Oftmals stellt sich die Frage: Sind unsere Politiker so blöde – oder tun die nur so? Im vergangenen Februar wurden sämtliche kulturell schaffenden, vornehmlich der schreibenden Zunft, von den €U-Politikern um ihre Pfünde gebracht. Denn seit dem Valentinstag gilt das neue €U-Urheberrecht.

Das neue am neuen Urheberrecht? Es stärkt nicht die Rechte des Urhebers irgendeines Textes, sondern die Rechte des Herausgebers. Ups, da gibt es einen Unterschied? Natürlich gibt es den! Der Urheber ist der Verfasser, Ersteller, Hersteller eines Textes. Der Herausgeber ist nur der Vermarkter dieses Textes – wenn überhaupt. Meist ist der Herausgeber auch nur einfach eine Internetplattform, die einem bereits fertige Arbeitsoberflächen zur Verfügung stellt.

Und genau an dieser Stelle beginnt die Ungerechtigkeit. Eigentlich sollte durch das von der €U geplante verbesserte Urheberrecht auf der Seite des Urhebers/Verfassers einer Schrift deutlich mehr Kohle hängen bleiben, als dies bisher der Fall war. Jegliche Seite von Herausgeber/Verlag sollte mit dem verbesserten Urheberrecht dazu gebracht werden, an einen Autor mehr als nur 2c/W (2 Cent pro Wort), oder 2% Tantiemen auf ein 500-Seiten-Buch zu bezahlen.

Doch weit gefehlt. Genau dies erreicht das neue verbesserte Urheberrecht nun eben nicht. Das neue Gesetz sieht den Herausgeber als den primär Kunstschaffenden, nicht den Urheber. Dies bedeutet, daß der Herausgeber nun von dritter Seite für einfache Zitate Kohle verlangen kann. Und zwar, so die geplante Staffelung, die noch nicht ganz durch ist, pro Zeile, die als Zitat/Quote auf irgendeiner Drittseite abgelegt wird, muß dann gelöhnt werden. Übrigens auch von dem eigentlichen Erzeuger dieser Zeilen, dem Urheber. Selbst dieser ist dazu verpflichtet, falls es nicht anders vertraglich festgelegt wird, einen entsprechenden Obulus an seinen Herausgeber zu bezahlen, wenn er aus seinem eigenen Werk auf eigenen Seiten zitiert. Und dann muß er, wie gesagt, nach Zeilenlänge zahlen.

Ein solches Urheberrecht haben sich in Europa die Verlage schon seit Erfindung des Buchdruckes gewünscht. Als Guttenberg damals in Mainz die Druckerpresse erfand, tat er dies, weil er es allen Menschen ermöglichen wollte, jenseits fern der Kirche, selbst lesen zu können. Und vor allem jenen Stoff lesen zu können, den sie auch lesen wollten. Die Kirche war damit nicht sonderlich einverstanden und begann damals schon einen Kleinkrieg gegen Verlage, die unauthorisierte Biographien von Päpsten oder gar Nonnen veröffentlichten. Dieser Kleinkrieg um das Recht am geschriebenen Wort ging noch bis zu Beginn der Neuzeit. Dann wurde Europa ein wenig zivilisierter und die Kirche trat in den Hintergrund, weil es nun nicht mehr handgeführte Druckmaschinen waren, sondern Stahlkolosse, die zuerst monatliche Zeitungen verbreiteten. Und schon damals bekam der Tintenkleckser, der für die Artikel in jenen Blättern verantwortlich zeichnete, nicht mehr als 2c/W. Das war damals Usus. Das war normal. Normal war da aber auch, daß der Besitzer der Zeitung, der Herausgeber, das volle Urheberrecht über jene Artikel hatte, die seine Schreiberlinge fabrizierten. Amerika ist damit groß geworden. Die ganze Welt ist damit groß geworden, begründete doch eine solche Regelung den immer stetig wachsenden Reichtum der Herausgeber. Während die Schreiberlinge Probleme hatten, wie sie das Geld für ihre Mieten zusammenbekamen. Aber schon damals galt: Schreiben ist eine brotlose Kunst. (Das kommt also nicht von ungefähr.)

Dann kam der Erste Weltkrieg, und die Welt veränderte sich. Mit einem Mal wurden während des Krieges Autoren bekannt. Und jene verlangten nun von den Verlegern eben einen fairen Anteil am Kuchen, den sie regelmäßig schufen. Kurz nach dem WWI stieg die Tantiemenkurve von läppischen 2% auf satte 45% für ein einfaches, gerade einmal 160 Seiten umfassendes Buch. Selbst kleine Autoren und Familien vormals brotloser Künstler, konnten mit einem Mal mit dem Verkauf der Veröffentlichungsrechte durch die Tantiemen wirklich schweinereich werden.

Das war aber etwas, was die Verleger nicht wollten. Sie wollten in erster Hinsicht reich werden, und vor allem bleiben. Aber es lag nicht in ihrem Interesse, dem Urheber von irgendeinem Text auch nur einen fairen Anteil an seiner Arbeit zu geben. Wobei man ja nicht vergessen darf: Das Erstellen eines Textes ist die wahre Arbeit, nicht dessen Vervielfältigung und in den Handel Bringung. Dies sind nur Nebenarbeiten, die zwar auch viel Zeit in Anspruch nehmen, aber nicht mit der Arbeit des künstlerischen Schaffens zu vergleichen sind. Die Verleger sahen dies bereits zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts anders. Und heute tun sie das umso mehr. In ihren eigenen Augen sind sie nämlich die einzig wahren wirklich schwer Schuftenden. Und nicht die Tintenkleckser, die da Tag für Tag neue Manuskripte, neue Texte, neue Stücke, fertig stellen. Nicht diejenigen, die mit ihrer Fantasie arbeiten, um Welten zu erschaffen, in denen vorher noch nie ein Mensch zuvor gewesen ist.

Das neue europäische Urheberrecht enteignet nun absolut den Urheber eines Textes zugunsten des Herausgebers. Die Regelung 2c/W wird nun in Stein gemeißelt, und damit unverrückbar für die einfache schreibende Zunft, die in den Zeitungen tätig ist. Verdienen tun jetzt nur noch die Verlage. Der einfache kleine Autor kann nicht mehr verdienen. Dies begann schon in Zeiten des digitalen Buches. Schon da wurde durch einige Winkeltricks dafür gesorgt, daß der Verlag dabei die große Kasse macht, aber nicht der schaffende Künstler. Denn Kunst ist entartet, immer! Dies denken nicht nur AfD-Mitglieder, dies denken alle, die auf Kosten von Dritten ihren Wohlstand verdienen.

Kunst ist etwas ätherisches. Etwas ungreifbares. Boyes Schrott im Museum am Walraffplatz war niemals so etwas wie Kunst. Es wurde nur herbeigeschrieben, daß Kilo Butter an der Wand sei Kunst. Dabei kann jedes dreijährige Kind ein Kilo Butter ansehnlich an einer Hauswand verteilen. Nennen wir es dann aber Kunst? Mitnichten. Dann ist es gar nichts, nur Dreck, der Ameisen und anderes Ungeziefer anzieht.

Genauso verhält es sich mit der Kunst des geschriebenen Wortes. Heutzutage gibt es keinen Verlag, der in seinem Standardvertrag nicht den Passus drin hat, daß der Autor, wenn er denn veröffentlichen möchte, gefälligst alle Rechte an den Verlag abzutreten hat. Selbst jene Rechte, an deren Existenz er zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal denkt, daß sie in seinem Besitz befindlich sind. Die Verträge sind da eindeutig. Einen Absatz höher folgt dann die Zusicherung des Verlages, garantiert 2% der Gewinnsumme des Werkes in jedem Fall dem Künstler, großspurig Urheber im Vertrag genannt, als seine eigene private Gewinnsumme des Deals auszuzahlen.

Wenn also ein Verlag merkt, daß ein Manuskript sich sehr gut verkauft, nimmt er normalerweise über Mittelsmänner Kontakt zur Filmbranche auf, und fragt nach, wie viel das eine oder andere Verfilmungsrecht denn Wert sei. Meist kaufen dann Studios die Verfilmungsrechte eines Buches, welches gerade im Aufwind ist. Dummerweise ist dies eine Vertragsverhandlung zwischen Studio und Verlag. Und da im Standardvertrag drinsteht, daß der Autor beim Veräußern seines Werkes sämtliche Rechte an den Verlag abzutreten hat, streicht der Verlag in einem solchen Fall eine satte, meist sechsstellige Erlössumme als eigene private Gewinnsumme ein. Und dies ist nur ein Beispiel von Vielen. Wer es nicht glaubt, sollte einmal die Filmschaffenden in Frankfurt oder Düsseldorf fragen, wie sie an manche Manuskripte und Drehbücher gekommen sind. Danach wird man anders von der Branche denken.

Aber zurück zum neuen Urheberrecht. In diesem ist nun klar geregelt, daß der Verleger derjenige ist, der von der Welt als der Urheber eines Textes gesehen wird, nicht der eigentliche Urheber, der somit völlig von der Bildfläche verschwindet. Der Verlag hat nun das Recht über ein bei ihm erschienen Werk so verhandeln, wie er es gerne möchte. Und der eigentliche Urheber kann Stolz darauf sein, noch jene 2% Tantiemen zu bekommen, die ihm der Verleger aus reiner Höflichkeit läßt. Obwohl mir bereits zu Ohren kam, daß einige britische Verlage selbst inzwischen darauf verzichten. Da erhält der Autor eines Werks nur noch eine vorher festgelegte Summe für ein Buch, aber keinen Tantiemenanteil mehr. In GB wird das Ganze dann auch noch als übermäßige Kulturförderung verkauft.

Nach dem neuen Urheberrecht hat ein Autor keinerlei Rechte mehr an seinem Werk, sondern nur noch der Verlag. Und wenn erst einmal die Filtersperren installiert wurden, wird es ganz kraß im Internet. Dann ist es nahezu unmöglich, neue Geschichten im Internet zu veröffentlichen, wenn ein Verlag vorher nicht das Paßwort rausgerückt hat, mit dem der Stoff durch die Verträglichkeitsprüfung kommt. Ergo: Es gibt wieder literarische Zensur. Kennen wir, mußte Deutschland bis 1974 ertragen. Bis dahin war es in der BRD nicht möglich, gesellschaftskritische Bücher zu veröffentlichen, weil alles vorher durch eine Zensur durch mußte. Jene Werke, die damals veröffentlicht wurden, schafften es meist dann auch nur, weil sie um etwa 1/3 ihrer Länge gekürzt worden waren. Und die 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts sind noch gar nicht mal so lange her. Das sind gerade einmal 50 Jahre.

Das neue Urheberrecht entrechtet den Urheber. Dafür wurde es geschaffen. Dafür wurde es explizit gemacht. Freie Autoren, die nur mit dem Arbeiten, was sie haben, haben nun nicht einmal mehr das. Ihre Fantasie, ihre Kreativität gehört nun offiziell ihrem Herausgeber. Sie selbst sind nichts mehr als einfache Tintenkleckser. Ohne Rechte, die froh sein dürfen, 2% Tantiemen zu erhalten. Unsere Kollegen von der schreibenden Zunft wie Journalisten tun einem jetzt besonders Leid. Sie bekamen vorher schon nicht mehr viel für einen vernünftigen langen Artikel. Doch jetzt ist die 2c/W in Stein gemeißelt, in Zement gegossen. Unverrückbar. Eine Preiserhöhung wird es da aber nicht geben. Es sei denn, alle Autoren in diesem Land legen einen gezielten und vor allem lange andauernden Generalstreik hin. Also alle TATORT-, WILSBERG- und sonstige Autoren treten in Streik, weil sie bei diesem neuen Urheberrecht alles verlieren. Sie behalten nicht einmal mehr das grundlegendste Recht an ihrem Manuskript. Dies geht nämlich nun auch an den Verleger. Er sichert damit jedoch nicht ihre eigenen Interessen ab, sondern nur seine eigenen.

Wenn ein neues Urheberrecht gemacht werden muß, dann nur von jenen, die auch davon betroffen sind. Immerhin dürfen Anwälte im Bundestag ja auch die Gesetze machen, an die sich letztlich halten! Und da regt sich dann keiner darüber auf, daß da vielleicht einige Gesetzesvorlagen nicht ganz fair wären. Das neue Urheberrecht ist in jedem Fall nicht fair. Weder dem Kunstschaffenden, noch dem Verlag gegenüber. An dieser Stelle wäre ein Streik aller Schreibenden das einzige Mittel, eine weitere Enteignung zu verhindern. Denn sonst haben wir in weniger als 10 Jahren keinerlei Buch mehr auf dem Markt, also auch keine Buchhandlungen mehr.

WOLLT IHR DAS?

Leave a Reply

You must be logged in to post a comment.