Gibt es das denn überhaupt? Den wirklich „guten“ Deutschen?

Wenn ich mir die politische Diskussion in diesem Land so anschaue, gerate ich ins Zweifeln. Der wirklich gute Deutsche wird von den Faschisten als „Gutmensch“ betitelt, wo sich doch die Faschisten selbst als „Gutmenschen“ aufführen, und unbedingt dieses Land gesäubert haben wollen. Aber von wem genau, verraten sie uns nicht wirklich, weil sei nicht einmal auf social media platforms riskieren, für diese Art Meinungsäußerung dann in den Knast zu wandern. Denn nach der aktuellen Gesetzeslage droht solchen „Gutmenschen“ wie Frauke Petry und anderen ihres Schlages, Knast, wenn sie ein wenig zu weit das Maul aufreißen.

Doch in der politischen Diskussion wird der Begriff „Gutmensch“ nach wie vor im faschistischen Kontext gebraucht, vornehmlich auch von jenen Menschen, die von sich selbst sagen, sie seien weder Nazis, noch Faschisten, sondern einfach nur fremdenfeindlich. Im Klartext heißt dies nämlich, daß es bereits so viele Faschisten in diesem Lande gibt, daß eine NSDAP deutliche Wahlerfolge einfahren könnte, aber zu wenige, die wirklich dazu stehen, daß sie faschistisch und rassistisch ticken. Denn so zu ticken ist in einer Demokratie erlaubt, es auszuleben jedoch nicht.

Diese Braunhemden haben alle das gleiche Problem: Sie halten sich alle für gute Deutsche, berufen sich dann auf den „Arier“-Schein, den der Großvater in den frühen Dreißigern des vergangenen Jahrhunderts Dank ausreichend Schmiergeld an den Stadtschreiber erhalten hat, und halten sich doch tatsächlich für Deutsche. Dabei wird in diesem Land der Status als Volldeutscher, als sogenannter Biodeutscher, nur matriarchar vererbt. Kein Kind in diesem Land kann von sich behaupten, nur weil der Vater Deutscher war, daß es auch selbst Deutscher ist. Denn diese Regelung, daß die Staatsbürgerschaft, die Nationalität, nur durch die Mutter vererbt werden kann, ist bereits älter, als es das Deutsche Reich unter den Nazis jemals wurde.

Deutsch ist nur der, der wirklich eine deutsche Mutter hat. Diese Regelung wird bis heute noch befolgt, unabhängig davon, ob sie mit diesem Wortlaut noch im Gesetzbuch zu finden ist. In Krankenhäusern findet diese Regelung nach wie vor Anwendung. Ist die Mutter deutsch, ist es das Kind automatisch. Und einen deutschen Mann zu heiraten, macht eine Frau nicht automatisch auch zur Deutschen. Im Gegenteil. Noch heute kann es passieren, daß Männer, die mit osteuropäischen Frauen verheiratet sind, um die Abschiebung der Gattin fürchten müssen, weil beispielsweise aus der Ehe bis heute keine Kinder hervorgingen. Ab dem dritten Kind hört dann das Amt auf zu nerven – im Normalfall. Denn ab dem dritten Kind mit dem gleichen Mann gehen die Ämter im Allgemeinen davon aus, daß die Frau nationalisiert ist. Denn keine deutsche Mutter würde ihre drei Kinder im Stich lassen!

Aber es geht hier um die Legende des „guten“ Deutschen. Weiß denn jemand von unseren Lesern hier, was einen „guten“ Deutschen ausmacht? Oder wissen wir Deutsche denn überhaupt, nach unseren Erfahrungen mit dem WK2, und dem faschistischem Nazi-System, was „Gutsein“ eigentlich bedeutet? Was damit unterstrichen wird? Was macht also einen „guten“ Deutschen aus? Nicht nur heutzutage, sondern generell? Gibt es den guten Deutschen überhaupt? Und ist Deutschsein überhaupt in der Lage, „gut“ zu sein?

 Um dieser Frage einmal auf den Grund zu gehen, müssen wir uns einmal das Bild des Deutschen in den letzten beiden Jahrhunderten anschauen. Beginnen wir um das Jahr 1800. Damals war der Deutsche noch Stolz und gerne nur Untertan. Denn Anweisungen befolgen konnte er schon immer gut. Der Deutsche galt als so fleißiger Arbeiter, daß sich die Briten gezwungen sahen, auf deutsche Waren, die nach Britannien eingeführt wurden, das Label MADE IN GERMANY aufbringen zu lassen, um es von ihrer eigenen Ware unterscheiden zu können. Zu Beginn des 19. Jhdts waren die Deutschen schon nicht sonderlich beliebt, obwohl dieses Land vornehmlich nur aus landwirtschaftlicher Kultur und massivem Inzest bestand. An den Höfen des Adels und im normalen Bauernhaus war es üblich, daß der Bauer mit seiner ältesten unverheirateten Tochter Kinder hatte. Und dies galt für ganz Deutschland. Denn man folgte absolut den Regeln des Christentums.

Ab dem Jahr 1810 verändert sich nun das Bild des Deutschen im Ausland. Zum Einen gibt es da diesen Disput mit Frankreich, der 1870/71 zum großen Konstitutionskrieg führt, bei dessen Ausgang das Deutsche Reich im Versailler Spiegelsaal gegründet und ausgerufen wird. Um 1810 herum werden die Deutschen nicht nur bei den Franzosen höllisch unbeliebt, sondern auch bei den Briten und Schweden. Vor allem bei den Schweden, denn Kiruna, die weltgrößte und effektivste Eisenmine, wurde damals schon ausgebeutet, und der Stahl, der von Kiruna kam, galt als einer der Besten der Welt. Deutschland erlebte bis 1830 einen wirtschaftlichen Aufschwung, weil man nun Stahl und Eisen in großer Menge herstellen konnte. Nur mit den Dampfmaschinen klappte es noch nicht.

Um 1850 herum kommt es in Deutschland zu den Wartburgfesten, die Deutschland bei den Nachbarn, vor allem bei den Russen, unbeliebt machen. Deutschland schuf sich mit der gescheiterten bürgerlichen Revolution überall in der Welt Feindschaften. Die USA stellten sich damals das erste Mal auf die Seite Großbritanniens und führten einen Einfuhrstopp für deutsche Waren ein, während deutsche Siedler gerne genommen wurden. Nach der gescheiterten Revolution verkrachte sich Deutschland mit Österreich und mit Italien, zwei Nationen, die damals wohl die engsten Freunde des Deutschen Reiches waren. Wohl auch deshalb, weil in Deutschland die Armutsquote immer noch über 50% lag, genauso wie in allen anderen europäischen Nationen. Deutschland war also unbeliebt, aber der Deutsche galt nicht als gut, sondern nur als dumm. Denn eine ganzgängige Schulpflicht gab es zu dieser Zeit nur in Frankreich und England.

1871 kommt es zur Gründung des Deutschen Reiches im Versailler Spiegelsaal, was eine jahrzehntelange Feindschaft zwischen Frankreich und Deutschland zur Folge hatte, obwohl der damalige deutsche Kaiser es aus Gewissensgründen ablehnte, sich auch noch zum Kaiser über Frankreich zu machen. Gleichzeitig wurde im Deutschen Reich eine Parole ausgegeben, die zwar das Preußische hervorhob, aber zu starken Nationalismus als staatsfeindlichen Untrieb verurteilte. Der deutsche Bürger durfte Loyalität seinem Landesherrn gegenüber zeigen, unabhängig davon, ob dieser preußisch oder provinziell war. Dies erfuhren zur damaligen Zeit dann auch die Schlesier, die in großen Massen über das gesamte Reichsgebiet verteilt wurden. Gut einhundert Jahre vor dem WK2 wohlgemerkt. Jeder aus Schlesien aussiedelnde Schlesier, der seine Familie mit in den Westen des Reiches nahm, erhielt eine Prämie und eine Steuerbefreiung für seine Firma, wenn er denn einen Handwerksbetrieb gründete.#

Um 1900 hat sich das Kaiserreich auch in den Köpfen des Deutschen festgesetzt. Von Gutsein ist da immer noch keine Spur zu finden. Eher ein kranker Nationalismus und ein Stolz auf etwas, das man Niemals getan hat. Und dann auch noch das Pech, in der falschen Nation geboren zu sein, denn immerhin wurde ja das Deutsche Reich dadurch geschändet, weil es im Versailler Spiegelsaal ausgerufen werden mußte. Die damaligen Liberalen arbeiteten bereits an einer Lösung des Problems, nur sah diese Lösung perverserweise einen europäischen Bürgerkrieg vor, der ganz Europa unter einer deutschen Fahne einen sollte. Als Kaiser Willem II. diese Idee versuchte seinem britischen Cousin zu verkaufen, kam es zum Streit. Jener Streit sorgte dann auch dafür, daß auch die Briten Deutschland spinnefeind wurden.

1914 bis 1918 kam es dann zum großen Krieg, der unter anderem auch dadurch beendet wurde, weil das Deutsche Reich einen gewissen Herrn Lenin aus seinem schweizer Exil herausholte und direkt nach St. Petersburg durchfahren ließ. Mit dabei ungefähr eine Tonne deutschen Goldes zur Finanzierung seines Aufstandes. Die einzige Bedingung, die das Deutsche Reich an Lenin stellte, war es, daß die Ostfront zum Erliegen kommt, und Rußland einem Separatfriedensvertrag zustimmt. Genau so kam es. Dafür verloren aber der Zarewitsch und seine Familie ihr Leben. Dieser Umstand machte die Deutschen wiederum im Geist der Russen nicht eben sonderlich beliebt. Als dann das Deutsche Reich 1918 kapitulieren mußte, schickten die Allierten damals die Franzosen vor, wodurch das Deutsche Reich durch den Versailler Vertrag erneut gedemütigt werden sollte. Doch an Beliebtheit gewannen die Deutschen damals nichts dazu, eher im Gegenteil. Schon damals wurde dieses Volk auch von den Italienern verachtet, weil wir dort während des Ersten Weltkrieges nicht geholfen hatten, Tirol für Italien zu erobern. Und dies, obwohl Material und Personal dafür zur Verfügung gestanden hatte.

Ab 1920, als sich Deutschland langsam vom Krieg erholte, zog auch der Kapitalismus ins Land ein. Die Weimarer Republik wurde gegründet, doch auf tönernen Füßen und auf mehrfachen Landesverrat erbaut. Da Deutschland sich nämlich 1919 weigerte, die Seerechtsbestimmungen zu unterzeichnen, die auch an Land ein gewisses Recht durchsetzen. [Eben jenes Recht, auf das sich so viele Reichs- und Biodeutsche heute berufen, wenn sie sich den gelben Staatenlosen-Schein abholen gehen. Deutschland hat 1919 dieses internationale Recht niemals anerkannt, nur den Unterpassus, was mit jenen passiert, die ihre Staatsbürgerschaft zugunsten des gelben Scheines abgeben. Die Weimarer Republik verhängte über solche Menschen die Todesstrafe. Und dieser Teil unserer Gesetzgebung wurde nicht einmal durch das Naziregime ab 1933 außer Kraft gesetzt und ist noch heute im Grundgesetz wirksam. Also wehe dem, der einen gelben Schein besitzt. Diese aktuelle Regierung hat somit das Recht, euch als Landesverräter – wie es im entsprechenden Passus heißt – hinrichten zu lassen, ohne Gerichtsverhandlung, da ihr ja bereits Besitzer des gelben Scheines seid.]

Doch fahren wir im Exkurs fort. Mit dem, was während des Dritten Reiches passierte, machte sich Deutschland international noch weniger Freunde. Die Feindschaft mit den Franzosen erblühte und trug Früchte und sorgte letztlich dafür, das Deutschland bis etwa 1960 reichlich unbeliebt in der Welt war. Das Deutschland vor den Japanern im Zweiten Weltkrieg kapitulierte verziehen uns die Japaner übrigens bis heute nicht. Dort weiß man zwar unsere offene direkte Art zu schätzen, aber man mag uns nicht, weil wir unseren wichtigsten Verbündeten einfach hängenließen und nicht verhinderten, daß die Amerikaner die beiden Atombomben abwarfen.

International gesehen sind die Deutschen also alles andere als beliebt. Und dies schon seit ziemlich langer Zeit. Dann brach in den frühen 80’ern die Willkommenskultur in diesem Lande aus, damit wenigstens die Jugend der Deutschen die Möglichkeit bekam, ein wenig von der Schuld loszuwerden, die sie Großvater und Vater zu verdanken hatten. Doch die damalige Politik handelte auch wieder zwiespältig und nicht so, wie es sich gehörte. Die eigene Willkommenskultur wurde keine zehn Jahre später, Mitte der 1990er bereits wieder verraten. Ãœbrig blieb nur das eigene Selbstbild des „guten Deutschen“! Und nach dieser Lesart ist nur derjenige gut, der auch auf deutschem Grund geboren ist, und der den Nachweis erbringen kann, daß mindestens bis in die 6. Generation zurück sich nur deutsches Blut in seinen Adern befindet.

Um es einfach zu machen: Den „guten Deutschen“ gibt es genauso wenig wie den deutschen Gutmenschen. Beides sind Begriffe, wie sie die faschistische, nationalistische, repressive Szene für sich verwandt, um aufzuzeigen, daß sie doch die einzig „Guten“ sind, und alle anderen nicht mehr als billige Volksverräter. Wobei man hierbei schon bedenken muß, daß der Begriff „Volksverräter“ aus der deutschen Räterepublik von 1919 stammt, und damit eben jene nationalistischen Großärsche betitetlte, die damals schon nicht bereit waren, ein demokratisch geführtes Deutsches Reich zu ermöglichen. Nun sind diese Großärsche wieder zurück, unter dem Label mehrerer Parteien, und erneut sind sie bereit, dieses Land und dieses Volk zu verraten. Aber nicht, weil sie uns vor dem „Fremden“ schützen möchten, sondern weil sie wieder national werden wollen. Und mit Sozialismus haben all diese Braunärsche sowieso nichts am Hut. Sozialismus ist in deren Augen eine Art Pest, die sowieso ausgerottet gehört.

Der Deutsche ist im Ausland so unbeliebt, weil eben unsere Nachbarn wissen, mit was sie bei uns rechnen müssen, geraten unsere vergangenen Verbrechen als Volk im Volk in Vergessenheit, und wird der nationale Gedanke hier wieder gestärkt. Geschieht dies, werden unsere Nachbarn gnadenlos angreifen. Und zwar unabhängig davon, ob in diesen Ländern zu diesem Zeitpunkt selbst eine faschistische nationalistische Bewegung gerade politisch das Ruder in der Hand hat. Doch solange wir in unserem Land selbst noch braune Ideologen in jeglicher Form dulden, sind wir keine guten Deutschen, können wir es niemals sein. Wir können nur dann zum guten Deutschen werden, wenn wir Faschismus in jeder seiner Formen, in der er sich äußert gnadenlos bekämpfen. Nur im äußersten Falle mit blanker Gewalt, aber sollten uns die nationalistischen Faschisten dazu zwingen, muß das Volk gegen diese Verräter aufstehen und sie über die Klinge springen lassen. Dies ist unsere Meinung hier als Blogredaktion. Denn Faschismus hat nichts deutsches. Faschismus in egal welcher Form, auch in seiner Ausprägung als reiner Rassismus, ist absolut undeutsch.

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