Die deutsche Verkehrspolitik treibt manchmal Blüten, die man kaum Glauben kann. Da wäre zum einen erst einmal das total sinnlose Radwegebenutzungsgesetz in der StVO. Dies schreibt jedem Radfahrer vor, daß er gerfälligst den Radweg zu benutzen habe (sofern vorhanden) und mit seinem Velociped nichts auf der herkömmlichen Land- oder Bundesstraße verloren hat.

Über die sinnig- oder Unsinnigkeit dieses Gesetzes gehen die Meinungen durchaus auseinander. Befürworter der Doktrin: Die Straßen gehören den Automobilen und Radfahrer haben dort nichts verloren, findet man in allen Parteien. Vornehmlich in denen, die auch der Meinung sind, daß CO² nicht unbedingt an der Klimakatastrophe Schuld ist, solange jeder noch ganz unschuldig seinen SUV fahren darf.

Dieser Fall hier nun sorgt für ein Clownerie in den deutschen Gerichten und stammt, wen wunderts, mal wieder aus dem Kreis Darmstadt-Dieburg. Dort geschehen öfters merkwürdige Dinge, vor allem, wenn es Radfahrer betrifft.

Wegen Nötigung und Beleidigung ist der Radfahrer Max Moritz Sievers vor zwei Jahren zu einer Strafe von 80 Tagessätzen verurteilt worden, weil er auf der Straße fuhr und einem Auto keinen Platz machen wollte. Heute geht die Verhandlung vor dem Landgericht Darmstadt in die zweite Instanz. Der 26-Jährige aus Weiterstadt, der sich strikt weigert, Radwege zu benutzen, hatte Berufung gegen das Urteil eingelegt. Zudem richtete er eine Petition an den Bundestag, in der er gegen die Radwegebenutzungspflicht kämpft.

Radfahren ist ja ein schöner Sport. Um jedoch beispielsweise in Darmstadt die für jeden offen stehende Radrennbahn zu erreichen, muß man quer durch das Stadtgebiet fahren. Auf einem rot markierten Seitenstreifen auf den Haupt- und teilweise auch Nebenstraßen. Das Problem hierbei ist, daß in den Nebenstraßen von Autofahrern der rote Streifen mehr als oft mit einem Parkstreifen verwechselt wird. Anzeigen von Anwohnern und betroffenen Radfahrern werden jedoch von der hessischen Polizei geflissentlich ignoriert. Anders herum jedoch, wenn sich ein Autofahrer durch einen Radfahrer gestört und in seinen Rechten eingeschränkt fühlt, greift die Polizei sofort zu und verhängt teilweise saftige Bußgelder.

So auch wenn von Radfahrern, die aus Bessungen nach Darmstadt-Innenstadt einfahren, die Ludwigsstraße benutzt wird. Hier ist kein Radweg vorhanden (was auch kein Wunder ist, da die Straße vornehmlich als ausgelagertes Parkhaus von den Autofahrern benutzt wird), zudem ist der untere Teil am Luisencenter eindeutig als Fußgängerzone ausgewiesen. Und auch hier fährt die Polizei regelmäßig Streife, seitdem die Asphaltsockel endlich auf Druck des ADFC entfernt wurden.

Doch kehren wir zu den Radwegen zurück. Die Stadt Darmstadt baut, wie so viele hessische Städte, nur zögerlich ihr Radwegenetz aus. Sofern es denn existiert. Im benachbarten Eberstadt, als auch im gleichfalls nebenan liegenden Weiterstadt ist faktisch kaum von der Existenz eines Radweges zu sprechen. Radfahrer werden hier gezwungen, Nebenstrecken zu benutzen und laufen selbst dort Gefahr, von Autofahrern einfach überfahren zu werden, da kein nennenswerter Radweg vorhanden ist.

Vom nahen Bensheim aufwärts bis hinüber ins große Frankfurt/Main verspricht die CDU-Landesregierung nun schon seit mehreren Jahren den Ausbau eines durchgehenden Radwegs in der Region. Getan hat sich, und dies ist nicht nur meine Einschätzung, nichts. In Darmstadt wurden mit Landesgeldern die roten Markierungen auf der Straße erneuert, aber das Radwegenetz eindeutig nicht ausgebaut. Bestimmte Stadtteile sind also nur mit dem Befahren der regulären Straßen zu erreichen. Und genau hier beginnt die Qual.

Der Kreis Darmstadt-Dieburg besitzt nicht einmal einen Radweg, der Darmstadt direkt mit Dieburg verbindet. Jener endet am Stadtende in Darmstadt und beginnt erst wieder bei den ersten Häusern von Dieburg. Solange ist der Radfahrer gezwungen, auf der Landstraße zu fahren. Der einzige nennenswerte Radwegebau in den vergangenen 2 Jahren war die Schaffung eines Radweges von der B3 (alte B3 zwischen Bickenbach und Eberstadt) auf Höhe Seeheim-Jugenheim hinunter bis nach Pfungstadt. Allein dieser 6 Km lange Radweg, der endlich (nach mehr als 30 Jahren Wartezeit) beendet wurde, kostete die beteiligten Gemeinden einige hunderttausende €uros.

Wenn also nun ein Radfahrer von der Presse als radikal begriffen wird, nur weil er endlich Schluß machen will mit einem wirklich teilweise merkwürdigen Gesetz, so ist dies eine Ehrung des Radfahrers. Gleichzeitig jedoch bedeutet dies jedoch, daß man in der StVO nicht nur ständig den Bußgeldkatalog erweitern sollte, sondern sich auch endlich einmal um die Dinge kümmert, die wirklich wichtig sind. Einm vernünftgies Radwegenetz durch ganz Hessen beispielsweise würde nur dann Sinn machen, wenn es denn schon existierte. Auch dann könnte man erst darauf bestehen, daß jener Benutzungspflichtparagraph auch wirklich sinnvoll ist und umgesetzt werden muß.

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4 Responses to “Immer diese Radfahrer”

  1. Raspulatov sagt:

    Ich möchte hiermit begrüßen das die möchte-gern Jan Ulrichs und Armstrongs NICHTS auf den Landstraßen verloren haben und sollen aufhören wenn diese in Gruppen fahren auch noch provokativ 3 mann oder mehr nebeneinander fahren, gehören weg von der Straße oder sollen wie in der Fahrradschule gelehrt wird hintereinander fahren. So viel Hirn und Verstand wird man doch mitringen können oder ? Dafür verbraucht es kaum an Hirnzellen zum klar denken. Ich sehe leider so oft Ignoranten in ihren Jan Ulrich Outfit zwischen Groß-Bieberau und Brensbach, also auch Reinheim und Roßdorf immer wieder Ignoranten die sich weigern auf dem ausgebauten Fahrradweg zu fahren. Einfach mal hupen das sollte jeder tun damit die endlich kapieren die haben NICHTS verloren auf dem Landstraßen, außer bei offiziellen Straßenrennen herrscht Einstimmigkeit. Leider gehört das Übel ebenso auch in der Stadtmitte Darmstadt von diesen Fahrrad-Rambos, sollen endlich laufen und nicht alte Frauen oder Menschen in Krücken in Gefahr bringen. Ich bin selber Radfahrer und mache sowas nicht und das verhalten an Ignoranz erinnert mich sehr stark wie die Diskussion über das Thema Rauchen. Schaltet Hirn ein und seid tolerant dann geht das schon, wer wie ein kleines stures Kind verhält kommt zu nix und soll auch erst recht nicht zum Recht kommen.

  2. Raspulatov sagt:

    Ich möchte hiermit begrüßen das die möchte-gern Jan Ulrichs und Armstrongs NICHTS auf den Landstraßen verloren haben und sollen aufhören wenn diese in Gruppen fahren auch noch provokativ 3 mann oder mehr nebeneinander fahren, gehören weg von der Straße oder sollen wie in der Fahrradschule gelehrt wird hintereinander fahren. So viel Hirn und Verstand wird man doch mitringen können oder ? Dafür verbraucht es kaum an Hirnzellen zum klar denken. Ich sehe leider so oft Ignoranten in ihren Jan Ulrich Outfit zwischen Groß-Bieberau und Brensbach, also auch Reinheim und Roßdorf immer wieder Ignoranten die sich weigern auf dem ausgebauten Fahrradweg zu fahren. Einfach mal hupen das sollte jeder tun damit die endlich kapieren die haben NICHTS verloren auf dem Landstraßen, außer bei offiziellen Straßenrennen herrscht Einstimmigkeit. Leider gehört das Übel ebenso auch in der Stadtmitte Darmstadt von diesen Fahrrad-Rambos, sollen endlich laufen und nicht alte Frauen oder Menschen in Krücken in Gefahr bringen. Ich bin selber Radfahrer und mache sowas nicht und das verhalten an Ignoranz erinnert mich sehr stark wie die Diskussion über das Thema Rauchen. Schaltet Hirn ein und seid tolerant dann geht das schon, wer wie ein kleines stures Kind verhält kommt zu nix und soll auch erst recht nicht zum Recht kommen.

  3. Free Willy sagt:

    Es stimmt schon, daß dieses Gesetz auf eine gewisse Art und Weise Sinn macht – oder es zumindest sollte. Das mit den Radrowdys kann ich auch so weit unterschreiben, wenn sich jene auf dem Radweg austoben würden (dort, wo er existiert), wären viele Unfälle vermeidbar.

    Nur ist meines Wissens nach die Radwegdichte in Darmstadt-Dieburg nicht komplett gegeben. Sie konnte bei weitem besser sein.

  4. Free Willy sagt:

    Es stimmt schon, daß dieses Gesetz auf eine gewisse Art und Weise Sinn macht – oder es zumindest sollte. Das mit den Radrowdys kann ich auch so weit unterschreiben, wenn sich jene auf dem Radweg austoben würden (dort, wo er existiert), wären viele Unfälle vermeidbar.

    Nur ist meines Wissens nach die Radwegdichte in Darmstadt-Dieburg nicht komplett gegeben. Sie konnte bei weitem besser sein.