Das Ehepaar Sander, er der Ruinator von Wella Deutschland in Darmstadt, Sie erfolgreiche Armenanwältin mit dem Hang zum Groben, verstehen sich als Kunstmäzene. So ist die Sammlung Sander auch eine der wenigen in der Stadt selbst beheimateten Bildersammlungen, die sich ausschließlich mit Südhessen und Darmstadt beschäftigen. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der modernen Malerei des 19. Jahrhunderts.

Gegen eine entsprechende historische Bildersammlung hat im Prinzip auch keiner etwas. Die Darmstädter haben nur ein kleines Unwohlsein, wenn es darum geht, wo denn der moderne Museumsklotz der Familie Sander errichtet werden soll. Im Gespräch war ja die Stelle, an der früher eine Villa stand, die einen sehr guten Ruf in der Stadt genoß. Nur ist dieser Standort mit dem Kubus der Sanders eindeutig verschandelt. Und allein schon mit dem Wort verschandelt, gibt sich Familie Sander nicht zufrieden.

Prinzipiell habe ich nichts dagegen, wenn eine reiche Familie sich zu Lebzeiten noch ein Denkmal setzen möchte. Andererseits gibt es in einer Stadt so etwas wie ein Bürgerbegehren, und dieses sagt nun einmal, daß ein reicher Mäzen nicht tun und lassen kann, was er möchte. Wir sind immerhin nicht mehr im 17. Jhdt. wo in Darmstadt der Adel und die Reichen sich aufführen durften, wie sie wollten, ohne rechtliche oder juristische Konsequenzen fürchten zu müssen.  [Und einige bekannte Saufgelage sind bis heute noch überliefert.]

Familie Sander veranstaltet aber kein Besäufnis, sondern möchte ein Museum für seine Darmstadt-Gemälde gebaut haben. Nein, nicht selbst bauen. Das ist ja zu teuer. Außerdem müßte man sich dann an die Regeln halten und am Stadtrand, wo noch etwas frei ist, bauen. Also beim Vivarium in der Ecke oder noch schlimmer oben in Arheilgen! Familie Sander aber möchte einen Platz, der nicht nur repräsentativ ist, sondern gleichzeitig auch noch dahingehend etwas her macht, daß man dort aus locker eine Kunstgalerie betreiben kann, um vorgeblich weitere Darmstadt-Gemälde aufzutreiben.

So ist die Sachlage. Bislang zumindest. Es sieht aber so aus, als hätten die ganzen Moratorien endlich Erfolg bei der Stadt gezeigt und klar gemacht, was die Menschen nicht wollen: Einen kubischen Protzbau an der Mathildenhöhe, der nur den Status und den Einfluß der Familie Sander widerspiegelt, der es ja in erster Hinsicht nicht um ihre Bildersammlung, sondern um das eigene Prestige geht. Hinzu kommt noch, daß man den Museumsbau möglichst kosteneffizient auf Kosten der darmstädter Bürger finanziert haben möchte. Mit einem eigenen Neubau oben am Vivarium müßte man selbst die Kosten tragen. Familie Sander ist wohlhabend genug, um sich das leisten zu können – und somit auch gleichzeitig geizig genug, um das noch Geil zu finden!

Nun hat sich die darmstädter CDU entschlossen, gegen die bisherigen Abmachungen zu stimmen und sich der Volkes Meinung anzuschließen. In letztlicher Konsequenz heißt dies nun, daß der Kubus im günstigsten Fall am Osthang der Mathildenhöhe gebaut werden dürfte. Dort ist er aber gleichfalls falsch, wie Familie Sander bereits im Vorfeld erkannt hat. Sowohl Süd- als auch Osthang scheiden kategorisch für den Bau aus. An beiden Plätzen würde ein dahingeklotzter Kubus nur das Stadtbild verschandeln. Und der Bau eines Museum Sanders oben am Vivarium hätte durchaus seinen Reiz, weil dort noch genug Platz ist für eventuelle Erweiterungsbaue des geplanten Kubus.

Tags: , ,