Aber wie hatte alles angefangen?

Am 1.August 1771 zwischen 20 und 21 Uhr wird Susanna Brandt von ihrer Arbeitgeberin, der Wirtin des EINHORN ,einer Fr.Bauer offiziell entlassen. Nachmittags zwischen  15 und 16 Uhr war bereits die neue Magd Anna Margaretha Seyfried , 43 Jahre alt und bei Umstadt geboren, im Haus zum Dienst angetreten.Diese hatte sich 2 Wochen zuvor um die Stelle beworben,konnte jedoch erst nach Einhaltung der dreimonatigen Kündigungsfrist und der Auszahlung der Abfindung von 30 Kreuzern zum Monatsersten eingestellt werden. Sie traf in der Küche, die gleichzeitig Arbeitsort und Schlafort der Magd war, auf Susanna Margaretha Brandt…Hier traf also das neue Gretchen auf das alte, die neue ältere Magd auf die ältere jüngere: Margaretha, die Magd und Gretchen war und in der Küche am Waschtrog stand.

Sie stellte als  neue Magd Susanna gleich zur Rede, was es mit derem Zustand auf sich hätte und, dass sich in der Stadt hartnäckig das Gerücht hielte, sie erwarte ein Kind… Daraufhin trägt Susanna alleine die Wäsche auf den Boden und Anna folgt ihr und hilft ihr gegen ihren Willen beim Aufhängen.Sie insistiert, Susanna solle gestehen, „sie wäre die erste nicht und nicht die letzte“… Diese Stelle hat Goethe schätzungsweise zur Brunnenszene inspiriert, in der es auch darum ging, schmutzige Wäsche zu waschen und andrere zum trocknen aufzuhängen…Danach deckt Susanna den Tisch und bekommt Leibschmerzen, die neue Magd macht ihr einen Tee und die Bauerin rät ihr, zu ihrer Schwester zu gehen und sich ins Bett zu legen.Darauf  trinkt Susanna den Tee und geht,während die neue Magd den Tisch abdeckt. Später finden Arbeitgeberin,neue Arbeitnehmerin und die inzwischen hinzugerufene Schwester Fr.Hechtel Susanna auf einer Stiege sitzend. Sie hat zu diesem Zeitpunkt die Sturzgeburt berets hinter sich. Die Hechtelin musste in ihrem Zustand(sie war schwanger) mehrmals Anfang August hin und herhecheln.Denn gegen 21 Uhr, schickte die Bauerin nach ihr, um zu kontrollieren,ob Susanna auch brav nachhause gegangen sei.Dies war natürlich mitnichten der Fall gewesen.Denn bei selbiger hatten ja gegen 20 Uhr die Wehen eingesetzt. Vermutlich aus Angst vor Verlust ihres Arbeitsplatzes hatte Susanna gegenüber Fr.Bauer nur angegeben,sie habe ihre Tage wieder bekommen…Und so trabt Fr.Hechtel zu ihrer jüngeren Schwester,der Königin, die mit Tambour König verheiratet war, und zu ihrem Bruder, dem Sergeant Brandt,wo sie Susanna ebenfalls nicht finden kann.Daraufhin geht sie zurrück zur Fr.Bauer. Fr.Bauer hatte also kein Problem damit,eine schwangere Frau zweimal hin und herzuschicken…Denn- oh Wunder- dort findet Fr.Bauer mit ihrer neuen Magd die alte entlassene Magd auf der Stiege vor und Fr.Hechtel erhält den Auftrag,Susanna nun endlich zu ihrer Schwester zu bringen,was sie auch tut. Sie läuft also einmal hin,um zu berichten, dass Susanna nicht bei IHR sei,dann zurrück zu ihrer Schwester Königin,um zu schauen ob Susanna nicht DORT ist, dann zurrück zur Bauerin,um Susanna dort zu FINDEN und dann wieder zurrück zu ihrer Schwester um sie dorthin zu BRINGEN…Hätte Fr.Bauer gleich selber nachgesehen,dann hätte sie einer gebärenden Hilfe zukommen lassen können und es vermieden,deren schwangere Schwester auch noch beinahe zum Opfer einer Fehlgeburt werden zu lassen.Wir sehen hier also, wie fürsorglich Fr.Bauer gegenüber den eigenen Geschlechtsgenossinen war.

3 Monate zuvor, also Anfang Mai, war Fr.Bauer der Leibesumfang Susannas aufgefallen.Sie schickte daraufhin nach der 35 Jahre alten und ebenfalls schwangeren Schwester Susannas ,der Maria Dorothea Hechtel, die mit dem Schreiner Hechtel verheiratet ist.  Die Arbeitgeberin gewährt Susanna 4 Wochen Aufschub, um abzuwarten, ob ihre Regel nicht doch wieder einsetzt. Zusätzlich schickt sie eine Urinprobe ihrer Magd an ihren Hausarzt

Dr.Metz , der eine Schwangerschaft feststellt und Grete untersucht.Diese leugnet jedoch hartnäckig den Beischlaf und behauptet, dass sie nur vom Essen so dick sei. Dr.Metz verschreibt ihr einen Trunk, der dazu führen soll, dass Grete ihre Menstruation wiedererlangt. Da sie laut seines Befundes schwanger war,wusste er also , was er tat-er verschrieb ihr also nichts anderes als einen Abtreibungstrank, damit sie zur die Messe wieder fit sei.Grete nimmt diesen Trank jedoch nur einmal, da er so schrecklich schmeckt. Das war etwa 4 Wochen nach Himmelfahrt. Ein wahres Himmelfahrtskommando,auf das sie von ihrer Arbeitgeberin geschickt worden war…Eine Arbeitgeberin, die sich nicht scheute, ihre Arbeitnehmerin zur Einnahme eines Abtreibungsmittels zu nötigen…Wie war ein solcher Eingriff überhaupt möglich ??? Dazu muss man das damalige Gesundheitssystem in Frankfurt vor der Senckenbergära kennen.

Doch dazu ein ander mal mehr.

Beide

kinderlosen Schwestern der Susanna Margaretha Brandt sahen sich daraufhin veranlasst,den Urin ihrer Schwester an einen unabhängigen Dr.Burggraf zu schicken, der behauptete, er könne keine Schwangerschaft ausmachen,ihr aber ein blutungsförderndes Pulver verschrieb, welches sie auch brav schluckte. Das war Mitte Juli 1771. Am ersten August,also zwei Wochen später, setzen bei Susanna die Wehen ein und sie erleidet eine Sturzgeburt nach dem Wäscheaufhängen, nachdem sie die Kündigung bekommen hat. Die Fr.Bauer entdeckt Susanna auf einer Stiege sitzend. Diese bittet, die Nacht im Haus verbringen zu dürfen, um ihr morgen beim Zimtreiben zu helfen. Aber Fr.Bauer benachrichtigt die Schwester Hechtel, die Susanna mitnimmt,nachdem diese während der Geburt allein gelassen worden war. Susanna Dorothea Hechtel bringt Susanna Margarethe zu ihrer älteren ledigen Schwester Anna Catharina Brandt, die mit 40 noch kinderlos und ledig ist und bei Maria Ursula König wohnt, der zweitjüngsten der 4 Schwestern, die 32 Jahre ist und mit Tambour König 2 Kinder hat. Die Familie König schläft schon, als die Hechtelin- wie sie in den Prozessakten genannt wird- um 23 Uhr in der alten Gasse ankommt, und so legt sich Susanna zu Anna ins Bett.

Gegen 9 Uhr am nächsten Morgen geht die Hechtelin laut eigener Aussage zu Susanna auf die alte Gasse, und diese sagt ,es gehe ihr wieder gut und zeigt ihr ein blutiges Hemd,welches Fr.Hechtel zum Einhorn mitnimmt, der Wirtin zeigt. Diese erwidert,sobald es Susanna wieder wohl sei,sei sie wieder eingestellt.

Laut Aussage der Wirtin hat die Bauerin gegen 10 Uhr eine Blutlache im Stall entdeckt und nach der Hechtelin gerufen.Diese sei sofort im Einhorn erschienen und habe sich erst gegen 12 Uhr mittags zu Susanna auf die alte Gasse begeben, diese zur Rede gestellt, und das blutige Hemd erst nachmittags als Beweis für die Unschuld Susannas mitgebracht. Zudem behauptet die Einhornwirtin,dass die Hechtelin ziemlich hysterisch gesagt habe, dass ihre Schwester nicht schwanger gewesen sein und dass sie das bei ihrem Leben beschwören würde.

Die Aussage der anderen Schwester Königin deckt sich eher mit der Aussage ihrer Schwester Hechtelin.Sie hat den Nachmittag bei einer Fr.von Stockum zugebracht und nur beobachtet,wie Susanna aus dem Haus gegangen sei.Die Königin war jedoch davon ausgegangen, dass Susanna zur Arbeit gehe…Und so trifft die Hechtelin gegen 6 Uhr abends bei der Königin ein und von Susanna ist keine Spur zu sehen.Also schickt die Königin die Hechtelin wieder los zur Bauerin ,wo keine Susanna ist. Laut Aussage der Hechtelin veranlasst daraufhin die Bauerin die Suche nach einem Kind,und diese ergibt als Ergebnis eine Blutlache in der Waschküche.Daraufhin geht die Hechtelin zur Königin und die kommt endlich mit zur Bauerin und sucht weiter und findet nichts.Daraufhin zeigen die Königin und ihre Schwägerin, die Brandin ihre Schwester/Schwagerin Susanna beim  jüngeren Bürgermeister an. Der ordnet an, dass der Bruder Gretes, die Ordonnanz bzw. der Sergeant Brandt eine Hausdurchsuchung im EINHORN durchführt.Selbiger findet einen toten männlichen Säugling im Stall unter dem Mist liegend.Diesen bringt er zur Sektion aufs Hospitalamt. Damit kann nur das Hospital zum heiligen Geist gemeint sein, da nur dieses für Angestellte und Fremde zuständig war. Zudem bestellt er die Bauerin, die neue Magd und seine beiden Schwestern für den nächsten Morgen zum Verhör ein und lässt seine Schwester auf der Hauptwache per Personenbeschreibung steckbrieflich suchen.

Der Rat der Stadt setzt ein Kopfgeld von 50 Reichstalern auf Susanna aus.Sie wird an den öffentlichen Plätzen ausgetrommelt,der Haftbefehl nebst Personenbeschreibung an alle Stadttore geheftet.

Merkwürdig ist nur,dass laut Aussage der Wirtin sich diese eine Hausdurchsuchung durch die beiden Schwestern verboten hat und  stattdessen die Anzeige angeregt hat. Zudem hat Susanna gar nicht ohne ihr Wissen heimlich gebären können, da durch eine Tatortbegehung durch Dr.Lindheimer am 7.Oktober herauskommen sollte, dass die Küche nur ein Fenster und keine Tür zum Hof hatte.Dieses Fenster war zudem vergittert. Wie also Susanna Herrenbesuch haben konnte ist also schleierhaft. Und aus der Küche, die gleichzeitig Arbeitsplatz und Schlafplatz war, konnte man nur in den Hof,indem man durch die Wohnstube der Wirtin ging. Diese hatte eine Tür zum Hof, die aber inwendig verriegelt war.

Das heißt,man konnte nur nach draußen aber nicht mehr in die Wohnung zurrück. Susanna musste aber aus der Küche gehn und damit an ihrer Wirtin vorbei um überhaupt nach draußen zu gelangen. Da diese beim Abendessen saß, das sie sich noch servieren ließ,war es klar, dass sie Susannas Abgang mitangesehen haben muss. Direkt an die Wohnstube angrenzend befand sich die Wirtsstube…Vielleicht bediente die Wirtin auch gerade wieder Gäste,als Susanna zur Hintertür des Wohnzimmers, das zwischen Wirtsstube und Küche lag, in den Hof verschwand… Von dort trug sie die Asche auf den Waschboden, wo ein Holzfass für Abfälle stand.Und dort geschah die Sturzgeburt, das Kind fiel auf den Steinboden und

sein Schädel zerschellte. Laut erstem Verhör, das am 4. August stattfindet, hat Susanna daraufhin das tote Kind im Stall unter Stroh vergraben und sich auf die Treppe gesetzt. Bis um 22 Uhr hat sie dort gesessen,weil ja die Hoftür abgeschlossen war. Glücklicherweise kam gerade die Jüdin Hündge, die in der Mietswohnung neben dem Stall logierte, durch den Hof und rief den jüdischen Knecht Bonum, der in der Wirtsstube saß, zu Hilfe. Der schloss von innen auf und Susanna konnte wieder ins Haus… Das EINHORN und insbesondere der Waschboden lagen nämlich direkt an den Überresten der Staufenmauer, die südlich der Konstablerwache die Innenstadt vom jüdischen Ghetto trennte. Doch war diese Mauer beim letzten Ghettobrand weitgehends niedergebrannt… Als den Vater des Kindes gibt Grete einen

Diener eines holländischen Kaufmanns an, mit dem sie  Anfang Dezember 1770 Verkehr gehabt habe. Es handelte sich folglich um ein 8 Monatskind, also um eine Frühgeburt,die vermutlich durch die Abtreibungsversuche,mit denen ihr ihre Brotherrin und die beiden Schwestern zusetzten,begünstigt oder gar ausgelöst wurde. Susanna gab später im dritten Verhör zu Protokoll, dass der Hr.Dr. Burggraf ihr sogar 10 verschiedene Pulver und einen Aderlass verordnet habe. Das Pulver hat sie ganz aufgebraucht und zwei Wochen später erlitt sie die Fehlgeburt. Was sie nicht wusste,war, dass zu diesem Zeitpunkt bereits die neue Magd eine Einstellungszusage bekommen hatte.

Und am Samstag vor der Fehlgeburt, an dem ihr Schwager, der Schreiner Hechtel, einen Verschlag auf dem Waschboden zimmern sollte, und sie den Boden auffegte,bekam sie urplötzlich Selbstmordgedanken und wollte die Treppe herabspringen. Im dritten Verhör spricht sie an dieser Stelle schon vom SATAN…

Ob das Goethe wohl zu der Gestalt des Mephisto inspiriert hat? Die war im Volksmärchen vom Faust von Anfang an mit dabei,im Gegensatz zu der Gestalt der Grete, deren Schicksal ich hier näher beleuchten möchte…

Derselbe Schwager wird nach der Arbeit von der Bauerin beiseite genommen und er erfährt, dass Grete ersetzt werden wird. Und er erfährt, dass Grete buchstäblich nicht „die erste “ ist, die auf diese Weise aus dem Dienst scheidet. Die Wirtin ist es gewohnt, sich auf diese Weise ihrer Mägde zu entledigen,indem sie sie nicht kündigt, sondern einfach durch neue ersetzt. Hr. Hechtel erstattet Bericht bei Fr.Hechtel und die stellt die Wirtin zur Rede,warum sie Susanna noch vor der Messe loswerden wolle ? Diese lügt einfach frech und behauptet, Susanna nach der Messe wieder einstellen zu wollen…sie solle erst einmal ihre Gesundheit schonen. Susanna stellt die Wirtin Sonntag morgen zur Rede erhält diesselbe Antwort, den Rest ihres Lohnes und die Kündigung zum 1. August. Susanna ist empört, da sie die gesamte Zeit für einen geringeren Lohn arbeiten musste und auf die Trinkgelder der Messe angewiesen ist und so mutet sie sich am 1. August mehr zu als ihr guttut. Sie ist fest entschlossen,ihre Stellung zu gehalten und verliert beides: ihr Kind,ihre Stellung und wie wir sehen werden auch ihr Leben.Sie leistet schon seit längerer Zeit doppelte Arbeit, da die Wirtin eine Magd entlassen hat. Und so bezweifelt sie, dass die neue Magd zusätzlich eingestellt wird und mutmaßt, dass deren Einstellungstag ihr Entlassungstag ist. Aber vielleicht hatte Fr.Bauer ja doch nur die edelsten Motive und beschäftigte Fr.Seyfried als Schwangerschaftsvertretung…

Wir schreiben mittlerweile den 2.August 21 Uhr abends und die Fehlgeburt ist 24 Stunden in der Vergangenheit zurrückliegend…Margaretha  ist inzwischen schon seit 10 Uhr auf den Beinen.Sie ist zu Fuß nach Höchst gelaufen und von dort mit dem Marktschiff nach Mainz gereist. Dort hat sie ihre Ohrringe versetzt und von dem Geld  im Gasthaus zum Hirschen übernachtet.Am nächsten Tag, dem 3.August ,wird auf Anordnung des Senats das gefundene Kind Susannas seziert. Dies geschieht auf Anregung des Schöffengerichtes, dem bis 1770 der Großvater Goethes vorgestanden hatte. Der hat sein Amt 1770 niedergelegt und stirbt am 6.2.1771. Erst im September 1771 wird Johann Jost Textor, der Bruder Aja Textors, der Sohn des Großvaters Goethes, also sein Onkel mütterlicherseits Ratsherr und Mitglied des Schöffengerichtes werden. Und am 6.August wird Goethe in Straßburg durch die Verteidigung seiner beanstandeten“56 Straßburger Promotionstheorien“ zum Lizentiat der Rechte ernannt. Er sucht noch einmal seine große Liebe Friederike Brion in Sesenheim auf und trennt sich der Karriere wegen von ihr, denn er muss zurrück nach Frankfurt. Dort ist der Prozess gegen die Kindsmörderin Susanna schon in vollem Gange…Er selber hatte Friederike Anfang Oktober 1770 in Sesenheim durch einen Studienkollegen kennengelernt und sich seinem Drang und Hang zum Maskieren nachgebend als Student der Theologie ausgegeben. War doch Friedrike, deren Herz er auf ewig brechen sollte, die Tochter eines protestantischen Pfarrers…Auch Teile von ihr sind  in die Gretchenfigur eingeflossen. Goethe selbst war ebenfalls Protestant wie sein Vater und die Katharinenkirche, in der seine Familie zur Messe ging, war die Kirche, in deren Gefängnisturm Margarethe am 3. August festgesetzt wurde, bevor sie auf Anordnung des jüngeren Bürgermeisters in das Hospital zum heiligen Geist verbracht wurde,wo sie genau einen Tag später gegen 17 Uhr zum ersten Mal von Dr.Claudy verhört werden sollte.

Im Hospital werden ihr aufgrund ihres Zustandes ein Bett,Verpflegung und eine Pflegerin gestellt. Im ersten Verhör schildert sie den Vorfall als Fehlgeburt, die durch die Kündigungsdrohung ihrer Wirtin ausgelöst worden sei. Es ist noch nicht vom SATAN die Rede.

Am 5. August erfolgt eine Tatortbegehung durch den Amtsschreiber Rost und zwar zum selben Zeitpunkt,als Grete zum zweiten Mal verhört wird,nachdem ihr auf Anordnung der Schöffen in der Hospitalamtsstube  durch die Hospitalmutter Geldern das exhumierte sezierte Kind vorgelegt wird.

Sie bricht zusammen und schreit „Herr Jesus,Herr Jesus, ja das ist mein Kind,ich habe keine Hand daran gelegt“…Und danach gesteht sie plötzlich Dinge, die sie  ihren Kopf kosten werden. Der Sektionsbericht der Ärzte konstatiert Gewaltanwendung und durch suggestive Fragen bringt man sie dazu diesen zu bestätigen…durch Geständnisse wie:

Dass sie ihrem Kind absichtlich das Gesicht zerkratzt und es erwürgt habe,und es dann versucht habe in die Mülltonne zu werfen,sich dann aber doch dazu entschlossen habe,es im Stroh zu vergraben, da der TEUFEL sie verblendet habe.

Sie weigert sich jedoch noch zuzugeben, dass sie das Kind absichtlich am Kopf verletzt habe.

Das Kind wurde zwei Stunden vor der Verhaftung Gretes am 3.August  um 14 Uhr von den Stadtphysici und Chirurgen Dr.Gladbach, P.B. Pettmann, J.Grammann, Johann Georg Giese, Johann Christoph Berends, Johann Jakob Parrot, Johann Michael Gayser,Johann Lorenz Bucher,Carl Friedrich Meyer in der Gegenwart des Ratschreibers Dr.Claudy seziert. Das heißt, als die Sektion zu Ende war,hatte man auch gleich die Mutter festgesetzt,weil diese den Fehler gemacht hatte,nach Frankfurt zurrückzukehren, da sie sich unschuldig fühlte und kein Gled mehr hatte. Im Prinzip hatten diese Ärzte damit schon Gretes Todesurteil gefällt und von da an ging alles recht zügig.

Gegen 16 Uhr wird Grete am Bockenheimer Tor in der Nähe der heutigen alten Oper von der Stadtwache verhaftet. Sie kommt ins Hospital zum heiligen Geist, wo ihr Kind gerade seziert worden und zwischendurch beerdigt worden ist.

Am 4gzip -d ./5. August wird sie solange verhört,bis sie durch ihre Aussagen,den Sektionsbericht bestätigt. Später wird sie ihrem Anwalt anvertrauen, dass sie nur aus Angst vor Folter solche Aussagen machte. Zudem ist sie völlig entkräftet und der Anblick des Kindes gibt ihr den Rest…Sie ist eine gebrochene Frau.

Am 6.August promoviert Goethe in Straßburg,verlässt Straßburg und Friederike Brion und kehrt nach Frankfurt zurrück. Seine Karriere als Dichter und Geheimagent beginnt erst.

Anfang September wird sein Onkel in den Prozess einsteigen. Und Grete gönnt man erst einmal etwas Ruhe,immerhin liegt sie im Kindbett. Am 11.9. wir ihr von dem Leiter der Sektion ihres Kindes Dr.Gladbach ein Aderlass verordnet.Vermutlich hat er festgestellt, dass ihr Blut noch ziemlich von diversen Pülverchen seiner Kollegen verunreinigt war…Dr.Gladbach wird direkt mit der Gesundheit der Grete betraut und es werden ihr zwei Wärter zur Seite gestellt,bis der Aderlass verheilt ist. All dies dient nur dazu, sie solange am Leben zu erhalten,bis man ihr den Prozess machen kann.

Am 28.September bittet der Hospitalmeister darum, dass Susanna endlich verlegt wird.Und so transportiert man sie wieder mit dem Kranken porte chaise, einem Vorläufer des Krankenwagens, zum Katharinenturm,wo sie im Weiberstübchen eingeschlossen wird. Sie erhält ein Bett und warmes Essen und ist am 8.Oktober fit für ihr drittes Verhör.

Sie berichtet von ihrem Schwängerer, von dem sie den Namen nicht weiß und gibt zu, das Kind mit dem Kopf gegen die Mülltonne geschlagen zu haben, nachdem sie es zuvor erwürgt hatte. An sich ein unlogisches Geständnis. Wiederum ist vom Teufel die Rede. Das Geständnis erinnert an ein Geständnis aus der Zeit der Hexenprozesse. Was nicht wundert,wenn wirklich Folter im Spiel war. Der Schreiber des Scharfrichters Hoffmann hieß übrigens Johann Georg Schlosser und ist ein Namensvetter von Dr.Schlosser, der während des dritten Reiches Seniorchef des Pflegamtes des Hospitals zum heiligen Geist sein sollte… Und Hoffmann selbst ist ein Namensvetter des berühmten Anatom und Psychiaters Heinrich Hoffmann…Aber das sind nur Namensvetter und da liegen keine echten Verwandtschaften vor.Es ist auch nicht davon auszugehen, dass Grete Brandt die Vorfahrin von Willy Brandt war:-)

Bis heute weiß man nicht, wer der Vater war und die Frage interessiert anscheinend auch niemand.Damals wollte man es von Grete wissen,aber sie wusste es nicht. Am 9.Oktober wird das Verhör fortgesetzt und sie gesteht jetzt sogar,doch mit einer Schere das Kind abgenabelt zu haben und es mit der Schere verletzt zu haben, damit es verblute. Zudem gibt sie an,das Kind absichtlich noch zusätzlich mit dem Kopf gegen die Wand geschlagen zu haben,um auch ganz sicher zu sein, dass es auch wirklich tot sei.

Dann gönnt man ihr einen Tag Ruhe und führt am 11.Oktober das fünfte undvorletzte Verhör mit ihr durch.Insgesamt ist ab dem zweiten Verhör 6 mal vom Satan/Teufel die Rede. Und nun gesteht sie auch, dass ihre Schwestern sie am Freitagmorgen, den 2.August mit der Nachgeburt konfrontiert hatten. Damit hängt sie ihre Schwestern zu Trocknen hin. Sie behauptet, sie sei aus Angst vor Denunziation geflohen.Dazu hatte sie auch allen Grund, denn sie wurde von der eigenen Familie denunziert, da sie das Pech hatte, dass ihr Vater und ihr Bruder Stadtsoldaten waren. Außerdem gibt sie an, dass sie um Blutspuren zu vermeiden, sich den Rock fest umgewickelt habe und die Sägespäne benutzt habe, um Blutspuren abzudecken.Als man sie dazu bringen möchte, zu gestehen,sie habe ihr Kind mit dem Beil umgebracht,verneint sie. Auch als man ihr Fragen zur Mitwisserschaft der Jüdin Hündge stellt, bleibt sie wortkarg.

Es ist offensichtlich,wie man ihr zusetzt. Um die Sache zum Abschluss zu bringen,verhört man die Fr.Bauer noch einmal und die Pflegerin Schmidt vom Katharinenturm, der Susanna die Schere geschenkt hat und ihren Bruder. Man kann niemanden eine Mittäterschaft nachweisen und es wird beschlossen die Akte zu schließen und an den Stadtrat und das Schöffengericht weiterzugeben…

Dr.Lindheimer, der zusammen mit Dr.Siegner die Vernehmungen durchgeführt hat,begründet das Ende der Verhöre an Susanna mit ihrem „geschwächten Zustand“ und der Pflichtverteidiger Dr.Schaaf wird am 26.Oktober damit betraut binnen eines Monats eine Verteidigungsschrift aufzusetzen.

Daraufhin besucht Dr.Schaaf Grete und erfährt von ihr, dass sie aus Angst vor Folter zuviel gestanden hat. Daraufhin verlangt er, dass sie widerrufen dürfe und sie wird wieder verhört und zwar wird festgehalten, dass die Schere kein Mordinstrument war.

Am 23. November liefert Dr.Schaaf seine glühende Verteidigungsschrift ab. Diese umfasst folgende Knackpunkte:

1.) die Angst vor Folter und die ängstliche Natur von Susanna und ihr geschwächter Zustand

2.) die Vermutung einer Tot-oder Fehlgeburt

3.)die Unsicherheit der Identifikation des völlig durch die Sektion zerstückelten und halbverwesten Kindes durch die Mutter

4.) die Tatsache dass der Vater des Kindes, Susanna mittels eines in Wein aufgelösten Betäubungsmittels wehrlos gemacht und dann vergewaltigt hat( er bezeichnet ihn als „Bösewicht“)

In seinem Schlussplädoyer bittet er um eine milde Strafe seiner Mandantin und wirbt um die Einrichtung eines Findelhauses. damit Grete die „letzte“ sei, der solches Unglück widerfahre.

Er wagt es also tatsächlich, das ärztliche Gutachten anzufechten und dennoch verbeugt er sich vor den „ehrwürdigen Wohl- und Hochwohlgeborenen,Gestrengen und Herrlichen wie auch wohlfürsichtigen Hoch-und Wohlweisheiten“.

Zu dieser Verteidigungsschrift nahmen die 4 Syndici in der Weihnachtszeit Stellung.

Lauz am 23.12. 1771

Hofmann am 30.12

Rumpel am 21.1.1772

Schudt am 3.1.1772

Der Stadtrat traf sich 7.1.1772 zur Urteilsfindung,welche Tod durch Enthauptung lautete. Dies war also die milde Strafe,um die Dr.Schaaf gebeten hatte…Laut Carolina stand auf Kindsmord eigentlich Ertränken im Main,aber so einigte man sich auf Enthauptung,eine Strafe, die sonst nur ADELIGEN vorbehalten war.

Das Todesurteil wurde am 10.Januar 1772 durch Senator Reuss und Dr.Jost Textor, Goethes Onkel ,verkündet.Grete fällt in Ohnmacht und bittet ,als sie wieder erwacht, um Gnade.Daraufhin legt ihr engagierter Pflichtverteidiger sein Mandat nieder und schließt sich dem Bittgesuch an. Sie weint und bittet händringend, dass ein Rat ihr ihr junges Leben schenken möge.

Daraufhin kommt es zu einer außerordentlichen Ratssitzung in der in Anwesenheit der Syndici das Gnadengesuch abgelehnt wird. Dr. Claudy erhält den Auftrag, die Verurteilung  Susanna schonend beizubringen.

Bereits am 9.1.1772 ,also zwei Tage nach der Urteilsfindung durch den Rat und einen Tag vor der Urteilsverkündung,hatte man den Henker Johann Anton Hoffmann mit der Vollstreckung beauftragt.Dieser lehnt ab und bittet darum,den Auftrag an seinen Sohn Johann Heinrich Hoffmann zu delegieren.

Am11.Januar,nachdem Gretes Gnadengesuch abgelehnt wurde,wird der Bittschrift des Scharfrichters stattgegeben und der Sohn erhält eine Einladung zum Eignungstest am 13.1.1772. Er besteht den Test  durch Senator Reuss und Dr.Textor und erhält den Auftrag die grade mal 1 Jahr jüngere Grete  bereits am nächsten Tag auf der Hauptwache mit dem Schwert nicht zur Ritterin sondern per Köpfung totzuschlagen.

Der Rest ist Geschichte.

EPILOG FOLGT.

Tags: , ,