Siehe hierzu Teil 1 & Teil 2

Welche gesellschaftlichen Folgen hat die Armut?

Wenn man zu Grunde legt, daß das, was wir derzeit haben, wirlich eine globale Zivilisation ist, haben wir es mit einer Gesellschaft zu tun, die in sich geschlossen krankhaft egoistisch ist. Nicht, daß dies wirklich eine Überraschung wäre. Fest steht jedoch, daß die Raffgier wohl der eigentliche Grund ist, der die Menschheit in ihrem Tun voran treibt. Ich spreche hier nicht von Wissenschaft oder Soziologie, sondern einfach davon, daß der gegenseitige Neid die Hauptantriebsfeder in einer von Natur aus pervertierten Gesellschaft ist.

Das vornehmliche Problem von Gesellschaft ist, daß sie relativ einfachen Normen folgen. Normen, die entweder vom gesunden Menschenverstand oder kranken Religionen vorgegeben werden. Eine Gesellschaft, die keinerlei Armut kennt oder kannte, hat demnach auch kein Bestreben, das gesellschaftliche Problem überhaupt erst zu erzeugen. Anders wiederum eine Gesellschaft, in der die Armut von Anfang an dazu diente, den Abschaum vom wirklich „werten“ Menschen zu trennen.

Um einmal wirklich gehässig zu klingen: Eine globale Gesellschaft, die allein darauf aufbaut, daß vielleicht zwei oder drei Dutzend reicher Familien den Planeten in der Kontrolle quasi unter sich aufteilen, kann nicht überlebensfähig sein. Wenn also diese vielen reichen Familien also den Planeten auf Dauer beherrschen wollen, geht dies nun einmal nicht via der Waffe der Armut gegen diejenigen, die eben nun einmal kein Abschaum sind.

Verkompliziert  wird das ganze dann noch ironischerweise durch die Existenz von Kirchengemeinschaften, die ihre Macht allein dadurch halten können, in dem sie mithelfen die Armut zu verwalten, wenn nicht gar zu erzeugen. Schon im Buch der Lügen steht: „Gebt des Kaisers, was des Kaisers ist, der Rest gehört dem Herrn!“ Lustigerweise ist es genau jenes Argument, welches beweist, daß die Kirchen (vornehmlich die mosaischen Religionen an sich), nur dem einzigen Zweck dienen, Macht und Einfluß auf Kleider tragende Männer zu übertragen. Allein schon die Hochnäsigkeit, einen König oder Kaiser als einzigen salben zu dürfen und die Verantwortung zu tragen, daß sich kein Herrscher selbst zu einem solchen krönt, entbehrt nicht einer gewissen Ironie.

1. Folge: Machtmißbrauch

Aber kümmern wir uns jetzt zuerst einmal um die Folgen. Das Dilemma bei dieser Armutsdebatte ist, daß sie nicht richtig geführt wird und beide Seiten Totschlagsargumente anführen, um die Rechtmäßigkeit ihres Standpunktes beweisen zu können. Das dies der total falsche Weg ist, wird in dem Moment offenbar, wenn man einmal die Grundargumentationslinien beider Seiten hinterfragt. [Allein deshalb wurde der Autor von dritter Seite wegen seiner ersten beiden Artikelteile hart angegriffen.]

Fest steht, daß die Armut nicht nur den derzeit Herrschenden wunderbar im Selbstzweck dienlich ist, sondern auch den Religionen, die sich via Armut wieder Einfluß bei genau jenen Teilen im Volk erhoffen, daß sie schon vor Jahrhunderten knechteten und ausbeuteten. Es steht natürlich außer Frage, daß ein solcher Machtmißbrauch grundsätzlich einem tieferem Gedankenbild folgt.

Doch nicht nur der Reiche wird durch die Armut versetzt, Macht auszuüben, die eigentlich dem Volk zusteht, sondern auch all jene, die sich heute als Berufspolitiker in ihrer Profilneurose profilieren wollen. Quasi also all jenes arbeitsscheues Pack, daß ein Jahrzehnt an der Universität zubringt, ansonsten aber nichts zustande kriegt. Die Kinder von Reichen, bildungsfernen, selbsterklärten Eliten sind es, die auf die Armut herab schauen, die eben ihre eigene Familienpolitik (und damit ist das Verhalten der Familienmitglieder miteinander gemeint) ständig fabriziert.

Sowohl Kirche als auch scheinbar elitäre gewählte Volksvertreter mißbrauchen offen ihre Macht, um die Kontrolle über die Armen und somit über das Volk zu behalten. Die Hartz-Gesetzgebung ist nur ein weiteres, deutliches Zeichen dafür, wie weit dies mittlerweile gekommen ist und bis in welche Kreise sich dieser Machtmißbrauch fortsetzt. Es geht hierbei weniger um total unfähige Politiker, als eher darum, daß die Gesellschaft einfach dabei zuschaut, wie ein Machtmißbrauch von Seitens des Klerus und der herrschenden Elite begangen wird. Ein Machtmißbrauch übrigens, der nachhaltig das Gefüge des sozialen Miteinanders schädigt.

2. Folge: Sozialdarwinismus/Sozialfaschismus

Alle Wegen führen nach Rom, und manche auch darüber hinaus. So lautet ein altes lateinisches Wort. In der gesellschaftlichen Neid/Armutsdebatte jedoch, zeigt dieses Wort seinen wahren Gehalt. In einem System, daß vornehmlich von Aussiebung der angeblich nicht lebensfähigen/lebensberechtigten Individuen lebt, kann es zu nichts Gutem führen, wenn absichtlich ein Teil des Volkes vom allgemeinen Wohlstand ausgesperrt wird.

Die Elite wird ihre Überlegenheit allein dadurch erklären, in dem sie dem alten Sozialfaschismus wieder huldigt und dadurch klar macht, daß nur sie das Herrschaftsrecht ausüben kann. Demokratien scheitern nicht an ihrem demokratischen System, sondern an dem kontinuierlichen Machtmißbrauch selbsterklärten, dummer, Eliten! Wenn sich also erst einmal eine Elite heraus gebildet hat, ist klar, daß die Armut früher oder später mit Genozid eingedämmt wird. Dies liegt in der Natur der Sache.

Der Elite bleibt auch rein technisch gesehen keine andere Wahl als die armen Mitbürger umzubringen. Man möchte ja nicht nur Kosten sparen, sondern weiterhin die Kontrolle behalten. Dies geht jedoch nicht, wenn man weiterhin gezwungen ist, Armut mit Sozialprogrammen oder gar Sozialhilfe zu bekämpfen. Man kann nur dann die Kontrolle behalten, wenn man den Barbaren heraus hängen läßt. Schon im Mittelalter waren Ritter und Fürsten dazu berechtigt, die Menschen, die in ihren Gebieten lebten, wahllos zu töten. Hinterher holte man sich beim Klerus dann für diese Taten die Absolution ab, und besaß wieder sowohl eine reine Weste als auch ein reines Gewissen.

3. Folge: Wirtschaftsdiktat

Natürlich ist es so, daß die Demokratie schon ehedem auf tönernen Füßen stand. Dumm wird es nur dann, wenn schließlich dieser dünnwandige Ton in sich zusammen fällt, weil einige Faschisten im Kostüm des Demokraten mit Propaganda, Ausflüchten, Verhetzungen gezielt gegen eben die vorgehen, die sie als arm in irgendeiner Form ansehen. Ob es da nun der Bildungsgrad ist, der darüber entscheidet, ob jemand in Armut leben muß, sei erst einmal dahin gestellt. Jene politische Aussage ist populistisch zu sehen, da sie keinesfalls den wahren Gegebenheiten entspricht, sondern nur eines ist: Reine Hetze.

Nun ist es aber auch so, daß eben jene Verhetzer aus den Reihen der selbsterklärten Elite diejenigen sind, die sich anmaßen, darüber entscheiden zu können, was wahre Arbeit ist und was nicht. Ironischerweise hat diese Elite niemals selbst wirklich gearbeitet, kann also nicht einmal im Ansatz erklären, was Arbeit wirklich ist. Lohnabhängige Arbeit wird als Arbeit angesehen, weil sie den Reichen reicher und den Armen ärmer macht. Vor allem in Zeiten von künstlich erzeugten Wirtschaftskrisen, die rein faktisch nicht einmal auf dem Papier existieren, sondern nur Hirngespinste einer übersteigerten Phantasie sind.

Klar, es wird behauptet, wir wären am Ende einer globalen Wirtschaftskrise. Einer Wirtschaftskrise, die die Gewinnträchtigkeit der Reichen und Wohlhabenden, eben jener Scheinelite, eingeschränkt hat. Jedoch nicht so, daß dabei wirklich Verluste in Milliardenhöhe aufgelaufen wären. Der gesamtpolitische Schaden war vernachlässigbar, die darauf hin folgende Hetze gegen Arbeitslose, die wegen der kranken Gesetzgebung in diesem Land immer mehr verarmen, jedoch nicht. Der wirtschaftliche Schaden dieser Wirtschaftskrise jedoch hielt sich derart in Grenzen, daß Banken, wie die Deutsche Bank, auch in Krisenzeiten immer noch pro Quartal gewaltige Gewinne einfuhren. Und da die Steuergesetzgebung in diesem Land mehr als reichenfreundlich gestaltet ist, fuhr nur der deutsche Staat während der Krise einen Verlust ein, während die Reichen reich blieben.

4. Folge: Demokratieverlust

Schaut man sich jetzt einmal die Äußerungen des Parteichefs der Freien Radikalen (Liberalen) einmal genauer an, erkennt man hinter der Armutsdebatte durchaus eine Neiddebatte, die gleichzeitig noch in einer Hoffährtigmachung des bereits latent im Lande vorhandenen Faschismus dienlich ist. Eigentlich ist es eher so, daß es genau jene neoliberalen Kräfte sind, die permanent an der Demokratie und am Verständnis dessen sägen. Und zwar nicht mit einer kleinen Stichsäge, sondern mit einer Motorsäge, der sehr bald die Demokratie zum Opfer fällt.

Nicht nur, daß man den Armen ein Mitspracherecht in der Politik verweigern will – eine Lobby besitzen jene sowieso nicht – sondern man geht gleich so weit und spricht den Armen schon einmal ein generelles Lebensrecht ab. Dabei ist es genau dieser Teil der Gesellschaft, der noch niemals zu deren Ausweitung und Reichtum beigetragen hat. Der Neoliberalismus ist eigentlich nur eine sanftmütige Umschreibung für die Begrifflichkeit Faschismus. Sozialdarwinismus ist nur eine der Folgen davon, wenn die Demokratie weiterhin von solchen Gestalten untergraben wird.

Man sägt ja nicht nur am Menschenbild selbst, in dem die Armen derart diffamiert werden, indem man sie als arbeitsscheu, faul, versoffen und alkoholkrank darstellt. Dies ist jedoch nur der eine Aspekt dieses Demokratieabbaus. Die Unterstellung, daß die Armen generell nicht in der Lage wären, richtig für ihre Kinder Sorge zu tragen, kennt man bereits aus den Reden des kleinen, lauten Mannes von 1933. Schon damals wurde postuliert, daß der Arme nicht in der Lage sei, seine Kinder richtig im Sinne des Staates zum Bürger zu erziehen, sondern nur zu einem unwillfährigen Schmarotzer am Staate selbst. Deshalb würden unbedingt Kindergrippen, Kindergärten, Kindertagesstätten gebraucht, damit der Staat darüber wachen kann, daß aus den Kindern der in Armut dahinvegetierenden Familien treue Staatsbürger werden.

Ein Schatten der Ironie fällt auch hier drauf, wenn man sich einmal anschaut, welchen charakterlichen Schaden die Organisation Lebensborn bei den Kindern und jungen Frauen, die in ihr lebten, anrichtete. Junge Frauen mußten sich mit guten Deutschen prostituieren, um ihr Lebensrecht zu behalten. So, wie man damals Stück für Stück die Demokratie abbaute, geschieht es auch heute wieder. Nur ist der Demokratieabbau diesmal so geartet, daß er wieder nur einer kleinen Gruppe zugute kommt.

Welchen Nutzen hat also im Klartext die gesellschaftlich immer weiter verbreitete Armut? Sie nutzt nur denen, die bereits reich und wohlhabend sind, und die über die entsprechenden Industrien verfügen. Die Armut hilft dabei, den normalen Arbeiter weiterhin in Knechtschaft bis hin zur Sklaverei zu halten. Und die Armut ist der Politik nützlich, um die Armen gegen Migranten, Ausländer und sonstige Minderheiten aufzuhetzen. Solange das Volk im verbalen Krieg mit sich selbst beschäftigt ist, kann die Elite wieder seelenruhig mit dem Klerus ihre Schäfchen ins Trockene retten und derweil dieses Land so umbauen, wie es Ihnen am nützlichsten ist. Völkermord oder Genozid stellt bei einer solchen Denkweise wirklich nur der Weisheit letzten Schluß dar.

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