Ich habe nichts gegen die Inder. Sie sind ein fröhliches, ständig singendes Volk, welches gerne in 100Zimmer-Palästen lebt, und sehr viel Wert auf britische Bildung legt. Doch Indien ist nicht so. Das Bild, welches Bollywood von Indien zeichnet, ist ein verklärtes, ein ghandiisiertes Indienbild. Bollywood zeichnet Indien so, wie Mahatma, die große Seele, der große Mörder und Verräter, das Land eigentlich für seine Landsleute schaffen wollte. Dies schmälert weder seine Verdienste für das Land, noch seine Verbrechen, die er beging, um sein großes Ziel auch zu erreichen. Mahatma Ghandi ist kein Heiliger. An seinen Händen klebt mindest genauso viel Blut wie an den Händen Castros oder Che Guevuerras!

Und nun das? Ein interner Streit, landesweit, nur darum, welche Flagge denn nun die richtige Flagge Indiens ist. Ob es eher die mehr pakistanische Flagge ist – die der Norden bevorzugt – oder mehr diejenige, die der Westen gewohnt ist, und unter der Indien bisher immer international auftrat. Oder ist es doch diese dritte, ominöse, schwarze mit dem weißen Schriftzug, der Djihad bedeutet, und mit dem Spruch drunter: Tod allen Ungläubigen? [An dieser Stelle muß ich anmerken, das jene dritte Flagge die altbekannte IS-Flagge ist. Und das dieser Flaggenkrieg nicht zwischen Moslems und Hindus ausbrach, sondern zwischen Hindus und Hindus. Zumindest laut unseres Informanten.]

Eine Flagge beschreibt eine Nation. Deshalb hat auch die moderne indische Flagge bereits eine wechselhafte Geschichte hinter sich. Angeblich sollen die drei Farben des Tricolor sich auf die drei Hauptreligionen Indiens berufen. Welche drei das sind, fragt uns bitte nicht, wir wissen es selbst nicht. Keiner von uns hier ist Indienkenner. Zwar gehen wir in indische Restaurants, aber mehr haben wir von Indien auch nicht gesehen. Deshalb halten wir uns auch hier mit Spekulationen zurück.

Fakt ist jedenfalls, daß es in Indien diverse Gruppen gibt, die ein Interesse daran haben, daß das Volk gespalten wird. Und zwar tiefer, als es selbst die angeblich schon ausgehebelte Kastenstruktur spalten kann. Denn es ist Fakt, daß im modernen Indien bis heute kein Angehöriger der untersten 30 Kasten in die oberen 70 Kasten einheiraten darf. Geschieht dies dennoch, verliert der Kastenhöhere seinen Status und wird auf den Status seines Gatten herabgestuft. Und da kein Inder der 71. Kaste in einer Bank arbeiten darf, sind dann alle guten Jobs mit einem Mal verloren – auch für die Kinder.

Doch der Flaggenstreit entbrannte nicht wegen der Kastenfrage, sondern allein deshalb, weil sich wieder einmal zwei kommunale Politiker – beide Rhadscha – in einer Frage nicht einig werden konnten. Die Sache fraß sich zuerst so über das Land, dann kam es zum großen Eklat, der dazu führte, daß sich die Bürger gemaßregelt fühlten. Und wenn es dem normalen Bürger nicht gefällt, erwischt es früher oder später die Studenten als Kämpfer in eigener Sache. Bei diesem Flaggenstreit geht es nicht um Nationalismus. Nicht einmal um die Einhaltung der Kastenregelung – zumindest bisher noch nicht – sondern schlicht und einfach darum, daß bestimmte öffentliche Gebäude mit der Nationalflagge beflaggt sein müssen. Unabhängig davon, ob ein Staatsbesuch ansteht oder nicht. Selbst an deutschen Universitäten ist es üblich, daß die Landesflagge an mindestens einem Fahnenmast hängt.

Der Haken an der Sache ist nun: Einer der beiden Streithähne – also der Rhadschas – ist ein eher extremistisch eingestellter Hindu, während sein Gegenüber eher der Kuschelguru ist, und mehr auf Kommunikation als auf Polizeieinsätze setzt. Dumm an der Sache ist halt nur, daß die Landesflagge jeden etwas angeht, auch die Angehörigen der untersten 30 Kasten. Womit das Problem postwendend wieder bei den Armen landete, die sich natürlich mit den Studenten solidarisieren, weil sie sich nun endlich jene Reformen erwarten, die sie aus den Bollywood-Filmen bereits kennen.

Man muß kein Meister der Ironie sein, daß dieser Flaggenstreit womöglich den zweiten indischen Bürgerkrieg auslöst, falls das Problem nicht ganz schnell und human gelöst wird. Gestern erließ die indische Landesregierung dann auch noch das Gesetz, daß an jeder Universität aus patriotischen Gründen die Landesflagge zu hissen sei. Womit wir wieder bei der Farbwahl des Tricolor sind, welches die beiden Streithähne erst gegeneinander aufbrachte. Eine unendliche Geschichte, indisch eben.

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