Unser ehrenwerter Bundespräsident fordert es ein. Unser ehemaliger Papst forderte dies ein. Es soll endlich in diesem Land eine vernünftige Sexismus-Debatte stattfinden. Nur, wenn in diesem Land wirklich einmal ernsthaft über Sexismus debattiert werden soll, bekommen wir ein ernstes Problem. Von wem geht Sexismus heutzutage denn aus? Nur von den Männern? (In den Köpfen alter Männer wie Helmut Kohl bestimmt.) Oder doch eher von den Frauen?

Kann es nicht sein, daß die moderne Frau ernsthafte, echte Sympathie als Sexismus wahrnimmt, weil sie in einer konsumgesteuerten Umwelt zu leben gezwungen ist? Kommt es einer Frau wirklich nur wie Sexismus vor, weil wir in einer übersexualisierten unsensiblen Welt leben, die von Frauen kontrolliert wird?

Ist also von der Politik wirklich eine ernsthafte Debatte angestrebt, sollten erst einmal diese beiden Fragen zur Zufriedenheit aller abgeklärt werden, auch wenn die Antworten nicht gefallen werden. Machen sich Frauen zum Sexspielzeug oder werden sie dazu gemacht? [An dieser Stelle die Menschenrechtscharta bitte nicht vergessen.] Nun, diese zusätzliche Frage sollte ebenfalls erörtert werden.

Ich jedenfalls, für meine Person, stelle diese Fragen nicht nur, sondern möchte sie auch einmal unter einem gesellschaftspolitischen, sozialen Blickpunkt beantworten. [Und ich bin mir klar darüber, daß meine weitschweifenden Antworten Scheinemanzen nicht gefallen werden. Nur ist mir dies inzwischen egal. Es geht hierbei um die wahrhaftige Wahrnehmung des Problems. Nicht um seine Politisierung durch eine Handvoll alter Männer, die Angst vor einer bloßen Brust in der Straßenbahn haben.]

Wie nimmt die Frau sich selbst in unserer konsumorientierten Gesellschaft wahr?

Die meisten Frauen in unserer heutigen Gesellschaft möchten nicht ihrem eingeborenen Stand entsprechend durch die Gemeinde laufen, sondern in wirklich guten und schönen Kleidern (und auch Unterwäsche) durch die Gemeinde flanieren. Dies ist jedoch nur dann möglich, wenn diese Frauen einen Großteil ihres Lohn/Gehaltes in Bekleidung und Accessoires investieren, und dann direkt beim Essen bei der Person sparen.

Die moderne Frau nimmt sich bereits als willfähriges Opfer einer offensichtlich oberflächlichen Gesellschaft wahr. Nur dadurch läßt sich erklären, daß Frau immer öfter dadurch auffällt, in dem sie ihren Bekleidigungsstil bereits in jungen Jahren derart auf nuttig abändert, daß dies auffällt. Man kann also sagen, daß eine konsumorientierte Gesellschaft auch für die Frau selbst ihr Bild bestimmt, anstatt das Frau ihr Bild selbst bestimmt.

Solange die Gesellschaft Frauen generell als nuttig betrachtet, wird Frau sich auch nicht anders kleiden oder sich anders in der Gesellschaft aufführen. Unabhängig nun vom Alter. Auch Frauen um die 40 können heutzutage mit angepaßter Kleidung nuttig daher kommen, weil eben die Gesellschaft dies von Ihnen erwartet. Und Frauen erfüllen als Erste die Erwartungshaltung der Gesellschaft an sie. Frauen machen sich in einer konsumorientierten Gesellschaft, die sie noch gleichzeitig zur Arbeitsaufnahme zwingt, automatisch zum Opfer. So fühlen sie sich, und genauso kleiden sie sich dann auch.

Ist unsere Welt wirklich so unsensibel?

Obige Antwort bedeutet jetzt nun nicht, daß die Umwelt nicht in der Lage wäre, bestimmte Dinge so ungeschminkt wahrzunehmen, wie sie wirklich sind. Ja, unsere Welt ist unsensibel, wenn wir nur einmal auf die alltägliche Kriegsberichtserstattung schauen. In den Medien werden sehr gerne Bilder von abgerissenen Köpfen und anderen Gliedmaßen gezeigt. Gewalt und Brutalität sind für uns zum Standard geworden, gleichermaßen wie ein übermäßiger Sex oder sexualisierte Darstellung in einer gleichfalls aggressiven Werbung.

Dies hat direkt nun nichts mit Sensibilität zu tun – so scheint es jedenfalls. Nur diese Dauerberieselung mit erotischen und sexuellen Werbeinhalten sorgt nun einmal bei der etwas wohlhabenderen Klasse in unserer Gesellschaft, daß sie sich anmaßt, sich alles mit Jedem erlauben zu können. Die Folgen hiervon kennen wir: vergewaltigte oder über Monate mißbrauchte Aupair-Mädchen, oder eine Haushälterin, die für mehr als nur zum Putzen kommt. [Und an dieser Stelle sollte angemerkt werden, daß sowohl Haushaltshilfen als auch Aupair’s selten der Klasse angehören, in der sie in ihrer Zeit in diesem Land arbeiten. Es findet also ein genereller Mißbrauch der unteren Schichten unserer Gesellschaft statt.]

Man kann also durchaus beim Verhaltensmuster unserer weiblichen Bevölkerung ablesen, daß unsere Gesellschaft als Ganzes sich inzwischen in einen ziemlich unsensiblen Haufen verwandelt hat. Doch diese Unsensibilität geht in beide Richtungen. Frauen, die natürlich vorgeben, sensibler als Männer zu sein, sind deshalb auch empfänglicher für den Abbau an Empathie in der Gesellschaft. Dort, wo vor Jahren noch Toleranz, Akzeptanz und auch Stellenwertigkeit herrschte, ist heute nur noch blanke, kalte Wüste. Kein Wunder, daß Frau sich in ihrem Beruf bereits beginnt zu prostituieren. [Dies dann auf einen männlichen Sexismus minimieren zu wollen, wie es derzeit in der Debatte der Fall ist, erfüllt in meinen Augen von Seitens der daran beteiligten Politiker bereits den Tatbestand des Gesellschaftsverrats. Und dies wiegt schwerer als Landesverrat.]

Macht Frau sich zum Sexspielzeug?

Geht man nun den Urhebern dieser unseligen Debatte, wie sie bisher geführt wurde, auf den Grund, stellt man fest, daß diese Sexismus-Debatte bisher nicht nur falsch geführt wird, sondern auch vom falschen Blickwinkel aus. Deshalb ist die Antwort auf diese Frage hier besonders wichtig. Im modernen Berufsleben, welches eigentlich nur geschaffen wurde, weil eben bestimmte Kreise wirklichen Druck auf die Gesellschaft als Ganzes ausüben wollen, ist es ganz normal, daß Frau arbeiten geht. [Ich gehöre nun wirklich nicht zu denen, die die Frau an den Herd und in die Kindererziehung zurückbefehlen möchten. Aber unsere Arbeitslosenzahlen und Vermehrungsraten sähen anders aus, wenn mehr Frauen sich für Kind und Kegel, anstatt für die Karriere entschieden. Dann würde nämlich direkt aufgezeigt, wie verlogen das System wirklich ist, in dem wir gezwungen sind zu leben.]  Die Arbeitslosenzahlen in diesem Land sind nur deshalb so hoch – und deshalb von der Politik nicht verschmerzbar – weil man schon in der Schule Mädchen darauf drillst, später einmal im Berufsleben zu stehen.

Und sich im Zweifelsfall auch körperlich zu verkaufen, um angebliche Unabhängigkeit genießen zu können. Nur wo beginnt die Unabhängigkeit, wenn ich in einem Arbeitsverhältnis stehe? Wo ist meine Unabhängigkeit und Freiheit, wenn ich einem sich ständig wandelndem modischen Erscheinungsbild unterworfen bin? Wo bleibt meine Freiheit als Frau, wenn ich gezwungen bin, mich auch während der Arbeit zu prostituieren, damit ich meine Arbeitsstelle behalte? [Der Redaktion liegen beeidete Aussagen einiger junger Frauen aus inzwischen fünf hessischen mittleren Kreisstädten zu diesem Themenkomplex vor. Prostitution an der Arbeitsstelle wird heutzutage von jungen Frauen von Seitens ihrer Vorgesetzten wider das Arbeitsrecht standardisiert eingefordert.] Wo bleibt da also bitte schön die Offenheit zur Sexismusdebatte, wenn doch schon klar steht, daß junge Frauen nur aus einem Grund zur Arbeit geschickt werden, um sich körperlich und seelisch zu verkaufen?

Die Gesellschaft sorgt also mit ihrer Behandlung von Frauen generell dafür, daß sich jene letztendlich prostituieren. Noch bevor diese Sexismusdebatte angestoßen wurde, hatte dieses Blog über diesen Themenkreis bereits berichtet und wir wurden als verlogen und falsch bezeichnet, weil wir die Details über die uns bekannten Fälle nach wie vor nicht veröffentlich haben. Es ist jedoch so, daß es eben die Gesellschaft ist, die einerseits den Sexismus in sich selbst anprangert, andererseits jedoch diesen gnadenlos weiterhin via Werbung und sexualisierte Nachrichten weiter fördert. Frauen werden also von der Gesellschaft zu Sexspielzeugen degradiert und sie fühlen sich in diesem Rollenbild auch wohl. Dabei ist irrelevant, wie die Einzelne dazu steht, daß sie gezwungen ist, ihrem Chef regelmäßig den Schwanz zu blasen, nur um ihren Job nicht zu verlieren. [Hierzu liegt uns inzwischen sogar eine Aussage aus Heilbronn vor.] Nicht die Frau macht sich freiwillig zum Sexspielzeug, sondern die Gesellschaft, die in sich selbst verlogen ist bis ins Mark, trägt dafür Sorge. Bestritten wird dies von der Gesellschaft ironischerweise nicht. Nur tut es angeblich auch Niemand.

Von wem geht Sexismus wirklich aus?

Die Antwort liegt auf der Hand. Nur von der Gesellschaft, die die Frau auch heute noch als Mensch 2. Klasse ansieht. Die Frau hat Sexspielzeug zu sein, sich nur um Haus, Küche und Kinder zu kümmern. Dieses Bild ist nach wie vor nicht aus den Köpfen der Menschen verschwunden. Klar, es hätte Vorteile für alle, wenn Frau nicht außerhalb des Hauses arbeitet – und es hätte auch gewaltige Vorteile für die Gesellschaft selbst.

Doch in modernen Zeiten ist es nun einmal so, daß der Mensch sich als Spezies weiter entwickelt und Frauen ebenfalls in Berufen Fuß fassen können. Es ist demnach also keine Pflicht, sich an Haus, Küche und Kinder zu binden, sondern dabei auch noch zu arbeiten. Doch gibt es in unserer Gesellschaft nach wie vor nicht das Bild des liebevollen Hausmannes, der sich um Haus, Küche und Kinder kümmert. Im Gegenteil, solche guten Männer werden in unserer Gesellschaft verlacht und als Schwächlinge angesehen. Die Frau soll diese Doppelbelastung von Familie und Beruf ertragen, mehr arbeiten als es ein Mann tut und dafür noch unterbezahlt werden. Von gesellschaftlicher Gleichstellung ist hier keine Spur. Und dies, obwohl dies auch in der Menschenrechtscharta zugesichert wird. Wo liegt hier also das Problem wirklich? Die Gesellschaft setzt sich aus Männern, Frauen und einem bestimmten Gedankenbild von der Gesellschaft selbst zusammen. Viele Ansichten in diesen modernen Zeiten sind noch archaisch geprägt. Der Sexismus ist Dank der Werbung kein offenkundiges, offensichtliches, Problem mehr, sondern eher ein verstecktes, basiert der Sexismus auf einer altvorderen Denkweise, die die Frau nach wie vor am liebsten im Haus, am Herd und in der Kinderbetreuung sieht.

Sexismus ist kein gesellschaftliches Problem. Nicht einmal im Ansatz. Es ist ein Problem der Kollission von alter und moderner Denkweise. Sexismus kann nur dort gedeihen, wo Frauen bereitwillig auf ihre Menschenwürde verzichten und sich lieber für eine scheinbar gute Karriere prostituieren, anstatt selbstbewußt aufzutreten. Sexismus ist auch so gesehen nichts negatives. Aber durch das Scheinemanzentum, durch diesen Scheinfeminismus, der heutzutage die Frau erfaßt hat und der sie unbedingt ins Arbeitsleben prügeln möchte, bedingt. Sexismus muß nicht debattiert werden, er muß aufgelöst werden. Dies geht nur dadurch, wenn wir in unserer Gesellschaft nicht nur den Neoliberalismus und die Vorherrschaft des Kapitalismus über Bord werfen und den Menschenrechten unterordnen. Bleibt unsere Gesellschaft konsumorientiert, wird auch der Sexismus schlimmer werden, dann gelten Menschenrechte, auch die der Frau, absolut nichts.

Ich gehe jetzt nicht davon aus, daß meine Antworten auf diese Fragen wirklich so verstanden werden, wie man sie verstehen sollte. Andererseits sollte aber bekannt sein, wie die Politik zu dem Thema Sex und Sexismus wirklich steht. Und das der Bürger allein schon auf diesem Gebiet von einer Klasse in unserer Gesellschaft chronisch belogen wird, die Prostitution via Gesetz aus der verbotenen Grauzone holte, dennoch den dort arbeitenden Frauen bis heute keine ernsthafte lebenswerte Rente zusichert.

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