… den Faschistischen Staaten von Europa (Satire – oder doch nicht?)

Es ist geschehen. Europa hat abgestimmt! Ganz Europa? Nein, eine kleine, grüne Insel, die direkt neben dem Steuerparadies Isle of Man liegt und somit gar nicht einmal so weit weg von der britischen Hauptinsel, hat sich anders entschieden. Das kleine muntere Völkchen der Iren, jahrhundertelang durch Fremdherrschaft und Terror gepeinigt, hat entschieden.

Und schon geht überall das Geschrei los. Zuerst war das Getöse nicht sonderlich laut wahrnehmbar. Doch dann drang der Lärm auch bis ins Berliner Kanzleramt vor. Dort, wo die Matriarchin und Geburtshelferin der neuen Vereinigten Staaten von Europa ihren Amtssitz hat. Ja, die Frau, die zusammen mit Nicolas Bruno-Sarkozy jenen total hirnrissigen EU-Reform-Vertrag von Lissabon ausgearbeitet hat.

Als das erste Geschrei ankam, brandeten auch die ersten Attac-Jubelrufe auf – und stießen in Berlin auf die berühmte Mauer des Schweigens. Immerhin war unser Bundesaußenminister clever genug, genau zu der Zeit der Abstimmung in Irland fern der Heimat in China zu weilen und sich an den Vorbereitungen für die dortige Olympiade (ganz im Stil von 1936) zu erfreuen.

Aber auch schon in Deutschland wird bereits wieder auf jenen Herumgehackt, die froh sind, das die Iren so entschieden haben, wie sie entschieden. Man bekommt das Aberwitzigste im Internet zu lesen und dabei so manches Wort, bei dem man sich fragt, ob Faschismus nun doch eine Krankheit sei. Darunter fällt auch jenes Zitat, daß ich niemanden vorenthalten will. Offenbart es doch eine faschistische Geisteshaltung, gegen die der Faschismus zu Zeiten des III. Reiches wohl noch etwas ganz anderes und ganz harmlos gewesen sein muß. Aber man darf dabei nicht vergessen, daß damals, genauso wie heute, Andersdenkende entweder interniert oder gleich ausgelöscht wurden.

Tikvah Sielbeck
am 15. Juni 2008

Rupert von Essler sagte einmal: Wer sich gegen die “Vereinigten Staaten von Europa” stellt, ganz gleich aus welchem Grund, ist zweifellos ein Nationalist.
Treffender kann man es nicht sagen, vor allem erübrigt sich dadurch jegliche Diskussion!

Darauf erwiderte ich:

Herr oder Frau Tikvah Sielbeck,

Nur wer eine europäische faschistische Diktatur unterstützt – obwohl er sie verhindern kann – ist dies dann zweifellos ein Europäer?

Im Prinzip gibt es keinen sonderlichen Unterschied zwischen einem neoliberalen Faschismus und einen, der aus einem Glauben herrührt, der von Herrenmenschen und ähnlichem spricht. Herrenmenschen befinden im allgemeinen über Sklaven. Und die neuen verbindlichen Arbeitsregelungen machen aus Jemanden, der in einer Vollzeitstelle steht, nicht mehr als einen Sklaven. Bei einem Minimum von 48 Wochenstunden, die als Wochenminimum von den EU-Kommissaren erlaubt wurden, kann man von nichts anderem ausgehen.

Schon jetzt streben der DGB und einige andere Gewerkschaften eine dringende Überprüfung dieser von der EU festgelegten Wochenarbeitszeit an. Jedoch scheint es, als bringe dies nichts, da das EuGH immer Recht behalten wird, selbst wenn dabei Menschenrechte außer Kraft gesetzt werden.

Aber wer braucht Menschenrechte, wenn er einen freien Markt ohne störende Soziale Marktwirtschaft hat? Eigentlich nur jene Leute, denen jene Konzerne gehören, die gerade dabei sind, diesen Planeten unter sich aufzuteilen. Und denen dabei Ländergrenzen genauso unwichtig sind, wie die dortigen Politiker. Wohlgemerkt, sofern die Politiker nicht längst schon auf den Gehaltslisten jenes Personenkreises geführt werden.

Die Iren haben für das freie Europa noch ein wenig Zeit erkauft. Jetzt stellt sich jedoch die Frage, wie die Unterzeichner- und Befürworterstaaten des EU-Reform-Vertrages hiermit umgehen. Wird nun die im Vertrag angestrebte Militarisierung der EU dazu benutzt, um nicht mitziehende EU-Mitgliedsländer militärisch zur Räson zu bringen? Oder was droht jetzt? Unserem Kanzler ist alles zuzutrauen, wie seiner Zeit 1933 man dem damals ernannten Kanzler auch alles zutrauen konnte.

Wohin strebt Europa, wenn schon ein so kleines und gebeuteltes Land wie Irland sich nicht bereit findet, seine Bürgerrechte und auch seine Souveränität einfach so einem Konsortium aus Kommissaren zu überlassen, sondern statt dessen weiterhin für seine Unabhängigkeit innerhalb der EU kämpft. Wird dann nicht, nach dem neuen EU-Reform-Vertrag (der die alte EU-Verfassung beinahe wortwörtlich und ausnahmslos übernahm), jedes andere Mitgliedsland dazu aufgerufen sein, irgendetwas gegen Irland zu unternehmen, um den Vertrag einhalten zu können.

Indem die Iren den weiteren Aufbau der Vereinigten Staaten von Europa nicht nur verzögern, sondern endgültig gestoppt zu haben scheinen, wird wohl wieder die Demokratie Einzug in die EU nehmen. Und dann hoffentlich solche Gestalten wie Merkel, Sarkozy und Putin ein für alle Mal im Orkus der Geschichte verschwinden lassen. Es wird kein IV. Reich mehr geben. Weder aus nationalistischen, noch aus wirtschaftlichen, globalen Gründen. Der Neoliberalismus ist an seinem Ende angekommen, bevor er richtig beginnen konnte. Dies, was nun folgen kann, sind nur zwei Alternativen. Entweder man geht mit einem Krieg gegen die unbelehrbaren Iren vor, oder aber man wirft sie aus der Europäischen Union hinaus. Wodurch jedoch dringend gebrauchte billige Sklavenarbeitskräfte verloren gingen, die später einmal noch gebraucht werden.

Drum bedenke folgendes: Wer also uneingeschränkt für die Vereinigten Staaten von Europa einsteht, stellt somit einen Faschisten dar, da er damit gleichzeitig auch den ewigen Anspruch auf Freiheit und Demokratie mit Füßen trifft. Und solche Menschen brauchen wir in Europa nicht!

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