… um die Welt zu verändern!

Wir alle kennen das! Wir alle kennen diese Helden des Marktes, des Lebens. Unserer Redaktion wurde wieder einmal ein kleines Papier zugespielt, zuzüglich gewisser untermauernder Fakten. Von wem die Rede ist? Von einer Person, die zwar relativ der Blogredaktion nahe steht, aber nichts mit ihr zu tun hat. Diese Person war ein Förderer des Blogs. Aber kommen wir zum wesentlichen. Hier nun die Geschichte von Einem, der auszog, um die Welt zu verändern!

Das Ganze begann vor über 10 Jahren. Im Jahr 2001 entdeckte Sigmar H. [Name von der Redaktion geändert], daß es an der Zeit ist, daß sich etwas in diesem Land verändert. Um solch eine Veränderung ermöglichen zu können, mußte Sigmar erst einmal selbst verstehen lernen, was denn verändert gehört. Also trat er in eine Partei ein, die man nur unter ihrem Kürzel kennt. Da zu jener Zeit Gerhard Schröder gerade Parteichef und Kanzler dieser Partei war, machte sich Sigmar eigentlich weniger Sorge, daß etwas passieren könnte, daß etwas zu stark in die falsche Richtung veränderte. Just zu jener Zeit lernte er als einfaches Parteimitglied zusammen mit Gerhard Schröder den im Saarland ansässigen Peter Hartz kennen. Vermittelt wurde die Bekanntschaft übrigens von Oskar Lafontaine.

Sigmar H. war gebürtiger Saarländer. Er hatte seinen Wohnbereich Neunkirchen nie verlassen und hatte hier eine eher schlecht angesehene Ausbildung als Bauklempner hinter sich gebracht. Mit einem Chef, der Arbeitsleistung dadurch wertschätzte, in dem er dann kategorisch den Lohn kürzte, das eigene Gehalt jedoch aufstockte. Da die Bauklempnerei nichts für Sigmar war, wechselte er im Jahr 2001 in den sozialen Sektor und machte in Saarlouis eine Umschulung bei einem der vielen christlichcaritativen Vereinen in der geheimen Hauptstadt des Saarlandes. Zu jener Zeit schien sich seine Bekanntschaft mit Peter Hartz, Gerhard Schröder und Oskar Lafontaine absolut nicht auszuzahlen. Selbst da hielten sich noch die Gerüchte, daß Kanzler Schröder mit Gattin öfter einmal inkognito nach Wallerfangen kam, um sich mit Oskar Lafontaine zu treffen, der doch zwei Jahre zuvor als Finanzminister zurückgetreten war. Anscheinend gab es zwischen diesen beiden Männern immer noch ein gutes Einvernehmen. Für Sigmar brachte dies nicht viel. Nur dann plötzlich die Anfrage von Peter Hartz, ob er nicht bei einer dringlichen Sache helfen könnte.

Sigmar H. wurde von seinem Parteifreund Peter Hartz um einen kleinen Gefallen gebeten, mußte dazu aber in die Gemeinde Wallerfangen übersiedeln. Peter Hartz zeigte sich großzügig und verschaffte ihm eine Wohnung in einem sozialpsychologischen Verein in der Gemeinde, der von Annegret Kramp-Karrenbauer mehr als nur formaljuristisch unterstützt wurde, weil jene als Gesundheitsministerin damals die Psychiatriereform im Saarland durchzog, die mehr Gesunde als psychisch krank dastehen ließ, als es Belegbetten in der saarländischen Psychiatrie gab. Die günstige Wohnung wurde übrigens über einen Mittelsmann vermitteln, der selbst unerkannt im Hintergrund blieb.

Der nächste Job, der von Sigmar übernommen werden sollte, war ein ganz einfacher: Er sollte Peter Hartz Papiere sortieren, während dieser jene in seiner gepanzerten Limousine durcharbeitete, während er entweder nach Wolfsburg oder Berlin fuhr. Sigmar wurde sozusagen zum Adlatus, zum Assistenten. Bei den eigentlichen Ausschußsitzungen mit dem Genossen Schröder war dann Sigmar nicht dabei, aber er hatte vorab die Themenpapiere von Peter Hartz sortiert und in die richtige Reihenfolge gebracht.

Zu jener Zeit war Sigmar auch noch vollständig von der Richtigkeit der Ideen der aSPD und ihrer Machenschaften überzeugt. Als er dann Zaungast beim berühmten Armani-Photoshooting des Kanzlers sein durfte, fühlte er sich schon ein wenig wichtig. Peter Hartz übernahm für diese Woche seine Unterbringung in Berlin. Aber ohne Schampus, und ohne leichtes Mädchen. Dies stand nach wie vor nur Personalräten von VW und dem Bundeskanzler zu.

Nach der Woche Berlin war Sigmar überglücklich, einmal eine richtige Entscheidung in seinem Leben getroffen zu haben. Mehr als ein Jahr war inzwischen vergangen und da er ein wenig zwischen den Türen hörte, bekam er sehr früh die Idee mit, die Peter Hartz umtrieb. Jetzt war er auch regelmäßiger Gast in der umgebauten Bauernhofvilla von Oskar Lafontaine in Oberfelsberg/Wallerfangen. Aber Lafontaine gefiel die Idee, die Peter Hartz da umtrieb, so gar nicht. Da Oskar auch nicht eben Wirtschaftspolitik studiert hatte, brauchte er ein wenig, um zu verstehen, welches Programm da ablief. Sigmar wurde also aufgefordert für den ehemaligen aSPD-Parteichef entsprechende Interna zu besorgen, im Zweifelsfall auch von Peter Hartz, um die Schweinerei zu kennen, die da ablaufen sollte.

Doch an dieser Stelle erwischte die Geschichte alle involvierten eiskalt. Nachdem Bundeskanzler Schröder das neue Hartz-Konzept vorgestellt hatte – inklusive seiner noch damaligen fünf Stufen – kam es von Seitens der politischen Opposition zum Aufstand und zur Bildung politischer Ausschüsse. Bevor Sigmar also aktiv werden konnte, kam das Hartz-Projekt in die große Hexenküche. Mitte 2004 war der Spuk vorüber! Da stand dann fest, daß Peter Müller (CDU), Hartz IV im Saarland drei Monate früher einführen würde, als der Rest der Republik. Ein Vorteil dieses Umstandes war es nun, daß die saarländischen JobCenter nicht ganz so pervers agieren, wie die restlichen im Land vorhandenen. Der Nachteil war, daß ungefähr die Hälfte der Belegschaften von Sozialämtern unter fadenscheinigen Begründungen gefeuert wurden. Damals formierte Oskar Lafontaine die WASG mit all diesen zurückgesetzten Sozialarbeitern, deren Arbeitsleistung nicht gebraucht wurde. Auch hierbei spielte Sigmar eine gewichtige Rolle, half er doch im Kreis Saarlouis all die Opfer dieser ausgrenzenden Politik zu den WASG-Treffen in der Kreisstadt zu bekommen. So das Oskar Lafontaine den ersten Landesverband der WASG in Saarlouis gründen konnte. Alle weiteren Landesverbände entstanden erst in den wenigen Wochen vor Einführung von Hartz IV. Also erst so um den Januar 2005 herum.

Sigmars ungerechtes Schicksal ist aber an dieser Stelle noch nicht vorbei. Sein Pech war es, daß er vorher gedacht hatte, das Peter Hartz ein Freund sei. Aber als Adlatus hatte er nun nichts mehr zu tun, wo das Projekt so schnell durch den Bundestag gepeitscht worden war. Klar waren ihm Fehler im Konzept aufgefallen, aber er war nie dazu gekommen, alles mit Peter Hartz durchzusprechen. Peter Hartz besuchte auch nicht mehr Oskar Lafontaine mit der Begründung, daß er dessen Lamenta um den Schutz der Armen nicht mehr hören könne.

Also stand Sigmar mal wieder ohne Job da. Dies war der Moment als Sigmar sich radikalisierte. Er traf auf einige Salafisten in Saarlouis und wurde Moslem. Gleichzeitig trat er unter seinem deutschen Namen den Repubikanern bei, die nur noch auf dem Papier existierten. Er wollte, daß Peter Speth, der Hoffnungskandidat der Partei in den Stadtrat kommt, obwohl er vorher erst dort hinaus gemobbt worden war. So traf der Blogautor auf Sigmar, der sich nun Achmed ben Ubeida nannte.

Sigmar fuhr dann, durch die Moschee finanziert, nach Algerien in ein Trainingscamp und verbrachte dort zwei Jahre. Was er genau dort lernte, ist mir nicht bekannt. Ich traf ihn erst Ende 2005 durch Zufall wieder. Nun trug er Turban, einen langen Bart und aß alles außer Kebab. Sigmar hatte sich verändert. Nicht nur, daß er inzwischen selbst auf Hartz IV angewiesen war, sein Glaube war das Einzige, was ihn noch daran festhalten ließ, daß ein Einzelner etwas verändern kann. An Attentaten hatte er kein Interesse, obwohl er damit prahlte, endlich den Umgang mit Sprengstoff und einer Kalashnikow gelernt zu haben.

Ende 2006 verschwand er wieder in den Orient, angeblich in den Iran, um dort die salafistischen Brüder zu unterstützen, die dort unbedingt einen Gottesstaat installieren wollten. Nachdem er bei so vielen Dingen mitgewirkt hatte, war er von den Deutschen schwer enttäuscht. In seinen Augen, und nach seinen Reden, waren alle Deutsche Versager. Er wollte also so viel wie möglich lernen, auch im bewaffneten Kampf, um seine Glaubensbrüder dann bei der islamischen Revolution in Deutschland zu unterstützen. Seiner Meinung nach war der Islam die einzige Chance, um sich vom Gängelband der Politik zu befreien. Und selbst wenn der Islam mit Feuer und Schwert in Deutschland verbreitet werden müsse, so meinte er selbst, wäre er gerne bereit, bei diesem Kampf aktiv mitzuwirken und die Menschen mit der Waffe zu überzeugen, daß ein islamistischer Gottesstaat für Deutschland die einzige Chance sei, wenn sie ihr Land retten wollten.

Das letzte Mal hörte ich von Sigmar Mitte 2010. Da hatte er einen gemeinsamen Freund davon unterrichtet, daß er nach Afghanistan gehen würde, um die dortigen Taliban zu unterstützen. Wie, dies teilte er nicht mit. Nur, daß er inzwischen im Orient eine wunderschöne Frau gefunden hatte, inzwischen Vater mehrerer Kinder war, und das es ihm Spaß machte, was er tat. Wobei er natürlich nicht verriet, was er genau tat. Johannes [Name von der Redaktion geändert], der gemeinsame Bekannte, konnte diesen Sinneswandel nicht verstehen, erklärte ihn aber psychisch bedingt, nachdem Sigmar während der heißen Vorbereitungsphase anscheinend von all dem ihn bekannten Politikern für ihre Zwecke mißbraucht worden war.

So kann es einem Weltverbesserer gehen, der wirklich an etwas glaubt. Ob er überzeugter Moslem geworden ist, kann ich auf diese Distanz nicht entscheiden. Und ob er auf einigen YT-Filmchen zu sehen ist, wie es angeblich gemeinsame Bekannte behaupten, kann ich ebenfalls nicht bestätigen. Fest steht: Wenn die Politik einen überzeugten Weltverbesserer in den Islamismus treibt, läuft einiges verkehrt. Achmed ben Ubeida scheint in Afghanistan eine große Nummer zu sein. Jedenfalls hört man zu wenig von ihm und sein Name fiel bisher noch nicht in den Nachrichten. Dies könnte gut sein, aber auch schlecht! Aber das diese radikale Wandlung überhaupt zustande kam, ist ein Umstand, der wirklich schmerzt. So war er von Neunkirchen ausgezogen, weil er etwas verändern wollte. Und nun kämpft er wahrscheinlich in Afghanistan gegen Jungs von der Bundeswehr, mit denen er vor Jahren noch gemeinsam Dienst an der Waffe als Wehrdienstleistender gemacht hat. So etwas ist traurig, aber eindeutig die Handschrift unserer bundesdeutschen Politik, der die Menschenwürde absolut nichts bedeutet.

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