Wo war ich denn das letzte Mal stehen geblieben, bzw. aufgestanden? Ach ja, ich war nach der Flucht vor einem verdammt extraktionswütigen besonders sensiblen Dentisten in einer Pasteria gelandet und hatte mir oral selbstgebastelte Pasta mit grüner Füllung zugeführt. Danach setzte bei mir wie bei jedem echten Oralophobiker eine ausgeprägte Zeit des Verdrängens ein. Es ist unglaublich, wie die Psyche es schafft, den Zustand des eigenen Gebisses vor dem eigenen Gehirn geheimzuhalten. Aber irgendwann wurde es mir dann doch klar,dass die Schwellung, die sich unterhalb des gebröckelten Backenzahnes gebildet hatte, anscheinend die direkte Auswirkung der barbarischen Schmerzen sein musste. Da stand ich nun fassungslos Karfreitag in meiner kleinen gekachelten Nasszelle, die mich demnächst teuer zu stehen kommen würde, und besah mir den Schaden: Oberhalb der Plombe, die seitlich über dem Zahnfleisch vor drei Jahren von meinem Hauszahnarzt ausgewechselt worden war, war die noch verbleibende Zahnsubstanz zweifach gerissen und unterhalb war die Zahnfleischtasche ausgebeult. Am liebsten hätte ich geheult, also wieder zurrück in die Notaufnahme zu Georg Clooney dem II.??? Ich entschied mich dagegen, da ich vor meinem gesitigen Auge schon ein riesengroßes Skalpell erblicken konnte, sowie eine aufgeklappte Zahntasche mit Antibiotikadrainage…Und so verdrängte ich weiter, was ich zur Kenntnis hatte nehmen müssen. Auf den beiden Röntgenbildern war von derSchwellung nichts zu sehen gewesen, da sie entweder damals noch in Bildung befindlich oder weil beide sinnigerweise vom Zungeninnenraum her aufgenommen worden waren. Daher war der Teil des Kiefers, der zur Wange hin lag, natürlich auch nicht abgebildet. Und natürlich hatte der Notarzt sich nicht die Mühe gemacht, auch noch die zweite Plombe auszutauschen. Ich mutmaßte bereits, dass es sich bei der zweiten Plombe um die Eintrittsstelle für die unterminierende Karies gehandelt haben musste, nur so konnte ich mir das Ü Ei ausgerechnet an dieser Stelle erklären.

Nachdem nun der Nachsorgetermin bei meinem Hauszahnarzt in immer greifbarere Nähe rückt, steigt natürlich auch mein Paniklevel an. Inwischen gehe ich davon aus, dass es sich um einen Spritzenabszess handelt. Denn an bewusster Stelle wurde mir eine recht tiefgehende Kanüle durch besagten Knochen gehauen, natürlich ohne vorhergehende Verwendung von Desinfektionsspray, so dass vermutlich ein entzündeter Bluterguss entstanden ist, der von hauteigenen Bakterien infiziert wurde. Warum verwenden Zahnärzte eigentlich mit Vorliebe Eisspray, um einen zu quälen,aber nie Desinfektionsspray, um solche Ostereierentdeckungen zu unterbinden? In Kälte können sich Bakterien doch besonders gut entwickeln, oder warum wird man im Winter immer eher krank als im Sommer???  Das frage ich mich seit gestern. Und es ist mir ein Rätsel ,warum einem eine Betäubung der Einstichstelle mit Kältespray als Zusatzgadget verkauft wird, wo es doch viel sinnvoller wäre, zu Desinfektionsspray zu greifen? Wenn ich der Aussage des zweiten extrem einfühlsamen Dentisten Glauben schenken darf, dann stellt die Verwendung von Eissspray außerhalb einer Vitalitätsprüfung zu Zwecken der Betäubung der Einstichstelle einer Betäubungsspritze ohnehin eine private Leistung dar.  Es war also ein Geschenk, auf das ich hätte besser verzichten sollen. Was nützt mir das, wenn ich jetzt im nachhinein, durch die unsinnige Verwendung von Eis- anstatt Desinfektionsspray einen reifen Spritzenabszess bekommen habe, der demnächst vom Kieferchirurgen geerntet werden kann??? Und war ich überhaupt aufgeklärt worden vom Notarzt? Nein! Man hatte mich nur mit drohenden Unterton gefragt, ob ich eine Spritze wolle, was ich mehr als rhetorische Frage aufgefasst hatte. Die Zustimmung dazu ließ man mich ausfüllen, während die Spritze ihre verheerende Wirkung entfaltete. Denn von Betäubung im Bohrbereich konnte wenig bis keine Rede sein. Aber die Ursache dessen erfuhr ich auch erst später via Guerillatechnik : ein Entzündungsherd lässt sich eben nicht betäuben!!!

Doch die meisten Zahnärzte scheinen ihrer Aufklärungspflicht nur mangelhaft nachzukommen, da sie in der Zeit, in der diese erfolgen sollte, zwei Patienten behandeln können. Hier geht es meiner Meinung nach um reine Profitmaximierung auf Kosten des Patienten. Meine Kasse klärte mich dann darüber auf, dass man bei allen chirurgisch-konservierenden Leistungen, zu denen kurioserweise neben einer Wurzelbehandlung auch die Extraktion gehören, von Kassenleistungen auszugehen hätte. Nun ist es aber so, dass fast jede Wurzelbehandlung eine Überkronung nach sich zieht, und schon befindet man sich im Bereich der Zahnersatzleistungen. Hier ist es so, dass man als ALG II Empfänger in den „Genuss“ eines „befundorientierten doppelten Festzuschusses“ kommen kann, wenn der Arzt zuvor einen Heil- und Kostenplan erstellt.  Anschließend stellt der Patient einen Antrag auf Härtefallregelung, dem er den gültigen ALG II Bescheid beifügt.

In meinem Fall, wollte der supersensible Zahnarzt jedoch sofort einen Weisheitszahn ziehen, bevor er einen Heil-und Kostenplan samt Befund erstellt hätte, was natürlich kassenrechtlich keinen Sinn ergeben hätte vorallem im Hinblick auf meine doch zu dem damaligen Zeitpunkt schon recht ausgeprägte Schwellung, die seinem Blick kaum entgangen sein dürfte. Das Interessanteste für mich war hierbei die Information, dass der betroffene Molare anscheinend der erste ist, den man als Grundschulkind bekommt und dass dann erst von den Schneidezähnen aus bis zu diesem stabilisierenden Molaren sich die 8 Schneidezähne, 4 Eckzähne und 8 Prämolaren, die Teil des Milchgebisses sind, erneuern. Demzufolge wäre der letzte Backenzahn samt den Weisheitszähnen der neueste Zahn, weil man diese letzten Backenzähne offenbar im Zeitraum von Beginn bis Ende der Pubertät ausbildet. Besonders die hinteren Backenzähne werden jedoch wegen ihrer gefurchten Oberfläche, die ihre Funktion als Mahlzähne ausmachen, jedoch mit Vorliebe von Zahnärzten in der Pubertät versiegelt. Dies wird unter dem Vorwand, es handele sich um eine kariesprophylaktische Maßnahme, den Kassen als Leistung verkauft. Es wird behauptet, dass infolge der Ausfurchungen die Zahnoberfläche der großen Backenzähne sehr schlecht zu reinigen sei. Eigentlich müsste daher eine professionelle Zahnreinigung vor der Versiegelung erfolgen, die jedoch keine Kassenleistung darzustellen scheint. Und da sich der erste große Backenzahn mit etwa 7 ,der zweite etwa mit 14 ,und die Weisheitszähne wenn überhaupt ab dem 21. Jahr ihren Weg zum Kieferdurchbruch zu bahnen scheinen, hat man es mit einer Versiegelungsfläche zu tun, die oft schon sehr große bakterielle Besiedlungen aufweist. Was tut nun der Zahnarzt ? Bei den Weisheitszähnen rät er generell eh zur Extraktion, da sie schlecht zu pflegen seien und auch keine Funktion innehätten. So die gängige Lehrmeinung. Bei den hinteren Backenzähnen ist das ganze ein Spiel auf Zeit. Im Zuge der Versiegelung mit einer harzartigen Flüssigkeit, die natürlich Fluorid enthält, wird zunächst der Schmelz der Kaufläche mit einem Säuregel angeätzt, damit die Versiegelungsmasse besser hält. Nun ist Karies aber genau als ein solcher Prozess definiert : Säuren greifen den Zahnschmelz an, vorwiegend Säuren, die von im Zahnbelag befindlichen Laktobazillen produziert werden. Nicht die Bazillen sind gefährlich, sondern die Säuren. Hier verrichtet jedoch der Zahnarzt diese Arbeit. Wird die professionelle Reinigung versäumt, kommt es zudem zu einem Bakterieneinschluss auf eine angeätzte Kaufläche. Welchen Weg diese Bakterien dann nur nehmen können, kann man sich auch ohne ein Hochschulstudium vorstellen…Immer schön abwärts in Richtung Zahnbein hindurch ins Zahnmark, bis hin zum Zahnnerv und zur Wurzelspitze und darüber dann direkt in den Kieferknochen. Wie haltbar zudem diese Versiegelung ist, oder ob sie sich bedingt durch Kaubewegungen irgendwann im Erwachsenenalter abnutzt, darüber lässt sich nur spekulieren. Bei mir wurden die Backenzähne versiegelt und es sind jetzt genau diese Zähne, in denen ich die tiefsten Plomben habe, sowohl von der Kaufläche aus gesehen, als auch seitlich in der Krone Richtung Wange und überm Zahnfleisch. Nun, es handelt sich ja auch um meine ältesten Zähne, dennoch würde ich heutzutage meine Zähne nicht mehr versiegeln lassen. Wie kann es denn bitte sehr sein, dass der menschliche Körper im Schulalter Zähne erzeugt, die er vorher nicht hatte, und die auf lange Sicht aber als erste ins Gras beissen, da sie unbrauchbar werden. Und warum gibt uns Mutter Natur Mahlzähne mit Rillen, zum besseren Mahlen, nur damit wir sie uns in der Pubertät auffüllen lassen um uns dann über Magen-Darmprobleme zu wundern ???

Ich meinerseits wundere mich über gar nichts mehr, auch nicht über die Schnullerverwendung, die mittlerweile epidemische Ausmaße angenommen hat. Warum denn auch ? Nur wo eine Nachfrage besteht, kann es auch ein Angebot geben. Und wenn die Nachfrage naturgemäß nicht groß genug ist, dann muss halt nachgeholfen werden.

Ich meinerseits kann die Zahnindustrie nur noch als solche ernstnehmen.