Dachse sind ja solche Tiere. Man weiß nie, was sie denken, oder was sie als Nächstes anzustellen gedenken. Aber eines ist beim Dax in jedem Fall klar, er ist unberechenbar, wenn die Gier wieder einmal seinen Zügel führt. Gier? Von was schreibe ich hier? Wenn er wieder einmal von unmenschlichem Egoismus geleitet wird.

Als ob die vielen finanziellen Kollabse in den vergangenen 15 Jahren noch nicht ausgereicht hätten – einmal ganz davon abgesehen, daß die Springer-Presse alles ins negativ schreibt, welches auch nur im Ansatz den Reichtum ihrer Besitzerin gefährden könnte – scheint der deutsche Aktienindex nichts dazu gelernt zu haben. In Singapur ruinierte einst ein britischer Banker eines dortigen Bankhauses den kompletten Wirtschaftsflow des Landes, weil er ungefähr 40 Mrd. US$ in den Sand setzte. Nicht mutwillig, sondern weil er bereit war, ein Risiko zu tragen, was sogar noch vertretbar war, weil damals – in diesem Fall – die Ausfallrate weniger als 20% betrug.

Doch die Geschichte lehrt uns besonders im Falle von Singapur, daß der Stand des landeseigenen Aktienindex relativ schnurz ist. Es findet sich immer ein Idiot, der zuviel riskiert. Besagter britischer Banker wurde dann auch zuerst in Singapur zu ungefähr 60 Jahren Gefängnis verurteilt, und dann später noch einmal in London zu weiteren 50 Jahren. Abbrummen mußte er die Strafe dennoch nicht, mit seinen Boni, die er in den fünf guten Jahren vor der Katastrophe erwirtschaftet hatte, kaufte er sich eine Insel im chinesischen Meer, ein Haufen süßer Mädels noch dazu und seitdem lebt er dort im selbstgewählten Reichen-Exil. Und mit dem Damokles-Schwert über seinem Kopf, daß jederzeit entweder die singapurische oder die britische Regierung auf die Idee kommen könnten, ihn – den heute 45jährigen – die 110 Jahre Knast tatsächlich absitzen zu lassen.

Doch wenn nun vergangene Woche vermeldet wurde, daß der deutsche Dax endlich die 8000 Punkte-Marke geknackt hat, frage ich mich echt, ob wirklich Niemand etwas aus den bisherigen überheizten Aktiencrashs gelernt hat, die es in den letzten 20 Jahren laufend gab. Kritische Zeitungen – duMont und Springer-Presse – lassen hier verlauten, daß die EZB eh alles falsch macht und der Markt ganz einfach mit zuviel leicht verzinstem Geld überzeichnet und deshalb in Gefahr sei. Die gleichen Zeitungen behaupten auch dreist, daß die Methoden des EZB-Chefs Draghi für Deutschland und den T€Uro schädlich seien. [Gleichzeitig wird aber eine konservative Weltsicht breitgetreten, daß man am liebsten Kotzen möchte, weil die Zeitungen in den Jahren 1929 bis 1934 genau den gleichen Müll betreffs den Aktienhandel/markt schrieben.]

Nun soll also der Dachs heiß laufen, weil ein gewisser Direktor Draghi nicht nur keine Ahnung von Wirtschaft im Allgemeinen, sondern von Weltwirtschaft im Besonderen keinerlei Ahnung hat und sein zusätzliches Anwerfen der Druckerpresse für den T€Uro eh nur einen Anstieg der Inflationsrate auf über 60% bringen würde. Woraus man denn schließen könne, daß der derzeit auf 8000 Punkten stehende Dax chronisch nicht nur überzeichnet, sondern überbewertet sei, weil sich eben zuviel Geld auf dem Aktienmarkt befände. [O-Ton WELT.] Als einzige geeignete Maßnahme, den überzeichneten und überheizten Aktienmarkt wieder in den Griff zu bekommen, empfiehlt übrigens ein altbekanntes Wirtschaftsgenie aus der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG, daß man sämtliche Kleinanleger enteignen sollte – zumindest, was ihre Aktienportfolios beträfe. Und gleichzeitig heulen beide herum, daß Direktor Draghi in der EZB eigentlich so gut wie alles falsch macht, was man denn nur falsch machen könnte. Interessanterweise hält sich das Hausblatt der DEUTSCHEN BANK, die BLÖD, deutlich zurück und vermeldete heute morgen nichts von einem überhitzten Aktienmarkt. Anscheinend ist man dort immer noch mit Hetzartikeln gegen Hartzer und Sozialgeldempfängern beschäftigt.

Jedenfalls steht fest, daß ein Aktienindex nur dann als heiß zu bezeichnen ist, wenn die falschen Leute zuviel ihres unrechtmäßig erworbenen Geldes dort reinstecken. So wie in Singapur, wo es ja für den entsprechenden Bankmitarbeiter auch keine weiteren Konsequenzen außer einem lebenslangen Exil auf einer eigenen Insel nach sich zog. Übrigens eine Lebensweise, der sich viele unserer faulen Berufspolitiker in diesem Lande anschließen sollten, falls sie nicht zu guter Letzt doch noch Opfer der selbstgeschaffenen braunen Brut werden wollen.

Womit wir nun beim ernsthaften Thema angekommen wären. Der Dax kann schon einmal nicht überzeichnet sein, weil sich derzeit so viel Geld in der €U befindet, wie noch niemals zuvor. Beim aktuellen Umrechnungskurs auf Yen, Dollar und Pfund steht der T€Uro übrigens weiterhin immer noch mit 0,8% besser da als vorgenannte Währungen. Und dies nur beim ungefähren Umtauschkurs bei Entstehung dieses Artikels.

Doch Devisenkurse gibt es nur mit dem Ausland, und alles innerhalb der €U gilt heutzutage nicht mehr als Ausland. Dafür haben die rechten Politiker in aSPD/CDU/FDP/GRÜNE gesorgt. Nur? Wer ist dann der Feind? EZB-Direktor Draghi, der mit seiner Arbeitsweise einige zehntausend Arbeitsplätze in diesem Land abseits des Nürnberger Amtes für Arbeitsfragen am funktionieren hält, oder doch eher eine Politik, die denkt, das Leben seiner Bürger ständig derart reglementieren zu müssen, daß diesem nicht einmal mehr Luft zum Atmen bleibt.

Auf welchen Werten hat denn der Dachs eigentlich zugelegt? Mehr um die Hüfte, oder doch eher im Bauchbereich? Oder gar bei den neuen Techniken? Nichts von alle dem. Der Dax fraß sich vornehmlich Pfunde bei den Standardwerten an. Mit einem Mal sind die benzinfressenden, schweren deutschen Automobile im Dax wieder etwas Wert. Und dementsprechend werden dann die im Handel befindlichen Aktien dann gezeichnet. Schlimmer noch, irgendein Idiot aus Hongkong kauft derzeit größere Mengen von Daimler Benz-Optionsscheinen. Und zwar kauft er Kontingente um die 100.000 Exemplare. Und dies selbst bei steigendem Kurs. [Und diese Info entnahmen wir der Zeitung, haben wir nicht von einem Insider der Frankfurter Börse.]

Warum läuft sich der Dax also nun heiß? Nicht, weil er überzeichnet wird, sondern weil irgendjemand von deutschen Firmen in bedeutendem Maße Optionsscheine aufkauft. Selbst von Aktien, von denen man sicher weiß, daß diese Aktien niemals in den freien Verkauf gelangen werden. Daß gleichzeitig dann auch noch die Metallwerte anzogen, als Thyssen seinen Aufsichtsratsvorsitzenden verlor, verwundert da nicht weiter. Es ist jedoch nicht nur die Autoindustrie, sondern auch die in Deutschland nicht mehr existente Solarindustrie – die soweit als AG vorhanden – Aktien zum Verkauf stellt. Auch diese Aktien werden wie blöd derzeit aufgekauft, als gäbe es kein Morgen mehr. [Der hierbei prognostizierte Aktiengewinn, sowie die sonst dafür üblichen Steuern, fallen hoch genug aus, daß sich jemand im Finanzministerium freuen darf. Andererseits, ist es schon bedenklich, wenn Aktien von Wirtschaftsbereichen en gros aufgekauft werden, die eigentlich so weit in diesem Land keine Bewandtnis mehr haben. Das gleiche Spiel war übrigens auch bei dem Joint Venture mit China den Transrapid betreffend zu beobachten. Auch vor diesem Supergeschäft kaufte jemand aus Südostasien im sehr großen Stil Tonnen von Siemens-Aktien auf. Und die Bundesregierung hielt dies in der Öffentlichkeit zurück, weil sie keinen Aktiencrash riskieren wollte.]

Läuft sich deshalb der Dachs wirklich heiß? Ich glaube nicht. Das Durchbrechen der 8000er-Marke sollte uns nur daran erinnern, wie sehr man 2005 (kurz nach Einführung des Hartz-Ungerechtigkeitssozialsystem in diesem Land) sich freute, als damals der Dax auf seine gewohnte Marke über 7000 Punkte wieder zurückkehrte. Mit einem Mal bekam die deutsche Wirtschaft wieder Auftrieb, weil mit einem Mal dieses Land den größten Billiglohnsektor auf der Welt zur Verfügung stellen konnte. Was leider nicht so recht gelang, weil es ja immer noch einige Gewerkschaften gibt, die nicht so einfach bereit sind, Arbeitnehmerrechte so einfach aufzugeben.

Vielmehr stellt sich mir die Frage, wer die Damen und Herren sind, die schon seit 5 Jahren an der Krise gewinnen. Die trotz oder womöglich wegen der Krise in diesem Land hier weiterhin riesenhafte finanzielle Gewinne einfahren und sich nicht scheuen, mit ihrem Reichtum zu protzen. Laut der aktuellen FORBES-Liste treiben sich nun in Deutschland nicht mehr 48 Supermilliardäre herum, sondern mittlerweile 65. Mit steigender Tendenz. Die Frage stellt sich also, wo kommt deren Vermögen her, und wieso schaffen es immer mehr Deutsche – allen voran Frau Springer – global als Milliardäre geführt zu werden, während doch bei ihrem Finanzamt sie nur als einfache Millionäre geführt werden. Und einfache Millionäre zahlen nun einmal nicht so viel Steuern wie im Vergleich dazu der einfache Arbeitnehmer.

Auf dessen Schultern übrigens dieser Kampf ums heiße Geld wieder einmal ausgetragen wird. Um es ehrlich zu sagen: Der einfache Arbeiter kann sich heute nicht mehr darauf verlassen, beim in Rente gehen von seinem Arbeitgeber ein Aktienportfolie mit 20 Aktien zu erhalten. Vor 30 Jahren war dies noch an der Tagesordnung und die Aktiendividende band dann auch Mitarbeiter nach ihrem Ausscheiden primär und direkt an ihren alten Arbeitgeber, so daß viele Schweinereien, die während der Lebensarbeitszeit beobachtet wurden, niemals an die Öffentlichkeit kamen. [Siehe hierzu die Causa Merck, die hierbei einige schöne Überraschungen bietet.] Aber angeblich läuft der Dachs heiß, und die Aktienmärkte seien wegen der Unfähigkeit von EZB-Direktor Draghi chronisch überzeichnet, weil jener in mindestens 3 €U-Mitgliedsstaaten die Druckerpressen hat anwerfen lassen. Und der kleine Arbeiter soll dann – laut der oben genannten Zeitungen – wieder einmal die Rechnung begleichen. Nun, dies würde er, wenn Herr Draghi die Druckerpressen in zumindest einem €U-Mitgliedsland nicht angeworfen hätte.

Der Dax läuft heiß, weil die Reichen und Schönen und Wohlhabenden dies gerne hätten. Dies vertreibt Kleinanleger von ihrer Spielwiese und die Gewinner fallen noch massiger aus, als sie es so schon tun. Mit anderen Worten: Liefe der Dax heiß, wäre das deutsche Volk das letzte, welches davon erführe!  Man setzt diese Legende nur in die Welt, weil man den Aktienmarkt für sich behalten will. Interessant hierbei ist, daß die Neiddebatte grundsätzlich von den Reichen und Wohlhabenden gegen den einfachen Arbeiter ausging, niemals umgekehrt. Auch dies hängt mit dem aktuellen Aktienkurs zusammen. Ist die Neiddebatte nämlich wieder einmal richtig fett am kochen, investieren die Reichen gerne ihre ergaunerte Kohle in sauberen Aktien, um sie zu waschen. Und bei Aktienkäufen über € 20.000 greift nicht einmal das Geldwäschegesetz, jenes wird nur aktiv, wenn man eine solche Summe von einem Drittkonto auf sein Eigenes transferiert. Die Neiddebatte ist demnach auch nicht mehr als eine weitere Nebelkerze des Aktienmarkts, um zu verhindern, daß Kleinanleger zu ihren Rechten und ihrer Dividende kommen.

Der Dachs läuft demnach also nicht heiß, sondern schlendert gemächlich und vollgefressen auf die nächste höhere Marke zu, die es in diesem Jahrhundert noch zu knacken gilt. Die 9000er-Marke wird dann jenen Moment kurz vor dem allgemeinen Crash bezeichnen, bei dem viele kleinere Aktienfirmen dann zerschlagen und von den größeren Aktienmolochen geschluckt werden. Es wird wieder Arbeitslose geben, die den Aktienwert wieder pushen werden. Und die Kleinanleger werden wieder einmal so gut wie alles verlieren, während die Reichen noch reicher werden, weil deren Aktienportfolios gespenstigerweise größer werden, weil die Firmen, in die sie investieren jene aufkaufen, die sich nicht mehr im Aktienmarkt halten können. Konzerne werden wachsen, genauso wie die Kontostände jener, die nicht auf ehrliche Weise an ihren Reichtum kamen. Der Dachs läuft sich wirklich nicht heiß, sondern friert bereits bei seinem Herumgestolpere im Laufrad. UND DIES … sollte uns sorgen machen.

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