Hier gibt es den 1. Teil

Wer profitiert von der Armut?

Nachdem im ersten Teil dieser kleinen Artikelreihe erst einmal genau festgestellt wurde, was Armut denn überhaupt ist, muß ich bekennen, daß auf einer sozialen Plattform bereits die ersten Anfeindungen gegen mich als Autor laut wurden. Einige Leute fanden es ein wenig neben der Spur, zuerst einmal genau Armut zu definieren, bevor man sich an die Debatte des Themas selbst macht, wenn ja alle Armen eigentlich nur arbeitsscheue Faulenzer sind (O-Ton Kritiker). Mich amüsierte diese Reaktion, da dies bedeutet, daß der erste Artikel bereits einen Teil seines Zwecks erfüllt und sich die Systemschmarotzer quasi schon selbst outen, weil sie sich durch den ersten Artikel bereits geoutet fühlen.

Das Problem bei einer Armutsdebatte ist, daß man wirklich zuerst einmal die Grundlagen genauer kennen muß, bevor man sich das Recht heraus nimmt, bei dem Thema mitzusprechen. Deshalb auch der scheinbare Umweg über die genaue Armutsdefinition im ersten Artikelteil. Dieser Schritt war jedoch notwendig, damit die Causa, um die es eigentlich geht, auch bewußt wird.

Deshalb ist es auch nicht so einfach zu sagen, wer denn nun von der Armut der Menschen im Allgemeinen profitiert. Es gibt nämlich bei diesem Thema perverserweise mehr als einen Profiteur. Um die Profiteure dementsprechend zu enttarnen und somit die Ursachen der Armut näher zu beleuchten, sind eben kleine Umwege erforderlich. Und damit leider auch zeitraubende Recherche.

Armut ist nichts gottgebenes, obwohl es beispielsweise die Kirchen so erscheinen lassen. Laut den Parteien ist jeder Mensch eigenverantwortlich daran, wenn er in Armut leben oder dahin vegetieren muß. Und die Meinung der Industrie dazu, muß ich nicht noch einmal betonen, da jene sagt, daß man Profite nur dann erwirtschaften kann, wenn die Löhne entsprechend niedrig sind. Armutslöhne jedoch fördern die Armut und schädigen die Binnennachfrage, was sich letztlich auf die Wirtschaft negativ auswirkt. Deshalb an erster Stelle hier einmal diejenigen Profiteure, die man jederzeit ausmachen kann. Wenn auch nicht so offensichtlich, wie es an dieser Stelle geschieht.

Die Gesellschaft

Der hautpsächliche Nutznießer und Profiteur der Armut ist eindeutig die Gesellschaft. Wie bitte? Ja, richtig gehört. Ohne eine gesellschaftliche Anerkennung der Armut, wäre diese gar nicht möglich. Weder in sogenannten Sozialstaaten, noch in sogenannten Demokratien, die nur noch ein Schatten ihrer Selbst sind. Die Gesellschaft zieht ihren Gewinn aus mehrerlei Dingen bei dem Thema Armut. Zum einen ist dann eine zu stigmatisierende Gesellschaftsgruppe vorhanden, die man mit Haß von anderen Teilen der Gesellschaft verfolgen lassen kann (und man leitet so Aggression der Bürger gegen ihre Regierung ab), sondern auch dadurch, daß die Armen selbst als Schmarotzer am System angesehen werden.

Die Gesellschaft setzt sich angeblich aus mehreren Schichten zusammen. Diese Aussage ist grundfalsch – oder auch wieder irgendwie richtig – da die Gesellschaft von Menschen unterschiedlichen Bildungs- und Finanzierungsstandards gebildet wird. Nur hat der einzelne Mensch im eigentlichen Sinne nichts davon, wenn sein Nachbar arm ist. Eher das Gegenteil ist der Fall [doch dies wird ein einem der späteren Teile noch Erklärung finden]. Jedenfalls profitiert die Gesellschaft allein schon dadurch von der Armut des Einzelnen, weil sie sich dadurch in die Lage versetzt sieht, Gesetze zu erlassen, die gegen den gesunden Menschenverstand gerichtet sind.

Soziale Einrichtungen

Ja, auch soziale Einrichtungen gehören zu den Nutznießern von weitverbreiteter Armut. Durch soziale Einrichtungen kann man dem Armen Dinge in den Kopf einbläuen, die er so niemals annehmen würde, da sie gegen den gesunden Menschenverstand gerichtet sind. Soziale Einrichtungen profitieren hier auch wieder doppelt davon, ähnlich der Gesellschaft im Allgemeinen. Soziale Einrichtungen haben den Vorteil, daß sie durch ihre Bemutterungsbemühungen eine ständige Kontrolle über den Armen ausüben können. Tanz ein Armer aus der Reihe, kürzt man einfach die entsprechenden Zuwendungen, bis er wieder konform in der Masse mitläuft.

Der zweite Gewinn der sozialen Einrichtungen an der Armut ist, daß sie den armen Menschen zu Billigstlöhnen (noch unter dem so oft gescholtenen Niveau Shanghais oder Thailands) schuften und malochen lassen kann und damit, durch die Dinge die dann wirklich zu absoluten Hungersnöten gefertigt werden, noch zusätzlichen Gewinn einstreichen kann. Hinzu kommt noch, daß soziale Einrichtungen meistens noch eine staatliche Unterstützung erfahren, wenn sie bereitwillig einen Armen zu einem Hungerlohn (also nicht menschenwürdig) schuften lassen.

Klerikale Einrichtungen

Auch wenn es zynisch klingen mag: Die Kirche macht einen Großteil ihres Gewinns allein durch die Ausbeutung von verarmten Menschen. Andererseits bietet sie über ihre sozialen Einrichtungen auch noch Hilfestellungen an, damit der Arme sich an den Zustand seiner Armut auch gewöhnen kann. Die Kirche verfolgen hierbei jedoch eine Doppelstrategie und profitieren ebenfalls doppelt von der Armut.

Zum einen sorgen sie dafür, daß der Arme nicht von seinem Glauben abfällt, zum anderen bieten sie ihm eine Arbeit zu einem Hungerlohn, der ihm zumindest noch das Überleben gestattet. Dies jedoch dann mit der Auflage, seinem Glauben treu zu bleiben. Es kommt nicht selten vor, daß vom Glauben abgefallene arme Menschen keinerlei klerikale Zuwendung mehr erhalten.

Industrie

In einigen Ländern auf diesem Globus ist es bereits so weit, daß die Industrie ebenfalls schon im großen Stil an der allgemeinen Armut unter den Arbeitenden profitiert. Jedoch nur einfach und nicht doppelt, wie die erstgenannten Bereiche. Da die Industrie in Ländern wie Thailand oder Iraq sich in den Händen der Mittelschicht befindet, ergibt dies gleichzeitig auch noch ein leicht verzerrtes Bild der Zustände überhaupt.

Die Industrie profitiert von den Armen allein dadurch, daß sie dadurch in ihrer Werbung, in ihrem Marketing, einen gewissen Lebensstandard verkaufen kann, der so gesehen schon lange nicht mehr existiert und nur noch den Reichen und Wohlhabenden zustehend ist. Die Industrie hat sich zwar noch nicht global dementsprechend zusammen geschlossen, jedoch ist abzusehen, daß der normale Mittelstand bald seinen Status innerhalb der Gesellschaft verlieren wird. Durch eigenes Versagen und der eigenen Gier, ebenfalls an der Armut dementsprechend mitzuverdienen.

Weitere Profiteure …

Man könnte diese Liste durchaus noch um den einen oder anderen Punkt erweitern, dennoch würde man die Hauptprofiteure einer globalen Armut niemals genau erreichen, geschweige denn eindeutig benennen können. Es gibt zuviele Gesellschaftsschichten (die für sich selbst ein Mythos sind), die an der Armut profitieren. Diese Profiteure tun dies stellenweise wirklich mutwillig, stellenweise aber auch eher zufällig.

Unser Problem sind also nicht die kleinen Profiteure, die als Einzelpersonen einen besonderen Schnitt dabei machen, wenn die Armut sich noch weiter ausweitet und es noch mehr Menschen gibt, die Opfer einer verfehlten Wirtschaftspolitik werden. Sondern es sind die großen Profiteure, die Gruppen, die daran verdienen. Die Kirche ist nur eine von vielen Organisationsstrukturen, die an weitverbreiteter Armut sehr gut mitverdient.

Als in Argentinien in der vorletzten Dekade die Wirtschaft zusammen brach, war es ausgerechnet die Kirche, die den Menschen nicht nur Nahrung versprach, sondern auch Seelenheil. Das Ergebnis ist bekannt und die Regierung Kirchner gilt nicht umsonst als im Sinne der alten Militärjunta stehend. Es sollte jedoch auch klar sein, daß die Kirche ihre Macht in Argentinien hat ausdehnen können, während andere Religionen, die dort noch in den 80er Jahren geduldet wurden, zurückgedrängt und unterdrückt werden. Alles in Folge der Armut, die sich im Land breit machte. Nur ist Argentinien nur eines von vielen Beispielen.

So wird in Asien generell der Islam bekämpft, weil eben die armen Menschen eher zum Islam als zum Christentum übertreten. Dementsprechend wird dann natürlich auch mit den Konvertiten in einigen asiatischen Ländern verfahren. Auch hier hat wieder die Kirche im Hintergrund das Sagen, an deren Richtlinien sich dann komplette Gesellschaften ausrichten. Die Neoevangelikalen in Thailand und Korea stellen bereits ein Sicherheitsrisiko dar, da deren Verachtung für die Armen gerade dabei ist, diese Länder entscheidend zu spalten. Die südkoreanische Regierung ist jedoch bereits bestrebt, weiteren Einfluß der christlichen Kirche zugunsten der alten Landesreligionen einzuschränken.

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