Als vor gut einhundertfünfzig Jahren ein Bauer auf seiner Wiese einen Ölfleck entdeckte, hat sich eine ganze Menge getan. Aus leichtfertigen Betrügern und Halsabschneidern wurden anständige Geschäftsleute. Und Städte wie das amerikanische Dallas verkamen zur Ikone einer Wirtschaftssparte, ohne die heute vieles undenkbar wäre. Als das Schwarze Gold vor nun mittlerweile 160 Jahren zum Schatz mutierte, veränderte sich das Antlitz dieser Welt dramatisch.

Doch Ölquellen allein verschaffen keinen Reichtum. Eine Ölquelle allein macht noch keinen Milliardär. Man braucht ein wenig mehr dazu. In Texas entstanden damals nicht nur die berühmten Ölbarone – aus den noch berüchtigteren Viehbaronen – sondern auch die Raffineriegroßbesitzer. In einer Raffinerie wird aus dem Schwarzen Gold das, was eine Zivilisation zum Leben braucht. Der Grundstoff für Plastik, Kerosin, Benzin, Gas.

Eine kleine Gruppe Kleinkrimineller wurde durch eine Anzahl Ölfunde zu angesehenen Herren der Gesellschaft, ihre Familien begannen in den nachfolgenden 100 Jahren die Politik der Vereinigten Staaten zu dominieren. Und viele der erdölfördernden Familien aus den USA steckten Teile ihres Vermögens in die Auto- oder Schiffsindustrie. Ganz so falsch war dies nicht. Es brachte die globale Zivilisation voran. Nur alles, daß voran kommt, bleibt irgendwann einmal stecken.

1987 gab es den Exxon Valdez-Zwischenfall, als ein Supertanker an der Ostküste von Alaska auf Grund lief und dabei einen Großteil seiner Ladung verlor. Die Küste von Alaska war für die kommenden 10 Jahre arg geschädigt, jedoch erholte sich die Natur überraschend schnell. Dann leistete sich kurz danach BP den ersten Fauxpas mit ihrer versenkbaren Bohrinsel, die schließlich über 1.000 Seemeilen über den Atlantik geschleppt wurde, bevor sie dann doch sank. Zum Glück von allem Altöl befreit. Heute bildet die damalige Skandalbohrinsel ein künstliches Riff, in dem sich die Tiere wohl fühlen.

Doch das ist nicht das Thema. Oder nicht vollständig. Die Natur findet bekanntlich immer einen Weg, wie Carl Sagan zusammen mit Michael Crichton schon öfter festgestellt hat. Nur dummerweise steht der Mensch manchmal der Natur im Weg. Und bezahlt dann einen hohen Preis. Vor kurzem hatten wir da im Golf von Mexiko dieses wunderbare Ölbohrloch, daß sich nicht mit herkömmlichen Methoden mehr verschließen ließ.

Es traten einige Mio. Liter kostbaren Erdöls aus. Die Wissenschaftler gerieten genauso in Panik, wie die Chefetage des Ölriesen BP, die schon wieder Mist gebaut hatten. Die Technologie der versenkbaren Ölbohrplattform hatte sich ja gleichfalls als Windei entpuppt, stellte doch die Ölbohrinsel im Golf von Mexiko den höchsten technologischen Stand in dieser Hinsicht dar. Dummerweise war eben jene Ölbohrplattform in einem Sturm gesunken, kaum das man in der Tiefe von 1.600 m (1 Meile) eine Ölblase angebohrt hatte. Die neue Technik von BP mit seinen umweltfreundlichen Ölbohrplattformen richtete sich gegen den Konzern. Die Plattform soff ab. Von den 45 Mann an Bord hörte man von da an nichts mehr. Nicht einmal mehr in der Presse. Die 45 Mann waren in dem Moment egal, als das Schwarze Gold aus der Tiefe nach oben kam! Und das Drama: Ölpest begann.

Nun ist es so, daß die modernen Medien selten Leute vor Ort sitzen haben, die von Ökologie, Ökonomie oder gar Technik ein wenig Ahnung haben. So wurde die Ölpest über 10 Wochen lang global in allen wichtigen Medien unwichtiger Länder aufgebauscht. Man hatte ja kein anderes, wichtigeres Thema. Und das atlantische Meer ist für die Anrainerstaaten überlebenswichtig. Das dort geförderte Erdöl ist es noch mehr. Dennoch wurde vornehmlich in Großbritannien und in Deutschland die Panikwelle regelrecht herbei geschrieben. Woran man wieder einmal sah, wie viel Ahnung heutzutage Zeitungsschreiber von moderner Technik haben.

Ölbohrungen

Nach Öl zu bohren, funktioniert heutzutage immer noch mit der gleichen antiquirten Technik, wie man sie vor 160 Jahren benutzt hat. Via eines Turms wird ein Hohlrohr in die Tiefe versenkt, in dessen Mitte eine rotierende Stange einen sogenannten Bohrkopf vorantreibt. Die durchschnittliche Geschwindigkeit liegt bei 2 m/h, es kann aber auch mit bis zu 5 m/h gebohrt werden. Dann jedoch verwendet man keinen Mikrobohrkopf, sondern einen schweren Steinbrecher, der sogar durch metallhaltiges Gestein kommt. Sogenannte Steinbrecher besitzen eine Diamantkrone und haben die Haltbarkeit von 500 m, bevor sie heißlaufen.

Ölbohrung ist also etwas, daß man nicht nur mit guter Technik bewerkstelligen kann, sondern auch ein wenig Instinkt gehört schon dazu. Die Familien, die sich seit 4 Generationen auf das reine Ölbohren verlegt haben, sind heutzutage Legende. Können aber mit der entsprechenden Technik nahezu überall Bohrungen durchführen.

Wenn also ein Ölkonzern irgendwo nach Öl bohren läßt, bedeutet dies im Klartext, daß irgendwie Raffinierieressourcen brach liegen. Eine Raffinerie rechnet sich nur dann, wenn sie komplett ausgelastet ist. Also sind Ölkonzerne regelrecht dazu gezwungen, weiterhin nach Öl zu bohren, da eine stillstehende Raffinerie pro Tag nur Geld kostet. Geld jedoch ist wertvoll. Zumindest für diejenigen, die mit Öl arbeiten.

Die Ölbohrtechnik hat sich in den letzten 200 Jahren nicht verändert, man greift immer noch auf alte Technologien zurück und stellenweise sogar auf archaische Tricks. So benutzt man die artesische Technik (artesischer Brunnen), um möglichst kostengünstig das Erdöl aus der Tiefe zu holen. Heutzutage wird keine moderne Pumpe mehr dazwischen geschaltet, sondern einfach der natürliche Überdruck einer Ölkammer benutzt, um das Öl zu fördern. Mit einer Pumpe kann man zwar die Föderleistung künstlich hoch halten, jedoch besteht dann die Gefahr eines Leitungsbruches, wenn das Öl zum Beispiel eine zu leichte Viskosität aufweist.

Das Dilemma

Es ist jedoch so, daß bei Meeresbohrungen immer wieder die Gefahr besteht, daß ein Bohrloch bricht und dann Öl wegen des artestischen Druckes an die Oberfläche steigt. Dies hat meistens negative Auswirkungen für die Finanzen des betreffenden Konzerns zur Folge. Die Natur jedoch ist das gewohnt. Wenn in der Natur eine Ölblase aufbricht, bilden sich tief im Meer schon mal Asphaltvulkane, in deren Nähe sich eine Vielzahl von Meeresbewohner nieder lassen. Ja, Öl tötet nicht nur, es schafft auch Lebensräume. Nur ist der Mensch viel zu blöde, um das auch zu begreifen. Immer wieder möchte er bei ausgelösten Ölpests im Meer dementsprechend korrigierend eingreifen.

Allein diese Hochnässigkeit, jedes Problem wirklich lösen zu können, zeugt schon nicht einmal von Intelligenz, sondern eher von der Abwesenheit derselben. Die Natur hatte schon mit Ölverschmutzungen in den Weltmeeren zu tun, da war der Mensch noch nicht von den Bäumen herunter. Öl ist ein Rohstoff, der ein wenig anders geartet ist, als uns die Wissenschaft weiß machen möchte. Da Öl bereits im Kambrium existierte, kann ein Ölvorkommen logischerweise keine Folge des Karbon-Zeitalters sein.

Wenn also nun eine Ölpest ausbricht, weil die Menschen mal wieder an Stellen bohrten, wo sie es besser hätten sein lassen, übernimmt der Mensch prompt die Verantwortung, anstatt anzuerkennen, daß die Natur auf solche Notfälle bereits vorbereitet ist. In allen Weltmeeren leben Bakterien, die sich von Öl, Ölderivaten und Ölprodukten entsprechend ernähren. Diese Bakterien verbrauchen zwar gleichzeitig einen bestimmten Anteil des Meeressauerstoffs, jedoch nicht so viel, daß es Auswirkungen hätte. Selbst bei einer größeren Menge von Rohöl, daß in die Meere treibt, bleibt die Bakterienvermehrung nach wie vor konstant, anstatt zu explodieren.

Dies heißt also, daß aus dem Dilemma der Ölpest die Natur am besten weiß, wie sie da wieder raus kommt. Der Mensch weiß es nicht und kommt deshalb auf Ideen, die auf Dauer umweltschädlicher sind als ein Ölteppich von mehreren hunderttausend Kilometer Ausdehnung. Wie gesagt, in der Natur ist so was an der Tagesordnung und nicht die Ausnahme.

Wenn ich also nun die Schreiberlinge in den Printmedien und im Internet beobachte, welche Panik da vor einer Ölpest geschürt wird, die nach planetaren Gesichtspunkten eigentlich keine ist, sondern nur eine vorübergehende Meerwasserverschmutzung, komme ich aus dem Grinsen nicht heraus. Wenn ich dann erkennen muß, daß zumindest die bundesdeutsche Regierung mit einer Sache vollkommen richtig liegt: Der Bildungsstand liegt heute 40% unter dem, den er noch 1970 hatte, komme ich aus dem Amüsement nicht heraus.

Eine Ölpest ist etwas schlimmes. Der Unterschied ist nur, wie wir selbst als Menschen damit umgehen und ob wir uns davon panisch machen lassen. Ölverseuchungen gab es schon, bevor es den intelligenten Menschen gab. Und wenn wir einmal die Erde an der falschen Stelle anbohren, geraten wir gleich in Panik, weil wir so viel falsch gemacht haben, anstatt der Natur ihren Lauf zu lassen und das Problem in den kommenden Jahrzehnten wieder in Ordnung zu bringen. Beim damaligen Exxon Valdez-Zwischenfall unternahm die amerikanische Regierung nur für die nächsten 20 Jahre (demnächst läuft dieser Vertrag aus) die Uferreinigungen der betroffenen Staaten. Es war ja nicht nur Alaska, sondern auch Kanada betroffen. Und in diesen Bereichen säuberte die USA vorbildlich. Am eigentlichen Supertanker konnte man wenig machen, der kurz nach dem Unglück dann auch in der Region sank und heute ebenfalls ein Riff bildet, daß die Meeresbewohner aus mehreren Gründen gerne aufsuchen.

Die einzige Ölpest, gegen die wir als Menschen wirklich etwas machen können, beginnt in unseren Raffinerien. Würden die Menschen ihren Individualverkehr mit Automobilen einschränken oder gar aufgeben, bräuchte man nicht mehr so viele Raffinerien weltweit und die Gefahren neuer Ölverseuchungen gingen beträchtlich zurück. Die Ölpest beginnt an Land, nicht im Wasser.

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1 Kommentar on Öl-Pest!

  1. Bernd sagt:

    Es liegt wohl nicht in der Art der Menschen, die Ruhe zu bewahren. Die Mensch-Maschine finanziert sich aus Unruhe. Zu der Gewissenlosigkeit von Mineralöl-Konzernen, die Bedeutung und Reichtum ob der Gier von Milliarden Menschen gen…erieren, gesellt sich die der Medien. Und die Mensch-Masse konsumiert die Schaubilder der Tragödien, zu denen sie Konzerne aller Art durch die eigene Habgier anstiftet. Sie entsetzt sich – über sich selbst – und sieht es nicht, und giert immer weiter. Absurdes Theater. Und immer fällt der Blick nur auf das Akuteste. Was z.B. im Nigerdelta seit 40 Jahren Alltag ist – nee, da reicht der Horizont nicht. Da müsste man ja neben BP bzw. Aral auch noch Shell, Total etc. boykottieren.