Diese Nation hat schon einiges durchgemacht. Wir mußten Kaiser, Diktatoren, Vollidioten, Narren und Deppen als Herrscher ertragen. Und nun haben wir als Verteidigungsminister einen kriegsphilen Adligen vorgesetzt bekommen, der mit ein wenig Glück gerade in der Lage ist, seinen Namen richtig zu schreiben. Karl-Theodor von und zu Guttenberg ist für jeden Witz zu haben – scheint es.

Das der Mann selbst eine einzige Witzfigur ist, und diese nicht nur der breiten Öffentlichkeit gibt, erkennt man daran, daß er einen Kriegsverbrecher einfach in seinem Amt beläßt und sogar noch in der Öffentlichkeit dafür sorgt, daß der gute Mann nicht schuldig gesprochen wird. Von wem die Rede ist?

Die Rede ist von Oberst Georg Klein. Der Mann wird in der rechtskonservativen Szene für sein Kriegsverbrechen in Kunduz als Held gefeiert. Immerhin hat er ja nur einige Kanacken (die höfliche Version) oder einige blut- und mordlüsterne Taliban (die offizielle Version) mit dem ungerechtfertigten Luftschlag bei dem gestrandenen Tanklastzug in die Luft sprengen lassen. Wobei sich mir an dieser Stelle erst einmal die Frage stellt, woran ich denn einen mordlüsternen Taliban erkennen kann, wenn ich gut 6 Km von der Stelle entfernt bin, wo sich ein Tanklastzug festgefahren hat!

Doch dies tut nichts zur Sache. Hier geht es um Prinzipien. Als dumm empfinde ich nur, daß das deutsche Militär seine inzwischen wohl vergessen hat und wirklich auf das preußisch-gloria-Gesülze seines Verteidigungsministers doch tatsächlich reinfällt. Auch dies wäre für sich allein gesehen, kein größerer Beinbruch. Es ist jedoch so, daß sich die preußische Armee in ihrer Vergangenheit wirklich nicht oft mit Ruhm bekleckerte.

Es ist jedoch so, daß eine Armee nur so gut ist wie ihr Oberbefehlshaber. Die alten preußischen Kaiser besaßen auf diesem Gebiet noch richtige Ausbildung, die heutigen Politiker sind nicht einmal in der Lage, Notwendigkeiten zu erkennen, selbst wenn man sie mit einem Stock dorthin prügeln würde.

Darin liegt aber auch das Problem. Während der Afrika-Kriege der Kolonialzeit, während des Boxer-Aufstandes in China, scherrte sich die deutsche Reichswehr um keinen Deut um Kriegsverbrechen oder ähnlichem. Das jener Geist nicht nur den Zweiten Weltkrieg überlebte, sondern auch den Ersten, sollte einem schon zu Denken geben. Deutsche Soldaten waren noch nie für ihre Cleverness bekannt, sonst hätten sich die hessischen Landessoldaten niemals an die Briten verkaufen lassen, um deren Krieg in der Neuen Welt (Amerika) zu führen. Viele deutsche Soldaten starben im amerikanischen Befreiungskrieg. Profitiert hat nur der degenerierte, perverse Adel, wie ihn von und zu Guttenberg heute immer noch darstellt.

Aber dies sind, im Vergleich, nur olle Kamellen. Die deutsche Wehrmacht war noch nie sonderlich helle. In Stalingrad flüchtete vor dem eigentlichen Kampfbeginn der dienstführende General wieder zurück in die deutsche Hauptstadt und überließ die Schlacht seinen Hauptmännern. Worin diese Schlacht letztlich gipfelte ist allgemein bekannt. Und Stalingrad wird heute auf beiden Seiten als ein Zeichen des unbändigen Willens zur Nichtaufgabe verkauft. Ok, die Russen haben es verdient, immerhin traten sie der Wehrmacht mal so richtig in den Arsch und deklassierten sie als Amateurtruppe, die sie auch eigentlich darstellte.

Während die Wehrmacht selbst und später die Bundeswehr immer vom Hinterhalt von Stalingrad sprach, in dem die deutsche Wehrmacht geführt wurde, um so die Tatsachen dahingehend zu verdrehen, daß es der deutsche Wille war, weshalb die Schlacht so lange dauerte. Dies mag vielleicht richtig sein. Aber anstatt knapp 230.000 dazu zu bringen, sich zu ergeben, bevor es zum Massaker ausartete, kämpfte die deutsche Wehrmacht unter Erich von Manstein bis beinahe zum letzten Mann. Diejenigen Einheiten, die sich vorher schon ergaben, bevor die Kerntruppe überwältigt werden konnte, wurden nach dem Krieg von ihren Kameraden als Landesverräter betrachtet. Jedoch überlebten nur gerade einmal 6.000 ehemalige deutsche Wehrmachtssoldaten die Schlacht von Stalingrad, bei der insgesamt 700.000 Menschen einen unrühmlichen Tod fanden.

Nun ist es in diesem Land jedoch so, daß man in der Politik ganz gewaltigen Mist bauen kann, um hinterher immer noch als der Gute dazustehen. Von und zu Guttenberg hat bereits bei seinen vielen Afghanistanbesuchen bewiesen, daß er nichts taugt. Gottseidank sind die Taliban noch schlechtere Scharfschützen als unsere eigene Bundeswehr, sonst wäre der vorletzte Besuch des Bundesverteidigungsministers im Zinksarg geendet. Leider sind die Taliban so mißerable Schützen! 🙂

Jetzt ist leider der übelste anzunehmende Unfall eingetreten. Oberst Georg Klein erhält den Freibrief für die Ermordung von gut 145 Zivilisten, die eben das Pech hatten, sich in unmittelbarer Nähe des Tanklastzuges zu befinden, als er den amerikanischen Jägerpiloten die Anweisung gab, eben diesen Tanklastzug zu bombardieren. Anstatt dafür für den Rest seines Lebens im Knast zu verschimmeln, ist Oberst Klein immer noch Oberst und nach wie vor auf freiem Fuß. Ein 145facher Mörder rennt immer noch frei herum. Zufall?

Das unser Bundesverteidigungsminister einen solchen Kriegsverbrecher deckt, wundert mich persönlich nicht mehr sonderlich. Aber das seitdem jede andere Hintergrundgeschichte als Begründung für die Tat herhalten muß, erzeugt bei mir schon ein gelindes Gruseln. So kommt es, daß die Familie des Oberst herhalten muß, warum er in Afghanistan so reagierte. Oder seine militärische Ausbildung, die in ihrer Härte schon so manch einfach gestrickten Geist hat brechen können. Und und und. Der Geschichten gibt es viele, aber keine davon glaubhaft genug, um wirklich Ernst genommen zu werden.

Das nun im Nachhinein, nach dem öffentlichen Freispruch Oberst Kleins, dieses Kriegsverbrechen auch noch mit der Notwendigkeit des Krieges gerechtfertigt wird, sollte einem schon zu denken geben. In der NS-Zeit verfuhr man genauso. Da gab es auch den einen oder anderen Befehl, der einen Oberst dazu zwang, etwas zu tun, daß eigentlich seiner Gesinnung widersprach. Dennoch wurde der Befehl kommentarlos (meistens zumindest) ausgeführt, weil man als Offizier nicht vor dem Erschießungskommando erscheinen wollte. Und dadurch wurden manche der Kriegsverbrechen der NAZIs damals auch im Hinterher von den in Frage kommenden Offizieren immer gerechtfertigt. Dabei spielte es dann keine Rolle, ob es um die Auslöschung eines kroatischen Dorfes im späteren Jugoslawien, oder um ein italienisches Mönchskloster, ging.

Verbrechen finden immer eine Möglichkeit, ihre Verbrechen im Nachhinein als unbedingt notwendig darzustellen. Dies ist eben das Fatale. Noch schlimmer wird es, wenn von einer öffentlichen Person ihnen dann noch Rückendeckung gewährt wird. Und richtig zur Pistensau mutiert die ganze Angelegenheit, wenn ein adliger Verteidigungsminister solch einem Verbrecher nicht nur den Rücken stärkt, sondern ihn allen Ernstes noch für einen militärischen Verdienstorden vorschlägt. Quasi in schöner brauner Tradition.

Der Adel hat in diesem Land nichts dazu gelernt. Wäre es anders, gäbe es ihn nämlich nicht mehr. Das der Adel jedoch wieder sehr gerne auf Kosten des einfachen Volkes Krieg spielen möchte, erkennt man schon daran, wie die Bildungspolitik oder die Integrationspolitik gehandhabt wird. Man baut mit Absicht neue Feindbilder auf, pflegt sie sogar öffentlich, und wundert sich dann, wenn in einem kleinen Eifeldorf ein Migrant gelyncht wird [Nein, dies ist noch nicht geschehen. ].

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1 Kommentar on Gerechtfertigtes Kriegsverbrechen

  1. Ossi sagt:

    Wieder gut geschrieben Andreas, Ich weiß Du magst kein Lob, ich auch nicht, aber es ist wirklich gut, was Du so alles schreibst.
    mvg Ossi