Hier im Blog haben wir schon desöfteren das System des Tafel e.V. angeprangert und ein wenig offener unsere Meinung darüber kundgetan, als man es eigentlich gewohnt ist. Daß nun auch solche Blogs wie ad sinnistram (deutlich im liberalen Lager stehend) mit einem Mal in unser Wutgeheul über die Volksverarsche dort einstimmen, ist dann schon mehr als merkwürdig. Im Prinzip habe ich nichts gegen verlogene linksliberale Blogs, aber ich habe etwas gegen Blogger, die sich links nennen, dann aber rechten Proporz von sich geben. Das Blog ad sinnistram hat sich wie so viele andere angebliche linke Blogs inzwischen ins genaue Gegenteil verkehrt.

Mir geht es heute jedoch um die Tafeln. Ja, das ganze Tafelsystem. Wie gesagt, bestimmte Blogs greifen das Thema zwar auf, recherchieren aber entweder massivst unsauber oder gar nicht. Oben genanntes recherchiert gar nicht. Es ist ein Meinungsblog, keines, welches ernsthaft aufklären möchte. Leider! Doch bei den Tafeln sieht es genauso aus, wie beim Blog ad sinnistram. Man erzählt den Leuten das Eine, tut aber willentlich das genaue Gegenteil dessen, wessen man sich so rühmt.

Die Idee der Tafeln und des Tafel e.V. geht auf die New Yorker Beraterfirma McKinsey zurück. McKinsey erkannte bei der Menge an tagtäglich vernichteten Lebensmitteln allein in den USA, daß sich hier noch ein weiterer Markt öffnen ließe. Ein Markt, bei dem sich der Kunde einmal nicht gegen die miese Qualität der Ware wehren kann. Man sah in dieser Idee keine Abfallverwertung (wie in diversen anderen Blogs bereits beschrieben), sondern ganz ernsthaft eine moralinsaure gute Tat.

Nur wie das so mit guten Taten ist, sie werden einem selten angenehm vergolten. Das amerikanische Tafel-System füttert derzeit fast wieder so viele Menschen durch, wie die Suppenküchen während der großen Depression. Das McKinsey hier genaue Eckdaten zurückhält – die aber der britische Fernsehkoch Jamie Oliver einmal in einer seiner Reisesendungen öffentlich machte – ist deshalb verständlich, weil diese Beraterfirma in den USA so gut wie Jeden für das entsprechende Kleingeld berät und dabei neue neoliberale, stellenweise faschistische Ideen, entwickelt, wo man noch Absatzmärkte erobern kann.

Dies heißt jetzt nicht, daß es hier nur um die Schaffung eines weiteren Absatzmarktes geht. Die Geschichte der Tafeln ist eine Geschichte der Widersprüche und Mißverständnisse. Daß sich hier in Deutschland gezielt arbeitsscheue Berufspolitiker hierfür engagieren, ist deshalb kein Zufall oder so was, sondern von McKinsey so gewollt. Unter der Schirmherrschaft eines wohlwollenden, wohlhabenden, reichen Menschen, der in der Politik tätig ist, wirkt das Bild der Tafeln sofort anders. Nicht so abscheulich, wie es eigentlich sein sollte. Und daß sich unter dem Banner der Tafel-Vereine politische Vertreter jeglicher Strömung zusammenfinden, sollte einem gleichfalls zu denken geben.

Aber fangen wir am Anfang an, der bei vielen Blogs unter den Tisch gekehrt wird. Aus berechtigten Gründen, man will ja nicht als einer Derjenigen auffallen, die in der Vergangenheit (im Jahre 2005) das Tafel-System als neues, gutes, ja besseres, System über den Klee lobten. Und es gibt in der deutschen politischen Bloggerszene so einige Blogs, die sich in der Vergangenheit für die Tafel ihrer Kreisstadt stark machten. Ja, sogar in deren Unterstützervereine eintraten und gemeinnützige Arbeit leisteten. Alles ganz im Sinne der neoliberalen Beraterfirma McKinsey. Wenn es selbst tiefrote LINKE gutheißen, kann die Tafel nichts schlechtes sein.

Suppenküchen an für sich sind keine schlechte Erfindung. Sie sind vielleicht perfide, aber nicht bösartig von Natur aus. In Bahnhofsmissionen geht jeder gerne einmal Essen, wenn ihm das Geld fehlt, oder wenn er mal kein Dach über dem Kopf hat. Anders sieht es aus, wenn es um einen Besuch bei den Tafeln geht. Oft genug reicht das Geld vom Staat, welches man als Hartzer oder Sozialgeldempfänger bekommt, nicht einmal über die erste Woche, weil man noch Mietnebenkostennachzahlungen, Telefonrechnungen und anderes hat.

Doch bei den Tafeln ist dies anders. Hier ist es Pflicht, daß man seinen Sozialhilfe- oder Hartz-Bescheid vorweisen muß und man mit seiner Nummer registriert wird. Zusätzlich wird meist noch eine illegale Personalausweiskopie angefertig, oder dessen Daten einfach aus dem aktuellen Ausweis ausgelesen. Wenn man diese Tortur der Registrierung hinter sich hat, kommt der nächste Teil der Demütigung. Und zwar die Befragung. Man wird nicht nach dem gefragt, was man gerne haben möchte, sondern nach persönlichen Lebenszielen, Lebenssituation und sogar Krankheiten. Alles wird dann fein säuberlich in einer elektronischen Akte festgehalten. [Uns liegen nicht nur Aussagen aus Hessen über diese Vorgehensweise vor, sondern inzwischen aus acht Bundesländern. Überall der gleiche Registrierungs- und Ausschnüffelwahn.] Die sogenannten Schirmherren dieser Tafeln nun waschen ihre Hände in Unschuld und bezeugen bei Befragungen, daß sie von solchen Vorgängen nichts wüßten. Ja, diese nicht einmal dem normalen Procedere in einer Ausgabestelle entsprechen. Doch die Wahrheit sieht anders aus.

Doch noch sind wir nicht beim Schlimmsten angekommen. Leute regen sich darüber auf, daß Microsoft und Google ihre User bis auf die Knochen durchleuchten, Raster anlegen und ähnliches. Das genau dasselbe auch bei den Tafeln passiert und die Sozialämter und JobCenter von jenem Meldung darüber erhalten, wie viel und welche Waren sich Benutzer X hat aushändigen lassen, ist demnach kein Gerücht, sondern gleichfalls eine eiskalt servierte Wahrheit. Tafel-Nutzer werden schlimmer ausgeforscht als von der StaSi. Und wehe, eine Person holt bei der Tafel kurz nach Monatsbeginn für € 1 mehrere Tüten Lebensmittel ab, um für den Monat versorgt zu sein. [Aus Mannheim ist uns beispielsweise ein Fall bekannt geworden, wo ein Amt entscheidend in das Leben einer jungen Frau eingriff, die genau dies tat. Sie mußte sich nicht nur eine physiologische Untersuchung gefallen lassen – und zwar eine vollständige Examinierung – sondern auch noch eine psychologische, nachdem sie sich bei ihrer Tafel für mehrere Wochen mit Lebensmittel eingedeckt hatte, obwohl erst vier Tage vorher ihr Eckregelsatz ausgezahlt worden war.]

Doch dies sind Kleinigkeiten. Wenn nun einmal Firmen wie REWE oder ALDI Fleischwaren spendeten, die nicht sofort abliefen, sondern noch eine Mindesthaltbarkeitsdauer von vierzehn Tagen auswiesen, erreichten diese niemals den normalen Tafel-Kunden, sondern verschwanden auf halber Strecke von der Ausgabe des Supermarktes zum Lager der Tafel. [Auch hier sind uns mehr als genug Fälle von mindestens genauso vielen Tafeln bekannt. Ortsnamen nennen wir jedoch keine, weil jeder Tafel-Nutzer weiß, welche Tafeln hier genau gemeint sind.] Und diese Zustände sind bei allen Tafeln in diesem schönen Land normal. Wenn dort einmal Bratenfleisch landet, findet es niemals seinen Weg zum normalen Tafel-Nutzer, sondern verschwindet im Nirwana. Wortwörtlich. [Als zweites Extrem wurde uns bekannt, daß ungefähr 10kg guter Rinderbraten in einer Tafel unweit von uns hier – also im 75km-Radius – sprichwörtlich aus dem Transporter bei der Fahrt verschwanden. Laut Tachometer wurde jedoch kein Umweg gefahren. Das Fleisch löste sich einfach in Luft auf. – Interessant hierbei sollte sein, daß das Haus eines bekannten Landespolitikers auf der normalen Abholroute von diversen Supermärkten liegt. Laut unserer Recherche wurde bei dieser Geschichte auch auf höhere Anweisung hin gehandelt, also nicht auf eigene Faust.]

Die restlichen Lebensmittel, die sonst bei der Tafel landen, haben eine Mindesthaltbarkeitsdauer von nur noch wenigen Stunden und selbst Kühlware wird in den meisten Fällen nicht einmal gekühlt zwischengelagert, sondern einfach so in die Gänge oder Ausgaberäume eingestellt. Dies bekommt natürlich irischer Butter absolut nicht, die sehr schnell ranzig wird. Auch über Alpträume verursachende Joghurts wurde uns mehrfach berichtet. Joghurt, der bereits von alleine laufen konnte und solche Scherze. Also schlimmere Zustände als in einer Studenten-WG. [Insider werden den Scherz verstehen, der an dieser Stelle keiner ist.]

Auch anderweitig kann den Tafel-Betreibern ein eigenmächtiges Selbstbereichern nachgewiesen werden. Oft genug gibt es Gemüse vom Vortag, welches abgeholt werden kann. Von den bereitgestellten ca. 3 Tonnen an Frischgemüse kommen merkwürdigerweise bei den Tafeln immer nur Bruchstücke an. Ungefähr 300kg. Und meist in solch schlechter Qualität, daß diese sofort entsorgt werden müssen. Wo der Rest landet, darüber gibt es in einigen Bundesländern nur Gerüchte. Uns liegen verifizierte Beweise vor, daß damit Restaurants im Umland von Tafeln beliefert werden. Und die Tafel-Betreiber – vornehmlich die kirchlichen – sich damit ein sattes Zubrot verdienen, da die Ware immer noch gut genug zu sein scheint, daß sie professionelle Küchen verwerten können. Also wieder nichts für den einfachen normalen Bürger, der darauf angewiesen ist.

Wenn also sich angeblich links schimpfende Blogs darüber schimpfen, daß bei den Tafeln nur Müll feilgeboten wird, so mag das stimmen. Aber es wird nicht nachrecherchiert oder sich informiert, wo denn die noch guten Sachen wirklich landen. Daß bei einigen Tafeln ein Tofu-Gulasch als Mittagessen angeboten wird, ist ein offenes Geheimnis. Nur merkwürdigerweise steht auf dem Hinweisschild, daß es sich nicht um Tofu, sondern um echtes Fleisch handelt. Erst wenn man die erste Gabel im Mund hat, weiß man, auf welcher Pappe man da herumbeißt. Dies sind nur einige Beispiele.

Gleichzeitig werden Tafeln benutzt, um ein bestimmtes politisches Klischee verzweifelt aufrecht zu erhalten. Und zwar des volks- und bürgernahen, unpopulistischen liebenswürdigen Berufspolitikers oder Klerikers, der nur das Beste für seine, auch armen, Wähler im Sinn hat. Deshalb verwundert es nicht, daß in vielen Tafel-Vereinen gestandene FDP-Mitglieder sich um alles kümmern, während die meisten Mitarbeiter hinzuverdienende Hartzer als Ein-Euro-Jobber sind. Doch über diese Form der Ausbeutung regt sich wunderbarer Weise kein Widerstand. Wenn einer dieser Mitarbeiter etwas mitgehen läßt, erfolgt umgehend Anzeige bei der Polizei und dann fällt die Strafe meist härter aus als bei einem unterschlagenem Getränkebon.

Die Tafeln sind ein Beschiß von hinten nach vorne und zurück. Doch viele LINKE schwören auf das Tafel-System. Genauso wie viele Berufsbraunärsche dieses System sehr gut finden. Man meint in den Benutzern oder darauf Angewiesenen genau jene Art von Schmarotzer in unserem Land zu erkennen, die es schon einmal in den Untergang geführt haben. Also wird bei Parteiversammlungen dementsprechend Druck gemacht. [Und auch darüber haben wir beeidete Aussagen.] Welchem Sinn dienen also die Tafeln? Eindeutig nicht dem, der damit publik gemacht wird. Die Volkshilfe steht hier ganz hinten an. Hier geht es um Machtpolitik. Und um ein soziales Hintertürchen, welches aus einem gestandenen Nazi einen Ehrenmann macht. Oder aus einem katholischen Bischof einen Heiligen, weil er eine solche Tafel ermöglicht.

Deshalb, Leute, holt nichts bei Tafeln. Es ist keine Schande zu hungern. Aber es ist eine Schande, in der Zeit der modernen Armut nicht dazu zu stehen, daß man arm ist. Die Menschen respektieren einen mehr, wenn man dazu steht, daß man arm ist und noch genug Würde hat, niemals bei einer Tafel Zeug zu holen, welches eh ungenießbar ist. Die Tafeln unterhöhlen das soziale System in diesem Land, welches erfolgreich 2005 von einer aSPD-Bundesregierung abgeschafft wurde. Das Grundgesetz verbietet es uns heute sogar, die Parteien zu wählen, die den Sozialabbau erst richtig in die Wege geleitet haben. Unabhängig davon, daß die FDP zusätzlich ihren Vorteil daraus zog, daß sie den Prügelparagraphen §§ 31 SGB XII durchsetzte. Leute, wehrt euch. Kauft nichts bei Tafeln. Geht lieber auf den städtischen Markt und fragt kurz vor Marktende einen der dort stehenden Bauern, ob er euch etwas von seiner Restware überläßt, die er nicht mehr mit in seinen Hofladen nehmen möchte. Und ihr werdet sehen, ihr werdet etwas erhalten. Und zwar in besserer und genießbarer Qualität, als bei den Tafeln üblich. Leute, wehrt euch endlich. Und lest nicht mehr bei ad sinnistram, der verarscht euch auch nur.

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