Wie so viele Menschen leide ich unter chronischer Oralophobie, zu deutsch Angst vor dem Zahnarzt. Nun könnte man sagen, dass Menschen die unter dieser Phobie leiden, allen Grund dazu haben, da sie über einen schlechten Gebisszustand verfügen. Geht man nach der Bettlektüre unsres neuen Bundespräservativs, so kommen solche Leute immer aus bildungsfernen Schichten. Womit natürlich die Patienten gemeint sind. Ist doch das Zahnarztstudium eines der kostspieligsten überhaupt und die Praxiseinrichtung ähnelt der eines niedergelassenen Chirurgen. Dieses investierte Geld muss der Maulartist erst mal wieder zurrückverdienen. Und dazu ist er auf genau die Leute, die sich zu Recht vor ihm fürchten, finanziell angewiesen. Denn was würde ein Zahnarzt verdienen, wenn wirklich jeder zur Vorsorge ginge und ungeschoren seinen Folterstuhl wieder verließe. Die Angst vor dem bösen Wolf scheint berechtigt zu sein.So habe ich mich jüngst zur jährlichen Vorsorge begeben und habe in Gedanken meinen Zahnarzt nach Sensibilität gecheckt, während er mir auf den Zahn fühlte. Neuerdings scheint es eine neue Untersuchungstechnik zu geben, die darin besteht, dass man die Sonde einfach quer über den gesamten Schmelz des Gebisses zieht und das mit einer solchen Geschwindigkeit, dass der Patient sich nicht wehren kann. In diesem Moment beschloss ich, freiwillig auf die kostenlose Plaqueentfernung zu verzichten und öffnete nur um zu widersprechen ein zweites Mal den Mund. Dieses Mal bekam ich unvermittelt das stumpfe Ende der Sonde gegen einen bis dahin gesunden Zahn geschlagen, mit der Frage ob dies weh tue ??? Etwa zwei Monate später brach mir bei einem Restaurantbesuch mit Freunden das hintere Stück vom Backenzahn ab und verfrachtete mich in den Stuhl eines Notarztes. Dieser verpasste mir eine Seitenstranganästhesie, die 4 Stunden lang meine linke Gesichtshälfte betäubte. Danach wurde unterhalb der Plombe im gebildeten Eiterherd gebohrt. Ich musste einige Male um Pausen bitten, da ich es vor Schmerz kaum aushielt. Weil es mitten auf dem Land war und sich meine Freunde weigerten mich zum nächsten Zahnarzt zu fahren,bestellte ich ein Taxi. Was ich nicht ahnte, dass sie dies verweigerten, weil sie mich vor einer noch größeren Misshandlung bewahren wollten. Zum Ende selbiger ,während derer ich kaum aufmunternde Worte aber dafür umso mehr angsteinflößende Bemerkungen und Ausdrücke des Ekels zu hören bekam, war ich nur noch ein Häuflein Elend. Ich ahnte zum ersten Mal, was Folter ist. Und als ich da alleine lag, bekam ich auch nackte Panik, Panik weil ich nicht wusste ,was mir blühte…Zahnwurzelbehandlung oder schlimmeres…Schon bei der Untersuchung trug man mir ein Gel auf, das sofort Taubheitsgefühle und Atemnot erzeugte. Der Arzt meinte grinsend, besonders Kinder seien sehr dankbar für diese lokale Betäubung, die den Einstich der Spritze erleichtern sollte. Nun dies tat sie nicht. Ich hatte das Gefühl, die Spritze käme zum anderen Ende der Zahnreihe wieder heraus…Es war ein Gefühl, als ob man einen elektrischen Schlag durch den Hauptnerv bekäme. Als ich noch unter dem Eindruck des Schocks der Penetration stand, wurde die Kanüle blitzschnell aus dem Knochen herausgezogen und auf der anderen Seite eingestochen, angeblich um das Zahnfleisch zu betäuben. Irgendwie fand ich das schon merkwürdig, daß man den Inhalt einer Kanüle aufteilt und hatte so meine Bedenken wegen der Sterilität…dann spritzte mir auch schon beim endgültigen Herausziehen der Rest der Ladung ins Gesicht, Gottseidank hatte ich die Brille an. Danach wäre ich am liebsten geflüchtet. Denn ich fragte mich natürlich, welcher Eingriff eine solche Betäubung notwendig machen würde. Diese erlebte ich dann hautnah mit. Zum Schluss bekam ich etwas gegen die Schmerzen auf die Öffnung. Und dann wurde eine Matritze zwischen meinen Zähnen festgeschraubt, weswegen ich für die Betäubung dankbar war. Leider musste der Arzt ziemliche Gewalt anwenden, um sie zu befestigen. Da sie ständig verrutschte, weil ich ja kein Gefühl dort hatte, wiederholte sich die Prozedur unter Flüchen begleitet mehrere Male. Ich konnte nicht widersprechen, weil ich zu dem Zeitpunkt bereits den halben Mund zutamponiert hatte und außerdem damit beschäftigt war, das Absaugegerät festzuhalten. Leider war es nach acht und es gab keine Zahnarzthelferin mehr. Also musste ich gewissermaßen mitarbeiten. Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit bis die Zementplombe endlich saß. Ich versuchte mir zu diesem Zeitpunkt den Kopf selbst festzuhalten, da meine Nerven völlig blank lagen. Völlig traumatisiert und mit dem Trost, dass die Chancen auf eine Wurzelbehandlung 50  :50 ständen, ließ ich mich mit dem Taxi zum Bahnhof fahren. Da ich infolge eines Blackouts auch noch meine PIN Nummer vergessen hatte, konnte ich nicht in bar bezahlen. Am nächsten Tag überwies ich erst einmal die Praxisgebühr und ließ mir vom Hauszahnarzt eine Überweisung in die Poliklinik der Uni geben. Dort weigerte ich mich,mich von Studenten behandeln zu lassen. Ein Greenhorn von einem Assistenzarzt behandelte mich von oben herab und bestand auch darauf, mir mit dem stumpfen Ende gegen die Zähne zu schlagen. Ich sagte einfach : „OK, quälen Sie mich ruhig auch noch.“ Daraufhin hatte ich es mit ihm verscherzt . Er meinte „Ja dazu habe ich 6 Jahre studiert, um Leute zu quälen.“ Danach gings zum Röntgen. Dort versuchte man zuerst die schmerzhafte Variante, die ich zunächst ablehnte und die darin bestand, ein großes Hartplastikteil eines Röntgengerätes im Mund unterzubringen, so dass auch der weiche Gaumen gequetscht wurde. Spätestens da bemerkte ich, dass die Betäubung restlos abgeklungen war. Man ließ sich dann dazu erweichen, mir einen etwas weicheren Filmträger in den Mund zu stopfen. Die Aufnahme gelang und der Arzt machte mir wenig Hoffnung. Eine Wurzelbehandlung hätte noch nur eine 50 prozentige Erfolgsaussicht. E riet zur Extraktion und eilte zurrück zu seinen Forschung betreibenden Studenten.Davor überbrachte er mir noch die Hiobsbotschaft, das Mittel gegen die Schmerzen sei ein Mittel, das nicht nur Bakterien sondern den Nerv abtöte und das innerhalb von zwei Wochen. Danach käme es zu einem weiteren Gewebsuntergang, der eine Amputation des Nervs bzw. des Zahns notwendig mache. Voller Panik fuhr ich nachhause und abends setzten barbarische Schmerzen ein. Am nächsten Tag rief ich sofort bei dem Notarzt an und fragte, ob er mir wirklich ein Nervengift verabreicht habe. Er verneinte. Die Hotline der Krankenkasse wiederlegte den Uniarzt und erklärte mir, dass dieses Mittel lediglich Keime einer Markentzündung töte, nicht jedoch den Nerv selbst… Als man mir den Eigentteil für Brücken, Implantate und co. nannte wurde mir erst richtig schlecht. Das heißt es also, von der Hand in den Mund zu leben. Ich erinnerte mich an die Szene, als die Arzthelferin ins Zimmer stolzierte und sich die offenbar schon benutzten Handschuhe wusch. Hygieneartikel scheinen sehr teuer zu sein. Und ich frage mich, wie Zersetzungsbakterien UNTER eine Plombe können, um den gesamten Zahn von innen aufzufressen. Ich vermute, dass es einige Praxen gibt, die eigentlich vom Robert Koch Institut als Bazillenbrutstätten geschlossen werden müssten…Doch das Gesundheitsamt konzentriert sich ja lieber auf die Gastronomie als auf den medizinischen Sektor. Vielleicht müssen noch mehr Menschen an den Folgen sterben, bevor sich die Weisheit eines Semmelweiß endlich durchsetzt…Was nützen schon klinische Studien, wenn sie in einem  Milieu standfinden, in dem die Keime Partie feiern. Was nützt ein Studium an Universitätskliniken, wenn die dort Hilfe suchenden Menschen nichts anderes als Versuchskaninchen sind ? Es handelt sich um eine schäbige Ausbildung, weil die alten Werte offenbar nicht mehr vermittelt werden, wie Menschenliebe, Achtung ,Behutsamkeit und Respekt.

Und so werden frischgebackene Feldscherer auf die Menschheit losgelassen, die ihre Patienten wie Korporale herumkommandieren und mit der Sensibilität von Pferdemetzgern agieren.  Während des Studiums üben sie nicht, sich in die Personen ihrer zukünftigen Patienten zu versetzen. Sie wissen nicht einmal, wie man menschlich auf einer Ebene kommuniziert und ein  Vertrauensverhältnis aufbaut. Irgend etwas läuft da gewaltig schief. Vielleicht entspringt dies der didaktischen Unfähigkeit von Professoren, die kein Dienstleistungsbewusstsein haben, sondern sich wie Opferpriester gebärden. Für die ein Mensch nichts mehr ist als eine Nummer. Diese Nazideologie scheint immer noch in vielen Köpfen des Leerkörpers zu wuchern und treibt die schönsten Blüten. Sie produziert ganze Jahrgänge menschlicher Versager, denen wie Dagobert Duck die € Zeichen in den Pupillen stehen, wenn sie sich über ihre wehrlosen Opfer beugen. Ich schäme mich für dieses Land, in dem tagtäglich der Meineid des Hippokrates geleistet wird. Von Ethik ist da keine Spur. Wenn ich mir dann vorstelle, dass diese Vampire davon leben, dass sie anderen das Gebiss zerstören, dann möchte ich am liebsten auch kraftvoll zubeißen, am besten während der Behandlung. Aber das wäre ja Körperverletzung.

2 Kommentare on Von der Hand in den Mund

  1. Zahnfee sagt:

    Wenn ich diese Geschichte lese, muss ich ein wenig schmunzeln.. Ich hatte bereits drei Wurzelbehandlungen, eine Kiefer-Op, zahlreiche Röntgen-Erfahrungen, das Ziehen eines Zahnes, muss jedes Mal mindestens vier Spritzen erhalten und dergleichen.. Das Lesen dieses Artikels hat mich dazu ermuntert, nur einen dieser Besuche zu schildern, das würde wohl in den Augen der Autorin hier für eine komplette Horror-Story reichen! Vielleicht sollten wir die Menschenrechtsorganisation alarmieren?
    Insgesamt recht süß geschildert, versetzt mich in mitleidige Gefühle und vermittelt den Eindruck von dramatischer Naivität…

  2. Diotima sagt:

    Ich muss auch darüber schmunzeln, vorallem weil es mein letzter Artikel gewesen ist. Ab heute bin ich nicht mundfaul sondern mundtot. Ich wünsche meiner potentiellen Nachfolgerin auf diesem Wege schon jetzt viel Kraft in der Kooperation mit der Redaktion. Möge sie ihre Abgebetermine immer pünktlich einhalten und ihre Artikel immer gegenlesen lassen. Es war eine schöne wenn auch stressige Zeit. Jetzt habe ich endlich wieder mehr Zeit joggen zu gehen. Recherche ist anstrengend vorallem dann ,wenn sie so schmerzvoll ist und nicht anerkannt wird. Undank ist der Welten Lohn und wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen.