[oder wie ich sah, daß Roland Koch gehen wollte und nicht konnte.]

Deutschland ist ein geschichtsträchtiges Land. Vor allem trächtig an Geschichte, die niemals Geschichte wurde. So wird beispielsweise von der Welt permanent übersehen, daß die hessischen Fürsten einst meinten, die Herrschaft über das Kaiserreich Deutschland unbedingt übernehmen zu müssen. Den Hessen-Nassauern (übrigens auch ein sinnbildender Name) blieb am Ende nur die Provinz Saarland zusätzlich, aber die Kaiserkrone verfehlten sie nur sehr, sehr knapp. Und da halfen auch die Gelder nichts, die sie sich von der Fugger-Bank in Amsterdam geliehen hatten.

Doch dies ist, zurecht, Geschichte. Neue, moderne, gegenwärtige, Geschichte sieht anders aus. Da haben wir einmal den „brutalstmöglichen Aufklärer“ dieser Republik, der schon mehr als einmal zeigte, daß Lügen sein liebster Sport ist. Und dann haben wir ein von ihm gebeuteltes, ausgebeutetes Bundesland, das nun vor den Trümmern steht, die dieser Mann hinterläßt.Keiner nimmt ihm Übel, daß er vor 11 Jahren schwarze Kassen von Richterin Wolski in „jüdische Vermächtnisse“ umdeklarieren ließ. Niemand nahm ihm Übel, daß er Kanther abschoß und dafür Volker Bouffier zu seinem wichtigsten Gefolgsmann machte. Obwohl man an Kanthers Loyalität zu Roland Koch wirklich nicht meckern darf und sollte. Der Mann opferte, hirnlos wie er als Konservativer nun einmal war, seinen Leumund und seine politische Karriere einem kleinen Emporkömmling, der nur noch seinen Haß lebt.

Und nun das: Roland Koch wirft hin. Letzte Woche war diese Meldung wirklich die Katastrophe pur. Hessens oberster Kastrat schmeißt einfach hin. Ohne weitere Begründung. Er tut es einfach. Nicht aus Spaß an der Freud, sondern aus dem Wissen heraus, daß er in diesem Land alles an wirtschaftsfreundlicher Politik geschafft hat, was zu schaffen war. Nun muß eben entweder Volker Bouffier als neuer Gauleiter oder aber die unschuldige Fr. Dr. Kristina Schröder ran, um dieses Land endgültig in den Untergang zu treiben.

Hessen war einmal das Vorzeigebundesland dieser Republik. Ein Bundesland, in dem sich Migranten gleichermaßen mit den Einheimischen nicht nur vertrugen, sondern gesellschaftlich anerkannt miteinander lebten. Doch 11 Jahre Roland Koch haben dies radikal verändert. Heute herrscht in diesem Bundesland nicht nur ein latenter Moslemhaß vor, sondern ein wirklich gelebter, wie sich an dem Moscheedebakel in Frankfurt-Hausen unbestreitbar belegen läßt. Heute ist dieses Bundesland, Dank der Wirtschaftspolitik eines Roland Kochs, nur noch auf Platz 11 und nicht mehr auf Platz 4 der steuerreichsten Bundesländer dieser Republik. Die Steuerersparnisorgie für die Industrie in diesem Land, die unter anderem von 4 Steuerfahndern aufgedeckt wurde, war schon teuer genug!

Doch Roland Kochs Politik ging noch ein wenig weiter. Sein ständiges Schüren von Feindbildern war auch nicht zu unterschätzen. Seine intelligente Poltik bei der Verhinderung des Nachtflugverbotes für den FraPort-Flughafen Frankfurt/Main wird noch Früchte zeigen. Nur noch grenzenlose Optimisten gehen davon aus, daß diesmal vor Gericht entschieden wird, daß das Nachtflugverbot bindend ist. Die Realisten jedoch wissen, daß wir zukünftig mit noch mehr Flugzeugen in der Nacht zu rechnen haben. [Derzeit sind es nur 7 Maschinen, die zwischen 23 Uhr und morgens 4 Uhr den Flughafen Frankfurt/Main verlassen.]

Doch wer wirklich glaubt, daß das Kapitel Roland Koch abgeschlossen ist, der irrt. Kaum einer aus dem politischen Spektrum will es ehrlich und ernsthaft zugeben: Roland Koch hat zwar seinen politischen Abtritt verkündet, doch so richtig Glauben schenken kann ihm da keiner. Warum wohl nicht? Weil allgemein im Land bekannt ist, daß Roland Koch lügt, daß sich die Balken biegen. Und diesmal ist der berühmte Balken, der übers Wasser führt, wohl durchgebrochen! Niemand glaubt Roland Koch, daß er wirklich zum Ende August wirklich geht. [Ich ganz ehrlich auch nicht.]

Warum sollte ein Mann, ein so gestandener Konservativer, der so viel Schaden im Sinne der NSDAP angerichtet hat, ausgerechnet zum Höhepunkt seiner Karriere das Handtuch schmeißen? Welchen Grund hätte er? Das unser sprechender Hosenanzug ihn dazu gedrängt hätte, ist nur eine weitere Legende, die sich nicht belegen läßt. Wie eigentlich alles, was aus dem verschwörungstheoretischen Spektrum kommt. Nur wenn die eigenen Leute eine solche Legende in die Welt setzen, muß dies eindeutige Gründe haben. Einer wäre, die Person Roland Koch vor Anfeindungen zu schützen, da durch seine wunderbare hessische Politik wahrscheinlich die Bundestagswahl, die demnächst wieder ansteht, verloren gehen wird.

Doch dies ist halb so wichtig. Niemand kann sagen, ob Roland Koch wirklich in der Wirtschaft bleibt und nicht doch nach zwei Monaten wieder in ein politisches Amt drängt? Wer kann sagen, was Roland Koch wirklich plant? Hier gibt es gewisse Unsicherheiten. Die wichtigste ist jedoch, daß man Roland Koch nicht trauen kann. Seine elf Jahre der Mysanthrophie haben allein in Hessen schon einen gewaltigen Dach- und Flurschaden hinterlassen.

Hessen, das Bundesland, daß einst für seine Menschen- und Migrantenfreundlichkeit bekannt war, steht nun vor einem schwierigen Schritt: Kann es den Abtritt von Roland Koch ohne Konsequenzen überstehen? Oder wird sein designierter Nachfolger Volker Bouffier noch größeren Sachschaden im Land anrichten, als es schon die koch’sche Bildungspolitik getan hat? Roland Koch ist politisch nicht gescheitert. Er geht nur auf dem Höhepunkt der Macht, da er sicher weiß, daß er nicht Kanzler werden kann. Da würde eher Tarek al-Wazir neuer Bundeskanzler werden, bevor dies passiert. Roland Koch weiß dies. Gleichermaßen ist ihm bekannt, daß er als „brutalstmöglicher Aufklärer“ ein Meister im verschleiern, tarnen und täuschen ist, dem man sehr lange nichts wird nachweisen können, bis sich vielleicht Ex-Minister Hoff oder ein anderer seiner Granden nicht entsprechend verplaudert.

Gegen sein halbes Kabinett laufen Untersuchungsausschüsse. Gegen ihn selbst läuft intern ein Mißtrauen in seiner Partei, da nicht alle Konservativen in Hessen bereit sind, länger einen NSDAP-ähnlichen politischen Kurs weiterhin zu folgen. Da ist man eher bereit, ihn zu opfern, um eine größere Katastrophe auf politischer Ebene abzuwenden. Fest steht, Hessen würde zwar gerne für eine Einsparung im Bildungs- und Sozialsektor im Bundesrat stimmen, doch ist man sich schon der Gefahr bewußt, was geschehen würde, ginge man so weit. Man könnte sich quasi nicht vor Korrekturanträge der BP DIE LINKE retten. Und dies wäre das politische Aus für die CDU nicht nur in Hessen.

Dadurch, daß Roland Koch bereit ist, freiwillig zu gehen, wird das bestehende Problem nur verlagert, jedoch nicht gelöst. Wäre er nun so frei, und würde geständig jeden Mist zugeben, den er während seiner politischen Laufbahn gebaut hat, könnte er vielleicht mit Gnade vor dem Volk rechnen. So jedoch ist sein Rücktritt das Eingeständnis einer politischen Kapitulation vor dem Volk. Durch seinen Abtritt gibt er zu, als menschenhassender Politiker gescheitert zu sein. Und er gesteht damit unfreiwillig, daß er niemals für das Amt eines Ministerpräsidenten geeignet gewesen ist.

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