[Ein Zuckerschlecken im Einzelfall?]

An dieser Stelle möchte die Redaktion darauf hinweisen, daß es nicht in unserem Interesse liegt, Flüchtlinge gegen Obdachlose, oder umgekehrt, auszuspielen, sondern einfach nur einmal eine kleine Auflistung vorzulegen, wie mit mehrerlei Maß in diesem Land mit dem Menschen umgegangen wird. Vorausschickend möchten wir auch erklären, daß viele deutsche Obdachlose jegliche Hilfe von Seitens der Ämter oder Privatpersonen begründet ablehnen. Zu viele schlechte Erfahrungen bilden hier den Hintergrund.

Aber seien wir einmal ehrlich: In diesem Land spielt vor allem die kommunale Politik gerne Flüchtlinge gegen Obdachlose aus, weil nur so der Machterhalt gesichert ist. Schlimmstes, und vor allem neoliberalstes Beispiel an dieser Rechnung stellen solche Parteien wie AfD, DIE LINKE oder die aSPD dar. Denn wenn es um die Zukunft und Versorgung Obdachloser geht, tönen all diese Parteien unisono, daß der deutsche Obdachlose an seiner Situation selbst die Schuld trägt – und nicht eine völlig verfehlte Sozialpolitik.

Aber bleiben wir erst einmal beim politischen Hintergrund dieser Diskussion. Der AfD, der für ein lohnbefreites Arbeiten des Deutschen einsteht, und ansonsten braun und faschistisch bis unter die Haarspitzen ist, sähe es am liebsten, wenn man sich des deutschen Obdachlosenproblems auf die gleiche Art entledigt, wie es einst die NSDAP getan hat. Also KZs als reine Vernichtungslager werden hier auf politischer Ebene bevorzugt, und nicht eine Einbindung der gesellschaftlich Ausgeschlossenen.

DIE LINKE geht in ihren eigenen Aussagen zum Obdachlosenproblem ähnlich skrupellos vor. Da Obdachlose ihr Wahlrecht nicht benutzen, werden sie von der LINKE nur als sinnlose Fresser angesehen, die in diesem Land keinerlei Sinn und Zweck und Inhalt verfolgen. Und Bürger, die einen nicht wählen, sind unnützes Leben in den Augen der meisten LINKEn.- Beweise hierfür gibt es zuhauf, wenn man sich nur einmal vor Augen führt, daß es vornehmlich DIE LINKE ist, die gegen einen Eckregelsatz von € 500, und sogar gegen ein „bedingungsloses“ Grundeinkommen kämpft.

Die aSPD jedoch, unter Parteichef Gabriel beschreitet hier nun völlig neue Wege, indem sie am liebsten den Eckregelsatz für Obdachlose abschaffen möchte, um mit den freiwerdenden Geldern dann auf kommunaler, Kreis- und Landtagsebene die Diäten erhöhen zu können. Die aSPD steht hier für eine generelle Umschichtung ein. Soviel zum politischen Hintergrund.

Die Aussagen und Werte der konservativen Parteien, sowie der GRÜNEN, schenken wir uns, weil jene Meinungen sich nur rudimentär von denen der bereits genannten Parteien unterscheiden. Einzig die CSU handelt an dieser Stelle richtig, weil sie für ein Tagesgeld für Obdachlose von € 20 eintritt.

Das Leben auf der Straße, von Obdachlosen „Platte machen“ betitelt, ist selbst in einem reichen Land wie Deutschland alles andere als einfach. Es ist weniger die bitter notwendige Bettelei, als eher der Umstand, daß der deutsche sogenannte „Bildungsbürger“ selbst im Ärmsten der Gesellschaft eher so etwas wie einen Nahrungskonkurrenten sieht. Dies mag wohl daran liegen, daß sich der moderne Mensch noch nicht sonderlich weit von seiner Steinzeitmentalität entfernt hat. 10.000 Jahre Entwicklung sind zumindest moralisch und ethisch am Menschen völlig lautlos vorbeigezogen.

Es gab bereits zu allen Zeiten immer wieder Menschen ohne Obdach. Selbst in der Bibel wird in der Jesus-Geschichte bereits darauf hingewiesen, daß selbst durchreisende Flüchtlinge im abrahamitischen Glauben besser behandelt wurden, als die Wohnungslosen. Maria und Josef bekamen den Stall in Bethlehem, der Obdachlose, dem sie unterwegs begegneten, erhielt keine Unterkunft, weil er sie sich nicht leisten konnte.

In Zeiten wirtschaftlichen Zusammenbruchs wuchs in unserer Gesellschaft die Anzahl der Obdachlosen immer proportional an. Genaue Zahlen darüber gibt es erst seit der europäischen Renaissance, vorher wurde es von der Gesellschaft wahrgenommen, aber ignoriert. Die französische Revolution brach nicht nur wegen der massiv gestiegenen Kornpreise aus, sondern auch wegen der massiven Zunahme von Obdachlosen.

Nach dem zweiten Weltkrieg wurde im deutschen GG der wundervoll anmutende Satz: Eigentum verpflichtet eingeführt. Mit dem Endergebnis, daß Haus- und Großgrundbesitzer dazu angehalten waren, sich entsprechend um ihr Eigentum zu kümmern. Doch was wurde hieraus in modernen Zeiten? Hausbesitzer lassen ihre Häuser in bestimmten Kiezen verkommen, treiben Mieter in die Obdachlosigkeit, nur um dann teuer zu sanieren und die ehemaligen Miet- und Sozialwohnungen dann als Juppie-Eigentumswohnungen zu verscherbeln. Von der Verpflichtung, Wohnsubstanz für alle aufrecht zu erhalten, blieb effektiv nicht mehr viel übrig.

Doch kehren wir zum einfachen Obdachlosen zurück. Heutzutage rekrutieren sie sich aus mindestens drei Gruppen. Abgehängte Alte, die lieber saufen, anstatt sich einen vernünftigen Lebensabend zu gönnen, obwohl sie sowohl gesellschaftlich, als auch wirtschaftlich, völlig abgehängt sind. Die nächste Gruppe ist die Aussteigergeneration. An dieser Stelle muß man darauf hinweisen, daß nicht alle Obdachlose, die leichtfertig als Penner betitelt werden, auch wirklich so bitterarm sind, wie es uns die Medien immer vormachen. Vor allem die braune LÜGENPRESSE ergibt sich hier in Ergüsse, daß einem nur noch schlecht wird. Jene Aussteiger wollen einfach nicht mehr mit der Gesellschaft in Einklang leben, und ziehen ein freies Leben ohne festen Wohnsitz vor. Hiervon gibt es genug. Die dritte Gruppe bilden die Ausreißer. Ebene jene minderjährigen Kiddies, die aus einem schrecklichen Elternhaus, Heim oder sonstwo ausgerückt sind, weil sie mit den gesellschaftlichen Vorgaben, die ihnen dort gestellt werden, persönlich nicht klar kommen.

Den einfachen normalen Obdachlosen gibt es einfach nicht. Hinter der Obdachlosigkeit eines Menschen steht immer ein hartes, privates, Schicksal. Anstatt das dies jedoch von der Gesellschaft auch wahrgenommen wird, werden solche Menschen von der Allgemeinheit eher verstoßen, als das man Ihnen Hilfe zukommen lassen würde. Denn Hilfe kostet Geld, und Geld ist wohl besser in den Taschen derer aufgehoben, die sowieso schon zuviel davon haben.

Obdachlos wird man in diesem Land zwar nicht von einem Tag zum Anderen, jedoch ist es relativ leicht möglich. Seitdem sich die Wohnungs- und Hausbesitzer mit der Floskel „Mietnomade“ rausreden, kann sich ein Vermieter so gut wie jede Schweinerei erlauben, ohne dafür juristisch belangt zu werden. Es ist heute ein guter Ton, wenn ein Vermieter im Winter mal die Heizung völlig im Mietshaus abstellt, um Kosten zu sparen. Es ist heute auch unisono bei den Vermietern, daß Mieter nicht ausgiebig genug lüften, oder zuviel Wasser verbrauchen. Und dies verursacht ebenfalls Kosten. Schimmel ist aus den Wänden nur sehr schlecht wieder rauszukriegen. Allgemein stellen die Vermieter solche selbst verursachten Kosten lieber ihren Mietern in Rechnung. Und wundern sich dann, wenn kaum noch jemand in ihren Bruchbuden mietet, sondern lieber auf der Straße lebt, und trotzdem einem regulären Job nachgeht. Denn auch diese Fälle gibt es.

Was an dieser Stelle auch auffallen sollte, ist der Umstand, daß die westliche Gesellschaft beileibe nicht so sozial ist, wie sie immer von sich behauptet. In den meisten asiatischen Nationen gibt es merkwürdigerweise kaum Obdachlose. Wenn man sich einmal das koreanische Seoul anschaut, oder Indonesien, oder ganz extrem, Japan, fällt einem auf, daß in diesen Ländern Obdachlosigkeit zumeist von den überhöhten Mieten herrührt, jedoch nicht auf einem gesellschaftlichen Usus, nachdem derjenige aus der Gesellschaft auszuschließen ist, der sich nicht an die Spielregeln hält. In Europa sieht dies anders aus. In der westlichen Welt wird selbst ein Exknacki humaner behandelt als ein Obdachloser.

Obdachlose gelten als Fußabtreter, als Menschen dritter Klasse, die in der Gesellschaft nichts verloren haben. Das Leben auf Platte ist nicht einfach. Und es wäre zu empfehlen, daß jeder, der soziale Politik in diesem Land machen möchte, selbst einmal zwei bis drei Jahre Platte macht, bevor er in die Politik geht. Man kann auf der Straße sehr viel lernen. Nein, ich meine keinen Taschendiebstahl, sondern wirkliches überleben in einer Gesellschaft, in der nur noch der Leistungsgedanke zählt, und alles andere nicht mehr. Eine Gesellschaft, die sich nur noch per se via Leistung definiert, hat ihre Menschlichkeit verloren.

Wer obdachlos ist, gilt als Schmarotzer. Und Schmarotzern hilft man nicht, so der gesellschaftliche Usus. Man kann nun einwenden, daß Obdachlose der Gesellschaft nur das Mark aus den Knochen saugen, weil die meisten sowieso nicht arbeitswillig sind. Menschen, die solches behaupten, waren noch nie bei den Tagelöhnern, die man an bestimmten Arbeitsämtern morgens zwischen sechs und acht Uhr antreffen kann. Was vielen unbekannt ist, ist der Umstand, daß viele Obdachlose sich in der Tagelöhnergesellschaft finden lassen. Diese kleine Untergruppe der heute Arbeitenden, trifft sich zwischen 6 und 8 Uhr vor den Arbeitsämtern, um sich dort nach einfachen Tagesarbeiten umzuschauen. Meist erhalten sie auch einen Arbeitseinsatz, der im Normalfall mit € 50 für einen gesamten Arbeitstag entlohnt werden. Wer also steuerfrei arbeiten will, kann dies dort gerne tun. Die Arbeitsämter unterstützen diese Politik, wie ich aus eigener Erfahrung weiß. Wenn Obdachlose dann dennoch als Schmarotzer beschimpft werden, so liegt es daran, daß viele Menschen gar nicht wissen, welches Leben Obdachlose wirklich führen. Auch hier gilt wieder, daß die braune Propaganda der braunen LÜGENPRESSE hier bei Vielen Wissensgrundlage darstellt.

Obdachlos in einer Gesellschaft zu sein, die Einen nur deshalb ablehnt, weil man einfach keine Wohnung vorweisen kann, ist kein Zuckerschlecken. Die meisten Obdachlosen teilen lieber das Wenige, welches sie selbst haben, anstatt sich mit einfachen Almosen zufrieden zu geben. Unter den Obdachlosen gilt nach wie vor die soziale Regel, daß du einem Kameraden auf Platte immer hilfst. Und wenn es nur mit einigen Zigaretten oder einer kleinen Flasche Schnaps ist. [An dieser Stelle muß man noch anmerken, daß gerade einmal 10% aller deutschen Obdachlosen wirklich schwere Alkoholiker sind, der Rest raucht weder, noch trinkt er. Aber von der Gesellschaft wird auch diese Tatsache völlig ignoriert.]

An dieser Stelle deshalb eine kleine Aufforderung an unsere Leser: Wir, die Redaktion, möchten euch bitten, dieses Jahr einmal eine Ausnahme zu machen, und einem xbeliebigen Obdachlosen in eurer Stadt ein wenig zu helfen. Es muß nicht viel sein. Gebt ihm ein Essen aus, Fastfood lieben die meisten, weil sie es sich so selten leisten können. Besser wäre jedoch, wenn ihr den Obdachlosen ein vernünftiges Essen spendiert, und nicht darauf wartet, daß der Kältebus vorbei kommt, und eine völlig sinn- und geschmacklose Suppe serviert. Engagiert euch selbst! Helft! Nicht mit Geld, wenn ihr dies nicht möchtet, sondern mit ein wenig Einsatz. Selbst gute Ratschläge werden angenommen, wenn ihr dem Obdachlosen klar macht, daß ihr es gut meint. Und kommt nicht mit duschen und Haare schneiden. Die meisten Obdachlosen sind sauberer als die Manager von VW oder gewisse Ministerpräsidenten. Wenn ihr dieses Jahr wirklich eine gute Tat tun wollt, dann helft ein wenig. Es tut euch nicht weh, und der Obdachlose erhält diesmal ein wenig gesellschaftliche Anerkennung und empfindet sich nicht mehr als Ausgestoßener.

[Die Redaktion möchte an dieser Stelle dem User Zweigbrot für die Erinnerung an diesen Artikel danken. Wir hatten ihn zwar nicht vergessen, aber während der aktuellen Recherche ging die ganze Sache ein wenig unter. Wir möchten uns an dieser Stelle deshalb bei diesem User herzlich dafür bedanken, daß er uns an unsere sozialen Pflichten der Gesellschaft gegenüber erinnerte. Benny, du bist für uns ein wahrer Freund, und Danke für die Erinnerung.]

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