… zumindest nicht in Sicht!

Allen Unkenrufen zum Trotz, die GEMA ist eindeutig nicht das, was sie vorgibt zu sein. Nach den letzten Äußerungen der GEMA auf ihrem hauseigenen Blog, und ein wenig Recherche unserer Redaktion hier, mußten wir erschreckenderweise feststellen, daß unsere Grundlagen für den letzten GEMA-Artikel ein wenig zu kurz gegriffen waren. Inzwischen kamen noch enige weitere Kleinigkeiten heraus, die die GEMA in noch ungünstigeren Licht erscheinen lassen.

Und hierbei spreche ich nicht von dieser geistig abwesenden Äußerung der GEMA, daß ein Unterstützen der freien Kunst automatisch den Verwertungsgesellschaften zugute kommt, die die GEMA doch von offizieller Weise bekämpft, weil sie doch angeblich für die Rechte der Künstler einsteht. Nun, das angeblich in diesem Satz ist mehr als gerechtfertig, wenn man den letzten Bock anschaut, den die GEMA geschossen hat.

Ich gebe ehrlich zu, ich bin kein sonderlicher Freund jener Bumms-Musik, die in den 70’er Jahren an der Tagesordnung war. Grease & Xanadu waren schon Filme, die ich nur schwer ertragen kann. Der Kalauer im Zusammenhang mit der GEMA wird aber nun da drauß, wenn ein britischer Künstler (also noch nicht einmal ein Deutscher) auf Facebook & YouTube ein wenig Werbung für eines seiner vergessenen Alben machen will, auf dem  zwei seiner wirklichen verkannten Superhits  befindlich sind. Was macht der gute Mann also? Er lädt sein eigenes Werk bei YouTube hoch, versieht es mit allen Kennzeichnungen und schreibt noch eine kleine Notiz dazu, weil er wieder an diesen alten Longplayer von sich erinnern möchte.

Nun geschieht aber der Kalauer: Da die GEMA sich nun einmal anmaßt, primäre Rechtevertretung von Künstlern aller Art zu sein, mit dem Recht auf gelebten Schwachsinn und typisch deutschem überreguliertem Beamtentum (obwohl die GEMA noch nicht einmal eine Bundesbehörde, sondern ein freischaffender Verein ohne jegliche staatliche Legitimation ist), kam es hier zu einem Fauxpas, wie ihn die Geschichte selten zweimal sucht. Vom besagten Künstler aus den 70’er Jahren wurden prompt alle auf YouTube hochgeladenen Titel gesperrt, die im Zusammenhang mit jenem gut 35 Jahre altem Album stehen, daß sich damals in Deutschland sowieso nicht sehr gut verkaufte.

Man darf an dieser Stelle nicht vergessen: Es handelt sich um den Account jenes Künstlers bei YouTube, nicht um einen, den die GEMA dort einrichten ließ. Es handelt sich um den privaten Account jenes Künstlers, auf dem mehr als nur ein Titel für den deutschen User platt gemacht wurde.

Unsere Politik schwadroniert immer darüber, daß das Internet ein rechtsfreier Raum sei. Für Politiker und deren Verbrechen mag dies zutreffen, für den einzelnen Bürger jedoch sieht es so aus, als sei das Internet alles andere als rechtsfrei. Und vor allem alles andere als intelligenzbesessen!

In diesem Zusammenhang wird nun also der deutsche Zugang dieses britischen Künstlers dicht gemacht. YouTube bringt bei besagten Songs wieder seinen Spruch, daß man die Links nicht aktivieren könne, weil keine Rechtssicherheit in Deutschland vorliege, da die GEMA nicht die notwendigen Lizenzrechte an YouTube abtreten möchte. Ok, dies ist die eine Seite der Medaille. Die andere ist, daß es der Künstler selbst war, der diese Songs bei YouTube einstellte, weil er an die gute alte Musikerzeit erinnern möchte.

Wie schon im letzten Artikel das Thema GEMA betreffend festgestellt, besitzt die GEMA nicht einmal einen Bruchteil jener Lizenzen, die sie eigentlich mit YouTube handeln möchte. Im Klartext heißt dies, daß auch weiterhin die Mehrzahl der asiatischen Künstler auf dem deutschen YouTube gesperrt/blockiert bleiben werden, da diese Künstler – darunter auch so große Agenturen wie zetima, oder SMTown und weitere – nicht bereit sind, mit der GEMA einen Kuhhandel abzumachen.

Die GEMA mischt sich auch – entgegen ihrer eigenen Richtlinien – in den Verkauf ausländischer Tonträger in Deutschland ein. So kommt es schon einmal vor, daß Musik-CDs, die keine GEMA-Freigabe haben, nicht einmal in den freien Verkauf gelangen. Man muß diese CDs also umständlich aus Korea, Japan, China importieren lassen – und bekommt ab einer gewissen Menge dann Ärger mit seinem Hauptzollamt, da ab 20 CDs/DVDs der Verdacht auf größeren Handel besteht. [Laut GEMA-Richtlinie, an die sich der Zoll an dieser Stelle halten muß.] Hier ist also schon nicht mehr der Insgesamtwert entscheidend, sondern bereits die Menge.

Richtig gemeinironisch wird dies nun, wenn es um die Promotion eines Musiktitels aus Asien geht, obwohl inzwischen schon amerikanische und britische Künstler Opfer der GEMA-Machenschaften werden, und die angegebene Zahl von 40 Künstlern, wegen denen es Diskussionen mit Google/YouTube gibt, bei weitem untertrieben ist, und diese Künstler bei einem Europa-Besuch es wagen, CDs ihrer Songs mitzubringen und diese auf einem Konzert in Frankreich zu verkaufen.

Ja, die GEMA macht auch bereits im europäischen Ausland Streß, weil sie den Künstlern den Konzertverkauf untersagen möchte, solange die entsprechenden CDs/DVDs nicht bei ihr angemeldet sind. Da ja die Gefahr besteht, daß deutsche Fans dieser Musik eine solche CD mit nach Hause bringen wollen. Und somit würde eine asiatische Musik-CD, die keine klassische Musik enthält, zum freien Bürger und somit an die Ohren von Menschen gelangen, die nicht bereit oder in der Lage sind, der GEMA für das Abspielen des Tonträgers einen entsprechenden Anteil zu bezahlen. [Nach unserer aktuellen Rechnung macht allein der GEMA-Anteil an den Tonträgerpreisen aktuell 34% aus. Bei DVDs – auch von Filmen – jedoch schon 65%. Und man kann uns nicht erzählen, daß all dieses Geld in die Taschen der Künstler fließt, wenn wir aus guten Quellen wissen, daß Künstler wie Shakira immer noch auf die Auszahlung des GEMA-Anteiles ihres letzten Deutschlandkonzerts warten. Und warten tun da so einige.]

Die GEMA stört also nicht nur den freien Handel, sie blockiert ihn gerade zu. Nicht nur mit aberwitzigen Zollforderungen, wenn es darum geht, Musik aus Drittländern in Deutschland einzuführen, sondern auch bei der Behandlung der Künstler selbst. Wie schon im letzten Artikel hingewiesen, haben wir es mit einem kulturellen Krieg zu tun. In einem solchen Krieg werden stellenweise auch Waffen aufgefahren, die jenseits des guten Geschmackes sind.

Es geht hier also nicht nur um den Kommerz, an der GEMA scheint noch ein wenig mehr dran zu hängen, als bislang bekannt ist. Jedenfalls wird aktiv gegen einige ausländische Labels von Seitens der GEMA nicht nur auf YouTube Streß gemacht. Von einigen DJs ist mir bekannt, daß sie die tägliche Dudelliste an die GEMA schicken müssen, damit jene feststellt, für welche Titel welcher GEMA-Zuschlag zu zahlen ist. Diese Kosten werden zwar im allgemeinen von der Discothek übernommen, jedoch führt die GEMA genau Buch, wann und wo ein DJ seine Musikzusammenstellung geändert hat. Je höher ein Titel in den deutschen Charts vertreten ist, umso höher ist im allgemeinen auch der Satz, den die GEMA dann von den einzelnen DJs verlangt. Kein Scherz, dies ist Tatsache!

Der Sauhaufen GEMA sollte endlich mit seinem Terror wider ausländischer Kunst aufhören. Hier gibt es kein Land mehr, daß sie vor entarteter Kunst schützen müssen. Hier gibt es auch keine Künstler mehr, die von der GEMA vor sich selbst beschützt werden müssen. Der Fall um diesen britischen Musiker entbehrt zwar nicht einer gewissen Ironie, doch laut unserer Recherche hatte damals die Plattenfirma den GEMA-Abschlag für dieses Album bezahlt. Eine Veröffentlichung auf YouTube hätte also nichts im Wege stehen dürfen. Und die aktuelle Blockade dieser Songs bedeutet nur, daß die GEMA nur abkassieren möchte. Für sich, nicht für die betroffenen Künstler. Also Weg mit der GEMA, wir brauchen keine braune Zensurbehörde. Wer intelligent und gut genug ist, hat sowieso seine Quellen, wie er an welche Musikclips und Songs heran kommt, von denen die GEMA nicht möchte, daß der deutsche Michel sie hört. Es wird Zeit, daß die GEMA abgeschafft wird.

[Und zu dem Thema GEMA & Verwertungsgesellschaften wird es demnächst noch einen Artikel geben, sofern wir endlich das Interview mit dem frankfurter Musiklabel genehmigt kriegen. Dann können wir Interna und auch das Benehmen der GEMA bei deutschen Musiklabels besser beurteilen und es öffentlich machen. Da uns auch hier einiges zu Ohren kam.]

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