Oder: Bayrische Geschichten!

Unser Blog bekommt ja hin und wieder lustiges Zeug zugesteckt. Und obwohl wir gerade Veröffentlichungspause haben, erscheint trotzdem hin und wieder ein Artikel, weil wir an dem Wahnsinn der Welt nicht einfach wortlos vorbei gehen können.

Unser aktueller Informant hat uns über einige absurde Vorgänge in der bayrischen Provinz informiert. Ungefragt wurden wir mit einer wahren eMailFlut aus einer einzigen Adresse bombardiert, weil anscheinend Jemand aus dem kleinen Kaff, um daß es hier gleich gehen wird, nicht gefällt, daß man dort die Demokratie ein wenig Ernster nimmt als im Rest der Nation.

Doch fangen wir am Anfang an. Und allein diese Vorgeschichte weist leider zuviele Lücken auf, als das unsere Recherche diese wirklich hat absolut schließen können. Wir haben es einmal mit einem angeblichen Finanzierungsskandal zu tun, dann mit einer halblegalen Biogasanlage, dann mit einem Waldweg, der keiner mehr ist, weil er inzwischen zu einer Landstraße ausgebaut wurde, und einem etwas größerem Waldstück, dessen Nutzungsverhältnisse nicht ganz astrein vertraglich geregelt sind. Wohlgemerkt, dies sind gemeindepolitische Anliegen, die Privatpersonen, die darin verwickelt sind, haben sich größtenteils keines weiteren Verbrechens als absoluter Unfähigkeit schuldig gemacht. Aber dies gilt in diesem Fall für beide Seiten. Deshalb beschreiben wir erst einmal, was wir als Vorgeschichte kennen.

Die Gemeinde Schönsee in der schönen Oberpfalz ist eine Gemeinde wie du und ich. Genug Idioten auf der Straße, um aufzufallen, aber nix zu fressen weit und breit, weil – obschon Tourismusgebiet – es in der Gegend weder Puff, noch Restaurant, gibt. Angeblich sollen einige Gemeindeherren auf der gegenüberliegenden Seite der tchechischen Grenze einen Puff betreiben, der auch saftig Kohle abwirft, doch blöderweise gibt es für diese Behauptung keine absolut verifizierbare Belege. Es gibt nur den Nachweis, daß unweit der Grenze ein Hotel mit bayrischen Geldern gebaut wurde, aber wer da genau Eigner ist, und das Sagen hat, war nicht zu ermittlen. (Obwohl unsere Quelle an dieser Stelle durchaus Fakten nannte, doch konnte unsere Recherche selbst nach einem halben Jahr Arbeit nicht feststellen, daß die gemachten Aussagen korrekt sind. Ja, es gibt Indizien. Aber jeder, der sich ein wenig mit Kriminalistik auskennt, weiß, daß ein Indiz beweislastig sein muß, um als Beweis gewertet werden zu können. Leider fanden wir solches nicht.)

Damit nun dieses Hotel besser erreicht werden kann, gibt es zwischen Schönsee und der entsprechenden tchechischen Gemeinde einen Waldweg, der quasi einen grünen Grenzübergang bildet. Der Haken ist nur: Die Felder und das kleine Waldstück, durch das dieser Weg führt, gehören Jemanden, der mit Jemanden von der Gemeinde auf wirklich gutem Fuß steht. Also war es für besagte Person kein Problem, den Gemeinderat dazu zu bringen, daß aus diesem Feldweg schlechter Qualität mindestens eine Landstraße gemacht wird, damit das Hotel in Tchechien besser erreicht werden kann.

Die Gemeinde hat dann später genau das getan. Der Waldweg wurde als zukünftige Landstraße ausgewiesen, unter Vorbehalt, versteht sich, so daß er weiterhin als Feldbewirtschaftungsweg betitelt werden darf, solange sich die bayrische Landesregierung außer Stande sieht, an dessen Ende nach Tcheschien hin einen Grenzposten einzurichten. (Was wahrscheinlich nie passieren wird, weil die bayrische Staatskanzlei schon genug Ärger mit den eigens aufgefahrenen eigenen Zollgrenzern hat, die aktuell an der Grenze nach Österreich patrouillen, um Naziübergriffe abzuwehren.)

Damit ist aber unsere Geschichte noch nicht vorbei. Schönsee hatte zum Zeitpunkt, als der Gemeinderat in seiner Weisheit beschloß, aus dem Waldweg eine asphaltierte Straße zu machen, eine Bürgermeisterin. Jene wurde nun bei der letzten kommunalen Wahl abgewählt, und ihre Position nahm nun ein reichlich unbedarfter Neupolitiker ein. Auch dies ist nichts schlimmes. Das Problem an dem Neupolitiker ist jedoch der Umstand, daß er so ein verbrämter Antifafreund ist, daß ihm die eigene Muttersprache nicht einmal mehr richtig geläufig ist. Deshalb schießt er in dieser Hinsicht einen Vogel nach dem Anderen. Und beweist damit, daß wirklich jeder in Bayern Politiker werden kann. Jedenfalls begann er sofort mit schweren Bauarbeiten, in dem er seine Amtsvorgängerin nämlich wegen „angeblicher“ Verschwendung an den Pranger stellte, und es so aussehen ließ, als sei er in kommunaler Finanzpolitik beschlagen. Wie gesagt, er ließ es so aussehen. Inzwischen befindet sich die arme Kämmererin, die unter seiner Amtsvorgängerin der Gemeinde diente, im Kreuzfeuer, weil jener nun vorgeworfen wird, falsche Zahlen weitergegeben zu haben. Dummerweise gehört sie aber der gleichen Partei an wie die ehemalige Bürgermeisterin.

Dies ist die eine Seite des gerade in der Gemeinde ablaufenden Aktes absoluter Lächerlichkeit. Die zweite üble Kartoffel schoß unser Jungpolitiker ab, als er einem Amtskollegen eine braune Gesinnung vorwarf, worauf sich dieser gezwungen war, ein entsprechendes Entschuldigungsschreiben aufzusetzen. Dieses liest sich wirklich lustig, wenn man bedenkt, daß ihm letztlich nur eine Formulierung zum Vorwurf gemacht wird. Jene Formulierung wird zwar im Allgemeinen im rechten Kontext gebraucht, ist aber nur dann als rechts zu verstehen, wenn beispielsweise eine 88 in unmittelbarer Nähe zu finden ist. Blöd halt nur, daß sich diese Formulierung auf dem Dienstfahrzeug des Amtskollegen befand, und noch blöder, daß dessen Vorgesetzter den Aufkleber nur für die Satire hielt, die er auch ist. Im Endergebnis mußte der Amtskollege wegen des Aufklebers sogar seinen Rücktritt einreichen. Und unser Jungpolitiker hat bereits den Nachweis erbracht, daß er für das schwere Feld der Politik nicht gemacht ist. Denn zwei so leicht zu durchschauende Intrigen, nur um als Saubermann aufzufallen, ist so mit das Dümmste, was man machen kann. Selbst wenn man zum Bürgermeister von Schönsee gewählt wird, aber in der Kreisversammlung nur als Bürgermeister zweiten Ranges bestätigt wird. Kein Wunder, daß dann ein aufrechtes bayrisches Mannbild Krawall schlägt und damit die komplette Gemeinde in Verruf bringt. (Und Nein, das ist keine Frotzelei, wir geben nur die Tatsachen wieder.)

Der nächste Hammer aus der schönen Provinz Schönsee betrifft nun den nicht so ganz astrein aussehenden, aber völlig legalen, Ausbau der dort befindlichen Biogasanlage. Jene gehört einem der wohlhabensten Männer vor Ort, der wohl auch so etwas wie eine Glasschmelze betreibt (so genau konnten wir das nicht ermitteln, weil das Dokumentenwirrwarr um die Biogasanlage allein reicht, um einen Artikel zu rechtfertigen). Fakt ist, die Anlage ist nicht halblegal, oder scheißegal, sie ist vollkommen legal. Das wissen auch alle Beteiligten. Noch mehr wissen alle Beteiligten jedoch, daß der gesamte Anlagenausbau vollkommen legal war. Dennoch gibt es in der Gemeinde einige Leute, die nur auf ihr eigenes Wohl aus sind, die unbedingt die ganze Biogasanlage geschlossen sehen wollen. Obwohl die Gemeinde ein gutes Zubrot von den dort auflaufenden Gewerbesteuern abkriegt. Das ist aber nicht das Entscheidende. Wir erinnern uns an den Waldweg, der keiner mehr ist, sondern nun als asphaltierter Feldwirtschaftsweg geführt wird? Nun, die Biogasanlage bezieht auch völlig legal Schnitt aus Tcheschien. Nicht viel, aber genug, um den Ausbau der Straße durch den Wald zu rechtfertigen. Nun gibt es kein Gesetz, welches vorschreibt, daß eine deutsche Biogasanlage nicht nur mit nichtdeutschem Grünschnitt gefüttert werden darf. Einige faschistische grüne Spinner wünschen sich dies zwar, aber ein solches Gesetz käme erst dann, wenn wir einen grünen Bundeskanzler bekämen. Aber dann wir auch in Schönsee Fleischessen zum kriminellen Akt. Da die alte Biogasanlage eine schlechte Bilanz hatte, wurde sie schließlich ausgebaut. Und da außerhalb der Gärtanks verrottendes Grün ebenfalls stinkt, wollte der Betreiber etwas gegen diese Emissionen unternehmen. Im Endergebnis wurde die Anlage ausgebaut, bekam eine verbesserte Zufahrtsstraße. Und seitdem gibt es Leute in der Gemeinde, die die Anlage unbedingt geschlossen sehen wollen. Wohl weil es Gerüchte gibt, daß jener Biogasanlagenbetreiber irgendwas mit jenem komischen Hotel in Tcheschien zu tun hätte, was ja angeblich kein Hotel, sondern ein Puff, wäre.

Ich hoffe, bis hierhin konnte man folgen. Die Frage ist jetzt: Haben sowohl unser Informant, als auch die Schönsee’r Bürger ein gewaltiges Demokratiedefizit, oder findet hier ein Krieg auf einer Ebene statt, weil die weniger reiche Bevölkerung der Gemeinde dem reichen Anteil deren Wohlstand nicht gönnt? Die Frage können wir nach unseren letzten Recherchen nicht beantworten. Wir versprechen aber an diesem Narrenhaus dran zu bleiben, um rauszukriegen, was dort wirklich abläuft. Vielleicht erfahren wir ja durch ein wenig Beobachtung, was in Schönsee wirklich vorgeht. Und wer da wessen Feind ist, und weshalb. Interessant wird es in jedem Fall, denn das etwas in der Gemeinde faul ist, haben unsere Beobachtungen bestätigt. Bisher wissen wir halt nur nicht bei wem, oder ob es nur die Faulgase der Gärbehälter der Biogasanlage sind.

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