Sucker Punsch!

Genre: Action, Fantasy, Thriller

Darsteller: Emely Browning, Abbie Cornish, Jena Malone, Vanessa Hudgens, Jamie Chung, Carla Gugino, Oscar Isaacs, Jon Hamm, Scott Glen
Regie: Zack Snyder

Drehbuch: Zack Snyder

Zur Handlung: Das junge Mädchen Baby Doll wird von ihrem sadistischen Stiefvater gegen ihren Willen in eine Irrenanstalt eingewiesen, wo sie einer Lobotomie unterzogen werden soll. Um mit der Situation fertig zu werden flüchtet sie sich in eine fantastische Vorstellungswelt, in der sie fortan ums Überleben kämpfen muss. Ihr zur Seite stehen weitere Insassinnen der Nervenheilanstalt, mit denen sie sich angefreundet hat.

Schon bald plant Baby Doll die Flucht aus dieser alternativen Realität, doch dazu muss sie fünf Objekte stehlen, um der Gefangenschaft zu entgehen. Parallel dazu tickt auch in der realen Welt die Uhr, denn es bleiben Baby Doll nur fünf Tage, bis sie ihr Schicksal ereilen wird. Doch dann beginnen in Sucker Punch die Grenzen zwischen Traum und Realität zu verschwimmen.

Wer jetzt meint, mit dieser dürftigen Handlung wäre der Film gegessen, irrt sich. Und zwar gewaltig. Im Net sind bereits einige Verrisse über den Film zu lesen. Und die Zahl der Verrise steigt proportional zur Zahl der Zuschauer, die gestern in den Kinos die Preview-Vorstellung nicht ganz verstanden haben. Zugeben muß man aber, daß der Film arg verstümmeln in unsere Kinos kommt, und dies, obwohl er bei uns nur eine FSK16-Freigabe bekommen hat, in den USA lief er vergangene Woche bereits mit FSK13 an, was wohl den einen oder anderen unsinnigen Schnitt erklären würde.

Um es an dieser Stelle wirklich kurz zu machen: Die fünf Hauptdarstellerinnen durften das erste Mal zeigen, daß sie trotz ihrer Jugend dennoch zu anspruchsvollen und aggressiven Charakterrollen fähig sind. Auch wenn der Film stellenweise verstümmelt wirkt, ist der Schnitt professionell genug, daß es einem nicht sofort ins Auge fällt. Manche Handlungsschnitte sogar geben dem Film einen zusätzlichen Drive, so das man kaum merkt, daß man eigentlich 110 Minuten gespannt in seinem Kinosessel hockt.

Emely Browning dürfte den meisten noch aus DER FLUCH DER ZWEI SCHWESTERN (wird demnächst hier besprochen) bekannt sein, in dem sie das erste Mal brillierte, daß ihr Name von da an in der Riege der großen Jungschauspielerinnen genannt wurde. Man darf aber nicht vergessen, daß dieser Film allein für sich gesehen, schon gewaltig anstrengend ist, da die Psyche der Heldin den Mittelpunkt darstellt.

Abbie Cornish brilliert allein dadurch, daß sie diesmal einen halbwegs durchdachten Charakter erhält, den sie auch weidlich nutzt. Obwohl ihre Rolle eine der wirklich mehr Tragenden des ganzen Films ist, merkt man jedoch, daß ihr Bereich ein wenig im Schnitt eingeschränkt wurde. Zuletzt war sie in OHNE LIMIT zu sehen, der demnächst bei uns anläuft.

Jena Malone ist ja immer noch bestens durch ihren letzten Film bekannt, In Ruinen spielte sie eines der Mädels, die es mit bedeutend giftigen Efeu zu tun bekamen! Auch da war ihre Rolle nicht sonderlich groß, diesmal jedoch durfte auch sie aufs Ganze gehen. Man merkt ihr deutlich an, daß ihr ihre Rolle Spaß gemacht hat.

Vanessa Hudgens nach ihrem Nacktbildskandal wieder im Kino zu sehen, war schon amüsant, vor allem deshalb, weil sie bisher nur als Disney-Heroine auffiel und sonst nichts Besseren zustande gebracht hat. Hier ist sie das erste Mal mit einer wirklichen Charakterrolle zu sehen, und sie überzeugt in ihrer Rolle. Auch wenn viele Kritiker sagen werden, daß nacktes Fleisch zeigen für sie doch normal sein sollte.

Jamie Chung jedoch, Chi-Chi [Tittchen] aus DRAGONBALL: EVOLUTION, ist die Schönste der fünf Mädels und leider auch diejenige, die nur eine wirklich bravouröse Szene hat. In den Actionsequenzen kommt sie zu kurz, da ihre Rolle sich auf das Fahren diverser Fahrzeuge auf der Fantasy-Ebene beschränkt. Dies ist traurig und gleichzeitig eine Verschwendung, gerüchteweise verlautet allenthalben im Net, daß auch der Großteil ihrer Rolle der Schere zum Opfer fiel. Chung jedoch zeigt hier, daß man auch einen Nebencharakter anständig und sauber spielen kann. Und sie widerlegt die Legende, daß man eine gute Schauspielerin nur an ihrer Offenherzigkeit erkennt.

Carla Gugino dürfte noch aus FASTER im Gedächtnis geblieben sein. Sie spielt hier die Ärztin der Klapsmühle, in die Babydoll eingeliefert wird. Sie spielt überzeugend, auch wenn bei ihr ihr gelbes Outfit aus WATCHMEN vermißt. Ihre Rolle ist anstrengend, wenn auch leider ein wenig zu kurz. Ihr Part hätte ruhig ein wenig größer sein können, um wieder einen Ausgleich zu den Actionsequenzen zu schaffen.

Ich möchte an dieser Stelle nicht spoilern, und wer hinter dem Film her recherchiert, wird feststellen, daß er in so gut wie allen großen Zeitungen und Zeitschriften einen Verriß erntet. Nur warum? Im Kino selbst sagten die meisten Leute, der Film hätte keine große Storie. Dies muß man jedoch dem Jugendfreigabeschnitt zugrunde rechnen und nicht dem Film an sich. Der Film hat – auch wenn man schon von sehr geringer Zielgruppe schwafelt – dennoch großes Potential. Es mag sein, daß Warner Bros. außer einer echt miesen Promotion dieses Film, dem Werk von Snyder noch mehr angetan hat, aber das der Film so wenig Bewerbung fand – obwohl man auf virales Marketing umstieg – lag wohl eher daran, daß die Schnittschere einmal zu oft in die Handlung eingreift. Hätte man den Film so freigegeben, wie er gedreht worden ist, hätte er zwar den FSK18-Stempel erhalten, aber er würde als komplettes Meisterwerk gelten.

Zu den Actionsequenzen ist nur soviel zu sagen: Der Film erinnert stellenweise an ein ziemlich abgedrehtes Computerspiel oder einen Anime aus den frühen 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts, in dem die Helden so ziemlich alles anstellen können und dürfen, was mit einer halbwegs guten Grafik-Engine machbar ist. Einigen Bildern sieht man an, daß sie im Rechner entstanden sind, dies mindert jedoch nicht ihren Reiz. In allen Kampfsequenzen jedoch wird man eines feststellen: Was als offensichtlicher Boßfight rüber kommt, hat von der psychologischen Seite eine völlig andere Bedeutung. Man muß den Film mit wachen Geist schauen und ihn nicht einfach schlicht als Popcorn-Kino abtun. Wer dies macht, tut dem Film unrecht. Allein für die Action im Film – inklusive des Intros – erhält er deshalb von mir ein A (auch wenn vielleicht ein B angebrachter gewesen wäre).

Zu den Charakteren gibt es nicht viel zu sagen. Jede der fünf Hauptdarstellerinnen stellt einen anderen weiblichen Archetypus dar. Man erkennt dies vor allem daran, daß die Handlung einen richtig mitreißt. Ob man dies nun will oder nicht. Aber in einem Kino mit alkoholisierten Zuschauern und Zwischenrufern ist es manchmal schwer, sich besser zu konzentrieren. Außer Scott Glen kommen alle leichtfertig mit ihrer Rolle daher. Somit ist der Film nicht halb so anstrengend wie WATCHMEN. Dennoch ist die Darstellung überzeugend. Und zwar jede der wichtigen Rollen. Selbst die Nebenrollen kommen glaubhaft rüber, was aber wohl wirklich am Können des Kameramanns liegt. Man muß es einfach gesehen haben. Also für die thematische Darstellung wird gleichfalls ein A fällig. [Dies mag gleichfalls unverständlich sein, aber wer keinerlei Psychiatrieerfahrung hat, wird den Film eh streckenweise nicht verstehen können.]

Die Tricks sind alles andere als hausbacken. Snyder geht mal wieder in die Vollen und man kann sich vorstellen, daß gut 90% seines Etats dort gelandet sind. Auch wenn in dem Film ziemlich mit der Phantasie gespielt wird, erkennt man an einigen Stellen eindeutige Filmzitate. Und diese sind keine Hommage an die Regisseure, die diese Szenen schufen, sondern sie tätigen Aussagen über Snyder zum Einen selbst, zum Anderen über den genauen Sinn des Films. Die Tricks, die vornehmlich in den Action- und Überblendungsszenen zum Einsatz kommen, sind alles andere als billig gemacht und einige Sequenzen zeigen eine Ironie auf, die man erst merkt, wenn man sich den Film ein weiteres Mal antut. Die Tricks fallen jedoch niemals auf einen Stand zurück, den man als primitiv ansehen könnte. Auch hier ist ein A fällig  [Und nun bin ich mir sicher, daß ich wegen meiner positiven Kritik, da ich wohl einer der Wenigen bin, die den Film auch in verstümmelter Form verstanden haben, wohl selbst mit massiver Kritik zu rechnen habe.]

Die Insgesamtnote des Filmes beträgt AAA. Ausnahmsweise mal wieder, da in der letzten Zeit selten wirklich gute Streifen zu sehen waren. Aber der Film verdient diese Note eindeutig, da die Dramaturgie entsprechend gut gewählt ist, wenn auch in verstümmelter, schon beinahe kastrierter Form der Film schon einige Mängel aufweist, die man übergehen sollte, wenn man nur Popcorn-Kino haben will. Möchte man sich aber die Mühe machen und die Botschaft des Streifens ernsthaft verstehen, sollte man diese Filmkritik Ernst nehmen.

Update: Um euch noch mehr Wasser in den Mund zu locken, hier der Original-HD-Trailer


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