Wie jeder weiß, gibt es die eine oder andere Geißel auf dieser Welt. Mal sind es Drogen, dann wieder normaler Tabak – und schließlich das schlimmste Gift von Allen: Der Alkohol. Wer es nicht gerade eben kennt, aber Jack London, der berühmte amerikanische Schriftsteller, beschreibt in einer Geschichte das Leben eines Alkoholikers und schließlich sein Brechen und Scheitern an seiner Existenz. Die Geschichte ist so einfühlsam geschrieben, daß ich, seitdem ich sie kenne (und da war ich 12), einen großen Bogen um dementsprechende Mengen Alkohols mache. London macht darin eindeutig deutlich, daß der Teufel Alkohol Leben zerstören kann. [Aber an dieser Stelle möchte ich nicht in eine Literaturrezension abweichen, sondern nur darauf hinweisen, daß jahrhundertealte Literatur sich bereits diesen Problems angenommen hat.]

In unseren modernen Zeiten jedoch sieht es so aus, als würde die Droge Alkohol keine einfache Droge darstellen, sondern ein breit angelegter Zivilisationsvernichter. Immerhin geben immer mehr Bundestagspolitiker zu, nur deshalb gegen den Jugendalkoholismus eingestellt zu sein, weil sie selbst saufen wie Brunnenlöcher und damit nicht aufhören können, weil sie sich von ihren Wählern unter Druck gesetzt fühlen. Wahrscheinlich fällt es unseren bundesdeutschen Politikern Landauf landab deshalb so leicht, lieber das Einfache für die Industrie und die Wirtschaft zu tun, als endlich einmal wirklich Politik für den Bürger zu machen. [Und dies ist beileibe nicht als Zynismus, sondern absolut Ernst gemeint.]

Der Teufel Alkohol zerstört nach Politikermeinung in erster Hinsicht die Funktionsfähigkeit der jugendlichen Hirne, weil jene zwar bis zu einem gewissen Prozentsatz die Alkoholmenge kompensieren können, dieses jedoch nicht auf Dauer. Der Haken an der Sache ist nun aber, daß es auch im Bundestag eine Lobbygruppe zugunsten der deutschen alkoholproduzierenden Industrie gibt, die schon den Schwachsinn mit E10 auf europäischer Ebene durchgezogen haben, aber niemals daran dachten, daß diese Idee solche Nachwirkungen haben dürfte. Nun, Geschehen ist geschehen, kann man hier nur sagen. Obwohl dies nicht einmal im Ansatz den Kern der Sache trifft.

Neben der Tabaklobby ist die Alkohollobby die mächtigste im deutschen Bundestag. Beinahe jeder dritte Politiker nimmt gerne Sach- oder auch Geldspenden. In der Causa Alkopops gab es sogar weitreichende Parteispenden, damit diese kleinen, süßen, süchtig machenden Jugendalkotrinks nicht vom Markt genommen werden müssen. Schon damals wanderte ein gewisser Prozentsatz der Überproduktion in den E5-Treibstoff unserer Automobile.

Als ob dies aber das eigentliche Problem darstellen würde. Mit dem E10-Schachzug hat sich die europäische Alkohollobby selbst übertroffen. Hiermit wurde ein weiterer Zugang und Verwendungszweck für den Alkohol eröffnet, der normalerweise als nichttrinkbarer Dreck deklariert in der industriellen Weiterverarbeitung landen würde. Doch die Alkoholobby hat an ziemlich hoher Stelle ihrer Leutchen sitzen, deshalb kam zuerst das E10-Gesetz, daß weiterhin einen Absatzmarkt offen hält, während der menschliche Markt Stück für Stück wegen diverser Schutzmaßnahmen des Familienministeriums ausgetrocknet wird.

Dem wollte die Lobby vorsorgen, in dem sie sich einen weiteren Absatzmarkt schuf. [Und es gibt tatsächlich Leute, die Benzin anstatt normalen Alkohols saufen.] Die Alkohollobby im Bundestag ist mächtig. Leidet aber im Prinzip unter einem selbstgeschaffenen Problem. Jeder zweite Bundestagsabgeordnete gibt zu, daß er zumeist aus Frust säuft, weil er in Opfer der Lobbygruppen ist und nicht die Politik machen darf, die er gerne machen würde. [Bei CSU/CDUlern hört sich das dann so an, daß man sich dort in den Alkohol flüchtet, weil man nicht noch einmal nürnberger Rassegesetze erlassen darf. Bei einem Grünen oder FDPler kommt die Ausrede in die Flucht in den Alkohol deshalb, weil Sklaverei nach wie vor nicht weiträumig und für jeden, der sie sich leisten kann, erlaubt ist. Und bei der aSPD kommt es zum Alkoholismus, weil man nicht mehr Vernichtungslager aufstellen darf, um den Abschaum der Gesellschaft dort gesellschaftsfreundlich zu entsorgen.] Das Problem hierbei ist jedoch eher die schwächliche Psyche unserer Bundespolitiker als der Teufel Alkohol direkt. Die Ausreden sind viele und in den seltensten Fällen glaubhaft. Es sei denn, man hat direkt Einblick in die betreffende Partei. [Und für die Aussagen Grüne, CDUler und aSPD betreffend, kann ich mich verbürgen.]

Alkoholismus ist schon in der Gesellschaft ein schwerwiegendes Problem, daß nicht so einfach in den Griff zu kriegen ist. Vor allem dann nicht, wenn man bedenkt, daß private oder kirchliche Hilfsorganisationen wie die AA (Anonyme Alkoholiker) einen 12-Punkte-Plan zum Trockenwerden anbieten, der jedoch von den wenigsten Menschen auch nur wahrgenommen wird. Das ein wichtiger Punkt in diesem Plan der Umstand ist, daß der Patient sich erst einmal darüber im Klaren sein muß, daß er ein Problem hat, wird dabei immer wieder übersehen. Vom Betroffenen und auch von den Hilfsorganisationen. Einem Drogenabhängigen gibt man Metadon, was gibt man aber einem Alkoholiker als Ersatzstoff?

Das so viele Politiker sich lieber tot saufen, anstatt sich gegen die Bevormundung durch die Lobbygruppen zu stellen, erklärt sich auch relativ einfach. Alkohol ist beileibe nicht zu billig in unserem Land. Aber Alkohol ist die einzige legale Droge an die man zumeist auch ohne das Vorweisen eines Ausweises heran kommt. An andere Suchtstoffe ist bedeutend schwerer ranzukommen. Außerdem ist Alkohol ein Drogenstoff, der gesellschaftlich etabliert ist. In geringen Dosen hat er durchaus positive Wirkung auf den Kreislauf. Nur in höherer Dosis wird er gesundheitsgefährdend.

Wenn nun also aus allen Parteien der Vorwurf kommt, man saufe nur deshalb so viel, weil man mit dem Wähler nicht einverstanden ist, heißt dies nur, daß sehr viele Bundespolitiker ihre Aufgabe gegenüber diesem einfach nicht begriffen haben. Also unrechtmäßig im Amt sind. Das dann deshalb gesoffen wird, deutet auf ein chronisch schlechtes Gewissen hin – sofern denn vorhanden. Es ist also nachvollziehbar, wenn Politiker sich lieber totsaufen, anstatt die Verantwortung für ihre Verbrechen am Volk zu übernehmen. Auch dies paßt wieder so treffend in das Bild des bundesdeutschen Politikers, der nicht nur ein Drückeberger in Sachen Verantwortungsbewußtsein ist, sondern gleichzeitig auch offenbart, daß ihm die Wähler scheißegal sind und das er sie jederzeit für das entsprechende Bakschissch verraten würde. [Wie es leider viel zu oft im deutschen Bundestag stattzufinden scheint.]

Unser Problem als Bürger ist also nicht nur die chronische Unzuverlässigkeit unserer Politiker, sondern gleichzeitig auch noch dessen Ausrede, daß wir als Wähler daran die Schuld trügen, wenn jene sich mit Alkohol totsaufen. Dabei ist es genau anders herum. Nachdem in diesem Land einige Gesetze erlassen wurden, die das Leben des einfachen Mannes nicht nur einschränken, sondern schlicht unmöglich machen, braucht man sich nicht zu wundern, wenn sich immer mehr Jungpolitiker (oder auch alte Bundestagshasen) chronisch zu Tode saufen, weil ihr schlechtes Gewissen sie dazu zwingt. Immerhin sind sie noch schuldfähig. Mit einem vom Alkohol zerstörten Gehirn wären sie dies nicht mehr. Also saufen sich die meisten verantwortungslosen Wichte im Bundestag lieber tot, anstatt die Gesetze zurückzunehmen, die sie in den letzten Jahren erlassen haben.

Alkoholisierte Politiker stellen also kein einfaches gesellschaftliches Problem dar, sondern sie beweisen eindeutig, daß die alte Regel nach wie vor gilt: Nur ein schlechtes Gewissen bringt einen Politiker um, niemals jedoch der Wähler. Wenn also unsere Politiker deshalb saufen, weil sie sich von ihren Wählern unverstanden fühlen, heißt dies nur, daß sie absolut schuldfähig sind in der Straftat Lobbyismus zuungunsten des Volkes. Wobei jeder Bundestagsabgeordneter nicht nur seinem eigenen Gewissen verantwortlich ist, sondern auch dem Bürger, der ihn einst gewählt hat. Im Klartext heißt dies also überdeutlich, daß nur ein schuldbehafteter Politiker sich zu Tode säuft. Und nur derjenige kann Schuld tragen, der ein Gewissen hat. Wir haben es in Berlin also nicht mit gewissenlosen räudigen Hunden zu tun, sondern mit etwas bedeutend Schlimmeren. Doch solange diese Politiker sich noch wegen ihres schlechten Gewissens totsaufen können, kann der Bürger beruhigt sein. Die nächste Prohibition findet nicht statt. Zumindest nicht sofort. Um solches zu bringen, muß ein wichtiger Faktor ausgeschaltet sein: Das Gewissen. Und dieses funktioniert sogar im Vollrausch sehr gut, wie vor kurzem einige hessische Landesrichter wieder einmal bewiesen haben.

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