(oder schlechte Verlierer gibt es immer!)

Er ist wieder da. Der soziale Christdemokrat Jürgen Walter hat sich mal wieder äußern können. Diesmal im altbekannten Stern, der ja die wirtschaftsabhängige Lobbypolitik in unserem Land mit einer Vehemenz unterstützt, das einem das Kotzen kommt. Im Prinzip ist gegen die Einlassungen von Herrn Walter nichts zu Sagen. Noch leben wir in einer Demokratie, in der das Recht auf freie Meinungsäußerung besteht. Wenn man jedoch den politischen Weg von Herrn Walter genauer betrachtet, kommt man nicht umhin, dem Glauben zu verfallen, das er wirklich nicht mehr als ein christlich-konservatives UBoot des geschäftsführenden Ministerpräsidenten Roland Koch ist.

Copyright by Spiegelfechter

Die Hessen-SPD kommt nicht zur Ruhe: Partei-Rebell Jürgen Walter hat die hessische Landeschefin Andrea Ypsilanti zum Rückzug von der Spitze der Landtagsfraktion aufgefordert. Sie soll dem designierten Spitzenkandidaten Schäfer-Gümbel Platz machen.

Die Forderung stellten in der jüngsten Zeit nicht nur Abgeordnete der Bundes-CDU, sondern auch Angehörige des liberalen Lagers der FDP. Und wenn man es genau nimmt, ist diese Forderung an den politischen Gegner nicht mehr als das Eingeständnis einer kalten, einer eiskalten, Angst.

„Andrea Ypsilanti sollte Thorsten Schäfer-Gümbel noch vor Mittwoch den Fraktionsvorsitz antragen“, sagte Walter der „Frankfurter Rundschau“ (Samstag). Es wäre einfacher für Schäfer- Gümbel, wenn Ypsilanti „nicht so an ihren Ämtern kleben würde. Das würde seine Chancen erhöhen.“

Jürgen Walter, der wohl größte politische Verlierer der letzten 50 Jahre, bildet sich tatsächlich ein, das noch irgendjemand in der SPD, der noch für sich selbst denken kann, auf seine narrische Forderungen eingeht. Der Mann besitzt so viel politisches Gespür wie eine kaputte Taschenlampe. Eine richtige strategische oder taktische Leuchte war er nie, sonst hätte er schon sehr viel früher erkannt, das früher Widerstand gegen das Tolerierungsprojekt mit Links intelligenter gewesen wäre, als die idiotische Tour, die er da gefahren hat.

Um es ganz ehrlich zu sagen: Mir tut der Herr Walter nicht Leid. Das die FraPort ihn nach wie vor nicht im Aufsichtsrat wissen will (was wohl an seiner intriganten Tour liegen muß), scheint wohl mehrere Gründe zu haben, die er uns nach wie vor nicht erklären will. Dabei wäre es für ihn so einfach, sich endlich zu seiner wahren politischen Farbe zu bekennen, wenn er endlich wegen seines parteischädigenden Verhaltens aus der Mamam Sozialdemokrartie hinausgeworfen wird.

Das er sogar bereit ist, nach seinem politischen Selbstmord, weiterhin den Schnabel aufzureißen und intelligent zu tun, kann man sogar verstehen. Jürgen Walter kam immer als egoman veranlagt rüber, deshalb wurde auch statt seiner Person vor zwei Jahren Andrea Ypsilanti als Kandidatin nominiert. Sein größter politischer Fehler war sowieso, sich auf seine Ehefrau einzulassen, die dem anderen politischen Lager angehört. Nun, Liebe fällt nun einmal manchmal ziemlich kraß aus. Aber diese Liebe kostet ihn nun nicht nur den sicheren Platz im Landtag, sondern jegliche Art von Reputation, die er im Main-Kinzig-Kreis vorher einmal gehabt hat. Das es ihm dennoch gelang, den Unterbezirk dort dazu zu überreden, einen Rücktrittsgesuch an Frau Ypsilanti abzufassen, deutet nur darauf hin, das die SPD in Hessen eindeutig dazu gezwungen ist, tatsächlich die Ortsvereine auszusäubern und solches wirtschaftsphiles Pack ein für alle Mal aus ihren Reihen zu werfen. Danach wäre eine wirkliche sozialdemokratische Politik in der Partei wieder möglich.

Allein der Umstand, das er jetzt Nachtritt und hofft, damit irgendetwas in den SPD-Kreisen zu erreichen, zeigt offenkundig an welchem Maß an Selbstüberschätzung der gute Herr meines Erachtens leidet. Nichts gegen ein gut ausgebildetes Selbstvertrauen. Aber diese Aktion im Stern dürfte wohl endgültig der Sargnagel sein, damit zumindest sein Parteiausschlußverfahren in Rekordzeit durch die Instanzen geht. Auch wenn es Franz Müntefering nicht gefällt, die SPD steht hundertmal besser da, wenn Jürgen Walter aus der Partei entfernt ist. Der ‚Seeheimer Kreis‘ und die mit ihm zusammen arbeitenden ‚Netzwerker‘ (hier in Hessen nennen sie sich überheblich ‚Aufsteiger‘) zeigen immer öfters, aus welcher Parteiklientel sie sich eigentlich rekrutieren – Parteikarrieristen, die in ihrem Leben noch niemals schwer arbeiten mußten und denen deshalb taktisches Denken absolut abgeht. Ein guter Taktiker hätte sich auf einen Ministerposten eingelassen, und ein noch besserer Taktiker hätte sogar für den rot-grünen Koalitionsvertrag gestimmt, den man Selbst mit ausgearbeitet hat. Jürgen Walter hat hiermit nur eines bewiesen: Das er ein wirklich schlechter Verlierer ist, der sich außer Stande sieht, die eigenen Fehler zu erkennen. Ein wenig Arbeit an der Persönlichkeit dürfte hier nicht von Schaden sein. Aber wichtiger wäre es, sich offen zu den eigenen politischen Ansichten zu bekennen und freiwillig die Partei zu verlassen, der er auf Bundesebene ganz böse und radikal geschadet hat. Vielleicht bleibt ihm dann ein Musterprozeß erspart, in dem dann auch noch vor Gericht seine sozialen und persönlichen Schwächen groß heraus gestrichen werden.

Tags: , , , , ,