War Inc.

Genre: Satire, Komödie, Action
Darsteller: John Cusack, Joan Cusack, Dan Aycroyd, Marisa Tomei, Hilary Duff, Ben Kingsley

Regie: Joshua Seftel
Stellen sie sich vor, es gäbe einen Konzern, dessen einzige Rechtfertigung der eigenen Existenz bestände darin, ständig im Sinne seiner Aktionäre Krieg zu führen. Ja, sie haben richtig gelesen: KRIEG! Nur keinen normalen Krieg. Es geht um Rohstoffe, die ausgebeutet werden müssen. Es geht darum, Demokratie in eben jene Länder zu bringen, die unzivilisiert und barbarisch rückständig sind.

Doch mit dieser Einleitung beginnt einer der schrägsten Filmspäße, die ich jemals gesehen habe. Der Film glänzt nicht nur durch eine rasante Storie, sondern auch damit, daß er so gut wie jedes Vorurteil, jede Verschwörungstheorie, für absolut bare Münze nimmt.

Eventuelle Ähnlichkeiten mit bestehenden Konzernen, die mit Söldnerdiensten ihren Unterhalt verdienen, sind dabei mehr als nur beabsichtigt. Der Anker der Storie bildet Brand Hauser (John Cussak), der als Auftragskiller des Tamerlan-Konzerns sogenannte Probleme aus der Welt schafft.

Schon vorher war er als Killer unterwegs, damals jedoch für einen Mann, der einer ebenso gewaltigen Organisation vorstand. Dieser Mann, Walken, wird wunderbar köstlich, sich dabei auch selbst auf den Arm nehmend, von Ben Kingsley verkörpert. Dan Aykroyd spielt seinen Adlatus, der für ihn in der Geschichte den Kopf hinhält. Wer wirklich der Chef des Ganzen ist, ist einfach nicht erkennbar – und dies macht einen nicht unwesentlichen Reiz der Storie aus.

Marisa Tomei, nach langer Bildschirm- und Kinopause, endlich wieder in einem phänomenalen Film, der sehr stark an ihren Erstling „Mein Vetter Winnie“ erinnert, in dem sie ebenfalls den einzigen ernsten Part der gesamten Geschichte hatte, trumpft hier noch einmal auf und zeigt, daß sie nichts verlernt hat. Eher im Gegenteil, ihre Rolle der Reporterin Natalie Hegalhuzen (ja, sie trägt wirklich diesen bescheuerten Namen) ist der zweite Angelpunkt der Storie. Und Angelpunkt ist die richtige Bezeichnung.

Hilary Duff, die ja als nicht so große Schauspielerin bekannt ist, zeigt hier zum ersten Mal, daß sie wirklich schauspielern kann. Ihre Ausflüge in die Soap-Welt waren ja schon nicht berauschend. Hier bekam sie von John Cusack die Chance, einmal richtig zu spielen und alle Behauptungen über ihr Können Lügen zu strafen. Sie spielt die total durchgeknallte Yonica Babyyeah, der berühmteste orientalische Popstar. Ihr Charakter ist eindeutig auf Brittney Spears gemacht und im Film selbst gibt es mehr als eine wortwörtliche Andeutung darauf. Als Popphänomen soll sie hier verheizt werden. Und das beinahe wortwörtlich!

Da dieser Film einen Konzernkrieg verkörpert, bedeutet dies, es gibt pyromanische Effekte bis zum Abwinken, schräge Dialoge, die dennoch ihren Sinn und Reiz haben, und gleichzeitig auch noch einiges an Tricktechnik zu sehen. Der Film war teuer, dies sieht man allein schon an der Ausstattung. Dafür hat der Film ein A verdient. Für Ausstattung, Ton und Tricktechnologie. Hier wurden keine alten Überblendungen verwandt, sondern auch CGI, was jedoch nicht weiter auffällt, da die Szenen real rüber kommen.

Von der schauspielerischen Leistung her ist er bedeutend dichter gespielt, als manch anderen Film von den Darstellern gewohnt. So erkennt man eindeutig, daß Ben Kingsley seine Rolle sichtlich Spaß machte und die stellenweise Ironie, die durchscheint, macht seinen Charakter bis zu einem gewissen Punkt vorhersagbar. Dennoch hat er auch noch so einige Überraschungen auf Lager. Kingsley beweist, daß er seinen ersten Oscar nicht ohne Grund bekam. Cusack wiederum, der hier den moralisierten Auftragskiller mimt, versucht die ganze Zeit Ernst zu bleiben, welches natürlich die komischen Szenen in dem Film noch mehr karikiert.

Obwohl der Film nicht im Bereich Satire gestartet wurde, sondern wieder mal unter Komödie, hat er den Stempel eindeutig verdient. Zwar bekommen am Ende die Bösen ihr Fett weg, aber ob es ein Happy Ending gibt, wird nicht einmal im Film verraten. Allein für die darstellerische Leistung der einzelnen Akteure ein weiteres dickes A.

Stellenweise kommt der Film rüber wie ein Tarantino, da wirklich jeder Charakter der Storie irgendwelchen Dreck am Stecken hat. Selbst das eigentliche Unschuldslamm Yonica entwickelt im Laufe der Storie Tiefgang. Etwas, daß man bei der Darstellerin nun wirklich nicht erwartet. Und auch sie selbst hat einige Szenen, die an Selbstironie nicht zu übertreffen sind. Marisa Tomei jedoch, deren Charakter der einzige unbescholtene zu sein scheint, spielt ohne sichtbare Ironie, jedoch mit einem spürbaren Drang nach Situationskomik, die sie sogar in einer Szene voll ausleben darf.

Das Krieg Mist ist, dürfte allgemein bekannt sein. Das hier nun ein Konzern regelrecht vorgeführt wird, der Kriege auf Bestellung führt und quasi die demokratische Ordnung dieses Planeten destabilisieren will, erkennt man an den Kriegsszenen, die aus dem Iraq stammen dürften. Tiefsinnigerweise trägt dann auch das Land der Geschichte den Namen Turquristan und ist eine Mischung aus Türkei, Afghanistan und Iraq. Natürlich mit den altbekannten Folgen. Es kracht in sehr vielen Szenen – auch in den lustigen – und manche Szene erinnert schon einmal an „Full Metal Jacket“, wenn beispielsweise Zivilisten massakriert oder ein ganzer Zug der Konzernarmee einfach so nebenbei ausgelöscht wird.

Die Insgesamtnote des Streifens ist AAA. Und diese Note hat er wirklich ernsthaft verdient. Dort, wo Zynismus nicht mehr greift, schlägt der Film ins sarkastische und wird kurz darauf schon wieder ironisch. Besonders hervorzuheben ist die Abrechnung gegen Ende, deren absoluter Höhepunkt in einem sehr gemeinen Joke endet [der hier nicht verraten wird.] Ich kann nur empfehlen: Tut euch diesen Film an. Mehr als anderthalb Stunden schräge Komödie und wirklich sehr gut platzierte Gags. Manche oft ziemlich unter der Gürtellinie.

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1 Kommentar on War Inc.

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