An manchen Tagen möchte man am liebsten apolitisch sein. Doch so einfach wird das einem in einem schönen Bergstraßendörfchen nicht gemacht. Ok, Dörfchen ist vielleicht ein wenig übertrieben. Immerhin hat die Gemeinde mit allen angehängten Stadtteildörfern gut 20.000 Einwohner. Aber leider nur gut und nicht wirklich. Um die 20.000-Einwohner-Grenze zu schaffen, muß die Gemeinde für jung und alt ansprechend sein. Und dann den entsprechenden Bürgermeister vorweisen, damit das auch klappt.

Der aktuelle Bürgermeister nennt sich Olaf Kühn, von der aSPD gehässig Nullpunkt Kühn genannt. Und dies, obwohl die aSPD sich bei der letzten Gemeinderatswahl überraschend entschloß, keine Koalition mit den Grünen gegen diesen Bürgermeister einzugehen, sondern mit der CDU gemeinsame Sache zu machen, obwohl die Grünen die allgemein stärkste Fraktion im Gemeinderat stellten. aSPD & CDU kamen auf 10 Sitze, während die Grünen auf 15 Sitze kamen. Politisch war dieser Schachzug vonnöten, da sowohl aSPD, als auch CDU, dringend die beiden Kümmerstimmen der FDP brauchten, die bei einer Koalition mit den Grünen aus dem Stadtrat gefallen wären. Und einen Speichellecker braucht selbst der dümmste Ortsverein vor Ort.

Dies ist aber nicht das eigentliche Problem, zeigt aber auf, wie auf kommunaler Ebene Politik in diesem Land betrieben wird. Nachdem sich aSPD & CDU einig waren, eine gemeinsame große Koalition zu bilden, um nach wie vor die Stimmenmehrheit in der Gemeinde zu besitzen, hing einige Tage der Haussegen im Rathaus schief. Dem Problem konnte jedoch abgeholfen werden, in dem man den Grünen einfach vorschlug, daß sie anstatt des altgedienten Herrn Sydows Jemand anderes zur Bürgermeisterwahl beibringen sollten.

Die Wahl fiel dann bei den Grünen auf Claudia Schlipf-Traub. Eine Frau, deren Ruf schon über die Kreisgrenzen hinaus reicht. Doch nicht im Guten. Genauso wie Christel Fleischmann ist sie eine Person, die am liebsten Klientelpolitik macht, anstatt einmal darüber nachzudenken, was diese Gemeinde für einen Bürgermeister bräuchte. Frau Schlipf-Traub ist ausgebildete Ergotherapeuthin. Wahrscheinlich auf dem zweiten oder dritten Bildungsweg, so genau ist dies an ihrer Vita nicht zu erkennen.

Fest steht jedoch eines: Nichts gegen einen grünen Ministerpräsidenten in Hessen, der endlich mit der Gewaltbereitschaft und Korruption in der hessischen Polizei aufräumt und dabei nicht vergißt, wer seine Herren sind. Aber eine grüne Bürgermeisterin in einem Ort, der einmal Luftkurort war und sein „Bad“ nur deshalb verloren hat, weil sich ein Bürgermeister zwischendrin wegen dicker Luft im Privatleben als auch im Rathaus umbrachte, und deshalb die amtliche Bestätigung niemals eingeholt wurde, wäre der Todesstoß für diese kleine Gemeinde hier.

Ein jeder weiß doch, wie ein grüner Bürgermeister letztlich regieren würde. Kürzungen im Sozialetat der Gemeinde, obwohl sie von den Hartz-Opfern nur den geringfügigsten Teil zu tragen hat, Kürzungen in allen sozialen Belangen, und dann erst einmal Baustopp an der SBS (zumindest wenn die Gerüchte stimmen, was die Grünen für dieses kleine Kaff hier geplant haben). Aber das die Grünen zu verantworten haben, daß das Projekt Kreis- und Sporthalle der Gemeinde erst einmal auf Eis liegt, wird auch nicht offen zugegeben.

Mein Gott, unsere Gemeinde braucht eine Dreifeldersporthalle im Stadtzentrum für verschiedene Events. Aber die aktuelle Halle ist nicht nur schwer asbestbelastet, sie ist auch in ihrem Baustil und der Elektrik noch weit vor meiner Großmutter Geburtstag altmodisch. Außerdem beschwert sich der Behindertenbeauftragte der Gemeinde regelmäßig im Rathaus, weil an der aktuellen Halle immer noch kein Aufzug nachgerüstet ist, während der Neubau eindeutig einen solchen vorsieht. Der Ausländerbeauftragte der Gemeinde beschwert sich übrigens auch ständig über das Fehlen eines Aufzuges in der Halle, doch dessen Beschwerden landen viel zu selten auf dem Tisch des Bürgermeisters. Die des Behindertenbeauftragten liegen immer dort. Ob sie gelesen werden, kann ich jedoch von hier aus nicht sagen!

Frau Schlipf-Traub ist schon einmal auf Kreisebene merkwürdig aufgefallen, weil sie ein Abstimmungsverhalten an den Tag legte, was nicht eindeutig war. Das sie dabei Partei gegen die PARTEI DIE LINKE ergriff, muß ebenfalls berücksichtigt werden. Diese Frau ist weit über Gemeindegrenzen hinaus bekannt. Allein schon deshalb, weil sie wirklich nicht dem Bild des typischen Karriereweibchens der Grünen entspricht. Jene zitieren dann zwar immer Jutta Dithfurt, vergessen haber, daß jene die Grünen verließ, als jene ihren Pazifismus auf den Müll warfen. Genau das gleiche Verhalten muß bei Frau Schlipf-Traub berücksichtigt werden. Sie wird als Bürgermeisterin ebenfalls das eine oder andere, was unsere Gemeinde auszeichnet, auf den Müll werfen. Und wenn es nur die aktuelle Solidarität des Bürgermeisters mit den etwas ärmeren Mitbürgern unserer Gemeinde ist.

Doch kehren wir jetzt wieder zum aktuellen Besen in dieser Position zurück. Olaf Kühn war niemals meine erste Wahl als Bürgermeister. Nicht einmal meine zweite. Aber obwohl er zu Anfangs absolut nicht mit den Verwaltungsaufgaben eines Bürgermeisters vertraut war, hat er bisher einen relativ guten Job abgeliefert. Ja, ich lobe ihn. Und ich lobe ihn zurecht. Nicht nur, weil er es fertig brachte, daß die aSPD endgültig ihre sozialen Belange über Bord warf, und sich mit seiner Hauspartei, der CDU, verbrüderte, damit im Rathaus keine veränderte, weil bessere Koalition, einzog, sondern allein auch deshalb, weil er wirklich etwas für die Gemeinde tut. Und dies, obwohl ihm dies niemand zugetraut hat.

Ja, obwohl ich ein vehementer Gegner der CDU und ihrer stellenweise äußerst dümmlichen Haus- und Hofpolitik hier im Ort bin (wie die gemeinschaftliche Abstimmung mit der aSPD, damit der LIDL in der Friedrich-Ebert-Straße gebaut werden konnte – gegen den Willen der Gemeindebewohner), ist Olaf Kühn nicht als typischer CDU-Mann anzusehen. Immerhin gilt er offiziell als parteilos, was jedoch nicht heißt, daß er würdelos ist.

Um es ganz ehrlich zu sein: Dieses Blog fühlt sich geschmeichelt, ihn hier regelmäßig lesend vorzufinden. [IP-Kontrollfunktion macht es möglich, den Anschluß ins Rathaus zurückzuverfolgen.] Immerhin hat dieses Blog vor dem Fiasko mit der neuen Kreis- und Sporthalle mehrfach gewarnt, auch vor den Mehrkosten. Was letztlich dazu führte, daß sich Christel Fleischmann selbst outete, weil er lieber zwei zusätzliche Sporthallen in Pfungstadt (seinem neuen Wahlkreis) bauen ließ, anstatt sich darum zu kümmern, daß hier in Seeheim endlich die Gemeindesporthalle abgerissen und neugebaut wird. Ende November läuft die Antragsfrist auf Beträge aus dem Landesaufbaufonds ab. Und danach wäre Seeheim-Jugenheim gezwungen, jene Kreis- und Sporthalle selbst zu finanzieren. Was bei der aktuellen Wirtschaftslage hier im Ort nicht so einfach gehen dürfte. Herr Kühn hat also sein möglichstes getan, um dieses Projekt endlich so weit auf die Gleise zu bringen, wird aber auf Kreisebene ständig von den Grünen ausgebremst. Darunter auch von Frau Schlipf-Traub.

Unser aktueller Bürgermeister ist – auch wenn er ein CDU-gestützter ist – das Beste, was diesem Ort passieren kann. Ein Bürgermeisterwechsel würde jetzt im Kaff mehr Schaden anrichten, als würde er im Amt verbleiben. So schwer es mir auch fällt und so ungern ich dies auch zugebe: Der nicht stattfindende Wahlkampf um das Amt des Bürgermeisters hat auch etwas Gutes: Man erkennt die menschlichen Qualitäten der Amtsbewerber schneller. Und wenn es um Menschlichkeit geht, ist mir ein Olaf Kühn, der von der zweiten Unterstützerpartei aSPD nach wie vor intern angehatet wird, lieber als eine Frau Schlipf-Traub, die jetzt schon klar macht, daß die bereits gestrichenen sozialen Gemütlichkeiten (wie das Begrüßungsgeschenk für Neubürger – bzw. die dafür vorgesehenen Pamperspackungen) nur der Anfang dessen sind, was sie selbst plant.

Wer also immer noch der Meinung ist, daß die Grünen/B90 eine soziale Partei sind, darf vor allem nicht vergessen, daß sie vor 6 Jahren sehr stark in die soziale Ungerechtigkeit Hartz-Gesetzgebung involviert waren und seitdem keinen Schritt von asozialer Politik zurückgewichen sind. Gleichzeitig darf man auch nicht vergessen, daß die Grünen auf kommunaler Ebene Politik gegen Migranten betreiben, wie man an dem Gezerre um die beiden Moscheen in Darmstadt sehen kann (für die der Kreisrat damals verantwortlich zeichnete).

Nun droht Seeheim-Jugenheim ein ähnliches Debakel. Auch wenn die Grünen im Gemeinderat die stärkste Fraktion bilden, heißt dies nicht, daß dieser Ort bereits von asozialen braunen Ärschen übernommen worden ist. Auch wenn die hiesige CDU nicht eben im Ruf steht, hier ihre intelligentesten Mitglieder zu haben, und die aSPD auf Gemeindeebene schon mehr als einmal bewies, daß mit Wasserkochen ihr schon schwer fällt, bin ich diesmal dafür, Herrn Kühn noch eine zweite Amtszeit zuzugestehen. Mag er auch noch so diffamiert werden, als Bürgermeister macht er einen wirklich guten Job. Bisher gab es kaum Beschwerden und ihm gelang es auch, zwischen streitenden Parteien positiv vermittelnd aufzutreten.

Der einzige Fehler, den er hat, ist aber der, daß er sich nicht oft genug Zeit für die Beschwerden der Bürger nimmt. Würde er hier öfter richtig reagieren, könnte dieses Blog ihn sogar hin und wieder einmal loben. Wozu wir jedoch bisher kaum einen Anlaß hatten. Auch wenn sein Verhalten in der Schwimmbadfrage absolut korrekt war – welches wiederum die aSPD hier im Ort ziemlich in Harnisch brachte. Sein Kampf für die Schnelllinie 8, aus der schließlich eine Verlängerung der Schnelllinie 6 resultierte, war im Endergebnis seine Arbeit, und nicht die der aSPD, die sich immer noch versucht, mit diesen Lorbeeren zu schmücken, weil sie ihm nichts gönnt. Solch einen Koalitionspartner zu haben, der einem dann als parteilosen auch noch Bedingungen stellt, ist wirklich unter aller Würde. Dennoch finde ich, das Olaf Kühn eine zweite Chance verdient hat. Immerhin lief seine erste Amtszeit besser als gedacht. Das er immer noch den Respekt vor dem Bürger dieser Gemeinde hat – vor allem vor dem Blogautor – ist etwas, was man ebenfalls berücksichtigen sollte. Seine aktuelle Konkurrentin machte schon mehr als einmal im persönlichen Gespräch klar, daß sie hier so reagiert wie die im Ort versammelten FDPler: Sie möchte nichts mit kritischen Journalismus zu tun haben und macht allein ihren Kram. Und damit ist wirklich ihr Kram gemeint, da sie zukünftig die Gemeindepolitik als ihren Kram definieren wird und wohl jeden Schmierfinken im Umkreis von 50km an objektiver Berichterstattung hindern wird.

Deshalb ergreift dieses Blog – absolut atypisch – diesmal Partei für den aktuellen Amtsinhaber. Auch wenn uns die ihm stützende Koalition nicht zusagt, ist er derzeit der beste Mann für diesen Posten. Weil Herr Kühn nach wie vor selbst entscheidet, und nicht Frau Neipp für sich entscheiden läßt. Er ist nach wie vor Bürgermeister und sein letztes Wort zählt letztlich. Seine bisherigen intelligenten Entscheidungen haben dieser Gemeinde wirklich geholfen. Und dies, obwohl ihn gleich beim Start die aSPD schlecht geredet hat. Von der Personalie her ist Herr Kühn auch dementsprechend beliebt anzusehen. Er ist nicht ein Bürgermeister und Berufspolitiker, der nur diesen Posten wegen der Profilierung betreibt. Nein, er möchte vollständig in dieser Gemeinde aufgenommen werden. Und der Hauskauf vor einigen Jahren würde sich nicht mehr lohnen, würde er am 6. November abgewählt. Deshalb sind wir für Herrn Kühn. Da jener durch dieses Blog hier sehr viel gelernt hat, wie man mit den politischen Akteuren in der Gemeinde richtig umgeht.

Tags: