Wenn man in den vollen Topf greifen muß, so muß man es mit Herzensmut tun.

– unbekannter deutscher Politiker –

Das Land der Dichter und Denker, Richter und Henker, hat eine neue Möglichkeit gefunden, wieder in den alten Nazitrapp zurückzukehren. Wenn man die Medien derzeit verfolgt, fragt man sich, ob Konservative einfach nur wertkonservativ oder schlicht verblödet sind. Unsere reichhaltige Kultur des vielen Mit- und noch viel öfteren Gegeneinander verkommt immer mehr zu einer absolut normierten Gesellschaftsform, die nur noch bereit ist, Hungerlöhne zu gewähren (wenn denn überhaupt etwas für geleistete Arbeit gezahlt wird).

An für sich ist das Thema keines, dem ich mit meinem üblichen Zynismus begegnen kann – oder gar sollte. Doch liegt mir die Bildung unserer Kinder wirklich ernsthaft am Herzen. Nur nach den aktuellen Verlautbarungen aus den faschistischen Bundesländern unseres Landes stellt sich mir die Frage, wie niedrig muß der IQ eines CDU/CSU-Mitgliedes sein, um einerseits die normierte Einheitsschule in Hamburg aktiv zu torpedieren, andererseits dann aber in den Bundesländern das Abitur derart gleichzuschalten, daß man sich in einem orwellschen Alptraum lebend vorkommt? Die Frage beantwortet sich quasi von selbst, deshalb gibt es hierfür von mir keine Antwort.

Doch ich bin nicht für meine Zurückhaltung bekannt. Vor allem nicht beim Thema Bildung. Nachdem man durch Einführung des G8-Abiturs es erfolgreich fertig brachte, Jahrgänge zu erzeugen, die nichts mehr über das Dritte Reich im Schulunterricht lernen, und statt dessen von den Lehrern den Schülern empfohlen wird, die von Guido Knopp verbrochene Geschichtsrelativierung sich im Fernsehen oder Internet anzuschauen, beginne ich mir ernsthaft darüber Sorgen zu machen, was aus diesem Land noch werden soll!

Bildung ist unser höchstes Kulturgut. Naja, dies war es einmal. Und zwar lange vor der Ära Kohl, die ich leider Gottes noch erleben durfte und in der uns schon auf der Hauptschule vorgeschrieben wurde, daß wir bestimmte Themen im Geschichtsunterricht nicht behandeln sollten. Man nannte das damals noch Jugendschutz. Also wurden unsere Lehrer angewiesen, uns nichts über das Dritte Reich zu sagen. Nur der Widerstand von drei Paralellklassen (inklusive der in Ihnen vorhandenen Migranten) machte es möglich, daß der Unterrichtsplan dementsprechend abgeändert wurde. Wir setzten sogar einen Besuch in Verdun durch, obwohl sich hier der Schulrat besonders zäh zeigte und die Schule letztlich gezwungen war, die Klassenfahrt dorthin selbst zu finanzieren. Ohne unsere Eltern, die ein Interesse an Aufklärung hatten (im hinterwäldlerischen Saarland wohlgemerkt), wäre dies wohl nie zustande gekommen.

Und nun drohen fünf konservativ geführte Bundesländer (darunter auch jene beiden, in denen der derzeitige Landeschef von der Bevölkerung nicht gewählt wurde), daß sie ihr Abitursystem nivellieren wollen. Anscheinend sind da einigen Leuten die PISA-Zahlen ein wenig zu Kopfe gestiegen. Aber da der Fisch immer vom Kopf her stinkt, kann man daran schon erkennen, daß die Geschichtsklittierer sich nicht geschlagen geben, sondern weiterhin am Bildungsabbau festhalten.

Der Bildungsetat in den Ländern ist in den vergangenen 20 Jahren seit der Wiedervereinigung jährlich um gut 10% in jedem Bundesland heruntergefahren worden. Noch mehr Teilung geht nicht mehr. Das Bildungsniveau ist in Deutschland derzeit derart im Keller, daß jeder Angehörige meiner Generation den heutigen Kids nicht nur bei historischen Wissen um Längen voraus ist, sondern auch auf jedem anderem Gebiet.

Früher mußten Mathematiklehrer noch etwas von ihrem Fach verstehen und zumindest ein Fachbuch über Irreguläre Zahlen gelesen haben (und das auf der Hauptschule). Heute reicht es, wenn man am Gymnasium Mathematik unterrichtet, aber die Geometrie nicht gefressen hat (und mir sind einige Mathematiklehrer an hessischen Gymnasien bekannt, auf die dies zutrifft). Nicht einmal Faktorenrechnung beherrschen die heutigen Abiturlehrer noch. Zu meiner Zeit eine Unmöglichkeit. Da mußte selbst ein Realschullehrer den Nachweis erbringen, daß er die Faktorenrechnung mit 12 Faktoren locker berechnen konnte – und das Ganze dann noch als dreidimensionales Modell darstellen in der Lage war.

Aber heute?

Heute kann man froh sein, wenn der Mathematiklehrer sich nicht schon bei einer leichten Übungsaufgabe mit seinen Schülern verhaut und diesen dadurch falsche Kenntnisse vermitteln. Heute können wir froh sein, wenn im Geschichtsunterricht noch die Französische Revolution dran kommt, und heute können wir erst Recht froh sein, wenn es noch so etwas wie Koch- und Werkunterricht gibt. Aber wo gibt es das denn noch? In den Schulen werden Großküchen eingerichtet, damit die Schüler um die Mittagszeit etwas zu essen haben. Anstatt hier Arbeitsstellen zu schaffen, könnten die Schulen eine Menge Geld dadurch sparen, wenn sie wieder Kochunterricht geben würden. (Und an den wenigsten deutschen Schulen gibt es dies heute noch.)

Genauso sieht es mit dem Gezerre um die Ganztagsschulen aus. Ich schreibe dies an dieser Stelle nicht gerne, aber das japanische System der geteilten Verantwortung (nicht nur in der Klassengemeinschaft, sondern auch den ganzen Schulbetrieb betreffend) wäre hier ein richtiger Fortschritt für das deutsche Bildungssystem. In ganz Asien sind Ganztagsschulen an der Tagesordnung. Dort gibt es Koch- und Werkunterricht, sogar richtiggehende Materialkunde mit Experimenten, die bei uns nur in Bundesforschungsanstalten statt finden, und es wird Verantwortung für die Schule von Seitens des Schülers erwartet und verlangt. Im Klartext heißt dies: Die Schüler müssen vor dem Ende eines Schultages ihres Klassenräume wieder aufräumen, sauber machen. Sogar die bei manchen Schulen vorhandenen Schwimmbereiche müssen regelmäßig gewartet werden. Die Schüler und Schülerinnen machen dies unter Anleitung von Fachpersonal, erlernen also gleich wichtige technische Grundlagen.

In einem solchen Schulbetrieb ist es natürlich, daß es so gut wie keinerlei Hausaufgaben gibt. Gleichzeitig wird dafür gesorgt, daß die Schüler nicht nur für die eigene Schule, sondern auch füreinander einstehen. Regelmäßige Wettbewerbe, in dem es selten darum geht, wer der Beste ist, sondern eher darum, wer der menschlichste ist, finden ebenfalls statt. Nicht nur auf Schulebene, sondern auch darüber hinaus gehend.

Und in Deutschland?

Fehlanzeige. Das Land der Dichter und Denker, der Richter und Henker, hat sich in eine bildungsferne, bildungsfeindliche Kultur gewandelt, wo man bereits schief angesehen wird, wenn man Sympathien für den Islam hegt (oder einen Anhänger desselben). Das Land, daß die europäische Aufklärung voran getrieben hat wie kein Zweites, hat sich in einen Schatten seiner Selbst verwandelt. Dort, wo früher Wissen und Bildung gleich einem Arbeitsplatz entsprachen, herrscht nun das Gegenteil vor.

Eigentlich eine ganz natürliche Entwicklung, wenn man bedenkt, daß das Peter-Prinzip in deutschen Landen mittlerweile zur grundsätzlichen politischen Tradition zu gehören scheint. Der größte Vollidiot wird Ministerpräsident und nicht derjenige, der am meisten Fachwissen mitbringt. Bildung hat in Deutschland keinen Wert mehr. Um das derzeitige Niveau noch weiter abzusenken, planen nun also fünf Bundesländer quasi im Alleingang ein nivelliertes, einheitliches, Abitursystem. Angeblich, um damit die Chancengleichheit zu wahren, die niemals in diesem Land existierte. (Also zumindest nicht nach meinem Wissen.)

Wenn nun also Bildung weiterhin derart nieder gemacht wird, bekommen wir bald wieder die Zustände, die wir bereits in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts hatten. Damals war auch die durchschnittliche Bildung der breiten Masse weit unter dem Weltniveau und Deutschland war gerade dabei, sich einen Namen mit der Qualität bestimmter hier gefertigter Waren zu machen. Und die heutige, nach gestern gewandte, Politik, möchte nun also die gleichen Zustände wieder erzeugen.

Die Armut im Land ist nicht die Schuld der armen Leute, sondern die der konservativen und rückwärtsgewandten Politik, sowie einiger Gierhälse in Industrie und Kapital. Und weil die Politik dies weiß, hat sie auch ein Interesse daran, eine Internetzensur einzurichten, um sicher zu stellen, daß diejenigen, die noch denken können, sich nicht weiter artikulieren können. Wenn man zu Methoden wie einst „DIE WEISSE ROSE“ zurückgreifen muß, wenn man in diesem Land noch seine Meinung und vor allem die Wahrheit sagen möchte, läuft hier eindeutig etwas verkehrt. Unsere Politiker stehen offen zu einem Faschismus, der schon einmal diesem Land nichts als Unglück brachte.

Wenn also nun die Bildung weiterhin in dieser Form beschnitten wird, muß man sich nicht darüber wundern, wenn der deutsche Michel früher oder später wirklich aufwacht und ernsthaft Druck ausübt, um die Verbrecher und Versager im Nadelstreifen seiner gerechten Strafe zuzuführen. Es gibt nichts gefährlicheres für eine dummdreiste Politik als ein dummgehaltenes Volk. (Übrigens auch eine Aussage jenes unbekannten Politikers, den ich eingangs schon zitierte.) Die Frage ist jetzt nur: Was möchte das deutsche Volk und was möchte die deutsche Politik? Anscheinend zwei total gegensätzliche Dinge, die sich, wenn weiterhin diese Verblödungspolitik betrieben wird, sich eindeutig gegen die Politik richten wird. Und dann dürften, Dank der erzeugten Dummheit, wieder einmal Politiker gerichtet werden. So wie bei der Französischen Revolution …

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