So könnte man kurz und prägnant die noch kürzere Geschichte von Deutschlands jugendlichsten nonmigranten Straftäters ohne weiteres beschreiben. Und ich gebe an dieser Stelle zu, ich habe niemals an der Schuld von Marco W. gezweifelt. Aber um dies weiter ausführen zu können, müssen wir ein wenig in die Vergangenheit reisen …

Im April letzten Jahres ist der Junge Marco W. mit seinen Eltern zu, 10. Mal an die türkische Riviera in den Urlaub gefahren. Bei seinem Aufenthalt dort lernte er eine 13jährige Britin kennen, die ihn auch mit auf ihr Zimmer nahm. Und dort ist es dann zu einer Art sexuellen Zusammenstoß gekommen.

Am nächsten Morgen hat die besorgte britische Mutter Marco W. bei der türkischen Polizei angezeigt, weil er im Verdacht stand, ihre Tochter sexuell mißbraucht zu haben. Woraufhin die türkische Polizei entsprechend reagierte und Marco W. erst einmal für einige Zeit in Untersuchungshaft steckte, um die ganze Wahrheit zu erfahren.

Zu Weihnachten vergangenen Jahres wurde dann Marco W. aufgrund der guten Arbeit seiner beiden deutschen Anwälte wieder aus dem Knast heraus und nach Deutschland zurück gelassen. Und ab diesen Moment beginnt die Geschichte merkwürdige Züge anzunehmen.

Ich habe persönlich nichts gegen Abenteuergeschichten. Aber das, was Marco W. jetzt als Buch verbrochen hat, und dies, bevor die türkischen Gerichte in der Lage waren, ein faires Urteil zu fällen, kann ich nicht Ernst nehmen. Schon als die Geschichte vor gut anderthalb Jahren begann, wurde ich mißtrauisch. Und dies auch nur, weil mir das harmlose Lächeln später bei Jauch mehr als nur ein Gruseln über den Rücken jagte. Ich bekam Angst um die Töchter meiner Nachbarn, wenn ich auch nur in die kalten Augen dieses jungen Mannes blickte.

Nun hat jener junge Mann, nach einem Jahr Wartezeit ein Buch veröffentlicht, in dem er einmal kurz seine Memoiren schildert. In diesem Buch konzentriert er sich nur mehr als kurz auf die junge Britin, die ihn angeblich verführt haben soll, und danach nur noch auf die 247 Tage türkischen Knast, die er erlebt hat. Natürlich verschweigt er, das er aus Ausländer ein wenig besser als seine Insassen behandelt wurde. Statt dessen phantasiert er sich etwas von Drogenhölle, illegalen Schnapsbrennen und ein Benehmen unter den Gefangenen zusammen, wohingegen ‚Apocalypse Now‘ als einfacher Sonntagsspaziergang rüber kommt.

Welcher Teufel hat Marco W. geritten, solch ein Buch zu verfassen. Vor allem, wer hat es denn wirklich verfaßt? Jemand, der wirklich in einem türkischen Knast eingesessen hat, oder jemand, der sich nur vorstellte, er hätte dort eingesessen! Und wie sieht es damit aus, das auch in diesem Buch wieder antitürkische Ressentiments mit voller Absicht geschürt werden und man abermals auf das dortige Rechtssystem verweist.

Marco W. war im türkischen Knast und seine Intention, mit den Einnahmen des Buches seinen leukämiekranken Vater finanziell zu unterstützen, damit jener weiter behandelt werden kann, ist wirklich lobenswert. Nur ist es mit einem Phantasieabenteuerroman nicht getan, der möglicherweise auf Tatsachen beruht. Unter anderem findet man in dem Buch keinerlei genaue Beschreibung der jungen Britin. Vor allem nicht, wie Marco W. sie zum damaligen Zeitpunkt gesehen hat.

Als weiteres Manko dieses Buches fallen nicht nur die ständigen Ressentiments gegen die Türkei auf, sondern der im allgemeinen mehr als primitive Schreibstil auf. Ja, Marco W. ist in meinen Augen eindeutig schuldig. Vor allem nachdem ich seine Beschreibung des Vorfalls der Tatnacht kenne. Solche Texte kriege ich normalerweise nur zu lesen, wenn ich Sozialarbeit bei Pederasten mache und die grundsätzlich die Schuld von sich auf ihr Opfer übertragen. Vor allem dann immer damit kommen, das ihr Opfer die Initiative ergriffen hätte und sie, obwohl sie älter waren, vollkommen wehrlos zusehen konnten, ohne ihre Opfer von ihrem Tun abzuhalten.

Hallo! Wer nach diesem Buch Marco W. auch nur noch ein Wort glaubt, gehört meines Erachtens in die geschlossene Psychiatrie eingeliefert. Ein solches Selbstbild, wie bereits in dieser Szene herüber kommt, ist nicht nur einfach abstoßend, es ist erschreckend. Marco W. hat absolut kein Unrechtsbewußtsein. Liest man nämlich die Szene genauer, wäre es in seinem Interesse gewesen, mit jenem britischen Mädchen zu schlafen. Wobei hiermit der Straftatbestand der sexuellen Nötigung und auch des sexuellen Mißbrauchs voll erfüllt wäre.

Mich interessiert nun nur noch eines: Wie werden die türkischen Richter entscheiden?! Ich bin der Meinung, das sie die längste, mögliche Strafe gegen Marco W. nach dem Erscheinen seines Buches in Betracht und auch durchsetzen sollten. Der angestrebte Freispruch ist passé. Dies hat er sich nun selbst vermasselt. Und ich bin sicher, das dem Jüngelchen ohne weiteres 20 Jahre eingesperrt-sein hier in Deutschland sehr gut tun werden. Danach kann er ja wieder einen Phantasieabenteuerroman über seine Erlebnisse in deutschen Gefängnissen verfassen. Jedoch sollte er vorher wissen, das dort Kinderschänder nicht sonderlich wohl gelitten sind. Marco W. ist eindeutig schuldig, sein Buch ist quasi das perfekte Geständnis.

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