Ich weiß nicht, ob es meinen schreibenden Kollegen hier bei Facebook ähnlich geht – aber jeder Mensch mit ein wenig Hirnschmalz, dürfte doch inzwischen erkennen, daß die aktuellen SOPA/PIPA-Maßnahmen dem Künstler das Recht am eigenem Werk deutlich beschneiden! Nicht nur, daß dadurch ernsthaft Suchmaschinen und Bereitstellungsplattformen gefährdet werden, sondern das der Künstler an für sich – kämen diese Gesetze in dieser Form durch – zweifelsfrei das Recht am eigenem Werk verliert.

Schon heute ist es so, daß von der Verwertungsindustrie (Plattenlabel, Musikverlage, Printverlage) der eigentliche Urheber, der Schöpfer eines Werkes verarscht und betrogen wird. Und dies geschieht nicht, wie uns die globale PIRATENPARTEI erzählen möchte, mit dem Label des Urheberrechtes, sondern stellt bereits einen ernsthaften Verstoß dagegen dar. Nur was erwartet man von einer neoliberal dumm geprägten Welt?

Heutzutage ist man als Künstler definitiv bei den Verlagen abgemeldet – also bei den meisten – wenn man nicht nur Kenntnisse über das Urheberrecht besitzt, sondern auch noch darüber hinaus gehend Ahnung vom Printmedium an für sich hat. Mit dem Ergebnis, daß die meisten Künstler – egal ob schreibend oder bildend – gar nicht mehr verlegt werden, weil die Gewinnspanne nach dem Urheberrecht, wie es derzeit gilt, für die Verlage schlicht zu gering ist. Da verhält man sich als Verlag dann schon eher wie die produzierende Industrie und kauft Patente auf, die man gar nicht vor hat, in die Herstellung zu übernehmen! Und nein, dies ist kein Scherz, sondern leider die Wahrheit (für die ich auf mehr als einem Autorenforum bereits angefeindet und gemobbt wurde).

Dabei ist doch der eigentliche Zweck des Urheberrechtes, den Schöpferschutz des Künstlers zu garantieren, und nicht die Einnahmen der Drittverwertungsindustrie. Wer also immer noch meint, daß die Kampagne der PIRATENPARTEI dem Künstler hilft, dem ist letztlich nicht zu helfen. Das Urheberrecht bedarf einer Reform, dies mag sicher richtig sein, jedoch nicht so, wie es sich gerne die Verwertungsindustrie vorstellt. Schon jetzt wird hierbei offen gegen das Urheberrecht verstoßen.

In diesem ist ein Künstleranteil von 10% als Tantieme an allen Verkäufen avisiert. Es steht sogar in einigen Passagen des Gesetzes dementsprechend drin. Doch die Verwertungsindustrie – vor allem die deutsche Verlagswüste – hat sich komplett verbertelmannisiert – und gesteht dem Künstler maximal eine Tantieme von 2% zu. Ausnahmen bilden hier derzeit noch eBook-Verlage, die einen fairen Tantiemenanteil zahlen. Doch wie lange noch? Kommt die Initiative der PIRATENPARTEI durch, sehen Künstler für ihre Schöpfungen bald gar keine Kohle mehr. Und die Verwertungsindustrie verdient sich goldene Schlösser. Massivgolden, nicht vergoldet!

Fakt ist: Die Rechte eines Künstlers interessieren in der modernen Zeit nicht. Wenn ich dann an dritter Stelle lesen muß, daß mit gefaketen Rezensionen der Selbstverlag eines Autors vernichtet werden soll und jene Person, die diese Fakerezesionen schreibt, noch nicht einmal von der deutschen Justiz zu packen ist, packt mich persönlich die kalte Wut. Mir war schon vor Jahrzehnten klar, als ich den Weg eines Künstlers einschlug, daß dies womöglich eine brotlose Kunst wird. Nur weiß ich wiederum was ich wirklich gearbeitet habe und von einer solchen Arbeitsleistung könnten sich manche Personen durchaus eine Scheibe abschneiden.

Doch es geht nicht um die nicht entlohnte Arbeitsleistung, die ein Künstler erbringt, sondern rein ums Prinzip. – Die Wirtschaft, vor allem jene der Drittverwerter, verdient sich dumm und dusslig, während manch erfolgreiche Autoren zusehen müssen, wo sie die Miete für den laufenden Monat herbekommen. Gerüchte? Absolut nicht. Mir sind persönlich mehrere Autoren bekannt, die für Serienhefte schreiben und mit einem Salär abgespeist werden, daß sich einem die Fußnägel kringeln. Selten reicht es da zum vernünftig leben.

Künstler sind in unserer Gesellschaft eben nicht positiv angeschrieben. Und dies betrifft nicht nur Deutschland. Als vor gut einem Jahrzehnt in Hollywood die Autorengewerkschaft ihre Mitglieder zu einem Generalstreik aufrief, konterten die Filmproduzenten damit, daß sie uralte Konserven wieder auflegten oder auf Halde liegende Geschichten aufgriffen, die sie noch in der Schublade – aber noch nicht bezahlt, da nicht umgesetzt – hatten! Der Autorenstreik in Hollywood schrieb Geschichte. Brachte den Künstlern aber letztlich gar nichts.

Erst der zweite Streik der Autorengewerkschaft, keine 5 Jahre später, zeigte dann Auswirkungen. Weil inzwischen die Drehbuchautoren gelernt hatten, nicht mehr auf Halde vorzuproduzieren. Und wenn, daß sie die fertigen Manuskripte nicht an die Filmschaffenden herausgaben. Hollywood kam in Schlingerkurs. Mit dem Ergebnis, daß die Filmtantiemen für die Drehbuchautoren verdoppelt wurden. Von 7,5% auf volle 15% hinauf. An den nachfolgenden Einspielergebnissen änderte dies wenig. Aber wenigstens reichte es nun bei einem Kassenschlager zum Überleben. Die Miete war wenigstens immer pünktlich zu bezahlen.

In Deutschland sieht es anders aus. Hier sieht sich der Künstler – egal ob schreibend, bildend oder malend – grundsätzlich den Anfeindungen der Gesellschaft ausgesetzt. Nach guter Lesart heißt dies im Volksmund: „Ein Künstler ist nur ein Mensch, der nicht in Lohnarbeit frönen möchte. Künstler sind alles kranke Egoisten.“ Ich habe ähnliche Sprüche von Lektoren während meiner Buchmessebesuche wahrgenommen und noch einiges mehr gehört, was ich an dieser Stelle nicht breit trete.

Heutzutage ist es für einen Schriftsteller nahezu unmöglich, einen vernünftigen Verlag zu finden. Die meisten wollen entweder urheberrechtswidrig nur 2% Tantiemen zahlen, oder eine Abschlagszahlung vorschlagen, die genauso pervers geartet ist. Den Hammer lieferte vor kurzem ein nicht gerade unbekannter – nonbertelsmann – Verlag, als er einem Künstler sage und schreibe € 1.000 Vorauszahlung anbot, bei einem Tantiemensatz von 0,5%! Das Werk umfaßt 1400 Seiten, ist ein spannend geschriebener Abenteuerroman, der sich sogar als Jugendbuch zu veröffentlichen lohnen würde. Zum Glück hörte jener Autor auf die Ratschläge erfahrener Autorenfreunde und lehnte den Verlagsvertrag unter diesen Bedingungen ab. Übrigens sollte er noch zusätzlich sämtliche weiteren Rechte gleichfalls an den Verlag dabei abtreten. [Das er nicht noch etwas Zuzahlen mußte, war in diesem speziellen Fall reines Glück, kommt aber auch immer öfter vor.] Nun ist der Haken jener, daß jener Autor seinen Roman wie sauer Bier anbietet – und keinen Verlag mehr findet, der bereit ist, dieses Werk zu veröffentlichen. Immerhin tauschen sich Verlagsleiter über das Verhalten von Autoren aus. Immer!

Und dann redet man von einem Ölkartell, wenn wir im Kunstsektor es nur mit Kartellen zu tun haben. Bertelsmann hat vieles verbockt, hat vielen Autoren Rechte genommen und da die Bertelsmann-Gruppe allein in Deutschland mehr als 23 Verlage umfaßt – international mit Random House, welches sie 2002 schluckten – sind es insgesamt mehr als 87! bestimmt Bertelsmann mit seinem eigenen Gebaren, wie sich andere Verlage einbilden, sich aufführen zu dürfen. Das hier eine deutliche Monopolisierung (nach dem Gesetz verboten) und eine deutliche Kartellbildung (gleichfalls verboten) an der Tagesordnung ist, stellt in meinen Augen kein Zufall dar. Eher im Gegenteil.

Womit wir beim eigentlichen Problem angekommen sind. Das Urheberrecht in seiner jetzigen Form schützt den Künstler vor Ausbeutung. Auch wenn ziemlich viele Verlage inzwischen was dies angeht eine andere Sichtweise der Dinge haben. Abzockverlage sind für angehende Autoren noch nicht einmal das größte Problem, sondern sehr gut verklausulierte Verlagspassi, die dem Autor über die Hintertür die eigenen Rechte stehlen. Die Legende, daß ein Autor im Falle einer Verfilmung seines Werkes einen entsprechenden Anteil an den Produktionskosten, sowie ein Mitspracherecht während der Verfilmung erhält, ist wirklich eine Legende. Verlage schotten hier die Künstler vor solchen Dingen ab, damit sie selbst die große Kasse machen. Meist ist bei den Verfilmungen dann auch ein Vertreter des Verlages dabei, während man den Autor am Set vergeblich sucht. [Auch hierüber liegen uns sogar beeidete Aussagen mehrerer Zeugen vor.]

Das Urheberrecht muß geschützt werden. Nicht nur vor dem Zugriff der PIRATENPARTEI, sondern auch von SOPA & PIPA. Beide Gesetze beschneiden die Rechte des Künstlers auf der anderen Seite. Kein Künstler kann, sind diese beiden Gesetze erst einmal in Blei gegossen, sein eigenes Werk, welches er bereits an einen Drittverwerter abgegeben hat, auf einer eigenen Homepage hosten, oder es gar über einen eigenen Shop vertreiben. Da die oben genannten Gesetzesinitiativen nur den Drittverwertern zugute kommen. Der Verkauf des eigenen Werkes über eine eigene eBook-Auflage wird dann unmöglich, da der Künstler sich gegenüber dem Drittverwerter – der noch nicht einmal alle Rechte hierzu besitzen muß – strafbar machen würde.

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