Wenn man in der vergangenen Woche ein wenig die internationale Presse verfolgt hat, dürfte einem aufgefallen sein, daß sowohl in der deutschen, als auch in der britischen, sowie der amerikanischen Presse ein ziemlicher Hetzartikel über die asiatische Musik zu finden war. Keine direkte Niedermache, sondern eher ein äußerst subtiler Artikel der auf einen Kulturkampf hinwies, der so gar nicht wahrgenommen wird.

Nun, den Sauhaufen GEMA, über den wir hier schon öfter im Blog berichteten, scheint irgendwie in das Alles involviert zu sein. Wenn man bedenkt, daß sich die GEMA in offiziellen Verlautbarungen nur auf gerade einmal 40 Künstler beruft, deren Clips – selbst Fernsehauftritte – auf YouTube gesperrt werden, ist die Dunkelziffer doch bedeutend höher. Die Aussage der GEMA ist so weit korrekt, solange man bei westlichen Künstlern bleibt. Bei asiatischen Künstlern wird ungefähr 3/4 von dem, was international bei YouTube online gestellt wird, von der GEMA abgeblockt, wegen angeblicher unlizensierter Veröffentlichtung der Clips auf der Movieplattform. Ironischerweise verfügt jedoch nicht einmal die GEMA über die entsprechenden Kontrollrechte dieser Künstler, die sich schlichtweg einer deutschen Bevormundung ihrer Musik und Kultur in Europa verweigern.

Richtig hanebüchen wird die Storie dann aber, wenn es um Kleinigkeiten geht. Da zwischen den asiatischen Musiklabels und YouTube eine international gültige Abmachung besteht, wonach neue Titel und Musikclips ohne jegliche Auflage bei YouTube, sprich Google, gehostet werden dürfen, sollte es da eigentlich keine Probleme geben. Ja, wenn es nur den Sauladen GEMA nicht gäbe.

Dank der GEMA befinden wir uns in einem Kulturkampf besonders großen Ausmaßes. Ich erinnere hierbei nur noch einmal an die Aussage des südkoreanischen Kultusministers, der davon sprach, daß die Musik Südkoreas mit Absicht auf den internationalen Markt zugeschnitten ist. Aber nicht nur die Südkoreas. Inzwischen kommen immer mehr thailändische und vietnamesische Künstler heraus, deren Musik sich wirklich gut anhört.

Nur in Deutschland erfährt man von diesem musikalischen Wandel weg von der traditionellen Musik nichts, weil die GEMA via YouTube diese Musik aktiv unterdrücken läßt. Dies reicht sogar inzwischen bis weit in den japanischen Musikmarkt herein, von dem auch diverse Künstler und Gruppen von der GEMA in Deutschland inzwischen generell geblockt werden. Musikgruppen wie Morning Musume, Berryz Kobou haben bereits ein gutes Dutzend Sperrungen in Kauf nehmen müssen. und der °C-ute-Kanal, der gelegentlich von Konzerten einen Live-Stream bringt, wird ebenfalls hin und wieder von der GEMA abgeschaltet. Immerhin hat zetima einen offiziellen Vertrag mit der deutschen GEMA verweigert. In dieser Folge kann japanische Musik nur über einen internationalen Zwischenhändler in Deutschland gehandelt werden, den einheimischen Händlern ist der Handel mit dieser Musik untersagt. [Laut GEMA-Richtlinie, die ja nicht nur die Sendung und Verbreitung der Musik überwacht, sondern gleichzeitig auch ein Auge auf den Verkaufszahlen hat. Ein Künstler, der sich nicht mindestens einmal in seiner Karriere der GEMA unterworfen hat, kann eine deutsche Karriere vergessen.]

Wir haben es hier mit einem ausgewachsenen Kulturkampf zu tun. Die GEMA wird als probates Mittel der Politik eingesetzt, deutsche Fans von ihrer Musik abzuhalten. Wenn sie Musik hören wollen, so tönt es aus den Etagen der Politik, dann sollen sie die Musik unserer amerikanischen Verbündeten hören. Asiatische Musik ist nicht gut!

Wenn man solch eine Diskussion einmal mit einem Politiker geführt hat, weiß man, wovon man spricht. Auch erweist sich die GEMA als nicht selten taub gegenüber den Forderungen der Künstler selbst, zumindest die Freigabe im Internet via YouTube zu erlauben. Es geht also in dem ganzen GEMA-Skandal gar nicht darum, ob YouTube gewisse Lizensen von der GEMA erwirbt, sondern erst einmal darum, ob die GEMA überhaupt die entsprechenden Lizensen hat, die sie an YouTube weiter geben kann. Aus gut informierter Quelle wissen wir, daß die Mehrzahl der asiatischen Gruppen, Bands und Solo-Künstlern der deutschen GEMA keine Drittverwertungslizens überlassen haben. Darum geht es nämlich im Prinzip.

Die GEMA möchte also Lizensen verkaufen, die sie gar nicht besitzt. In Folge ist YouTube gezwungen mehr als nur die bisher angestrebten 40 Künstler für den deutschen Betrieb zu sperren. Nach aktueller Rechnung sind es weit über 200 internationale, und gut 400 asiatische Künstler, deren Musik- oder Fernsehauftrittclips bei YouTube deshalb nicht mehr aufrufbar sind. Wie hoch die Insgesamtzahl der von der GEMA bisher geschädigten Künstler ist, ist leider nicht bekannt. Jedoch sollte die GEMA für jede Sperrung bei YouTube finanziell haftbar gemacht werden. Was im Falle von 5 Musikclips bei einem Künstler – auch älteren Datums – für den deutschen Markt schon mehrere Mio € ausmachen dürfte, die dann direkt an den Künstler zu gehen haben. Bezahlt von der GEMA, die ja immerhin diesen Sachschaden zu verantworten hat.

Warum überhaupt jener Kulturkampf losgebrochen ist, kann nur vermutet werden. Natürlich werden nun die Zweifler vor dem Herrn mit der Ausrede kommen, daß man von Braunhemden nichts anderes erwarten kann. Jedoch ist bisher noch nicht bewiesen, ob die GEMA wirklich von Braunhemden gesteuert wird, und ob die gesamte deutsche Politik nur von Gier, dummen Faschismus und Braumhemdentum durchsetzt ist. Die Gründe für diesen Kulturkampf, unter dem vornehmlich die asiatischen Künstler in Europa leiden, sind noch nicht bekannt. Es kann sich hierbei nicht nur um Verkaufszahlen drehen. Es muß noch einen zweiten Grund geben, der hier ins Gewicht fällt.

[Wir jedenfalls bleiben an dem Thema GEMA weiter dran. Unter anderem auch deshalb, weil wir dringend ein wenig Gerechtigkeit auf diesem Gebiet für nötig halten. Und eine Schließung der GEMA, die offensichtlich Mißbrauch mit Urheberrechten betreibt.]

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