4. Dossier: Schulische Ausbildung kontra Herd

Es dürfte ja inzwischen allgemein bekannt sein, wie unsere Gesellschaft die Frau eigentlich ansieht. Die Legende, daß wir schon längst in der Gleichberechtigung angekommen sind, kann man getrost nicht folgen. Wären wir dies, würden absichtlich in der metallverarbeitenden Industrie oder gar beim Automobilbau Arbeitsstellen eingerichtet, auf denen auch Frauen gefahrlos ihrer Arbeit nachgehen können. Noch nicht einmal im von mir des öfteren so hoch gelobten Japan ist die Gesellschaft bereit, jungen Frauen entsprechende Ausbildungen, geschweige denn, entsprechende Berufsbilder zur Verfügung zu stellen.

Und da ich schon bei der Einleitung mit Japan angefangen habe, geschah auch nicht durch Unachtsamkeit, sondern um etwas aufzuzeigen. Japan ist, wenn es um die Rechte der Frauen geht, selbst weiter als Deutschland. Dennoch hat sich das kapitalistische Denkbild deutlich erhalten, nach dem eine Frau nun einmal nicht in Berufen arbeiten sollte, in denen Körperkraft vonnöten ist. Dennoch gibt es in Japan deutlich mehr Frauen, die mit einem Schweißgerät umgehen können, als selbst in der Bundesrepublik. Auch diese Zahlen entspringen nicht meiner Phantasie, sondern sind schlichte, aber traurige Realität und entstammen einer Statistik des japanischen Ministeriums für Arbeit, Kultur & Sport. [Sofern ich die kanji richtig übersetzt habe, heißt es so.]

Doch seien wir einmal ehrlich: Was zeichnet denn die westliche Zivilisation so besonders aus? Eigentlich nur eines: eine permanente Geschlechtertrennung in fast allen Bereichen und eine verlogene Quotenpolitik, um die Frauen klein zu halten. Einmal ganz davon abgesehen, daß das kapitalistische System an dieser Stelle bereits von den Frauen Opfer erfordert, die man als Staat nicht einmal von seinem Nachbarn fordern würde.

Frauen sollen unterwürfig sein, Kinder gebären. Und das war es dann auch, was selbst aufgeklärte westliche Demokratien von ihren Frauen erwarten. Nirgendwo wird mit einem Wort erwähnt, daß eine Frau ein Anrecht auf eine gute schulische Ausbildung hat. Und selbst wenn sie diese erhält, wird direkt bei der ersten Bewerbung als 2. Frage folgende gestellt: „Haben sie vor, jemals Kinder zu bekommen?“ Lautet dann die Antwort der Frau nein, wird sie mit offenen Armen im Betrieb aufgenommen, erhält aber nicht die gleiche Ausbildung wie ein Mann, sondern nur eine eher rudimentäre. Auch in Japan ist man an dieser Stelle deutlich weiter.

Es gibt in Osaka und Kyoto entsprechende technische Schulen, die ungefähr dem Stand unserer polytechnischen Hochschulen entsprechen. Der Vorteil jener Schulen liegt darin, daß sie nicht nur normale schulische Standards vermitteln, sondern auch praktisches technisches Wissen. Also einen Werkunterricht anbieten, der den Namen auch verdient (und nicht einen, der nach deutschen Standards geführt wird, ohne entsprechende Maschinen). Die Zahl der jungen Frauen, die sich an solchen polytechnischen Hochschulen anmelden, nahm in den vergangenen Jahren in Japan deutlich zu, während in anderen hochindustrialisierten Staaten die Zahlen eher abnahmen.

Technik, vor allem Computerwesen, werden in vielen Industriestaaten madig gemacht, weil man dort die Frau wohl eher so sieht, wie es bereits im Islam der Fall ist: Als reine Gebärmaschine. Und wenn Frau nicht spurt, wird ihr einfach der Status in der Gesellschaft entzogen. Auch dies ist eine Beobachtung, die immer öfter zu machen ist. Frauen gelten in der westlichen Welt nicht mehr viel, wenn sich sogar die Bundesregierung genötigt sieht, nicht nur einen juristisch geltenden KiTa-Platz für Kleinkinder zu versprechen, im gleichen Atemzug jedoch eine Herdprämie für all jene Frauen einführt, die zwar eine gute Ausbildung besitzen, sich jedoch für ein Kind entschieden haben.

An dieser Stelle wird nämlich die gesamte Heuchelei sichtbar. Frauen gelten in dieser Gesellschaft nichts. Und die kleinen statistischen Ausreißer, wie wenn wieder einmal eine Muslimin ihr Abitur als Beste ihrer Klasse abschließt (so vor kurzem hier in Hessen an 3 Schulen geschehen), fallen nicht weiter ins Gewicht. Denn entweder sind die Ausreißer generell migrantiler Herkunft, oder aber gehören Volksgruppen an, die in der Gesellschaft eh nicht wohlgelitten sind. Sind sie dann auch noch weiblich, ist deren Abitur nicht einmal die Hälfte Wert, wenn es ein Mann geschrieben hätte. Und auch dies basiert inzwischen aus Beobachtung und wird durch die statistischen Zahlen nur noch belegt.

Wenn also Politiker eine Herdprämie einführen, bedeutet dies nur, daß das Ansehen der Frauen in der Gesellschaft noch ein wenig mehr in den Keller abgerutscht ist. Frauen sollen gefälligst daheim bleiben, Kinder gebären und nicht weiter den Arbeitsmarkt beeinflussen. Das Ergebnis kennen wir. Die gleiche faschistische Denkweise zeigte auch das Dritte Reich. Am Schluß waren es dann doch wieder Frauen, die in den Waffenfabriken unausgebildet am Fließband standen und die Bomben und Granaten für das Reich zusammendrehen mußten. Und dies zu Löhnen, die wir uns heute nicht einmal mehr getrauen, unseren Gastarbeitern zu gewähren.

Der Status der Frau in der Gesellschaft wurde nicht nur in den vergangenen 20 Jahren unterminiert, sondern bereits seit längerem. Die Entwicklung war vorherzusehen, nachdem die Industrie entdeckte, daß nach den geburtenstarken Jahrgängen vornehmlich Jahrgänge rein weiblicher Natur folgten. Und da die Industrie durch Lobbyisten immer gewappent ist, tat sie das einzig richtige: sie begann bei der Politik so etwas wie eine Herdprämie durchzusetzen, die nun letztlich heute auch gebilligt wurde. Zum Gesetz wurde. Es ist also nur noch eine Frage der Zeit, wenn in Demokratien Frauen eine vernünftige Ausbidlung verboten wird, weil der Staat sie viel lieber hinter dem heimischen Herd stehen sehen möchte.

Die Verbesserungen der letzten Jahre in diesem Bereich wurden systematisch abgebaut. Dies sollte einem Sorgen machen. Wir wissen nicht, was geschieht, wenn in unserer Gesellschaft zu viele Frauen zwar mit zum Teil sehr gutem Schulabschluß zu Hause sitzen müssen, weil der Staat ihnen eine entsprechende Ausbildung verweigert und sie stattdessen aufgerufen werden, Kinder zu gebären. Allein bei der deutschen Politik rechne ich täglich mit einer entsprechenden Anzeige aus dem Familien- und Jugendministerium.

0. Frau in der Gesellschaft
1. Gesellschaftlicher Aufstieg – Wer bezahlt den Preis?
2. Ausbildungsberufe, einmal anders
3. Eh(r)e und Familie – warum die Ansichten migranter Familien nicht schlecht sein können
4. Schulische Ausbildung kontra Herd
5. Der Beruf als Chance
6. Für verrückt erklärt (5 wunderbare juristisch greifbare Begründungen)!
7. Intersexuelle Frauen
8. Die Gesellschaft im Wandel der Zeit und der Status der Frau darin
9. Gefangene Hure oder Befreierin?

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