Die Geschichte der Nordostumgehung Darmstadts – Ein Drama in sehr vielen Akten. [1. Akt]

Ursprünglich war die Nordostumgehung eine Idee der die Stadt regierende CDU. Aber selbst die war nicht in der Lage, in zehn Jahren Vorarbeit, das gesamte Projekt auf stabile Füße zu bringen. Immerhin gelang es zumindest damals schon so etwas wie einen möglichen Verbauungsplan aufzustellen. Doch dann kam die €uro-Einführung von Bundeskanzler Kohl dazwischen und von da an fehlte der Universitätsstadt chronisch das Kleingeld für eine solche Baumaßnahme.

Richtig lustig wurde es dann, als zwei SPD-Mitglieder im vergangenen Landtagswahlkampf auf die glorreiche Idee kamen, diesen Vorstoß der darmstädter CDU zu kopieren und sich selbst aufs Panier zu schreiben und strikt für einen Ausbau, beziehungsweise Neubau der Nordostumgehung zu kämpfen. Nur halt eben dumm, wenn manches nicht so läuft, wie man es sich denkt. Die beiden zur Wahl stehenden wurden nicht gewählt, weil die SPD durch eigenes Versagen (und durch den Verrat von 4 Genies) darum gebracht wurde, herrschende Kraft in Hessen zu werden.

„Der Bau steht unter Finanzierungsvorbehalt“, lautete Oberbürgermeister Walter Hoffmanns Antwort. Das heißt: Auch wenn sich die Bürger im Juni für die Umfahrung aussprechen, kann sie nur gebaut werden, wenn die Stadt das Geld hat. „Gibt es ein Finanzierungskonzept?“, wollte deshalb ein Versammlungsteilnehmer wissen.

„Wir haben noch keines“, räumte Sozialdezernent Jochen Partsch ein. Einige Redner befürchteten deshalb, die Stadt werde bei sozialen und kulturellen Aufgaben sparen, um die Straßen finanzieren zu können.

Nun ist die SPD in Darmstadt wenigstens clever genug, um erst einmal die Bevölkerung des Martinsviertels zu fragen, ob die überhaupt die Nordostumgehung wollen, die immerhin den Rhönring von zu viel Verkehr befreien soll.

Und da Bürgerinitiativen nun einmal hessisch Hobby sind, grub man dort dann auch prompt eine Bürgerinitiative aus (die übrigens auch von SPD-Mitgliedern betrieben wird, habe ich mir sagen lassen), die sich vehement gegen den Bau der neuen Trasse ausspricht.

Jedoch vergessen die Alteingesessenen hier, daß es das gleiche Palaver schon einmal gab, als es darum ging, mitten durch das darmstädter Zentrum damals den Verbindungsstraßentunnel zu graben, der von Griesheim kommend die Nordstadt mit der Autobahn verbindet. Auch damals gab es eine Bürgerinitiative, die damals vornehmlich von den damals in der Kante ansässigen Geschäftsbesitzern gesponsert wurde und die wirklich ein Problem damit hatte, daß dieser Tunnel gebaut wird. Vor allem, daß dieser Tunnel noch einen weiteren Abschnitt erhalten sollte, der das darmstädter Staatstheater ebenfalls damit verbinden sollte.

Die Bürgerinitiative ließ sich damals mit einer kleineren (oder auch größeren) Summe Geldes ruhig stellen und das Bauvorhaben wurde durchgesetzt. Heute jedoch verhält es sich so, daß in der besagten Ecke des Martinsviertels erst einmal kaum erschlossene Infrastruktur ist (die Stadt hat dort regelmäßig gespart, wenn investiert wurde, dann nur von Unternehmen), zum anderen habert es dort auch, weil es eigentlich eine relativ natürlich gebliebene Ecke der Stadt ist. Die Nordostumgehung würde am Frischwasserreservoir der Stadt, dem großen Woog, herauskommen und dann bestände wirklich die Gefahr, daß die Frischwasserreserve der Stadt durch Blei kontaminiert wird. Zudem ist es die einzige Ecke in der Stadt, in der noch wilder Spargel wächst. Und genau dadurch würde man die Schneise ziehen.

Das Problem, daß sich nun also ergibt, ist das folgende: Sollte die SPD ihrem Wahlversprechen treu bleiben, würde sie Wähler im Martinsviertel verprellen, von dessen Einwohner ungefähr 60% den Ausbau nicht wollen. Die restlichen 40% versprechen sich eine Belebung ihres Viertels und einen nachfolgenden, zügigen, Ausbau ihrer nicht vorhandenen Infrastruktur. Zudem läßt sich diesmal die Bürgerinitiative nicht kaufen, da es sich vornehmlich um Privatleute dreht.

[wird fortgesetzt]

Quelle: hier

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