Harte Fakten

Auf dem Petersfriedhof liegt die Creme de la creme

des damaligen barocken Frankfurt begraben. Die

Grabsteine wurden von einem ein Eurojobber res-

tauriert, der dafür eine Belobigung von der OB Roth

kassiert hat.

Susanna Margaretha Brandt wurde nach ihrer Enthaup-

tung auf der Hauptwache jedenfalls nicht auf diesem

Friedhof beerdigt, sondern auf dem Gutleuthof,im

ehemaligen Seuchenviertel verscharrt.

Sie war nämlich nicht lutheranischer Konfession,

sondern stammte aus dem reformierten Bockenheim.

Am Tag ihrer Enthauptung wurde in Frankfurt der

Ausnahmezustand ausgerufen. Auf Anordung des

jüngeren Bürgermeisters ordnete von Eysseneck

an, dass die Zelle, in der Johann Erasmus Senckenberg in

in der Hauptwache arrestiert war, besonders gut

bewacht werden sollte.

Hierbei handelte es sich um einen Bruder von Christian

Senckenberg, der dort wegen Vergehen im Amt und weiterer

Anklagepunkte seines Ratssitzes enthoben worden war.

Am 28. Februar 1769 war er endlich verhaftet worden und saß

bis zu seinem Tode 1795 auf der Hauptwache arrestiert.

Wie seine Brüder Johann Christian und Heinrich Christian

Senckenberg war er der Sohn des Stadtarztes Johann

Hartmann Senckenberg, der 1730 gestorben war.

Er selber kam in der Hasengasse 1717 zur Welt,besuchte

das Frankfurter Gymnasium und begann mit 15

im Jahre 1732 ein Jurastudium in Altdorf.  Er wechselte

dann später nach Göttingen, wo sein älterer Bruder

Johann Heinrich Christian seit 1736 Professor war,

verließ die Universität jedoch ohne Studienabschluss.

Dennoch gelang es ihm im Jahre 1745, in dem Kaiser

Franz der erste Maria Theresia von Österreich heiratete

und dadurch zum heiligen römischen Kaiser deutscher

Nation im Frankfurter Dom und Römer gemacht worden

war, zum Berater der Patriziergesellschaft Alten Limpurg

zu werden. Diese Adelsfamilie hatte jahrhundertelang

den Römer, also den Rat dominiert. Selbst der Fettmilch-

aufstand des Zuckerbäckers Vinzenz Fettmilch hatte

sich ursprünglich gegen diese Familie und deren Verun-

treuungspraxis öffentlicher Steuergelder, die dadurch

dem Sozialwesen verloren gingen, gerichtet. Durch

antisemitische Hetze vermutlich unter agitatorischer

Beihilfe des benachbarten Dominikanerklosters war

es dem bedrohten Familienclan jedoch gelungen, den

Volksaufstand in einen Hepp hepp Auflauf mit an-

schließendem Progrom und Abfackelung des jüdischen

Ghettos umzuleiten…Soviel zu den damaligen Deeskala-

tionspraktiken der römischen Kirche.

Die Familie alten Limpurg hatte also jede Menge Dreck

am Stecken und Senckenberg noch eine Rechnung mit

ihr offen, da er dem Ghetto entstammte.

Und so wurde er Berater ebendieser Familie, die ihn

damit beauftragte,ihren ererbten Anspruch auf die

hälftige Besetzung der ersten und zweiten Reihe

des Rates zu legitimieren, was ihm gelang.

Seit der Inthronisierung Kaiser Franz des ersten hatten

die ollen Limburger das verbriefte Recht 14 von 28

Sitzen der ersten und zweiten Ratsherrensitze zu besetzen.

Also kann man sagen, dass das Todesurteil Gretchens

zu 50 Prozent auf ihr Konto ging.

Aber Erasmus Senckenberg war nicht dumm, sondern

fertigte sich Abschriften der Familienarchive an, um

seine Auftraggeber später erpressen zu können.

Dies ging eine Weile gut und so wurde er trotz fehlenden

Studienabschlusses am 5. September 1746 per Bürgereid

zum Ratsherr gewählt.

Er hatte ja die Deckung seines älteren Bruders Heinrich

Christian Senckenberg, der am 17.8. 1745 durch Kaiser

Franz zum Reichshofrat ernannt worden war. Damit

übernahm er den Vorsitz des einzigen Gerichtes, das

den Adel einer Reichsstadt verklagen konnte. Der ältere

Bruder war gewissermaßen das Damoklesschwert, das

über den alten Limpurgern schwebte und Erasmus hatte

die Macht es gegen sie einzusetzen, da er schlagende

und stechende Beweise hatte.

Nun fuhr aber das Schwert auf Anna Margaretha Brandt

hernieder, die aus einer ebenso großen Familie wie

die Senckenbergs stammte. Die Frage ist WARUM?

Nun, schon im nächsten Jahr, das seinem Amtsantritt

folgte, nämlich 1747 warf man Erasmus die Vergewaltigung

seiner Haushälterin Johanna Maria Katharina Agricola

vor, die im Dezember eine Tochter bekam. Sie verklagte

ihn auf Alimente, die er ablehnte. Er antwortete zudem

mit einer Gegenklage wegen Anstiftung zum Mord und

behauptete, das Kind sei nicht von ihm sondern einem

Diener, mit dem Fr. Agricola Verkehr gehabt habe und

sie wolle sich nur an ihm bereichern. Später warf das

Gericht ihm dann Protokollfälschung vor.

Die Anklage  wurde durch Protektion seines Bruders

abgewiesen. 1761 kam es dann zur Wiederaufnahme

durch den Bürgerausschuss des Rates, der die Todes-

strafe forderte. Interessant hierbei, dass es sich dabei

wohl um die restlichen 50 Prozent der Banker handelte,

die anscheinend auf Erasmus wegen seines halbherzigen

Engagements für die Konkurrenz nicht allzu wohlgesonnen

schienen. Man wollte ihn wohl loswerden, denn der

Bürgerausschuss forderte die Todesstrafe. Doch

glücklicherweise war Heinrich Christian im Jahre

1751 zum Reichsfreiherr geadelt worden und so

zählte Erasmus VON Senckenberg zu dem adeligen

Teil des Rates, der nur von dem Gericht verklagt

werden konnte, dem sein älterer Bruder vorstand.

Er behielt seinen Kopf.

Ihr gemeinsamer Bruder Johann Christian Senckenberg,

der als einziger in die Fußstapfen des Vaters getreten

und das Geburtshaus in der Hasengasse 1730 geerbt

hatte, hatte einen Hass auf den aufgestiegenen Geldadel,

zu dem jetzt seine Brüder zählten.

Er witzelte, dass sich die früheren Kaufleute. die Feder,

mit der sie ihre Warenein-und ausgänge vermerkt

hätten, jetzt per kaiserlichem Attest wie ein Narr

auf dem Hut tragen würden.

Er selber trug lieber einen Doktorhut und hatte über

die Heilwirkungen des Maiglöckchens promoviert.

Das Elternhaus behielt er vorerst und ließ seine Mutter

dort als seine Haushälterin leben.

Insgesamt war er dreimal verheiratet und alle seine

Ehefrauen starben vor ihm. Aus erster Ehe erbte

er ca. 30000 Gulden, aus der zweiten wohl auch

nicht wenig, nur bei der dritten verzichtete er aufs

Erbe. Dennoch hatte er am 18.8. 1763 insgesamt

100000 Gulden zusammen, um damit seine Stiftung

zu gründen, die vornehmlich die Gründung eines

„Tempels der Wissenschaft“ und den Umbau des

Gesundheitswesens zum Ziel hatte.

Man sollte meinen, dass er bei diesem Unterfangen

von seinen beiden Brüdern Unterstützung erfahren

hätte, jedoch das Gegenteil war vorerst der Fall.

Im Jahre 1764 erkrankte Johann Christian schwer

und im selben Jahr erlitt Johann Textor, der Großvater

von Johann Wolfgang Goethe einen Schlaganfall.

Johann Textor war damals Schultheiß, der Vorsitzende

des Schöffengerichtes der freien Reichsstadt Frankfurt

und damit direkter Vertreter des Kaisers Franz des ersten

und somit der mächtigste Mann in Frankfurt. Obwohl

beide im selben Jahr schwer erkrankten, waren sie

sich spinnefeind. In seinem Tagebuch bezeichnete

Dr. Senckenberg Hrn. Textor als “ korrupt, eitel und

maßlos“. Mit dieser Einschätzung stand er nicht alleine

da. Denn man machte dem Schultheiß seitens der evange-

lischen Fraktion den Vorwurf,  1759 die Stadt an die

mit Österreich während des siebenjährigen Krieges

verbündeten Franzosen verraten zu haben. Denn seit

1759 war Frankfurt von der französischen Armee

besetzt. Die Lutheraner liebäugelten natürlich eher

mit den preußischen Konfessionsgenossen und Friedrich

dem Großen. Doch es war damals klar, dass die römische

Amtskirche niemals zugelassen hätte, dass ein Protestant

die Kaiserkrone tragen würde, eine Ansicht, die sie erst

nach der Revolution und zu Beginn des zweiten (Kaiser)

reiches 1871 revidieren sollte.

Selbst der Vater Goethes war auf Seite der Preußen

und das trotzdem er mit Bedacht, die Tochter des

mächtigsten Mannes von Frankfurt geehelicht hatt:

die blutjunge Aja Textor. Er selber war nur einfacher

Jurist und Pächter  des Gasthofes Weidenhof an der Zeil,

der dort stand, wo heute der Kaufhof steht, und außer-

dem Weinhändler gewesen. Bösartig formuliert könnte

man also behaupten ,er habe sich hochgeschlafen.

Aber durch diesen Beischlaf entstand ja Johann Wolfgang

VON Goethe, der Gott der Antroposophen,in dem

Falle kann man also mit Fug und Recht behaupten ,dass

der Zweck die Mittel heiligte. Man muss nur ausblenden,

dass es sich bei dieser Ehe eigentlich um den Missbrauch

einer Minderjährigen handelte.

Anlässlich einer Tauffeier eskalierte dann das politisch

religiöse Zerwürfnis: Johann Wolfgang Textor warf ein

Messer nach seinem Schwiegersohn Johann Caspar

Goethe und der zog daraufhin den Degen.

Bevor Johann Textor der Schlag traf, im selben Jahr,

in dem Johann Christian Senckenberg anscheinend

versehentlich was von seinem Maiglöckchenparfum

verschluckt hatte, strengte sein Bruder Johann

Erasmus ein Entmündigungsverfahren gegen ihn an,

da er die 100000 Gulden selber kassieren wollte.

Tat er dies nur aus Geldgier? Und falls ja, warum

half er den Limpurgern dabei das Verbrechen zu

begehen,nämlich Veruntreuung für soziale Zwecke

gedachter Finanzen, das damals zum Abbrennen

des Viertels geführt hatte, aus dem er stammte?

Man muss dazu sagen, dass es zu Beginn des 18.

Jahrhunderts dem Rabbi Naphtali Cohen ganz ohne

fremde Hilfe gelungen war, einen Ghettobrand

auszulösen, dem der größte Teil der angrenzenden

Staufenmauer zum Opfer fiel, da die Ghettobewohner

den zu Hilfe eilenden Christen die Tore vor der Nase

verschlossen- aus berechtigter Angst vor den Plünderungen.

die sie immer wieder durch die freiwillige Feuerwehr

in der Vergangenheit erlitten hatten.

So war das jüdische Ghetto nicht mehr  begrenzt

und räumlich geöffnet, weswegen der durch die Bank

christlich-antisemitische Statdtrat auf einer Ausgangs

sperre am Sonntag bestand.Mann kann sagen, dass

der einzige ökumenische Konsens in dem gemeinsamen

jüdischen Feindbild bestand…

Auch Goethe äußert sich in Dichtung und Wahrheit

verächtlich über das Ghetto und die „unangenehme

Sprache“ dort drinnen. Nun, die Wohnverhältnisse

waren sehr beengt,und so war es logisch, dass erhöhte

Brandgefahr bestand, denn wenn jemand von außen

oder von innen zündelte, dann griffen die Flammen

binnen kürzester Zeit auf die engstehenden Häuser

über.Und das war wohl auch so vom Bauamt beabsichtigt,

das die Juden zwar in Domnähe unter Beobachtung

halten wollte, ihnen aber keine Freizügigkeit und

Expansion zugestand. Es war dasselbe Bauamt,das

auch den Tragestuhl , das Schaffott und den Hinrichtungs-

stuhl für Margarete Brand zimmerte. Für den Sarg,

das Totenkleid und die Henkersmahzeit war das

Hospitalamt zuständig, also das Sanitätsamt. Nur

tauchen dort der Name Senckenberg oder sein Bürger-

hospital nicht auf… Es ist wohl dasselbe Amt, das

auch für die Greueltaten an den Sinti und Roma

verantwortlich zeichnet. Für Fremde und Dienstboten

war damals das Hospital zum heiligen Geist zuständig.

Damals gab es das Bürgerhospital noch nicht, es

war im Entstehen. Es gab auch keinen  offiziellen

Ort für Sektionen oder anatomische Studien, die

man lange Zeit in der Hinterstube eines Gasthauses

betrieb.

Und so war eines der vordringlichsten Stiftungsziele

Senckenbergs, die Einrichtung einer Anatomie,

die praktischerweise ins Bürgerhospital integriert

werden sollte.

Was hatte Erasmus gegen solch ein hehres Ziel und

warum intigrierte er gegen den eigenen Bruder im

Statdrat und das 3 Jahre, nachdem er es mit der

Protektion seines anderen Bruders vermieden

hatte, geköpft zu werden ?

Nun, damals war es üblich, dass Sektionen nur an

zum Tode Verurteilten vorgenommen werden

durften, da die Kirche in dem Falle auf das Friedhofs-

recht und die Auferstehung nach dem Tode im

UNVERSEHRTEN Körper verzichtete.

Vielleicht hatte Erasmus einfach die reale Angst, bei

seinem Bruder auf dem Seziertisch zu landen.

Also was tat er 1764, als sich die Gelegenheit bot

und der Vorsitzende des Schöffengerichtes, das ihn

beinahe zum Tode verurteilt hatte, todkrank war,

ebenso wie sein Bruder ?

Er strengte dessen Entmündigung an. Doch Heinrich

Christian verhalf  Johann Christian zur Rettung

der Stiftung, und segnete dann 1768 das zeitliche.

Der Grundstein des Bürgerhospitals wurde noch im

selben Jahr gelegt, nämlich am 9.7. 1768.

Und im Jahr darauf wurde Erasmus verhaftet und

in der Hauptwache festgesetzt. Zufall oder logische

Konsequenz des Verlustes der Protektion seines

Bruders? Der noch lebende Bruder hatte wohl kein

Interesse daran, seinen Bruder zu befreien.

Und dieser richtete sich in der Hauptwache häuslich

ein, nahm sogar seine Haushälterin mit und arbeitete

sogar als Rechtsberater in konfessionellen Auseinander-

setzungen zwischen katholischen oder reformierten

Klienten mit dem lutherischen Frankfurter Rat.

Nur den Prozess Margareta Brands vertrat er nicht,

ebensowenig wie Johann Wolfgang Goethe, der am

August 1771 in Straßburg sein Jurastudium mit

Promotion abgeschlossen und anschließend bis

zum Mai 1772 in Frankfurt als Anwalt arbeitete.

Ihn interessierte der Fall nur als Dichter.

Von Senckenberg erschien  1773, ein Jahr nach

der Hinrichtung der Brandin, wie sie in den Prozess-

akten genannt wird, quasi vor seinen Augen,  der

„Anhang zu von Mosers Abhandlung von der reichs-

städtischen Regimentsverfassung“. Von Goethe

erschien der Urfaust etwas später, er las ihn erstmalig

in Weimar am gemütlichen Kamin 1775 vor, als

er schon als Doppelspion für die Katholiken und

die Evangelikalen Karriere machte.

Dr. Senckenberg kam auf tragische Weise ums Leben:

Er stürzte bei einer Baubesichtigung des Hospitals

am 15. November 1772, also knapp 10 Monate nach

der Hinrichtung Gretchens, vom Baugerüst und war

angeblich der erste, der in der neuen Anatomie

des Senckenbergianums am Eschenheimer Tor

auf dem Seziertisch lag.

FORTSETZUNG FOLGT.

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1 Kommentar on Die Gretchenfrage

  1. paule11 sagt:

    wordpress der holocaust der arbeitslosen bzw. der sog. ballastexistenzen.mfg.