fälschlicherweise behauptet – Kintopp.

Einen guten Anime zeichnen nicht nur exzellente Sprecher aus, sondern auch eine Rahmenhandlung, die es in sich hat. Wie schon in einigen anderen Animes, gehen manche Regisseure ziemlich weit, um das Beste aus den Geschichten zu holen.

Perfect Blue ist eine dieser Geschichten. Als Manga war diese Geschichte schon ein Hit und wurde auch in Deutschland einige Zeit verlegt. Heute zählen die Geschichten von Perfect Blue (die in sich eigentlich ein kleines Sammelsurium reichlich extremer brutaler Geschichten sind) zu den kleinen Legenden.

Die Geschichte jedoch, die im gleichnamigen Film erzählt wird, gehört mit zu denen, die man auch sehr gut als Realverfilmung hätte machen können. Der Artikeltitel ist der Name der Realverfilmung, die jedoch nach wie vor leider nicht in deutscher Fassung zu bekommen ist. Und die Realverfilmung orientiert sich nur oberflächlich an der Geschichte, die im Anime präsentiert wird, obwohl es natürlich Gemeinsamkeiten und Anspielungen gibt. Stellenweise sogar sehr gelungene!

Konzentrieren wir uns jedoch nun zuerst auf das Anime. Die Geschichte, die erzählt wird, ist die eines JPop-Sternchens, daß die Musikbranche hinter sich läßt, um Schauspielerin zu werden. Bei ihrem Abschiedskonzert gibt es bereits einige Krawalle, die sich jedoch im Rahmen halten. Aber schon an ihrem ersten Drehtag gibt es Ärger, da eine Fanpost, die für sie gedacht war, eine Briefbombe enthält, die den zuständigen Mitarbeiter des Filmstudios schwer verletzt. Dennoch wird weiter gedreht, da sie nur einige wenige Szenen hat.

Im Verlauf der Storie nun verändern sich die Ansichten der einzelnen Charaktere. Wir haben da einmal Romi, die Agentin/Betreuerin unseres Stars, der den vielsagenden Namen Mima trägt. Romi ist resolut, aber selbst ein gefallenes Popsternchen, die sich nun als Betreuerin ihren Lebensunterhalt verdient und mit Mimas neuer Karriere so gar nicht einverstanden zu sein scheint. [Doch dies löst sich im Verlauf des Films. Auf sehr überraschende Art und Weise.]

Nachdem Mima für eine Krimifernsehserie zuerst eine Vergewaltigungsszene hinter sich bringt, und sie davor schon einige Erscheinungen hatte, die sie nicht deuten kann, scheint ihr Unterbewußtsein richtig Amok zu laufen, als sie auf eine Internetseite stößt, in der ihr Tagesablauf beschrieben wird. Und zwar derart detailiert, daß sich hier schon der Gedanke aufdrängt, daß der Autor dieser Seite jemand ist, der sie sehr gut zu kennen scheint.

Während ihre alte Group „CHAM“ (auch ein Wortspiel) ohne sie als Duo nun schon auf Platz 83 in die Hitparade einsteigt, kommt es auf dem Set zu unerklärlichen Vorfällen. So wird der Drehbuchautor auf bestialische Art und Weise ermordet, wie man es eigentlich nur aus den Fernsehkrimis kennt. Danach erwischt es unter anderem auch Mimas Manager, der ebenfalls ziemlich grausam hingerichtet wird.

Nach dem dritten Toten in der Geschichte weiß man zunächst nicht, ob man es hier nur mit Mimas übersteigerter Phantasie zu tun hat, oder mit einem wirklichen Mörder! Der Spannungsbogen ist konsequent aufgebaut. Immer mehr kristallisiert sich heraus, daß Mima eine psychische Störung haben muß, da sie für keinen der Morde, die im Film passieren, ein Alibi aufweisen kann. Interessanterweise wurde die reale Polizei aus dem Anima beinahe komplett heraus gelassen, so daß die Geschichte sich wirklich nur primär um die Dreharbeiten und um die Hauptdarstellerin Mima dreht.

Der Showdown des Films hat es in sich. In der typisch japanischen Weise wird hier etwas dargestellt, wie es sich auch im realen Leben zutragen kann. Man erkennt dabei eindeutig, daß dieses Anime mehr als Kunst, denn als wirklicher Thriller zu sehen ist. Stellenweise erhält man den Eindruck – wenn man bereit ist, sich wirklich auf die Storie auch emotional einzulassen (was ich jedem nur empfehlen kann) – von einer gestörten Psyche, kann sie aber an keinem Darsteller direkt festmachen. Bis auf den Moment des Showdowns, der drastisch real herüber kommt. Man vermeint wirklich, es mit einer realen Szene zu tun zu haben. Diese ist wunderbar gemeistert, genial gezeichnet und hat auch einen leichten Anflug bissigen Humors. Wer den asiatischen Humor zu schätzen weiß, kann sich sicher sein, bei dem Film auf seine Kosten zu kommen.

Die Benotung des Films liegt bei AAB. Da er nur eine einzige, kleine, Schwäche aufweist. Es sind nicht die Toten, es sind auch nicht die Splatterszenen oder gar Teile des Schlusses. Der einzige negativ zu bewertende Punkt ist die Musik des Animes. Ich liebe zwar die asiatische Musik und ich weiß auch, was sonst in Animes für Musik als Begleitung läuft. Aber Perfect Blue ist einfach zu perfekt. Wirklich, hier bekommt ein Film die B-Note im letzten Bereich nur für die Musik. Die Songs sind Klasse und als Soundtrack würde ich sie mir sogar kaufen. Aber die Musik vermittelt stellenweise eine andere Stimmung als die Szene in der sie läuft, eigentlich hat. Besonders kraß kommt dies in der gespielten Vergewaltigungsszene rüber, die die erste von vielen Szenen ist, bei der man nicht ganz sicher ist, ob sie nun im Film ist (obwohl dies eigentlich gezeigt wird) oder ob sie in der Realität des Filmes vorkommt. Die Musik dazu ist wieder einmal typisch japanisch, aber leider zu perfekt ausgesucht.

Der Film schafft also Illusionen, die musikalisch noch unterstützt werden. Jedoch nicht mit sanftem Geplänkel im Hintergrund, sondern wirklich mit perfekt dazu passenden Stilelementen. Ungewöhnlich für einen Anime, noch ungewöhnlicher für einen japanischen Thriller. Deshalb an dieser Stelle die B-Note, so leid es mir tut. Objektiv betrachtet jedoch einer der besten Animes, die ich je gesehen habe. Und den ich immer wieder gerne sehe. Einfach nur zum Weiterempfehlen.

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