Wir haben ja momentan diese immer noch anhaltende TAFEL-Diskussion. Diese unselige Diskussion wird einfach nur in der falschen Richtung geführt. Es sind nicht die TAFELn das Problem, das Problem ist ein System, welches Tafeln überhaupt erst notwendig macht.

Und bevor sich wieder braunärschige Blaubraune zu Wort melden: Ich vertrete die Meinung der Tafel Essen, das alleinstehende, männliche Refugies bei der Tafel keinen Anspruch mehr haben sollten. Blöderweise wäre dies direkt gegen die Regeln der Tafel-Vereinigung. Aber viele der Regeln der Tafel-Vereinigung strotzen nur so von Willkür – weshalb also nicht eine weitere Willkür ein- und durchsetzen?

Unser Sozialsystem ist seit 2005 auf den Hund gekommen. Seitdem die SPD das Hartz-System eingeführt hat – mit dem menschenrechtsfeindlichen Sanktionsparagraphen, der auf den Ideen und Handlungen eines Herrn Lindner (FDP) basiert, und sogar von ihm damals eingebracht wurde – gibt es in diesem Land seit 1925 wieder soziale Not. Armut ist inzwischen wieder zum deutschen Standard geworden. Working Poor ist gleichfalls normaler Durchschnitt in einem Dorf mit knapp 20.000 Einwohnern.

Aber heute geht es mir um die Tafeln. Das System der Tafeln ist an für sich nicht schlecht. Doch abgelaufene Lebensmittel sind ja noch nicht verdorben. Also schadet es nicht, Arme, denen ihr Geld nicht reicht, um sich monatlich damit zu versorgen, eben diese abgelaufene Ware zu geben. Grusligerweise erinnert dies an die alten Suppenküchen, die in diesem Land von 1925 bis 1933 an der Tagesordnung waren. Nach 1933 gab es keine Suppenküchen mehr, und alle arme Hungernden wurden damals direkt in die Umerziehungslager gebracht. Warum? Weil Jemand, der in einem reichen Land hungert, eindeutig etwas falsch in seinem Leben macht. Also braucht er Umerziehung, die meist darin bestand, die Autobahnen der alten Weimarer Republik fertigzubauen.

Doch kehren wir zum Thema zurück. Tafeln sind gut. An für sich. Obwohl die Blogredaktion hier geschlossen gegen den Tafelverein und gegen das Tafel-System ist. Nur warum sind wir dagegen? Weil das Tafelsystem ein Willkürsystem ist. Man muß noch nicht einmal bei einer Tafel auffällig werden – und unter auffällig werden fällt in diesem Fall nicht, Flyer des AfD oder der NPD unter den Wartenden zu verteilen – um eine lebenslange Sperre der Tafel seiner Wahl zu bekommen.

Und die Tafeln sanktionieren öfter als es das Sozialamt oder das JobCenter tun. Kommt man mit einem Brief, das man von Amtswegen her sanktioniert ist, erhält man in 90% aller Fälle an keiner hessischen TAFEL etwas. Denn die Sanktion sagt ja aus, daß man etwas falsch gemacht hat und dafür büßen muß.

Dieses Land hat sich in eine Büßernation verwandelt, und der AfD hilft noch fleißig mit, daß es sich noch tiefer in die menschliche Seele brennt. Denn in diesem Land läuft vieles verkehrt. Die SPD zerstörte den Sozialstaat nach der Wiedervereinigung, und benötigte 20 Jahre, um dieses Ziel zu erreichen. In der Kombination Schröder/Lafontaine ging es jedoch kinderleicht, weil der angebliche Sozialist Lafontaine fahnenflüchtig wurde, der SPD den Bembel hinschmiß und danach aus der Partei austrat. Danach war es für seinen Spezi Schröder kein Problem mehr, und absolut keinen Aufwand, den Sozialstaat abzuschaffen. Quasi mit dem Segen Lafontaines. Deshalb ist in den Augen der Redaktion Lafontaine genauso schuldig am Abbau des Sozialstaates wie Exkanzler Schröder. Lafontaine hätte es verhindern können. Aber der kümmerte sich 2005 lieber darum, im Saarland diverse Tafeln aufzubauen.

Ein wirklich sozialer Staat benötigt keine Tafeln. In den USA gibt es Tafeln in jeder halbwegs großen Stadt. Es gibt diese Nahrungsverteilungsstellen in den USA nicht nur, weil McKinsey entdeckte, das man auch mit armen Leuten Geld machen kann, Der zweite Grund ist deutlich profaner. Die Tafeln in den USA gibt es deshalb, weil es in den USA kein Sozialsystem gibt, wie es die Bundesrepublik einmal besaß.

2005 stahl sich die Bundesregierung aus ihrer Verantwortung für den armen Teil der Bevölkerung, koppelte deren Wagen quasi direkt vom Gesellschaftszug ab, um den Reichen in diesem Land eine Chance zu geben, ihren Reichtum zu mehren. Schon damals ging der SPD das Wort um: Wenn sie kein Brot haben, sollen sie Kuchen essen. An dieser Denkweise hat sich bis heute in der SPD nichts geändert. Die CDU versucht dagegen zu arbeiten, doch den Forderungen der Sozialisten den Sozialstaat noch weiter abzubauen, kann man sich nicht entziehen, wenn man weiterregieren will, und diesen Staat nicht der faschistischen AfD überlassen möchte.

Die Tafeln werden gebraucht, aber auch nur deshalb, weil die Politik versagte. Weil der Staat versagte, und sich aus seiner Verantwortung zurückzog und seitdem dem Bundesbürger zuruft: „Du mußt lernen in Eigenverantwortung zu leben!“ Nur wie soll man als chronisch Kranker, Arbeitsunfähiger, Behinderter, eigenverantwortlich leben, wenn es inzwischen ein Teilhabegesetz für Behinderte gibt, welches jene „eigenverantwortlich“ von gesellschaftlicher Teilhabe ausschließt? Mit einer solchen menschenfeindlichen Politik sorgen die Regierungsparteien dafür, daß die blaubraune Brut immer mehr Macht und Einfluß gewinnt. Ausgerechnet in jenen Gruppen, die sie vorhat, später selbst in die Gaskammer zu schicken.

Aber Tafeln werden gebraucht. Würde man das Tafel-System sofort abbauen, und den Eckregelsatz um etwa 57% erhöhen, wäre den Armen wieder ein eigenverantwortliches Leben mit gesellschaftlicher Teilhabe möglich. Blöderweise verhindert so etwas eine Partei wie Lindners FDP, weil die auf dem Lohnabstandsgebot beharren, welches in keinem Gesetzbuch zu finden ist. [Jenes Lohnabstandsgebot besagt, das zwischen dem niedrigsten Lohn, der in diesem Land gezahlt wird, und dem Eckregelsatz, den der Staat einem Arbeitsunfähigen zum Lebensunterhalt gewährt, eine Minimalstdifferenz von € 30 zu bestehen hat.] Dieses Lohnabstandsgebot ist keine in ein Gesetz gegossene Regel, sondern einfach nur eine Tradition, die sich die freien Demokraten schon unter Kanzler Kohl vom Kanzleramt in Wirtschaftsdingen bestätigen ließen.

Eine Erhöhung des Eckregelsatzes wäre für diese Bundesregierung kein Problem. Sogar eine Erhöhung um generell 57% ist Dank des ehemaligen Finanzministers Schäuble ohne weiteres gegenzufinanzieren. Doch die SPD hat im Koalitionsvertrag der aktuellen GroKo bereits festschreiben lassen, daß es eben zu einer solchen „sozialen“ Erhöhung des Eckregelsatzes nicht kommen wird – gegen den Widerstand der CDU, die der AfD nach wie vor links verortet.

Aber Tafeln werden nun einmal gebraucht. Auch wenn ihre Auswahlkriterien wahllos, willkürlich und in den meisten Fällen sogar menschenverachtend sind. Wir haben in diesem Land kein Problem mit Refugies, die einen Teil ihres monatlichen Geldes (immerhin noch der halbe Eckregelsatz) in ihre Heimat schicken, damit ihre Familie nachkommen kann. Wir haben in diesem Land auch kein Problem mit der blaubraunen Losertruppe AfD. Wir haben in diesem Land ein Problem mit der systemalen fairen Umverteilung. Aber Tafeln werden nun einmal gebraucht, auch wenn sie Menschen verhungern lassen, weil sie jene sanktionieren, obwohl jene auf ihrem Grund und Boden nichts angestellt, sondern noch Unschuldige verteidigt haben.

Dieses Land benötigt eine Neuordnung der Sozialsysteme, dringend. Nicht nur von Seitens der Politik – was im aktuellen Bundestag wegen der Anwesenheit zweier direkt faschistischer Parteien, und einer, die nur zur Hälfte faschistisch tickt, nahezu unmöglich sein wird – sondern auch von Seitens der Gesellschaft. Aber die Tafeln werden gebraucht, die Gesellschaft wird nicht in Verantwortung genommen, denn solange Arme freiwillig zu den Tafeln gehen, um abgelaufene Waren abzuholen und auch noch zu bezahlen, wird sich nichts ändern. Weder in der Politik, noch in der Gesellschaft. Menschenrechte zählen diesem Land nicht mehr. Denn würden sie noch zählen, hingen die AfDler bereits an den Laternen!

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