Im allgemeinen spricht die Mama Sozialdemokratie vom Übel des lafontainschen Verrats, sowohl an der Partei, als auch am Menschen Gerhard Schröder selbst. Nun darf man jedoch nicht vergessen, das der gute Oskar Lafontaine (heute Fraktionsführer DER LINKEn im Bundestag) indirekt ein ehrenhafter Nachfolger des größten deutschen Bundeskanzlers Helmut Schmidt war. Zwar nicht direkt ein politischer Ziehsohn, jedoch ein Jemand, der von den Besten der Partei gelernt hat.

Der ganze Ärger zwischen dem saarländer Oskar Lafontaine und der späteren SPD-Führung unter Clement, Struck, Müntefering & Schröder, begann schon im Frühjahr 1990, als es Oskar Lafontaine bei einer Parteiveranstaltung war, der vor der offiziellen Wiedervereinigung und einer europäischen Währungsunion warnte. Schon damals war klar ersichtlich, das Lafontaine, der das Saarland aus der Schuldenmisere herausholte (sehr gegen den Widerstand des kleinen Peter Müller), eindeutig von dem Thema Wirtschaft Ahnung hatte.

Innerparteilich jedoch sorgte er für umso mehr Wirbel, da der konservative seeheimer Kreis eigentlich auf seiner Seite stand, während das neoliberale Netzwerk schon damals vom späteren Bundeskanzler Schröder angeführt wurde. Oskar Lafontaine, damals als der Todesschütze von Scharping zu ein wenig trauriger Berühmtheit erlangt, setzte seinen Kopf durch. Und erzeugte in der SPD so etwas wie ein Verantwortungsgefühl für das, was noch bevorstand.

In den wenigen Jahren nach 1990 bis zur entscheidenden Bundestagswahl war es auch immer wieder Lafontaine, der es fertig brachte, Dr. (37.fach) Helmut Kohl seine Wahllügen und auch den Wählerbetrug in jeder Legislaturperiode nachzuweisen. Unter anderem ist dies einer der Gründe, warum Dr. (37.fach) Helmut Kohl letztlich 1998 die Wahl verlor. Die große Birne der CDU war es Leid, sich regelmäßig mit einem kleinen relativ unwichtigen Landesfürsten auseinander zu setzen, der ihn jedesmal im Bundestag widerlegen konnte.

[wird fortgesetzt.]