Wir haben ja in der Vergangenheit schon des Öfteren über Religion an sich, und über den Katholizismus im Besonderen berichtet. Daran wird sich auch in absehbarer Zeit nichts ändern. Nicht einmal die Hexenjagd auf Tebart-van-Elst ändert hier unsere generelle Meinung über Religion an sich (und über das Christentum im Besonderen). Doch auch wenn unser Team hier als gläubige Christen aufgewachsen ist und dementsprechend erzogen wurde, heißt dies nicht, daß wir trotzdem nicht entsprechend kritisch mit dem Thema sind.

Der scheinbare Skandal um das Bistum Limburg hat unsere Redaktion zu Recht massivst amüsiert. Es liegt deutlich kein Geldmißbrauch oder ein anderes schwerwiegendes Verbrechen vor. Daß sich nun jedoch alle Welt auf Bischof Tebart-van-Elst einschießt und denkt, ihn maßregeln zu dürfen (sie dürfen es nicht), entbehrt nicht einer gewissen Ironie. [Ok, Kirchenobere und Ironie sind zwei Dinge, die sich schon einmal strategisch ausschließen dürften.]

Kritisch wird es jedoch, wenn diese Hetzjagd nun darauf abzielt, daß ein ganz und gar anständiger Bischof abgesägt werden soll, nur weil es einigen nationaltickenden Mitbürgern nicht gefällt. Nur im Gegensatz zum Bistum Fulda, wo ein deutlich im Amt unfähiger Bischof hockt und es einfach nicht geschafft bekommt, den FSSPX in die Flucht zu schlagen, hat Bischof Tebart-van-Elst in seinem Heimatbistum eine ganze Menge unternommen.

In gebildeten Kreisen gilt der Bischof als Wohltäter. Und dies in mehrfacher Hinsicht! Bischof Tebart-van-Elst kann man viel vorwerfen, nur sollte man damit rechnen, daß jetzt bereits die Mehrzahl der gegen ihn erhobenen Vorwürfe deutlich von einer gewissen Realitätsferne zeugen. Das Bistum Limburg ist in ganz Hessen noch das einzige Bistum, welches sich gegen die Existenz einer Tafel ausspricht. Ok, im Bistum gibt es einige. Aber keine davon wird von der katholischen Kirche des Bistums subventioniert, geschweige denn geduldet. Die Tafeln existieren zwar, aber Bischof Tebart-van-Elst hat sich schon zu deren Gründung eindeutig gegen sie ausgesprochen und immer davon gepredigt, daß Nächstenliebe nicht über die Weitergabe abgelaufener Lebensmittel definiert werden kann.

Dies hatte natürlich von Anfang an zur Folge, daß er bei einigen bischöflichen Kollegen damit unbeliebt wurde. Was heißt hier unbeliebt? Man nahm ihn da schon als Stachel im Fleisch der Selbstgefälligkeit wahr. Woran das genau lag? Ein Bischof, der ansonsten wenig auffällt, es aber fertig bringt, daß es in seinem Bistum nach wie vor Armenspeisungen gibt und nicht nur die normale Weitergabe von Kollektengeldern, wie in den anderen hessischen Bistümern üblich, macht sich damit automatisch unbeliebt. Und noch unbeliebter wird, wenn er offen in seinen Predigten den inzwischen weitgehend abgebauten Sozialstaat attackiert und auf eine faire und anständige Behandlung der von der Gesellschaft Verstoßenen plädiert.

Natürlich ist Bischof Tebart-van-Elst genauso wenig ein Heiliger wie andere Bischöfe. Aber er sieht sich selbst als rechtstreuer Bürger und bisher gab es keinen Grund, hieran zu zweifeln. Doch mit einem Mal wird ihm der Bau des neuen Bischofssitz zum Vorwurf gemacht, obwohl sowohl der Mainzer, als auch der Kölner Bischof in deutlich prunkvolleren Bauten residieren und sich aufführen, als gehöre Ihnen ihre Stadt immer noch. [Als hätte quasi der dort vorhandene Oberbürgermeister nichts zu melden.] Ganz besonders am Bistum Mainz und dem Gebaren des dortigen Bischofs sollte man einmal den Umstand des persönlichen Machtmißbrauches messen.

Bischof Tebart-van-Elst beispielsweise hat in seinem Bistum niemals Priester geduldet, die den Vorwurf des sexuellen Kindesmißbrauchs in ihrer Akte trugen. Er hat persönlich durchgegriffen und sogar via seines Dekans dafür gesorgt, daß solche Fälle grundsätzlich bei der Polizei landeten und die entsprechenden Priester ihres Amtes enthoben wurden. Er deckte solche Verbrecher nicht. Anders Mainz, anders Fulda, anders Köln.

Das Bistum Limburg ist in dieser Hinsicht wirklich sauber. Des Weiteren sorgte Bischof Tebart-van-Elst dafür, daß gewisse Unregelmäßigkeiten bei ihm nicht stattfanden. Zwar kämpft er auf kommunaler Ebene nicht nur mit den einzelnen Parteien in seinem Bistum, sondern auch mit der FSSPX, der er so gut wie nichts durchgehen läßt. Selbst nachdem der letzte Papst diese Möchtegernglaubensgemeinschaft dummer Faschisten wieder in die Kirche zurückholte, blieb er kritisch und untersagte ihr weitere Aktivitäten in seinem Bistum. Bistum Fulda jedoch stellte nach der Wiederaufnahme dieses Faschistentrupps jegliche bekämpfende Maßnahme sofort ein.

Würde man im Fall der angeblichen Geldverschwendung in diesem Falle wirklich durchgreifen, geschähe dies eindeutig aus dem falschen Grund. Der Bischof ist unschuldig. Eher im Gegenteil. Er tat nur seine Pflicht, veruntreute für den Bau des neuen Bischofssitzes nicht einmal Geld, sondern sparte für die Zukunft, in dem er nur hochwertige Materialien verwenden ließ. Dieser Bischofssitz sollte in diesem Zustand wohl die kommenden zwei Jahrhunderte weitgehend ohne größeren Schaden überstehen. Er schuf also etwas für die Zukunft, hochwertig und sicher gebaut. Und der alte Bischofssitz ist wirklich nun einmal Ort, der dringend einer größeren Renovation bedürfte, wenn er denn renovierungsfähig gewesen wäre. So war der Neubau eines Bischofsitzes unweit des Limburger Doms die deutlich billigere Alternative. Zudem ließ er auf Kirchengrund bauen, kaufte also nicht einmal neue Parzellen dazu, wie es der Bischof von Mainz tat, um die stadteigene Tafel etablieren zu können.

Wer hat hier also Verschwendung und Machtmißbrauch betrieben?

Bischof Tebart-van-Elst sollte im Amt verbleiben. Rein technisch gesehen hat er sich nichts zu Schulden kommen lassen, auch wenn viele Kirchenhasser dies so gerne formulieren. Worin soll denn sein Verbrechen bestanden haben? Daß er für die Kirche und seinem Nachfolger als Bischof einen Bischofssitz schaffen ließ, der es wirklich Wert ist, so genannt zu werden? Zöllitschs Aufruf, daß sich die deutschen Bischöfe in Mäßigung üben sollten, ist in diesem Fall dem wirklich Gläubigen gegenüber nicht mehr als blanker Hohn, Zynismus und Verrat.

Schaut man sich einmal die Bischofssitze anderer Bistümer an, erschreckt man sich zu Tode. Das Bistum Freising unten bei München ist mit einem solchen Prunkbau gesegnet, daß der dortige Kardinal kaum in der Lage ist, die Unterhaltskosten vernünftig zu regeln und sich deshalb regelmäßig verschulden muß. Köln ist keinen Deut besser. Auch dort liegen die Unterhaltskosten wegen des Alters des Bischofssitzes so hoch, daß man in den katholischen Kölner Kliniken nicht einmal mehr einem Vergewaltigungsopfer die Pille danach gewähren kann! Und in diesem Tempo geht es bundesweit weiter. Überall, wo sich nun Kollegen des Bischofs Tebart-van-Elst darüber mokieren, daß er doch angeblich für seinen Bischofssitz soviel Geld hinausgeworfen hat, sollten sich erst einmal an die eigene Nase fassen. Unterläge das Bistum Limburg nicht der kardinalen Oberaufsicht, würden dort die Angestellten der dortigen Krankenhäuser und Altenheimer bestimmt besser bezahlt. Geld besitzt das Bistum ja im Überschwang. Und der neue Bischofssitz wurde rein technisch gesehen nur mit den Zinsen der vorhandenen Gelder finanziert und nicht, weil man irgendwo Geld unterschlug, abzweigte oder es aus „schwarzen“ Kassen nahm.

So sehr die Blogredaktion auch gegen Religion jeglicher Art eingestellt ist, so sehr ergreifen wir in diesem Fall Partei für den vor der Verteibung stehenden Bischof von Limburg. Er hat sich nichts zuschulden kommen lassen. Außer vielleicht, daß er sich nie an den Haßtiraden seiner Kollegen untereinander und dem dort herrschenden Filz beteiligte, sondern seine Arbeit als Bistumsführer machte. Soll er nun deshalb, weil er durch und durch ein anständiger Mann ist, seines Amtes enthoben werden?

Wenn dies der Fall sein sollte, beweist das Christentum einmal mehr, daß es die falsche Religion ist. Niemand hat etwas dagegen, daß Dome und andere religiöse Zweckbauten gebaut werden. Niemand hat auch im Prinzip nichts dagegen, wenn ein Bischofssitz wie ein solcher aussieht und nicht wie eine grade einmal am Zusammenfallen gehinderte Ruine. [Siehe Bistum Köln.] Nur wenn nun gegen einen wirklich guten Bischof mit Rufmord, übler Nachrede und schlimmeren, reagiert wird, bedeutet dies nur einmal mehr, daß die deutschen Bistümer anscheinend nur noch aus Selbstzweck bestehen, und nicht, um den Gläubigen einen guten Hafen zu geben.

Sobald die Tiara eines Bischofs nur noch dem Selbstzweck des Trägers dient, ist es eh mit all dem Prunk und der Herrlichkeit vorbei. Andere Bischöfe versetzen Priester, die sich des sexuellen Kindesmißbrauch schuldig gemacht haben, dann mit Absicht in kleinere bäuerliche Gemeinden, weil dort sogar die Inzucht in der Familie bleibt und sich im Prinzip keiner daran stört, wenn der Gemeindepfarrer mal wieder über ein Kind herfällt und es mißbraucht. Aber wenn Bischöfe dies mit Absicht der Strafvereitelung tun (siehe hierzu die Bistümer Trier, Mainz, Fulda, Köln, Hannover, Freising und noch einige Andere), dann muß man sich Sorgen machen. Nach Kirchenrecht hat Tebart-van-Elst richtig gehandelt. Ob es auch menschlich richtig war und ihm nun Prunk- und Verschwendungssucht vorgeworfen werden kann, steht auf einem anderen Blatt.

Fest steht, der Limburger Bischof ist in unseren Augen unschuldig. Und wenn diese Hexenjagd auf seine Person so weiter geht, und dabei ins Vergessen gerät, was er für die Armen in seinem Bistum wirklich aktiv tut, dann muß ich sagen, hat die römisch-katholische Kirche nicht mehr als den Untergang verdient. Denn eine Kirche, die nur von bösartigen, alten Männern, die in Tuntengarderobe durch die Gemeinde jagen, geleitet wird, ist keine Kirche mehr, sondern nur noch eine dreckige Farce, die es zu vernichten lohnt. Der Glaube in diesem Land hat einen schweren Stand, weil immer mehr Menschen erkennen müssen, daß der Glaube an den Einen Gott, eines Gottes, der Haß, Zwietracht und Neid unter den Menschen sät, ein falscher Glaube ist. Die Kirche sollte sich zusammenreißen und Bischof Tebart-van-Elst für seine gute Arbeit belobigen. Eine Abberufung aus dem Amt würde nur beweisen, daß sich die Kirche selbst überlebt hat und daß sie in diesem Land unnütz geworden ist. Und dies könnte dem globalen Katholizismus mehr Schaden als ein einzelner Bischof, der einen vernünftigen modernen Bischofssitz erbauen ließ.

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