Man erinnere sich noch an die goldenen Zeiten, als das deutsche Volk noch ein geselliges, freundliches, friedliches, fröhliches gewesen ist. Damals gab es im Ort noch jeden Samstag einen Frühschoppen in der Kneipe neben der Kirche, und unter der Woche traf man sich mit seinen Skat-Kumpanen dort, um ein wenig miteinander zu spielen, zu tratschen und sich über die gute Arbeit unserer Politik zu mokieren.

Inzwischen ist dies anders geworden. Inzwischen ist das deutsche Volk nur noch arbeitssam – wenn nicht gerade arbeitslos – genügsam, ameisig, unfreundlich, ungesellig, streitsüchtig und bitter. Und warum das alles? Weil es eben nicht ausreicht, mit einem 8h-Job noch die Miete und die tägliche Versorgung mit dem allernötigsten gewährleisten zu können.

Und wenn dann der Neid aufkommt, wie gut es doch Sozialgeldempfänger, Hartzer und Asylbewerber in diesem Land haben, muß ich sagen: Leute, ihr habt was ganz gewaltiges nicht mitbekommen. Ich gebe zu, noch vor zehn Jahren konnte man sich auf einen Schoppen noch in seiner Frühschoppenkneipe treffen. Doch auch dort, wo ich vorher lebte, wurde mein Stammlokal schließlich von einem Moslem übernommen, der daraus dann eines der besten Kebab-Restaurants der Region machte. Aber wenn dies alles wäre. Die andere Kneipe, in die ich gerne ging, starben kurz nacheinander die Besitzer weg. Erst das alte Original, die Mutter des letzten Kneipenwirts, und dann schließlich er. Der Arzt stellte einen Herzinfarkt in Tateinheit mit einer Leberzyrose fest. Gestorben wäre er sowieso. Er konnte froh sein, daß seine Pumpe schnell genug aufhörte zu schlagen.

Ja, aber dann war es mit dem Stammkneipenbesuchen vorbei. Weil faktisch keine mehr existierte. Heutzutage sucht man nach der Arbeit – wenn man noch Glück und Tageslicht hat – ein Bistro oder ein Café auf, stürzt dort seinen Kaffee herunter und fährt dann nur zum Kleiderwechsel nach Hause, weil man nach 21 Uhr noch seinen Zweitjob machen muß.

Und abermals stellt sich mir dann die Frage, warum alle Welt von einem Kneipensterben lamentiert, wenn es kein Kneipensterben, sondern ein Kneipenbesuchersterben ist. Seitdem der Durchschnittsdeutsche nicht nur weniger in Gaststätten raucht, sondern auch dort weniger säuft (die Jungen jetzt einmal ausgenommen, die probieren sich immer noch als Kampftrinker, aber dies auch weniger in der Kneipe), lebt er im allgemeinen gesünder, sollte man denken. Dem ist aber nicht so. Bedeutend mehr schwere Herzinfarkte erleidet der deutsche, unterbezahlte, Arbeiter heute auf seinem zweiten Arbeitsplatz. Frauen stehen da mit Herd & Kindern noch gut da!

Aber kann ein Ehepaar heutzutage auch noch mal einfach essen gehen? Nein, entweder hat er, oder hat sie, keine Zeit. Entweder stecken beide bis über beide Ohren in ihrer Arbeit drin, oder Frau ist mit Kind und Kegel beschäftigt und kommt nachmittags schwer geschafft vom Wocheneinkauf zurück und muß bereits überlegen, was sie zum Abendessen kocht, weil der Mann ja auch gleich nach Hause kommt.

Und dann lamentiert unsere ehrenwerte Politik von einem Wirtschaftswachstum, wenn es doch ein Kneipensterben gibt. Ja, nicht nur in Darmstadt, Frankfurt, Kassel, auch in Wiesbaden sterben die Kneipen weg. Und dort ist es ganz fatal, da drei Viertel der dort vorhandenen Kneipen eigentlich FDP-Klientel sind. Wenn nun der Wählerstamm einer Partei wegbricht, muß man etwas dagegen unternehmen.

Die PDL hat im Selbstversuch in Mainz versucht, eine Stammkneipe für die einfachen Arbeiter zu generieren, doch das Projekt starb an der finanziellen Unterversorgung der angepeilten Klientel. Immerhin gibt DIE LINKE ja vor, sie wäre für die Armen da, jedoch hat sie es inzwischen auf die Aufstocker angesehen, die mit dem von den konservativen geschaffenen Kombilohn genauso beschissen dastehen. Aber dies ist schon wieder zu weitreichende Politik und eigentlich nicht das Thema.

Der vielgerühmte Haken ist, daß viele Kneipiers inzwischen sich nicht einmal mehr Verträge auf Hektoliterbasis mit ihren Brauereien leisten können. Nur ohne einen Brauereivertrag läuft eine Kneipe nicht. Und 2013 verändert die GEMA dann auch noch ihr Finanzierungsmodell, was bedeutet, daß das Kneipensterben mit erhöhter Geschwindigkeit voranschreiten wird. Für Mainz und Wiesbaden bedeutet dies, daß es in der Altstadt deutlich ruhiger wird. Nachtruhe wird garantiert. Sonst hätte sich ja der Prozeß in Leipzig wegen des Nachtflugverbotes doch gar nicht gelohnt. Hier waren alle Sieger – außer den Kneipiers.

Daß dies vielleicht politisch so gewollt sein könnte, fällt auch keinem auf. Inzwischen habe ich festgestellt, daß Kneipenwirte es locker auf einen deutlich unterbezahlten 18h-Arbeitstag schaffen. Und bekommen sie dies irgendwie gelohnt? Der durchschnittliche Stundenlohn eines Einraumkneipiers beträgt derzeit € 1,73 bis € 1,78, gibt es noch eine angeschlossene Küche, ist der Stundenlohn es Chefs auf € 2,34 erhöhbar. Jede einfache Bedienung hat in einem solchen Laden schon ein Vielfaches des Gehaltes ihres Chefs – ohne Trinkgelder!

Wenn also jetzt in den Zeitungen davon gefaselt wird, daß es ein hessenweites Kneipensterben gibt, so ist diese Meldung halbherzig. Nicht nur in Hessen sterben die Kneipen weg, sondern im ganzen Bundesgebiet. Wir erinnern uns, im Rahmen einer Gesundheitskampagne wurde vor einigen Jahren mit Absicht faschistische Antirauchergesetze gemacht. Man nannte es großspurig „Nichtraucherschutzgesetz (NrSG)“, wollte damit aber in erster Hinsicht nur die Raucher vor sich selbst schützen. [Und ignorierte dabei mutwillig eine Studie von 1888, in der festgestellt wurde, daß Tabak nicht die Ursache für Lungenkrebs ist – übrigens eine britische Studie, die von einem US-amerikanischen Nativen geschrieben wurde. An dieser Stelle bitte ich auch unsere Kritiker ein wenig sauberer zu recherchieren. Wenn wir das finden konnten, werdet ihr dies auch.]#

Doch das NrSG war nur der erste Schlag einer faschistischen Gesundheitspolitik.- Seitdem nämlich dieses Gesetz draussen war, gibt es alljährlich ein besonderes Phänomen zu beobachten: Anfang des Jahres (Januar), wird eine Verseuchung beim Hühnerfleisch festgestellt. Meist mit solch exotischen Stoffen wie Dioxin oder anderem [übrigens in Mengen, die wirklich nur im Labor nachweisbar sind], danach kommt im März/April der Ostereierskandal, gleichfalls mit Dioxin. Im Juni/Juli, während der Ferienzeit, wird mal wieder das Schweinefleisch ungenießbar und man empfiehlt den Leuten, auf Rindfleisch umzusteigen. Und welch Wunder, im Herbst werden dann im Rindfleisch Stoffe und Rückstände gefunden, daß jenes ungenießbar sei! Selbst das gute Wallace-Rind ist dann davon betroffen.

Und bei all diesem Lobbyistenscheiß soll ein Kneipier noch überleben können, wenn das Familienministerium gerade wieder eine Kampagne über das Saufen von Jugendlichen am Laufen hat? Wie will ein schwer arbeitender Kneipier dann noch Gewinn erwirtschaften, damit er wenigstens seinen Laden halten kann? Darauf kann uns weder die Politik, noch die Wirtschaft eine vernünftige Antwort geben. [Übrigens kann dieses Blog nachweisen, daß die Hälfte aller Lebensmittelskandale getürkt sind. Auch hierüber werden wir bei Gelegenheit die Staatsanwaltschaft Frankfurt/Main Wirtschaftsdezernat mit entsprechenden Beweisen informieren.]

Es geht jedoch nicht an, daß die Wirtschaft nicht in der Wirtschaft gemessen wird, sondern allein daran, daß die Industrie eine gewisse Menge Gewinn oder Verlust macht. Wirtschaft hieß früher, daß es den Kneipen gut geht. Mißwirtschaft bedeutete damals, daß es in den Kneipen nicht genug Bier gab, um die kleinen Arbeiter zufrieden zu stellen.

Und heute: Heute sind die Kneipiers die wirklich Einzigen, die noch schwer arbeiten. Überstunden schieben, um am Leben zu bleiben, um nicht in Hartz IV zu fallen. Das Kneipensterben ist nur scheinbar ein Teil einer Kampagne, um das deutsche Volk umzuerziehen. Zu nichtrauchenden, nichttrinkenden, nur noch arbeitenden Sklaven eines Systems, dem Menschlichkeit nichts bedeutet.

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