Der abschließende Teil dieses kleinen Reports beschäftigt sich mit der berühmten Sittenwidrigkeit. Die etwas älteren Semester unter unseren Lesern wissen bestimmt noch, daß Hurerei und Prostitution bis 1999 noch zu den sittenwidrigen Arbeiten gehörten, die man begehen durfte. Deshalb besaßen unsere Polizeistationen (ab einer gewissen Mannschaftsstärke) auch noch eine Sitten-Abteilung. In den katholischen Bundesländern übrigens immer von einem Pfaffen oder Priester beraten, damit die Herren Polizisten niemals der Verführung der Sünde anheim fielen. [Keine Legende, in drei Bundesländern hatten Bistümer in die Polizeireviere einen Vertreter entsandt, der darauf achtete, daß die Sitte ordnungsgemäß arbeitete. Als dann das mit der Kinderschändung von Seitens der Kirche auffällig wurde, zog man diese Pfaffen kommentarlos ab.]

Nun, was ist sittenwidrig in einem Land, dessen wichtigste Unsitte inzwischen ist, gute Arbeit schlecht zu entlohnen? Und dies höchstwahrscheinlich nur, weil man Angst vor sogenannten Schwellen- und DrittWeltLändern hat. Wie schon an anderer Stelle hier im Blog ausgeführt, geht eine ganz gewaltige Angst in den USA und den anderen stellenweise schon faschistisch geführten Nationen dieses Globus um: Was wäre, wenn auf einmal diese nichtausbeutbaren DrittWeltLänder den Aufstand in der UNO proben? Die meisten sind dort Mitglied oder werden entweder durch die panafrikanische oder die panasiatische Union vertreten.

Doch die globale Definition von Sittenwidrigkeit bedeutet eigentlich nur, daß ein amerikanischer Soldat ruhig in Afghanistan eine Einheimische vergewaltigen und ermorden darf, solange er dabei nicht von einem Einheimischen erwischt wird. Dann geht das in Ordnung, dann wird das als Kollateralschaden abgerechnet. Auch die ständigen Verstöße gegen die Menschenrechte in den USA und in €Uropa sind nicht sittenwidrig! Kein Scherz. Schaut man einmal auf die Grundgesetzverstöße der aktuellen deutschen Administration, erkennt man schnell, daß die Definition von „sittenwidrig“ durchaus fließend gehandhabt wird. Ein Verstoß gegen die Menschenrechte im deutschen Arbeits- und Sozialrecht ist nach neuer Definition nicht mehr sittenwidrig. Eher im Gegenteil. Man folgt so einer alten Sitte, die noch aus den Jahren um 1933 stammt. Und die damals über 12 Mio Menschen das Leben in sogenannten Konzentrationslagern kostete.

Aber ist dies wichtig? Sind Menschenleben wirklich sooo wichtig? Ist nicht Profilmaximierung das einzig wichtige auf diesem Planeten? Manchmal könnte man meinen, dem wäre so. Aber der Mensch reagiert in der großen Masse selten intelligent. Und diejenigen, die die notwendige Intelligenz haben, werden von den weniger intelligenten grundsätzlich angefeindet. Dabei geht es meistens nur um kleine Details. Wer beispielsweise Hetze betreibt – verhält sich so Jemand sittenwidrig? Nach heutiger, moderner, Lesart tut er dies nicht. Da kann ich beruhigen. Wer aber dagegen angeht, verhält sich sittenwidrig. Hetze, auch gegen Ausländer, oder Holocaustverleugnung (obwohl mit StGB §130 abgesichert und unter Strafe gestellt), ist heutzutage nur noch ein Kavaliersdelikt. Bislang wurde Volker Bouffier – genannt der Ochsenfrosch – nicht wegen dieses Verhaltens von einem Staatsanwalt angezeigt und vor ein Gericht gezerrt. Also betreibt er kein sittenwidriges Verhalten, sondern verhält sich systemkonform.

Was dieses lange Vorwort mit Hartz IV zu tun hat? Nun, Hartz IV selbst wäre an sich schon sittenwidrig. Würde der alte Konsens darüber, was sittlich ist und was nicht, noch gelten. Doch jener alte Konsens scheint schon länger nicht mehr gültig zu sein. Wenn heute also eine Minderjährige so herumläuft, als wäre sie schon 20 Jahre alt, aufreizend, mit gepushter Oberweite, und sich an ältere Männer ranmacht, ist dies sittenwidrig? Und ist es sittenwidrig, wenn sie sich für gewisse Gefälligkeiten bezahlen läßt? Nein, natürlich nicht! Sie verhält sich nach den aktuellen gesellschaftlichen Regeln. Und nachdem die Regierung Schröder sogar Prostitution zu einem besteuerten Beruf gemacht hat und ihn aus der Halbwelt herausholte, darf sich in Deutschland jede junge Frau ab 16 Jahre gefahrlos prostituieren, wenn sie einen dementsprechend lautenden Ausbildungsvertrag nachweisen kann.

Doch kehren wir zu der Sittenwidrigkeit noch einmal zurück. Der heutige Stundenlohn in diesem Land ist irgendwo bei € 3 lanciert. Laut BA ist dies die absolute Lohnuntergrenze, die in diesem Lande statthaft ist. Statthaft deshalb, weil alles, was darunter liegt, sittenwidrig ist. In meiner Jugend galten DM 15 als absolute Lohnuntergrenze für die Arbeitsstunde. Doch nach Einführung des T€Uro und der Aufweichung der genauen Definition von Sittenwidrigkeit durch den Kanzler der Bosse, hat sich in diesem Land entscheidend viel verändert. Dinge, die in meiner Jugend noch als sittenwidrig galten, sind heute Standards.

Wenn also der Chef mal wieder über seine Sekretärin herfällt und sie ihn danach versucht wegen Vergewaltigung dranzukriegen, kann sie da gleich drei Kreuze machen. Ihr Chef hat sich sittenkonform verhalten. Sie selbst hat sich sittenwidrig verhalten, weil sie es einmal zur Vergewaltigung kommen ließ, zum anderen, weil sie es nicht brav von sich aus machte. Nein, auch dies ist keine Phantasie von mir, sondern inzwischen ebenfalls Usus, Standard. Es muß ja noch nicht einmal die Sekretärin sein, eine weibliche Arbeiterin, die von ihrem Vorarbeiter sexuell mißbraucht wird, hat ebenfalls vor Gericht nur ziemlich trübe Aussichten, die Vergewaltigung nachzuweisen. Es sei denn – sie bringt schariakonform – mindestens 2 Zeugen bei, die ihre Aussagen bestätigen können.

Als Hartzer und darunter hat man nun das Problem, daß die Politiker immer wieder sagen, daß das Gesetz mit der Freigabe der Prostitution doch gar nicht so gemeint war, wie es inzwischen Anwendung findet. Und das es da mit der Sittenwidrigkeit doch gar nicht so weit her sei, weil doch Prostituierte wissen sollten, daß man für € 20 keinem Freier den Schwanz bläst. [O-Ton einer Frauenbeauftragten aus dem Familienministerium.] Vor allem nicht ohne Verhüterli drüber!

Wenn man sich also anschaut, was einem Bürgerarbeiter als Stundenlohn gezahlt wird – was weit unter den von der BA geforderten € 3/h liegt, so muß man sagen, daß all diese zusätzlichen Arbeiten sittenwidrig sind. Ja, selbst der normale Arbeitsdienst, der bei Hartz IV einher geht – und der an für sich schon grundgesetzwidrig ist, immerhin sind die Hartzer keine Strafgefangenen – ist demnach ein Verstoß gegen die Sittenwidrigkeit.

Doch wie schon weiter oben an diesen Beispielen angemerkt, was heute sittenwidrig ist und was nicht, bestimmt die Politik, nicht mehr die Kirche. Jene profitiert nur davon, weil sie einige Dinge aus Profitgründen nicht mehr so eng sieht. Im Klartext heißt dies, daß die Beobachtung dieses Blogs, daß die Sitten immer rauer und unmenschlicher werden, absolut der Wahrheit entspricht. Über die Rohheit der Gesellschaft gibt es hier im Blog einige hinweisende Artikel und sogar ein kleines Essay darüber [welches dem Autor eine Menge Anfeindungen von linker und rechter Seite einbrachte].

Doch bleiben wir beim Thema. Sittenwidrigkeit ist demnach nach dem Gesetz nicht der Umstand, daß ich eine Frau körperlich und geistig ausbeute, sondern daß ICH es nicht tue. Ich verhalte mich nicht gesellschaftskonform, weil ich eine Frau nicht als Spermasammelbecken ansehe, sondern sie achte. Laut Gesetz ist mir dies inzwischen untersagt. Als Firmenchef bedeutet das: Wenn ich eine Angestellte nicht noch zusätzlich sexuell nötige, verhalte ich mich nicht gesetzeskonform. Kein Witz. Laut den Äußerungen des Familienministeriums wäre dies der logische Schluß der aktuellen Gesetzeslage. Und wenn dann wieder dieses Palaver kommt, daß man als Frau dieses und jenes nicht tun sollte, ist dies nur Heuchelei.

Worin liegt also dann das Problem? Warum ist mir dieses Thema, welches nicht nur den Niedriglohnsektor betrifft, so ein Dorn im Auge? Vielleicht liegt es daran, daß ich noch mit anständigen Sitten und Gebräuchen groß geworden bin. Oder vielleicht daran, daß ich gelernt habe, Frauen zu respektieren. Unsere Gesellschaft respektiert Frauen nicht – unter anderem Frauen nicht – sondern beutet sie gnadenlos aus. Und die Frauen, in ihrer Dummheit – oder im modernen Feminismus – lassen sich dieses Umspringen mit Ihnen auch noch gefallen. Ja, sie sind sogar stellenweise Stolz darauf, derartig ausgebeutet zu werden. Warum sollte eine Frau nicht für ein gut 23% niedrigeres Gehalt als ein Mann arbeiten gehen? Und dann daheim noch die Hausarbeit machen? Warum denn nicht? Wenn Frauen so blöde sind!

Es geht mir hier aber nicht nur um die Frauen. Jene sind in diesem Blog ein separates Thema und einiges, was da vorfällt, gefällt mir nicht. Aber es geht mir hier um jeden Hartzer, der gezwungen ist, für einen sittenwidrigen Lohn Arbeiten zu verrichten, die man vor 50 Jahren gerade einmal bereit war, den Gastarbeitern aufzubürden, weil der Deutsche sich zu fein dafür war. Ist dies sittenkonform? Natürlich. Die Sitten haben sich in jenen zwei Legislaturperioden, in denen die aSPD dieses Land führte, radikal geändert. Selbst die jahrzehntelange Politik der CDU, die darauf abzielte, den Familienverband zu zerschlagen, war nicht halbwegs so erfolgreich.

Vergewaltigung in der Ehe stellt zwar einen Straftatbestand dar, wird aber heutzutage kaum noch ernsthaft geahndet, weil sich die Sitten geändert haben. Mißbrauch und Mobbing am Arbeitsplatz? Sittenkonform. Findet so etwas nicht statt, hat der Chef Probleme, weil er sich nicht an die Regeln des grenzenlosen Kapitalismus hält. Und jener schreibt nun einmal vor, daß jeder Arbeitnehmer absolut auszubeuten ist. Und dies heißt nicht nur mit seiner Arbeitskraft, sondern auch körperlich, geistig und seelisch. Wer mir nicht glaubt, sollte sich einmal die Zustände in den Kindergärten und Kinderhorten ansehen.

Das, was früher einmal sittenwidrig war, wurde durch den entfesselten Kapitalismus, gegen den das, was damals in Manchester geschaffen wurde, richtig harmlos aussieht, sittenkonform. Wer also heutzutage seine Freunde für den eigenen Vorteil nicht ausnutzt, ist entweder doof oder noch in einer Zivilisation aufgewachsen, in der die Menschenwürde noch etwas galt. Heutzutage dem Nachbar die Menschenwürde abzusprechen, ist regelkonform, sich dagegen zu wehren, nicht! Ich bitte also alle meine Leser einmal darüber nachzudenken. Und gegebenenfalls hier einmal einige Beispiele zu kommentieren, damit die große Masse wirklich sieht, was Sache ist. So kann es jedenfalls nicht weiter gehen. In keinem Fall, weil der Preis, der letztlich dafür bezahlt werden muß, zu hoch für die Menschheit ist.

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