Politische Systeme erkennt man immer daran, wer den größten Mist in Ihnen verzapft.

Der Spruch stammt leider nicht von mir, sondern von Jemandem, der es wissen sollte. Und zwar von einem Parlamentarier eines kleinen asiatischen Landes, in dem sich vor kurzem die Berufspolitiker wieder einmal bei einer Sitzung an die Kehle gingen, weil es um Diätkürzungen ging und keiner etwas abgeben wollte. Unter anderem flog auch ein teurer Armani-Schuh quer durch den Saal und traf den Sitzungspräsidenten am Kopf. Daraufhin mußte die Parlamentssitzung leider abgebrochen werden, bevor es noch zu Toten kam.

Leider ist ein solches Verhalten der selbsterklärten Leistungsträger in unserem Bundestag nicht möglich. Die Parlamentssitzungen würden dadurch wahrscheinlich wieder mehr Zuspruch beim einfachen Volk erringen. Dummerweise gibt es bei uns aber so etwas wie Anstand und Moral, daß von den Berufspolitikern eh nur mit Füßen getreten wird. Und dies nur, weil diese eben gleichfalls Angst um ihre ergaunerten Pfründe haben. Dies ist aber nichts Schlimmes. Bei arbeitsscheuen Gesindel muß man eben mit solchen Verhaltensweisen rechnen.

Der Haken an allem ist nun, daß ein neuer Heiland aufgetaucht ist. Aus der braunen Scheiße des dampfenden Neoliberalismus ist er aufgetaucht, wie einst der Wal, der den unwilligen Jonas verschlang. Genauso möchte dieser Aufklärer, dieser Heilige, uns, die Bürger dieses Landes, davor bewahren, uns beschneiden zu lassen und gen Osten zu beten. [Ungefähr 80% aller deutschen Kirchen sind in Richtung Osten (Sonnenaufgang) ausgerichtet, ein Teil sogar merkwürdigerweise gen Jerusalem (also ostsüdost). Aber dies dürfte nur Insidern bekannt sein – oder Menschen, die sich einmal mit Geomantie beschäftigten.]

Das mit der Beschneidung ist sowieso so eine Sache. In den 70er Jahren wurde die Beschneidung des männlichen Fortpflanzungsorgans in Deutschland vornehmlich bei konservativ denkenden Sozialdemokraten, sowie bei den Grünen mehr als nur populär. Es wurde regelrecht zu einer Seuche. Mich irritierte schon damals, wie es kam, daß ungefähr 70% meiner damaligen Klassenkameraden an ihrem Fortpflanzungsorgan beschnitten waren, obwohl sie Christen und keine Juden oder Moslems waren. Man redete sich dann damit heraus, daß die Beschneidung das Wasserlassen vereinfachen würde. [Wahrscheinlich hatten deshalb einige meiner Klassenkameraden noch mit 13 feuchte Spuren in ihrem Schritt.]

Aber wir waren bei dem Thema Aufklärung und Aufklärer. Es ist so, daß der neue deutsche Heiland nicht wie das letzte Mal aus Österreich stammt, kaum richtig deutsch beherrscht, oder sonst irgendwie eine Macke hat, nur weil sein eigener Großvater jüdischer Abkunft war. [So zumindest die Legende.] Aber der neue, moderne, Aufklärer ist ein ganz besonderes Kaliber. Er ist gebildet, er ist smart. Er ist hugenottisch!

Womit wir beim eigentlichen Problem angekommen sind. Es ist im Prinzip nichts gegen Aufklärung einzuwenden. Sofern diese Aufklärung nach wirklich eindeutigen Gesichtspunkten erfolgt. Unser Aufklärer neuerer Generation hat ein Buch geschrieben. Naja, der Bertelsmann Verlag behauptet, es wäre ein Buch. Der KOPP-Verlag hat sich dazu noch nicht geäußert, als was er es sieht. In Kreisen der NPD wird dieses Machwerk (so bezeichne ich es) als das neue „Mein Kampf“ gesehen. Nur hat dummerweise die NPD keinen Zugriff auf die Verwertungsrechte des Buches des Österreichers, sondern leider nur der bayrische Freistaat. So etwas wurmt dann natürlich. Und dann freut man sich natürlich darüber, wenn ein Aufklärer bereit ist, ein entsprechendes Buch mit Wissen herauszubringen, um zu zeigen, wo es in Deutschland mangelt.

Der Buchtitel: Ein Land schafft sich ab ist provokativ gewählt. Und nicht sonderlich clever. Wenn ein Land sich abschafft, wird es normalerweise von seinen Nachbarn geschluckt. Zuvor gibt es jedoch eine Teilung oder Zersplitterung. Die Teilung hat Deutschland überlebt und wurde von einem Erzkonservativen wieder zusammen gefügt, um den Preis der deutschen Wirtschaftskraft. Aber vor 20 Jahren jammerte keiner darüber, daß wir angeblich zu viele Ausländer im Land hätten.

Nun ist es jedoch so, daß die Zahl der Ausländer in den vergangenen 20 Jahren nicht sonderlich gestiegen ist. Sondern eher gefallen, da die gebildeten Türken eher darauf verzichten, mehr Kinder zu machen, als sie mit Hilfe des deutschen Staates angemessen ernähren können. Laut des Aufklärers Machwerk sind nämlich nur die Türken unser Ausländerproblem. Jene wollen sich nicht anpassen, integrieren und einer vernünftigen Arbeit nachgehen. Statt dessen planen sie das Land mit einem straffen Netzwerk von Obst- und Gemüseläden zu überziehen. Und so das deutsche Volk zu erpressen, ihr Gemüse nur noch bei Ihnen zu besonders günstigen Preisen zu kaufen.

Dies erinnert mich wieder an meine eigene Vergangenheit. Als ich Kind war, gab es in unserem Ort mehrere Bauern, die frisches Obst und Gemüse verkauften, einige hatten auch Eier und Milch im Handel. Zu jenem Zeitpunkt lebten in meinem Heimatort gerade einmal eine Handvoll Griechen [bzw. griechischer Familien]. Eine dieser Familien machte dann kein halbes Jahr nach ihrer Ankunft in Deutschland im nahem Eberstadt einen Obst- und Gemüseladen auf. Der Vater hatte vorher als Monteur in Deutschland gearbeitet, aber er wollte einfachere Arbeit machen. So war er dann auch der erste, der in unserer Gegend Feta, Oliven und Pepperoni einführte. Und zwar lange, bevor ein Italiener auf diese Idee kam. Die erste Pizzaria erlebte ich dann kein Jahr später. Und das erste chinesische Restaurant in unserer Gegend ließ volle 4 Jahre auf sich warten.

Wenn nun also der Herr Aufklärer damit kommt, daß die ins Land eingewanderten Moslems nur Obst- und Gemüseläden unterhalten können, so vergißt er dabei, daß sie, wenn sie diese Läden haben, dem deutschen Staat Steuern für ihre Geschäftsgewinne abführen müssen. Und dies heißt, daß durch jeden türkisch geführten Obst- und Gemüseladen mehr Geld in die Staatskasse sprudelt. Die nachfolgende Generation dieser Obst- und Gemüsehändler bemüht sich dann zumeist einen Kebab-Laden aufzumachen oder gleich richtig ein Restaurant mit anatolischen oder kurdischen Spezialitäten. [So habe ich es im Saarland erlebt. Heute hat dort ein kurdischer Freund ein gut gehendes türkisches Restaurant, wo es sogar gelegentlich Bauchtanzabende gibt. Sein Traum ist es ein türkisch geführtes Hotel in der Stadt zu machen, in dem echtes, koscheres Essen zu bekommen ist.]

Hier ist schon einmal der erste Denkfehler in der Geschichte des Aufklärers. Der zweite ergibt sich quasi aus dem ersten schon heraus. Wenn Jemand einen Obst- und Gemüseladen eröffnen möchte, dann ist er bereit, sich in das Dorf- oder Stadtleben zu integrieren. Also nichts damit, daß kein Willen zur Anpassung vorhanden ist. Gleichzeitig darf nicht vergessen werden, daß die Söhne und Töchter dieser Obst- und Gemüsehändler es im Durchschnitt auch eher auf das Gymnasium und somit bis zum Abitur schaffen, daß sie im Schnitt um 0,3 Noten besser abschneiden als ihre deutschen Mitbürger.

Aber kehren wir zur Lichtgestalt des Aufklärers selbst zurück. Sein Name lautet Thilo Sarrazin, wie bestimmt schon einige geahnt haben. Früher war er Finanzsenator der Bundeshauptstadt Berlin und dort hat er, in seinem Job, € 88 Mrd. versenkt, weil er mit der Kohle spekulierte, anstatt sie dem Bildungswesen der Stadt zukommen zu lassen. Gleichzeitig hat er in dieser Funktion auch – wohl seiner Frau zuliebe – die Gelder für Integrationsbemühungen drastisch gekürzt. Die Stadt und das Land Berlin haben die schlechteste Integrationskultur in ganz Deutschland. Und dies nur wegen Herrn Sarrazin, der es nun einmal nicht lassen kann, immer genau das Gegenteil dessen zu tun, für das er eigentlich angestellt wurde.

Dieser Aufklärer, dem die NPD mittlerweile eine Ehrenmitgliedschaft anträgt, während die aSPD [seine derzeitige Partei] noch darum heuchelt, ihn nun vielleicht doch heraus zu werfen, weil er wieder einmal auf Migranten herum hackt. Wahrscheinlich könnte die aSPD eher damit leben, wenn er generell jeden Ausländer beleidigt hätte. Aber da Sarrazin sich vornehmlich gegen Moslems und Türken positioniert, stellt sich mir die Frage, wie viel Dummheit es braucht, um sich gleich einen Großteil des Landes zum Feind zu machen.

Prinzipiell ist nichts gegen eine Leidenschaft gegen den Islam einzuwenden. Sofern man sie auch dementsprechend vertreten kann. Vornehmlich argumentativ. Wenn man aber nur gegen eine Religion eingestellt ist, weil sie eben nicht menschenfeindlich-christlich ist, hat man eindeutig ein Problem. Menschen mit solchen Problemen gehen eigentlich in diesem Land zum Facharzt oder machen einige Zeit stationär Urlaub. Wenn man aber dann auch noch gegen Türken eingestellt ist und diese generell über einen Kamm scherrt, wird die Sache irgendwie merkwürdig. Nicht jeder Türke ist überzeugter Moslem. Und nicht jeder Moslem ist überzeugter Islamist.

Wobei man nicht vergessen darf, daß es genau die Äußerungen eines Thilo Sarrazin sind, die schon vor Jahrzehnten gläubige Muslime dazu zwang, Hinterhofmoscheen aufzubauen und ihren Glauben eher im Versteck zu huldigen, anstatt ihn offen und frei zu leben, gleichberechtigt neben dem Christentum. Man stelle sich einmal vor, Juden würden in diesem Land gezwungen, sich eine Hinterhofsynagoge zu bauen, weil man sie bereits wegen ihrer Kleidung oder wegen ihres Gehabe diskriminieren würde! Was wäre dann in diesem Land für ein Geschrei!

Macht man dies aber mit Moslems, die dem gleichen faschistischen Glauben wie die Christen folgen, ist dies natürlich etwas total anderes. Genau an dieser Stelle scheiden sich nämlich die Geister. Ich gebe zu, ich mag keine der mosaischen Religionen, habe deshalb gegenüber diesen Religionen nicht den angebrachten Respekt. Aber ich stehe offen dazu und beleidige diese Religonen nicht grundlos. Es gibt sowohl Kapitel der Bibel, die ich wegen ihrer Menschenfeindlichkeit verachte, wie auch im Quoran, als auch in der Thora. Thilo Sarrazin jedoch verachtet nur die Moslems wegen ihres Glaubens. Nicht einmal wegen ihrer Sitten. Er geht auf Türken wegen ihres Glaubens los. So etwas ist Rassismus und Faschismus in Reinkultur.

Wenn ich mir dann also anschaue, was in dem Machwerk dieses selbsterklärten Leistungsträgers und Aufklärers geschrieben steht, bekomme ich das Kotzen. Keine dieser Aussagen ist korrekt. Gleichzeitig werden diese Aussagen aber angeblich von der kompletten aSPD-Basis unterstützt. Nun, die Sozialdemokraten waren schon immer dafür bekannt, daß sie lieber am rechten Rand fischten, anstatt sich ein einziges Mal auf das zu konzentrieren, für das sie eigentlich stehen. Nur tun sie dies nicht. Sie tun das Gegenteil! Heißt dies nun, daß die aSPD, die Erfinderpartei der Hartz-Gesetzgebung und der Agenda2010, in Wirklichkeit genauso kackbraun wie die NPD ist? Das es nicht einmal mehr strukturelle Unterschiede gibt?

Ich möchte es nicht hoffen. Aber ich kann auch nicht auf einen Parteiausschluß des Aufklärers hoffen, da dadurch nur alles schlimmer würde. Sollte die Aussage korrekt sein, daß die aSPD-Basis hinter seinen Mutmaßungen und Lügen steht, gehört die aSPD auf die Liste der vom Verfassungsschutz beobachteten Parteien. Da ein einziger Mann uns vor 80 Jahren schon einmal zeigte, wohin solches Gedankengut führen kann. Nur sollten wir mittlerweile gut genug sein, um uns genau vor dieser Art von Aufklärern zu schützen. Der letzte brannte nicht nur dieses Land ab, sondern ermordete weltweit weit über 60 Mio. Menschen.

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