Liebe Fernsehmachende,

Oslo scheint ja richtig Spaß gemacht zu haben. Nicht nur, daß wieder einmal sinnlos GEZ-Gelder verschwendet wurden, diesmal bringt Deutschland sogar die Trophäe nach Hause. War eigentlich der Kauf des diesjährigen ESC-Gewinns wirklich so billig zu haben? Doch dies ist nicht der einzige Grund, warum endlich einmal ein offener Brief an ihren Kanal fällig wird. Sonst fallen sie ja nur mit Extra3 auf, weil diese Sendung satirisch den herrschenden Faschismus aufs Korn nimmt! Und nun fallen sie in alte Gewohnheiten zurück, für die sie einst Eva Hermann rausschmissen?

Mir stellt sich dabei die berechtigte Frage, welches Problem derzeit die deutsche Kultur aufweist. In der deutschen Musik ist ja schon seit Jahren so etwas wie tote Hose. Doch dann ein Castinggirl zu einer ESC-Gewinnerin hochjubeln, obwohl eindeutig ist, daß sie weder singen, noch tanzen kann, ist dann schon ein wenig merkwürdig. Wieso dieses Lamenta um einen Menschen, der doch gar kein Star sein will und deshalb das Image einer grauen Maus fördert? Sind alle grauen Mäuse die Superstars von Morgen?

Aber auch hier möchte ich nicht hetzen, sondern nur kritisch sein. Mir jedenfalls kommt es mehr als nur spanisch vor (der Titel aus Spanien war schon besser als der deutsche), daß so etwas absolut talentfreies wie Lena Meyer-Landruth den ESC überhaupt hat gewinnen können. Als die deutsche Presse am Freitag vor dem Grand Prix bereits schrieb, daß unser deutsches Mädel als Favoritin, gar als Siegerin des ESC gilt, war ich nicht weiter verwundert. Den gleichen Schrott, beinahe wortwörtlich, konnte man schon bei Roger Cicero vor zwei Jahren lesen, dessen musikalische Karriere ja derzeit einen absoluten Tiefststand erreicht hat. Von den No Angels möchte man an dieser Stelle gar nicht mehr reden. Einem Mädel davon droht derweilen Knast, eine hat keinen Bock mehr auf Gesangeskunst, und die drei übrig gebliebenen scheinen mit ihrer Karriere seit dem ESC, den sie so fabelhaft vergeigten, auch nicht mehr so zufrieden zu sein. Solange der bisher gemachte Gewinn ausreicht, daß man nicht als Hostess anschaffen gehen muß, scheint ja alles gut zu sein.

Womit wir wieder bei Lena Meyer-Landruth und ihrem ESC-Auftritt wären. Nachdem ich mir auf YT die PV zu diesem Song angehört habe, kann ich nur den Kopf schütteln. Wie kann so ein mieser Song so viele Punkte beim ESC abräumen? Und wie ist es gleichermaßen möglich, daß jemand so untalentiertes (zumindest was Gesang und Tanz angeht) derart hochgejubelt werden?!

Mir stellt sich dabei die Frage, wie viel von den sinnlos abgezockten GEZ-Geldern notwendig waren, damit Deutschland nach 28 Jahren wieder einmal einen Schlager Grand Prix für sich entscheidet! Wie hoch waren wirklich die Kosten und ist der ESC wirklich apolitisch? Wenn man sich die Regeländerung anschaut, die ergangen ist, bevor das Event dieses Jahr gestartet wurde, wird man nachdenklich. Sind die Deutschen auf dem Gebiet der Musik derart unqualifiziert, daß es eine Regeländerung braucht, damit dieses Land wieder einen ESC gewinnen kann? Oder war die ganze Sache wirklich nicht mehr als Politik?

Vieles spricht dafür, daß der ESC wirklich nur einem politischen Ereignis verkommen ist. Völker rechnen dort untereinander und auch miteinander ab. Anhand der deutschen Unbeliebtheit ergibt es keinen Sinn, warum ausgerechnet eine deutsche gecastete Gesangslerche derart abräumt! Oder steckt da doch noch mehr dahinter? Unsere Regierung hat Kürzungen bei der Sozialhilfe angekündigt und möchte diese auch liebend gerne durchziehen. Dies geht aber auch nur, wenn das Volk Brot und Spiele im Übermaß und auch dementsprechende Erfolgserlebnisse erhält! Heißt dies nun im Klartext, daß die demnächst anstehende WM ebenfalls schon im Vorfeld gekauft wurde, damit man dann mit den Grausamkeiten gegen das einfache Volk ungestraft weiter machen kann?

Das Deutschland wieder einmal einen ESC gewonnen hat, ist gut und schön. Aber kam dies auch fair zustande? Dies darf getrost bezweifelt werden. Und genau dieser Umstand ist es, der mir Angst macht. Wir haben eine Politikerkaste der Unfähigen und Unbelehrbaren, der wirklich jedes Mittel Recht ist, um die eigene Überlegenheit ständig und überall darzustellen. Somit ähnelt die jetzige Politik frapierend der des Dritten Reiches, wo man auch via die Olympischen Spiele 1936 dem Volk ein klares Signal dadurch setzte, in dem man so viel Medaillen gewann, wie möglich. [Nur dummerweise von einem amerikanischen Läufer auf die letzten Plätze verwiesen wurde.] Und nun das …

Wüßte ich es nicht eindeutig besser, würde ich frech und dreist behaupten, daß der NDR hier sich offen der politischen Propaganda schuldig gemacht hat, in dem ihr Sender ein getürktes Event übertrug. Werbeeinblendungen liefen ja in Deutschland nicht – jedoch in anderen Ländern. Dafür aber gewinnt ein deutsches Mädel, dessen Song allein schon als sehr sinnbefreit gelten kann. Und warum gewinnt es? Nicht, weil es Talent oder einen großen Busen besitzt, sondern nur deshalb, weil der Grand Prix im Vorfeld eindeutig gekauft gewesen sein muß. Eine politische Maßnahme, um in diesem Land weitere Menschenrechtsverletzungen einfach durchdrücken zu können. Solange das Volk im Freudentaumel wegen dieses Sieges ist – der wieder einmal die deutsche Überlegenheit vor alle anderen Rassen und Völker beweisen soll – kann man ungestraft und unbeobachtet soziale Kürzungen vornehmen.

An dieser Stelle frage ich nun sie, die werten Redakteure des NDR: Muß das sein? Müssen sie sich politisch schuldig machen, weil sie bewußt Schund und Schande für das gesamte deutsche Volk übertragen? Müssen sie sich unbedingt zu blutbefleckten Handlangern einer Politik machen, deren Intelligenzgrad nicht einmal ausreicht, einen Liter Wasser zum kochen zu bringen? Warum muß das sein?

Ich bitte deshalb den NDR zukünftig von solcher Art Übertragungen abzusehen, wenn sie wirklich die Demokratie in diesem Land stützen wollen. Anscheinend wurde ihr Sender gezwungen, wegen der im Vorfeld gelaufenen gewaltigen Zahlung an Drittländer diesen Schund tatsächlich zu übertragen und dementsprechend zu kommentieren. Deshalb meine Bitte: Bitte keine gekauften Sport- oder sonstigen Events übertragen, durch die eine faschistoide Politik in die Lage versetzt wird, Grausamkeiten zu begehen, wie wir sie vor 70 Jahren schon einmal hatten.

mfg

Andreas E.

Tags: , ,

6 Kommentare on Ein offener Brief an den NDR

  1. Kadda sagt:

    Vorhin auf NDR2 wurde ein Interview mit dem Intendanten geführt – der ganze Spass hat so um die 25 Milliönchen gekostet. (wenn ich mich nicht verhört habe)

    • Kadda sagt:

      Noch was gefunden diesbezüglich:

      http://www.vorwaerts.de/blogs/.....-oslo-2010

      „Wenn sich nun jemand fragt, um welche Kosten es dabei eigentlich geht, so können wir dies auch nicht mit konkreten Zahlen beantworten. Über die Höhe der Beitragszahlungen und Abgaben an die EBU gibt es viele Gerüchte, aber keine bestätigte Zahlen – weder für die Mehrzahl der regulären Beitragszahler noch über die der „Big Four“ (das sind Deutschland, Spanien, Frankreich, Großbritannien als die höchsten Beitragzahler).
      Allerdings gibt es Zahlen zu den jeweiligen Produktionskosten der Contests selbst: 2007 in Helsinki sollen es etwa 12,4 Millionen Euro gewesen sein, die durch Sponsoren aufgebracht wurden, 2009 in Moskau war bereits von 27 Millionen Euro die Rede! Der norwegische Sender NRK schätzt die Kosten des Wettbewerbs 2010 auf umgerechnet 24 Millionen Euro, berichtet esctoday. Dies sei eine Berechnung, die auf den Erfahrungen der finnischen Nachbarn fuße, man rechne aber mit noch höheren Kosten. 9 Millionen Euro seien durch Ticketverkauf und einer EBU Garantie über 3,5 Millionen Euro abgesichert – der Rest jedoch noch offen. Man rechnet natürlich auch mit starker Sponsorenschaft und eventuell mit Regierungszuschüssen oder aber einer Erhöhung der Rundfunkgebühren.“

  2. Kadda sagt:

    Ah, hab noch was gefunden:

    „Wenn sich nun jemand fragt, um welche Kosten es dabei eigentlich geht, so können wir dies auch nicht mit konkreten Zahlen beantworten. Über die Höhe der Beitragszahlungen und Abgaben an die EBU gibt es viele Gerüchte, aber keine bestätigte Zahlen – weder für die Mehrzahl der regulären Beitragszahler noch über die der „Big Four“ (das sind Deutschland, Spanien, Frankreich, Großbritannien als die höchsten Beitragzahler).
    Allerdings gibt es Zahlen zu den jeweiligen Produktionskosten der Contests selbst: 2007 in Helsinki sollen es etwa 12,4 Millionen Euro gewesen sein, die durch Sponsoren aufgebracht wurden, 2009 in Moskau war bereits von 27 Millionen Euro die Rede! Der norwegische Sender NRK schätzt die Kosten des Wettbewerbs 2010 auf umgerechnet 24 Millionen Euro, berichtet esctoday. Dies sei eine Berechnung, die auf den Erfahrungen der finnischen Nachbarn fuße, man rechne aber mit noch höheren Kosten. 9 Millionen Euro seien durch Ticketverkauf und einer EBU Garantie über 3,5 Millionen Euro abgesichert – der Rest jedoch noch offen. Man rechnet natürlich auch mit starker Sponsorenschaft und eventuell mit Regierungszuschüssen oder aber einer Erhöhung der Rundfunkgebühren. “

    http://www.vorwaerts.de/blogs/.....-oslo-2010

  3. Kadda sagt:

    Noch was gefunden dazu:

    http://www.vorwaerts.de/blogs/.....-oslo-2010

    „Wenn sich nun jemand fragt, um welche Kosten es dabei eigentlich geht, so können wir dies auch nicht mit konkreten Zahlen beantworten. Über die Höhe der Beitragszahlungen und Abgaben an die EBU gibt es viele Gerüchte, aber keine bestätigte Zahlen – weder für die Mehrzahl der regulären Beitragszahler noch über die der „Big Four“ (das sind Deutschland, Spanien, Frankreich, Großbritannien als die höchsten Beitragzahler).
    Allerdings gibt es Zahlen zu den jeweiligen Produktionskosten der Contests selbst: 2007 in Helsinki sollen es etwa 12,4 Millionen Euro gewesen sein, die durch Sponsoren aufgebracht wurden, 2009 in Moskau war bereits von 27 Millionen Euro die Rede! Der norwegische Sender NRK schätzt die Kosten des Wettbewerbs 2010 auf umgerechnet 24 Millionen Euro, berichtet esctoday. Dies sei eine Berechnung, die auf den Erfahrungen der finnischen Nachbarn fuße, man rechne aber mit noch höheren Kosten. 9 Millionen Euro seien durch Ticketverkauf und einer EBU Garantie über 3,5 Millionen Euro abgesichert – der Rest jedoch noch offen. Man rechnet natürlich auch mit starker Sponsorenschaft und eventuell mit Regierungszuschüssen oder aber einer Erhöhung der Rundfunkgebühren. „

  4. Emily sagt:

    Noch was gefunden diesbezüglich:

    http://www.vorwaerts.de/blogs/.....-oslo-2010

    „Wenn sich nun jemand fragt, um welche Kosten es dabei eigentlich geht, so können wir dies auch nicht mit konkreten Zahlen beantworten. Über die Höhe der Beitragszahlungen und Abgaben an die EBU gibt es viele Gerüchte, aber keine bestätigte Zahlen – weder für die Mehrzahl der regulären Beitragszahler noch über die der „Big Four“ (das sind Deutschland, Spanien, Frankreich, Großbritannien als die höchsten Beitragzahler).
    Allerdings gibt es Zahlen zu den jeweiligen Produktionskosten der Contests selbst: 2007 in Helsinki sollen es etwa 12,4 Millionen Euro gewesen sein, die durch Sponsoren aufgebracht wurden, 2009 in Moskau war bereits von 27 Millionen Euro die Rede! Der norwegische Sender NRK schätzt die Kosten des Wettbewerbs 2010 auf umgerechnet 24 Millionen Euro, berichtet esctoday. Dies sei eine Berechnung, die auf den Erfahrungen der finnischen Nachbarn fuße, man rechne aber mit noch höheren Kosten. 9 Millionen Euro seien durch Ticketverkauf und einer EBU Garantie über 3,5 Millionen Euro abgesichert – der Rest jedoch noch offen. Man rechnet natürlich auch mit starker Sponsorenschaft und eventuell mit Regierungszuschüssen oder aber einer Erhöhung der Rundfunkgebühren.“

  5. Amy sagt:

    Vorhin auf NDR2 wurde ein Interview mit dem Intendanten geführt – der ganze Spass hat so um die 25 Milliönchen gekostet. (wenn ich mich nicht verhört habe)