Es ga da doch vor kurzem diesen Skandal um diesen Herrn Mappus (vormals MP von BaWü) und um ein ziemlich großes Aktienportfolie eines Energieerzeugers. Es ist ja allgemein bekannt, daß Banken in diesem Land tun und lassen können, was sie wollen, ohne das die Politik ernsthaft dazwischen geht. Daß aber in diesem Zusammenhang wieder einmal die Bank Morgan Stanley auftaucht – die eine eigene Rating-Agentur unterhält, wenn die Aussagen bestimmter Senatoren stimmen – sollte einen dann schon stutzig machen.

Ok, Herr Mappus hat einige Mrd. versenkt. Nicht einmal mit bösem Willen versenkt, sondern einfach nur so versenkt, damit ein alter Schulfreund und Studienkollege weiterhin als Saubermann dasteht. Dagegen ist auch nichts einzuwenden, nicht einmal gegen diese Seilschaft von CDU & Bankenmafia. Wogegen man etwas einwenden sollte, wäre der Umstand, daß es ausgerechnet Herr Mappus war, der sich hier als wirtschaftspolitisch unerfahren outete.

Niemand sagt etwas dagegen, daß sein alter Schulfreund für ihn soufliert hat. Am Theater ist das statthaft. Dort braucht man einen guten Soufleur, damit das Stück so aufgeführt werden kann, wie es geschrieben wurde. Und nun macht alle Welt Herrn Mappus den Vorwurf, daß er sich eben souflieren ließ. Und nicht selbst die Argumente zusammen suchte, die er brauchte, um den Deal durchzuziehen.

Genau daraus dreht man ihm nun einen Strick. Dabei ist Herr Mappus unschuldig. Er hat sich beim soufliert werden erwischen lassen. Na und? Wenn dem sprechenden Hosenanzug dies passiert, kräht kein Hahn danach. Wenn der Papst sich souflieren läßt, um auf eine deutsche Satire-Zeitschrift loszugehen, lacht die Welt. Bei Herrn Mappus gab es schon vorher viel zu lachen, so wie er um Stuttgart21 gekämpft hat. Und nun diese Geschichte.

Nein, Herr Mappus ist nicht der Gute. Aber er ist auch nicht der Böse in diesem Stück deutscher Zeitgeschichte. Der Böse ist sein Bankierfreund. Der Böse ist der Konzern, der vorher die Anteile von EnBW hielt. Der Böse ist der Kanzler. Aber nicht Herr Mappus. Herr Mappus hat sich der Seilschaft schuldig gemacht. Aber ganz Deutschland hat es 16 Jahre lang nicht gestört, als Kanzler Kohl genau mit einer solchen Seilschaft ungestört regierte, bis er 1998 spürte, daß die Luft dünn wird. Daß man als Gottkaiser des Doofenplaneten nicht auftreten kann, ohne dabei noch den letzten Rest seiner Menschlichkeit zu verlieren. Also bekam der Jahrtausendkanzler mit einem Mal einen dementen Schub und nennt sich von da an Hase und trat zurück.

Und Herr Mappus? Der fädelte den Superdeal noch ein, bevor ihm klar wurde, daß er unter Umständen Dank seines Soufleurs doch Mist gebaut hat. Leider einige Stunden zu spät. Der Vertrag war schon unterschrieben. Mir stellt sich nun die Frage: Was ist daran so schlimm, wenn ein Bundeslandsministerpräsident Anteile an einem privaten Energieerzeugungsunternehmen rückkauft, um den Bürgern seines Landes wieder günstigen Strom anbieten zu können? Was ist daran so böse? Daß er von einem Bankier dabei gelinkt wurde? Oder der Umstand, daß er sich nicht neoliberal genug verhielt, weil er mit diesem Coup versuchte seine politische Karriere zu retten?

Wie üblich wird in diesem Land wieder mit zweierlei Maß gemessen, wie sollte es anders sein. Nun hängt die Staatsanwaltschaft an den Hacken des Herrn Mappus, der rein rechtlich gesehen, unschuldig zu nennen ist.  [Noch gilt in diesem Land die Unschuldsvermutung von Seitens der Justiz, es sei denn, man ist Prekärer, Arbeitsloser, LINKER oder Rechter.] Warum also dieses ganze Geschrei?

Herr Mappus, der nun wirklich nicht eben einer der sympathischsten ist, hat gezeigt, wie dumm CDU-Politiker sein können, wenn sie sich auf ihre Bankenfreunde verlassen. Selbst der sprechende Hosenanzug hat inzwischen Begriffsprobleme, weil ihr Freund, der Joe Ackermann, von seinem Posten als Chef der DEUTSCHEN BANK zurückgetreten ist und sich nun auf sein Altersruhegeld freut.

Zeigt dies nicht, daß die CDU immer noch eine ganze Menge zu lernen hat? Zeigt dies nicht, daß die CDU nur dann überleben kann, wenn sie vom neoliberalen Weg endlich abkommt und sich wieder auf ihre alten politischen Programme zurückerinnert, welche sie nach dem Krieg hatte? Sollte dies nämlich nicht der Fall sein, so gebietet es zumindest die Ganovenehre, daß man zugibt, was man falsch gemacht hat und zurück tritt. Und zwar, bevor deutsche Panzer durch Saudi-Arabien rollen.

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