[oder braucht Deutschland heute noch eine SPD?]

Nach dem Freispruch von Thilo Sarrazin wird in der aSPD nun alles anders. Nicht so anders, wie wir es vielleicht hätten, aber anders genug, um Andersdenkenden innerhalb der Partei wohl zukünftig noch effektiver das Maul stopfen zu können. Fatal, ja regelrecht katastrophal, liest sich, wie sich unser Gesellschaftsbild zu Ostern radikal verändert. Nicht der Industriebesitzer ist an den Arbeitslosen Schuld, sondern der Arbeitslose selbst ist schuldig daran, daß er keine Arbeit mehr besitzt.

In gutem alten Neusprech heißt dies, hier wird eine Beweislastumkehr betrieben, wie sie nicht mehr statthaft ist. Der entlassene Arbeitslose muß nun beweisen, daß er nicht schuldhaft arbeitslos wurde. Sonst ist es erst einmal mit dem Arbeitslosengeld I und danach mit Hartz IV Sense. Und nein, diese Situation denke ich mir nicht aus, ich verfolge dies regelmäßig in den Arbeitsämtern dieser Republik.Das Hauptproblem an der aktuellen sozialdarwinistischen Debatte ist der Umstand, daß sie wieder einmal von einem Sozialdemokraten alten Wassers losgetreten wurde. Nichts gegen die Sozialdemokratie, aber durch ihre wunderbar intelligent durchdachten Gesetzesvorschläge in den vergangenen 140 Jahren, haben wir dementsprechenden Terror zu verdanken. Unter anderem auch die Teilung in BRD & DDR nach dem Zweiten Weltkrieg. Nicht nur die Nazis tragen ihr Scherflein zu dieser Schuld bei, sondern auch die hochgelobte Sozialdemokratrie.

Nun, Thilo Sarrazin hat sich als treuer Sozialdemokrat geoutet. Ob dies gut oder schlecht ist, wird sich noch zeigen. Da aber der Rechtsruck innerhalb der aSPD mittlerweile nicht mehr zu übersehen ist, verwundert es da einen wenig, wenn man mitbekommt, welche geistigen Ausflüge, manche aSPDler derzeit wieder bundesweit aushecken.

Nach meinen Recherchen war es die aSPD, die eindeutigerweise 1923 ein Eugenik-Gesetz auf den Weg bringen wollte, aber durch ihr eigenes dümmliches Verhalten bei der Abstimmung darüber im Reichstag patzte. Das damals die USPD noch ein Wörtchen mitsprach, wird beflissentlich ignoriert. Immerhin waren es ausgerechnet die Kommunisten, die die Eugenik-Gesetze ablehnten. Jedoch nicht vehement genug.

Die Arbeit mit den Eugenik-Gesetzen nahm dann die NSDAP der aSPD ab. Diese drückte schon 1933 das Vorgängermodell für die später eingeführten Nürnberger Gesetze durch – jene Vorlage und später die Nürnberger Gesetze basierten ursächlich auf jenem Gesetzentwurf von 1923 der SPD! Und dann weigert sich die aSPD auch noch 1933 bei der Machtergreifung das Horst-Wessel-Lied mitzuträllern, wenn sie doch jetzt nicht nur Sündenböcke, sondern auch Umsetzer der eigenen kranken Ideen hatte! So viel Mut traut man Landesverrätern eigentlich nicht zu. Sollte man im Allgemeinen auch nicht, weil derartige Landesverräter selten eine hohe Überlebenschance haben.

Das Problem, daß also nun die aSPD hat, ist ihren Wählern weiterhin zu verkaufen, sie sei noch links, während sie die CDU bereits rechts überholt hat und gerade dabei ist, die NPD (die sich vermeintlich anstatt der CDU als Nachfolgepartei der NSDAP ansieht) gleichfalls zu überholen. Quasi ist mit dem Nichtrauswurf der Partei eines gelungen: Die aSPD zeigte ihre braune Fratze. Ein Herausreden ist nicht mehr drin, geschweige denn statthaft.

Eine Partei zerstört sich selbst, entsorgt sich gleichermaßen, wie es auch bereits die CDU begonnen hat. Nicht, daß mich dies stören würde. Sind doch die selbstzerstörischen Absichten von Seitens der FDP bereits Legende und wenn Philipp Rösler wirklich als Interimsparteichef glänzen möchte, sollte er seine Partei so abwickeln, wie die Ostgebiete einst abgewickelt wurden. Die aSPD jedenfalls macht es der FDP in Schallgeschwindigkeit nach und entblödet sich nicht, zu zeigen, daß Dummheit in dieser Partei Standard und nicht die Ausnahme darstellt.

Die Sarrazinade, die wir also im vergangenen und im diesem Jahr bisher erleben durften, ist also nur der Auftakt des Unterganges einer jener Volksparteien, die solche Idioten wie Helmut Schmidt und Willy Brandt hervor brachte, die schließlich dann durch die Öffnung zur falschen Seite hin, jahrelange gute Politik verspielten. Die absolute Krönung dieser innerparteilichen Politik war die Absetzung von Oskar Lafontaine (Mitgründer der Partei Die Linke) und Berufung von Gerhard Schröder zum Bundesparteivorsitzenden. Seit der Berufung von Schröder ist jeder mentale Zusammenbruch, der sich in solchen Sprüchen und gefälschten Analysen wie die von Thilo Sarrazin, äußert in der Partei ein Zeichen von besonderer Intelligenz. [Da stört dann auch nicht, daß Thilo Sarrazin von der NPD eine Ehrenmitgliedschaft angetragen wurde – die er jedoch ausschlug. ]

Genauso unverständlich ist das Zusammenarbeitsverbot zwischen der aSPD und dem Komitee für Frieden, Abrüstung und Zusammenarbeit, oder ein Zusammenarbeitsverbot mit dem  Komitee gegen Berufsverbote. Zweites läßt sich sehr einfach erklären: War es doch Helmut Schmidt, der in den 70er Jahren ein Berufsverbot für bestimmte Berufe aussprach, daß bis heute nur durch Ausnahmen teilweise zurückgenommen worden ist. Brandt’s Kniefall in Yad Vashem mag vielleicht angebracht sein, aber sein großer Fehler war, daß er zuviel Vertrauen in die falschen Leute investierte und zum ersten Mal als Sozialdemokrat sich vollständig der freien Marktwirtschaft öffnete – und damit die Grundregeln des Hamburger Programms verriet.

In der Geschichte der aSPD gibt es noch so einige andere dunkle Schwerpunkte, die man leicht beleuchten könnte. Wichtiger ist aber der momentane Zustand. Schon 1923 entblödete sich die aSPD ja nicht, sich mit den Sozialdarwinisten zusammen zu tun, die ausgerechnet (überparteilich versteht sich) Anhänger der Schriften eines gewissen Rudolph Steiners waren. Die Steiner’sche Lehre basiert direkt auf der Arier-Legende. [Dazu gibt es einen Artikel in der ‚Schamanischen Lehrstunde‘,] Natürlich hatten die Sozialdemokraten mit ihrem geplanten Programm der angewandten Eugenik nur das Beste im Sinn. Deshalb befürwortet heute die aSPD ja auch das PID-Verfahren, unabhängig von den Gefahren für das ungeborene Leben. Da ein Leben, wie es Sarrazin in seinem Buch lapidar beschreibt, gar keinen Wert besitzt, solange es nicht für einen Hungerlohn bereit ist zu arbeiten.

Fassen wir also zusammen: Die aSPD hat keinerlei Probleme damit gehabt, schon vor mehr als 80 Jahren die Grundlage für die Nürnberger Rassengesetze zu liefern. Die Hartz-Gesetzgebung läuft auf kurz oder lang auf das gleiche Problem heraus – und wahrscheinlich wird diesmal die aSPD zu den Methoden greifen, die sie doch angeblich bei den Nazis so verabscheut hat. Man darf aber auch nicht vergessen, daß während des NS-Regimes viele aSPD-Bürgermeister in Amt und Würden blieben und Ihnen gegnerisch gesonnene Parteigenossen von der SS abgeholt und in die KZs geschafft wurden. Nicht nur Hessen ist von solchen Geschichten voll, auch die anderen Bundesländer haben eine dementsprechende Anzahl aufzuweisen. Zufall?

Die Sozialdarwinisten sind in den heutigen Zeiten wieder auf dem Vormarsch. Und solange keiner bereit ist, die aSPD in ihrem Treiben aufzuhalten und sie den gleichen Weg wie die röslersche FDP gehen zu lassen, kann man getrost schwarz für dieses Land sehen. Der braune Ungeist hat die aSPD nicht nur erfaßt, sondern schwerwiegend infiziert und in einem solchen Fall hilft nur eine absolute Denazifizierung ihrer Parteimitglieder. Im Zweifelsfall, wie es das GG vorschreibt, im Arbeitslager beim Steineklopfen.

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